Chronik des Nationalsozialismus Juli / August 1934

JULI 1934

1.7.1934
Der am 30. Juni von Adolf Hitler verhaftete SA-Stabschef Ernst Röhm wird erschossen. Nach amtlicher Meldung ist die Niederschlagung der Röhm-Revolte im Deutschen Reich bis zum Abend des 1. Juli abgeschlossen. Der Reichswehrminister Werner von Blomberg (parteilos) hebt den Alarmzustand der Reichswehr auf.
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), ordnet nach dem Ende des Feldzugs gegen Miesmacher und Kritikaster einen Urlaub für alle Partei- und Gauredner bis Ende Juli an.
Die Abstimmungskommission des Genfer Völkerbunds trifft im Saargebiet ein. Sie soll die freie, geheime und unbeeinflußte Stimmabgabe sicherstellen.
Jean Puppe wird zum deutschen Reichskommissar für Rohstoffwirtschaft ernannt.
Im Deutschen Reich tritt das Gesetz zur Ordnung der Getreidewirtschaft in Kraft. Nach diesem Gesetz kann der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft u.a. die Erzeugerpreise vorschreiben.
In Leitmeritz (Litomerice) in der Tschechoslowakei findet die 40. Hauptversammlung des Bunds der Deutschen in Böhmen statt. Er endet mit der Gründung des Bunds der Deutschen, der alle entsprechenden Verbände in der Tschechoslowakei umfaßt.

2.7.1934
Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg dankt Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) in einem Telegramm für die Niederschlagung der Röhm-Revolte.
In Saarbrücken wird das Einheitsfrontabkommen zwischen der KPD im Saargebiet und der Sozialdemokratischen Landespartei des Saargebiets, die sich Ende 1933 von der SPD gelöst hatte, geschlossen. Ziel ist der Kampf gegen den Anschluß des Saargebiets an das nationalsozialistische Deutsche Reich.
Die "Düsseldorfer Nachrichten" berichten über Betroffenheit und Fassungslosigkeit in der Bevölkerung nach der Erschießung führender SA-Leute.
Der deutsche Reichsminister des Innern Wilhelm Frick (NSDAP), ermahnt die deutsche Beamtenschaft nach der Niederschlagung der sog. Röhm-Revolte zu Gehorsam gegenüber der NS-Regierung.
Aus verschiedenen Städten des Deutschen Reichs wird gemeldet, dass Personen in Schutzhaft genommen worden sind, die "anlässlich der letzten Maßnahmen des Führers glaubten, die SA in gehässiger Weise beschimpfen und herabsetzen zu können".
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) stattet in Berlin dem siamesischen Königspaar einen Höflichkeitsbesuch ab.

3.7.1934
Vor dem nationalsozialistischen Deutschen Reichskabinett in Berlin schildert Adolf Hitler in einem längeren Vortrag die Vorgänge vom 30. Juni: "Unter der Führung von Röhm hat sich ein eng begrenzter Klüngel von SA Führern gebildet, der nicht aus Treue zur Bewegung, sondern lediglich durch persönlichen Ehrgeiz und besondere Veranlagungen zusammengehalten wurde. ... Die SA sollte nach den Wünschen Röhms ein Staat im Staate werden." Das Reichskabinett erklärt anschließend die Niederschlagung der sog. Röhm-Revolte nachträglich per Gesetz "als Staatsnotwehr gegen Hoch- und Landesverrat" für rechtens. Das Reichskabinett verabschiedet das Gesetz zur Änderung des Reichswahlgesetzes, wonach ein Abgeordneter seinen Reichstagssitz verliert, wenn er aus der Fraktion der NSDAP austritt oder aus ihr ausgeschlossen wird.
Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichsminister Hermann Göring (NSDAP) wird zum Reichsforstmeister ernannt.
Adolf Hitler fliegt nach Ostpreußen und berichtet Reichspräsident Paul von Hindenburg auf dessen Gut Neudeck über die Niederschlagung der Röhm-Revolte.

4.7.1934
Verfügung Heinrich Himmlers als Reichsführer SS und Chef der politischen Polizei über die Trennung der Arbeitsgebiete von Gestapo und Sicherheitsdienst der SS. Die Aufgabe der Gestapo ist die Bekämpfung der Gegner und die Ausgabe des Sicherheitsdienstes ist die Ermittlung der Gegner.
Der SS-Brigadeführer Theodor Eicke wird zum Inspekteur der Konzentrationslager und zum Führer der SS-Wachmannschaften ernannt.
In London wird das deutsch-britische Transferabkommen unterzeichnet. Es regelt die künftigen deutschen Zinszahlungen für die Reparationsleistungen an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs.
In Amsterdam kommt es zu blutigen Straßenschlachten zwischen Arbeitslosen und der Polizei.
Die französisch-polnische Physikerin Marie Curie stirbt in Sancellemoz in Savoyen im Alter von 66 Jahren.

5.7.1934
Die US-amerikanische Nachrichtenagentur United Press Association meldet, der französische Außenminister Louis Barthou sei seit langem über die Putschpläne von Ernst Röhm im Deutschen Reich unterrichtet gewesen. Die französische Botschaft in Berlin weist diese Meldung entschieden zurück.
Der Dritte Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig bestätigt, dass "die Verweigerung des deutschen Grußes" in Gerichtsverfahren "eine erhebliche Störung" darstellt. Ein Verteidiger, der sich geweigert hat, mit erhobenem Arm zu grüßen, wird von der weiteren Teilnahme an einem Prozeß ausgeschlossen.
In Rumänien werden die deutschen NS-Organisationen aufgelöst, die sich im Banat und bei den Siebenbürger Sachsen gebildet hatten.

6.7.1934
Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl (NSDAP) zum Reichskommissar für den Arbeitsdienst. Bisher war für den Reichsarbeitsdienst Reichsarbeitsminister Franz Seldte (NSDAP) zuständig.
In Berlin wird Vertretern des Reichsstandes des Handwerks die "Führer-Amtskette des deutschen Handwerks" überreicht, eine Stiftung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, die "vom Führer des deutschen Handwerks altem Brauche gemäß bei nationalen und dienstlichen Anlässen angelegt werden" soll.
Der neue Stabschef der SA, Viktor Lutze, schließt eine zahlenmäßige Verringerung der SA nicht aus. Er sei entschlossen, "aus den braunen Formationen ein unbedingt sauberes und politisch zuverlässiges Instrument der Bewegung" zu machen.

7.7.1934
Der deutsche Reichsminister des Innern, Wilhelm Frick (NSDAP), verbietet aus Gründen der öffentlichen Sicherheit, Ordnung und Ruhe alle Auseinandersetzungen über den evangelischen Kirchenstreit in öffentlichen Versammlungen, in der Presse und in Flugblättern. Ausgenommen sind amtliche Kundgebungen des Reichsbischofs Ludwig Müller.
Hans-Heinrich Sievert stellt in Hamburg mit 8790,46 Punkten einen Weltrekord im Zehnkampf auf.
Der Brite Fred Perry gewinnt das Wimbledon-Finale gegen Titelverteidiger Jack Crawford aus Australien.

8.7.1934
Der deutsche Reichsminister und Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß (NSDAP), dankt auf dem Königsberger Gauparteitag den SS-Mannschaften für ihre vorbildliche Pflichterfüllung bei der Niederschlagung der Röhm-Revolte.
Auf dem Jahreskongress der französischen Frontkämpfer in Paris lehnt das "Frontkämpferparlament" mit großer Mehrheit die Sparmaßnahmen der Regierung unter Gaston Doumergue ab, beschließt jedoch, die Bewährungsfrist für die Regierung bis zum Herbst zu verlängern.
Auf einer Wallfahrt nach Mariazell erklärt der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (Christlichsoziale Partei), tiefes Grauen müsse jeden erfüllen, der sähe, zu welchen Ergebnissen die nationalsozialistische Bewegung im Deutschen Reich gelangt sei, die sich eingebildet und versprochen habe, das deutsche Volk in eine glückliche Zukunft zu führen.
Der US-amerikanische Industrielle John Davison Rockefeller feiert seinen 95. Geburtstag.

9.7.1934
Die Konzentrationslager im Deutschen Reich werden der Befehlsgewalt von Reichsführer SS, Heinrich Himmler (NSDAP), unterstellt und erhalten SS-Wachmannschaften.
Das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro in Berlin meldet, dass ein sechsmonatiges Einfuhrverbot für die "Neue Zürcher Zeitung", die "Basler Nationalzeitung" und den "Berner Bund" erlassen worden sei, nachdem die Schweiz die Einfuhr des "Völkischen Beobachters", des "Angriffs" und der "Berliner Börsenzeitung" verboten habe.
Der deutsche Reichsminister des Innern, Wilhelm Frick (NSDAP), ordnet in einem Rundschreiben den verstärkten Einsatz des Films als gleichberechtigtes Lehrmittel neben dem Buch in der Schule an.
Der italienische Duce und Ministerpräsident, Benito Mussolini, arbeitet in Vittoria drei Stunden lang als Drescher und lässt sich den Stundenlohn auszahlen. Anschließend erklärt er, das Zeitalter des Faschismus bedeute das Ende der Vorherrschaft der sog. Intellektuellen.
Nach amtlichen Meldungen sind bei den blutigen Unruhen in Amsterdam wegen der Kürzung der Arbeitslosenunterstützung sieben Menschen getötet worden.
Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) nimmt bei Hausdurchsuchungen in Singen, Radolfzell und Konstanz mehr als 70 Personen fest "wegen Besitzes verbotener, durchweg von der Schweiz eingeschmuggelter Druckschriften kommunistischen Inhalts oder wegen kommunistischer Zellenbildung".

10.7.1934
Der deutsche Reichsminister des Auswärtigen, K. von Neurath, empfängt in Berlin die Botschafter Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Japans und weist sie auf die für die deutsche Minderheit unwürdigen Verhältnisse im zu Litauen gehörenden Memelgebiet hin. Er fordert das Eingreifen der Signatarmächte des Memelstatus.
Propagandaminister Joseph Goebbels (NSDAP) wendet sich in einer Rundfunkrede gegen die Berichterstattung zur sog. Röhm-Revolte im Ausland. Er bezeichnet die Zeitungsberichte als "deutschfeindliche" Hetze.
In der Universität von Freiburg im Breisgau bricht ein Großfeuer aus, das sich aufgrund der Trockenheit ausbreitet und großen Sachschaden anrichtet.
In den USA bereitet die "Liga der Sittlichkeit" einen Feldzug gegen anstößige Darstellungen in Filmen, Theaterstücken und Varietéveranstaltungen vor.
Der Dichter und Anarchist Erich Mühsam begeht im Konzentrationslager Oranienburg Selbstmord. Aufgefunden wurde er erhängt auf der Toilette. Der prominente NS-Gegner war nach dem Reichstagsbrand festgenommen worden.

11.7.1934
Der deutsche Reichswirtschaftsminister Kurt Schmitt (parteilos) beruft den Führer der Wirtschaft, Generaldirektor Philipp Keßler, mit sofortiger Wirkung von seinem Posten ab.
Die deutschen Kreuzer "Königsberg" und "Leipzig" treffen zu einem Besuch in der britischen Hafenstadt Portsmouth ein.
Der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (CP) bildet sein zweites Kabinett. Er übernimmt neben dem Amt des Bundeskanzlers erneut das Außen-, Innen- und Landwirtschaftsministerium sowie - erstmals - die Ressorts Landesverteidigung und Sicherheit. Vizekanzler bleibt Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg (Heimwehr)
Genrich G. Jagoda wird Leiter des neugeschaffenen Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten der Sowjetunion.

12.7.1934
Der deutsche Reichskommissar für den Arbeitsdienst, Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl (NSDAP), kündigt die Einführung der Arbeitsdienstpflicht für 1935 an. Bisher ist der Arbeitsdienst freiwillig. Der Reichskommissar bezeichnet die Einführung des weiblichen Arbeitsdienstes ebenfalls als notwendig.
Das Reichsgericht in Leipzig fällt eine Grundsatzentscheidung über die Anfechtbarkeit arisch-nichtarischer Mischehen.
In Mettmann werden zwei Jugendliche zu je 150 Reichsmark Geldstrafe verurteilt, weil sie im Anschluß an einen Gottesdienst eine Zeitschrift des katholischen Jugendverbands verteilt hatten. Die Zeitschrift war am Vortag vom Regierungspräsidenten verboten worden.
Das Landesarbeitsgericht Berlin weist eine Klage des Filmschauspielers Hans Albers gegen die Filmgesellschaft Ufa auf Zahlung von 68 000 Reichsmark (RM) ab. Albers hatte den Standpunkt vertreten, die Dreharbeiten für einen langen Spielfilm dürften drei Monate nicht überschreiten ohne eine Erhöhung des Honorars; die Aufnahme für "Gold" hätten jedoch fünfeinhalb Monate gedauert.
Die Bevölkerung des US-Bundessstaates Mississippi spricht sich mit einer Mehrheit von fast zwei Dritteln für die Beibehaltung der Prohibition (Herstellungs-, Transport- und Verkaufsverbot von Alkohol) aus.

13.7.1934
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) rechtfertigt in einer Rede vor dem Deutschen Reichstag in Berlin die Niederschlagung der sog. Röhm-Revolte.
In Liegnitz wird ein Landwirt "wegen unsozialen, arbeitnehmerfeindlichen Verhaltens und dauernder Sabotage des Aufbauwerkes der nationalsozialistischen Regierung" in Schutzhaft genommen.

14.7.1934
Im Preußenhaus in Berlin tritt erstmals der neu eingerichtete Volksgerichtshof zusammen.
Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg stiftet ein Ehrenkreuz für alle deutschen Kriegsteilnehmer.
Hermann Göring erhält in seiner Eigenschaft als Reichsforstmeister die Stellung eines Ministers.
Am 14./15. Juli wird im Deutschen Reich der "Tag der deutschen Rose" begangen. Dabei werden 20 Millionen Rosen zugunsten der "Mütterschulung" und des Hilfswerks "Mutter und Kind" an die Bevölkerung verkauft.

15.7.1934
Durch preußisches Gesetz erhält Berlin am 15. Juli den vollen Rang einer Provinz. Der nach dem Führerprinzip aufgebauten Verwaltung steht der Oberbürgermeister vor, der von der preußischen Regierung berufen wird.
In Italien wird das Presseamt des Regierungschefs gegründet, das Galeazzo Ciano übernimmt, der Schwiegersohn von Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini.
Hans Stuck gewinnt auf dem Nürburgring den Großen Preis von Deutschland.

16.7.1934
Die Presse veröffentlicht eine Klarstellung einer Aussage von Polizeigeneral Kurt Daluege, dem Befehlshaber der preußischen Polizei. Der General habe nicht erklärt, dass jeder Polizeibeamte Parteigenosse werden, sondern von echt nationalsozialistischem Geist erfüllt werden müsse.
Im Gebiet von San Francisco wird erstmals in der Geschichte der USA ein Generalstreik durchgeführt. Der Ausstand wird als Solidaraktion für die 12.000 streikenden Hafenarbeiter durchgeführt.
Die tschechoslowakische Regierung erklärt die von Mißernten betroffenen Gegenden des Landes zu Notstandsgebieten.

17.7.1934
Das ungarische Innenministerium verfügt die Auflösung der nationalsozialistischen Kampforganisation.

18.7.1934
Reichskanzler Adolf Hitler empfängt den Wirtschaftsführer Graf von der Goltz in der Reichskanzlei in Berlin.
Das britische Kabinett unter Premierminister James Ramsey MacDonald (Labour) beschließt ein Programm zur Verstärkung der Luftwaffe. Danach soll die Zahl der Flugzeuggeschwader von 94 auf 131 erhöht werden.
In Italien wird die Zeit der vormilitärischen Ausbildung von zwei auf drei Jahre verlängert. Sie dauert nun vom 18. bis zum 21. Lebensjahr.
In Großbritannien wird von König Georg V. der Mersey-Straßentunnel eröffnet; er verbindet Liverpool mit Birkenhead.

19.7.1934
Adolf Hitler hält eine Ansprache vor dem dritten Lehrgang der Reichsführerschule des Deutschen Arbeitsdienstes.
Das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro (DNB) in Berlin meldet, dass nach Angaben von Reichsbischof Ludwig Müller von den 28 Landeskirchen bereits 22 in der Evangelischen Reichskirche aufgegangen seien. Während sich bei drei weiteren die Verhandlungen problemlos gestalteten, machten die Landeskirchen von Bayern, Württemberg und Hannover noch Schwierigkeiten.

20.7.1934
Die SS wird im Rahmen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) eine selbständige Organisation. Der Reichsführer SS Heinrich Himmler untersteht daher, genau wie der Chef des Stabes Viktor Lutze, den obersten Führer Adolf Hitler direkt.

21.7.1934
In Baden-Baden starten 1700 Fahrzeuge zur zweitägigen Wertungsrundfahrt "2000 Kilometer durch Deutschland". Etwa 60% der Fahrer erreichen am nächsten Tag das Ziel.
Franz Schweden-Coburg wird zum Gauleiter von Pommern ernannt. Er löst Wilhelm Karpfen-Stein ab.
Tagelanger wolkenbruchartiger Regen verursacht eine Überschwemmungskatastrophe in Polen, bei der rund 150 Menschen ums Leben kommen und 50 000 Familien obdachlos werden.

22.7.1934
In Bayreuth beginnen die Richard-Wagner-Festspiele. Richard Strauss dirigiert das Bühnenweihfestspiel "Parsifal". Winifred Wagner sagt in einem Rundfunkinterview: "Der Führer liebt Bayreuth. Sobald die schweren, ernsten Arbeiten ihm Muße gönnen, weilt er in den Monaten unserer Festspiele in Bayreuth. Des Führers große Verehrung für Richard Wagner krönt unsere Festspiele. Er hat den Sinn des oft missbrauchten Wortes erfasst, ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister. Das Vermächtnis Wagners ist in guter Hut, solange der Führer Schutz- und Schirmherr Bayreuths ist."            
























23.7.1934
Der deutsche Reichsminister und Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß (NSDAP), unterzeichnet einen Erlaß gegen Denunzianten und Ehrabschneider.
Aus Madrid wird gemeldet, dass sich ein aus Wien stammender Abenteurer namens Kossiner unter dem Namen König Boris I. zum Herrscher von Andorra hat ausrufen lassen. Nach Auseinandersetzungen mit der Polizei flüchtete er auf spanisches Territorium und erließ hier eine neue Verfassung für den Pyrenäenstaat. Die spanischen Behörden verhafteten den Mann.

24.7.1934
Reichskanzler Adolf Hitler lässt im "Völkischen Beobachter" einen Aufruf an die Partei bekannt geben, wonach öffentliche Versammlungen nur noch in besonderen Fällen stattfinden und auch Geldsammlungen bis zum 31. Oktober verboten seien sollen.
Durch einen Notenaustausch in der türkischen Hauptstadt Ankara werden die diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Bulgarien aufgenommen.

25.7.1934
Ein nationalsozialistischer Putschversuch in Österreich scheitert. Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (CP) wird jedoch von den Putschisten ermordet. Zur schnellen Niederschlagung des Putschversuches hat im wesentlichen die Nachricht beigetragen, dass Benito Mussolini Truppen zum Brenner entsendet und mit militärischer Invasion droht, falls der Aufstand von der österreichischen Regierung nicht selbst unterdrückt wird.

26.7.1934
Der österreichische Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhemberg (Heimwehr) übernimmt die Geschäfte des Bundeskanzlers.
Der italienische Duce und Ministerpräsident, Benito Mussolini, entsendet Truppen an die italienisch-österreichische Grenze.
Reichskanzler Adolf Hitler sendet ein Beileidstelegramm zum Tode von Engelbert Dollfuß. In einer amtlichen Mitteilung lässt der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler jede deutsche Beziehung zu dem Putschversuch in Wien bestreiten, er lässt die deutsch-österreichische Grenze sperren und enthebt den deutschen Gesandten in Wien, Kurt Rieth, von seinem Posten. Hitler beruft Franz von Papen als "außerordentlichen Botschafter des Deutschen Reiches" nach Wien und entlässt ihn gleichzeitig aus dem Amt des Vizekanzlers und des Saarkommissars.
Die NSDAP legt den Begriff "alter Kämpfer" fest. Danach gilt er für Mitglieder der Partei, der SA und der SS, die vor dem 30. Januar 1933 eingetreten sind, oder die eine Mitgliedsnummer unter 300.000 haben.

27.7.1934
Die Reichspressestelle der NSDAP meldet, dass der Reichsminister und Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß (NSDAP), künftig an der Bearbeitung von Gesetzentwürfen sämtlicher Reichsressorts zu beteiligen ist. Dadurch soll eine weitere Vereinheitlichung von Partei und Staat erzielt werden.
Reichskanzler Adolf Hitler lässt Hjalmar Schacht nach Bayreuth kommen und fragte ihn, ob er die Leitung des Reichswirtschaftsministeriums übernehmen will, weil Kurt Paul Schmitt gesundheitlich schwer angeschlagen ist.

28.7.1934
Der ermordete österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (CP) wird in Wien beigesetzt.
In den USA stürzt ein Stratosphärenballon mit drei Mann Besatzung aus der Rekordhöhe von 17.000 m ab.

29.7.1934
Der Franzose Antonin Magne gewinnt die Tour de France.

30.7.1934
Kurt Schuschnigg (CP) wird neuer österreichischer Bundeskanzler als Nachfolger des am 25. Juli ermordeten Engelbert Dollfuß (CP)
Der deutsche Reichsarbeitsminister Franz Seldte (NSDAP) untersagt die Auswanderung von Facharbeitern aus dem Deutschen Reich.
Ein wegen undeutschen Verhaltens aus seinem Betrieb entlassener Arbeiter scheitert vor dem Duisburger Amtsgericht mit seiner Klage auf Wiedereinstellung.
Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht (parteilos) wird kommissarisch auch Reichswirtschaftsminister.

31.7.1934
Die österreichischen Putschisten Otto Planetta und Friedrich Holzweber, die Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordet hatten, werden in Wien durch den Strang hingerichtet.

Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth
Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth
Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth
Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth
Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth

Links: Adolf Hitler während eines Empfangs bei seiner Duz-Freundin Winifred Wagner im Haus Wahnfried in Bayreuth. Rechts: Begrüßung auf dem Grünen Hügel von Bayreuth, Wagners Schwiegertochter Winifred empfängt Adolf Hitler.                

Links: Adolf Hitler während eines Empfangs bei seiner Duz-Freundin Winifred Wagner im Haus Wahnfried in Bayreuth. Rechts: Begrüßung auf dem Grünen Hügel von Bayreuth, Wagners Schwiegertochter Winifred empfängt Adolf Hitler.                

Links: Adolf Hitler während eines Empfangs bei seiner Duz-Freundin Winifred Wagner im Haus Wahnfried in Bayreuth. Rechts: Begrüßung auf dem Grünen Hügel von Bayreuth, Wagners Schwiegertochter Winifred empfängt Adolf Hitler.                

AUGUST 1934

1.8.1934
Im nationalsozialistischen Deutschen Reich wird die Einführung des sog. Staatsjugendtags verkündet.
Der durch Gesetz vom 24. April geschaffene Volksgerichtshof nimmt in Berlin seine Tätigkeit mit Verhandlungen in allen drei Senaten auf. Die ersten Strafsachen, die zur Verhandlung anstehen, sind Fälle von "Vorbereitung zum Hochverrat durch Versuche der Zersetzungspropaganda bei Angehörigen der Polizei bzw. Reichswehr".
In Breslau werden in einem Hochverratsprozeß gegen 55 Kommunisten die Urteile gefällt. Neun Angeklagte werden freigesprochen, die anderen erhalten Zuchthaus- und Gefängnisstrafen von insgesamt 86 Jahren.
Der indische Freiheitskämpfer Mohandas Karamchand Gandhi, gen. Mahatma, beendet eine neunmonatige Propagandafahrt gegen die Unterdrückung der Parias, der kastenlosen "Unberührbaren" in Britisch-Indien.
Der polnische Ministerpräsident Leo Kozlowski rechtfertigt vor dem Parlament in Warschau die Errichtung eines Konzentrationslagers für die Anhänger terroristischer Methoden unter den ukrainischen Nationalisten, für Mitglieder der verbotenen Kommunistischen Partei und die rechtsradikalen polnischen Nationalisten.
Pius XI. ist der erste Papst seit 1870, der sich in die außerhalb Roms gelegene päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo begibt.

2.8.1934
Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg stirbt auf seinem Gut Neudeck bei Freystadt in Westpreußen im Alter von 86 Jahren. Der deutsche Reichsminister und Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß (NSDAP), ordnet nach dem Tod von Reichspräsident Paul von Hindenburg eine 14tägige Trauer für alle Parteigliederungen (SA, SS, Hitlerjugend, Arbeitsfront, Arbeitsdienst) an. Den gleichen Befehl gibt Reichswehrminister Werner von Blomberg (parteilos) für alle Offiziere der Reichswehr sowie für Beamte im Offiziersrang der Wehrmacht aus.
Im Deutschen Reich wird das Amt des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers vereinigt.

3.8.1934
Der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (Christlichsoziale Partei) berichtet vor der Presse in Wien über Hintergründe des Putschversuchs vom 25. Juli.
Auf einer Kundgebung des Erzbischofs von Canterbury wird die Zahl der in den vergangenen Jahren in der Sowjetunion verhungerten Menschen auf sechs Millionen beziffert.

4.8.1934
In Frankfurt am Main beginnt die zweitägige Arbeitstagung des Nationalsozialistischen Lehrerbunds. Reichserziehungsminister Bernhard Rust (NSDAP) bezeichnet es als Hauptaufgabe der "deutschen" Erzieher, an die Stelle der allgemeinen Bildung die nationalsozialistische Erziehung treten zu lassen.
Rund 1500 Teilnehmerinnen aus 24 Ländern treffen sich in der französischen Hauptstadt Paris zum Internationalen Frauenkongress gegen Krieg und Faschismus. Der Kongress dauert bis zum 7. August.
In Lüttich beginnt das zweitägige Dritte Internationale Sozialistische Jugendtreffen.
In Constantine in Nordostalgerien kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Juden und Moslems.

5.8.1934
Der deutsche Führer und Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) weist der britischen Zeitung »Daily Mail« gegenüber Gerüchte über angebliche deutsche Kriegspläne zurück.
US-Präsident Franklin D. Roosevelt kündigt in einer Rundfunkansprache neue Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation an.
Schnellster Fahrer beim 10. Klausen-Rennen, das der Automobilklub der Schweiz veranstaltet, ist der Deutsche Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz.

6.8.1934
Danzig-polnisches Abkommen über Wirtschaftsfragen- Das Ziel der Danziger Regierung war, in den Wirtschaftsverhandlungen zu einer vertraglichen Regelung zu kommen, die die bisherigen Erschwernisse im Warenaustausch zwischen Danzig und Polen beseitigt.
Der Deutsche Reichstag tritt in der Berliner Krolloper zu einer Trauerkundgebung für den am 2. August verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zusammen. Adolf Hitler hält eine Gedächtnisrede. Anschließend paradieren die Wehrmacht und andere Waffenverbände erstmals vor Adolf Hitler als ihren neuen Oberbefehlshaber. Der Platz "vor dem Brandenburger Tor" in Berlin wird im Gedenken an den verstorbenen Reichspräsidenten in "Hindenburg-Platz" umbenannt.
Die Regierung von Britisch-Indien erklärt die Kommunistische Partei des Landes für illegal.
In der polnischen Hauptstadt Warschau beginnt der Kongress der Auslandspolen. Er endet am 9. August mit der Gründung eines Weltbunds der Polen im Ausland.

7.8.1934
Der am 2. August verstorbene deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg wird im sog. Hindenburg-Turm des Tannenbergdenkmals im westlichen Masuren in Anwesenheit des Reichskanzlers Adolf Hitler beigesetzt. Hitler ruft den verstorbenen Reichspräsidenten nach: "Toter Feldherr, geh nun ein in Walhall!"
Zu Ehren des verstorbenen Reichspräsidenten ruht im Deutschen Reich um 11.45 Uhr für eine Minute der gesamte Verkehr und in den Betrieben wird für eine Minute die Arbeit niedergelegt.
Die deutsche Reichsregierung beschließt eine Amnestie für geringfügige Straftaten, durch das einige tausend Schutzhäftlinge entlassen worden.
Der deutsche Führer und Reichskanzler Adolf Hitler überreicht Vizekanzler Franz von Papen die noch von Reichspräsident Paul von Hindenburg unterzeichneten Urkunden der Enthebung vom Amt als Reichsminister und Vizekanzler und der Ernennung zum außerordentlichen Gesandten und Bevollmächtigten Minister in besonderer Mission in Wien. Das Amt des Vizekanzlers bleibt von nun an unbesetzt.
Das "Deutsche Kriminalpolizeiblatt" weist erneut darauf hin, dass sämtliche von dem russisch-sowjetischen Dichter Maxim Gorki verfaßten und in deutscher Sprache erschienenen Druckschriften seit 1933 in Preußen "beschlagnahmt und eingezogen" werden.

8.8.1934
Auf einer Gedenkfeier auf dem Heldenplatz der Wiener Hofburg für den am 25. Juli ermordeten Bundeskanzler Engelbert Dollfuß bezeichnet der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (CP) den Putschversuch des 25. Juli als "vorbedachten und gewollten Dolchstoß in das Herz Österreichs".

9.8.1934
Reichsbischof Ludwig Müller betont auf der Deutschen Evangelischen Nationalsynode in Berlin, dass es darum gehe, "dem Führer für die Aufgaben der Zukunft eine wirklich geschlossene und starke Evangelische Kirche zu bauen". Gegen den Widerstand von Bayern, Württemberg und Hannover entscheiden sich die evangelischen Würdenträger für einen Diensteid, der die Geistlichen und Beamten der Kirche auf Adolf Hitler verpflichtet.
Nach Pressemeldungen hat der deutsche Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust (NSDAP), "den ihm wiederholt aus der Bevölkerung Magdeburgs vorgebrachten Wünschen Rechnung getragen und zugestimmt, dass das seinerseits auf Kosten des Staates aufgestellte Ehrenmal von Ernst Barlach aus dem Magdeburger Dom entfernt wird". Barlachs Kriegerehrenmal zählt zu den bedeutendsten Antikriegskunstwerken.
In Kopenhagen wird der Leiter einer Arbeitslosenversammlung, in der eine Protestentschließung gegen "das deutsche Mörderregiment" angenommen worden war, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Verfahren gegen den Mann war auf Veranlassung der deutschen Botschaft in Kopenhagen eingeleitet worden.
Die schwedische Zeitung "Goeteborg Handels- und Sjöfarts-Tidning" wird im Deutschen Reich für sechs Monate verboten wegen "unerhörter Beschimpfung des Führers und Reichskanzlers sowie anderer Mitglieder der deutschen Reichsregierung" in einem Artikel nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.
Hans Frank wird zum Präsidenten der "Akademie für deutsches Recht" ernannt.
Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Turin erringen sechs deutsche Sportler Siege.
In London beginnen die IV. Internationalen Frauenweltspiele.

10.8.1934
In einem Heeresbefehl teilt der deutsche Reichswehrminister Werner von Blomberg (parteilos) mit, dass der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) als Oberbefehlshaber der Wehrmacht befohlen habe, die Anrede aller Soldaten an ihn solle lauten: "Mein Führer!"
Im Deutschen Reich wird die seit Dezember 1933 bestehende Sperre für Neugründungen von Zeitungen und Zeitschriften bis zum 31. März 1935 verlängert. Begründet wird dies u.a. damit, "dass immer noch neue Pläne und Projekte auftauchen, deren Durchführung das Gesamtbild der deutschen Presse im Hinblick auf die pressemäßige Leistung kaum irgendwie bereichern würde, den Aufbau auf einer wirtschaftlichen Grundlage zur Zeit aber schwer stören müßte".
Der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (CP) trifft in Budapest zu Gesprächen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Gyula Gömbös von Jákfa zusammen. Das Treffen gilt als Auftakt für eine Vertiefung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn, die von dem ermordeten österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (CP) geknüpft worden waren.
Die Verwaltung der Kohlengrube Escarpelles bei Lens in Nordfrankreich entlässt 135 polnische Bergarbeiter fristlos, 80 von ihnen werden aus Frankreich ausgewiesen. Aus Protest gegen die Ausweisung von zwei Kameraden durch die französischen Behörden hatten 200 polnische Bergarbeiter zuvor ihre französischen Kollegen in 300 m Tiefe 36 Stunden gefangengehalten.

11.8.1934
Der deutsche Führer und Reichskanzler Adolf Hitler ernennt den pfälzischen Gauleiter Joseph Bürckel (NSDAP) zum Saarbevollmächtigten der Reichsregierung als Nachfolger von Franz von Papen (parteilos).
In Paris beginnt das von der Roten Sportlerinternationale initiierte Internationale Treffen antifaschistischer Sportler. Es dauert bis zum 15. August.
Der US-amerikanische Tiefseeforscher William Charles Beebe taucht in einer Taucherkugel bei den Bermudainseln 830 m tief.

12.8.1934
Die deutsche Reichsregierung protestiert in Prag gegen "die Hetze" der Emigrantenpresse.
In Magdeburg an der Elbe beginnen die Schwimm-Europameisterschaften, bei denen deutsche Sportler sechsmal siegreich sind.
Gottfried Freiherr von Cramm gewinnt das Herreneinzel der Deutschen Tennismeisterschaften. Siegerin bei den Damen wird die Deutsche Hilde Krahwinkel-Sperling.

13.8.1934
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erlässt neue Leitsätze für die Österreichpolitik. Danach soll zwischen Regierungs-und Parteipolitik scharf getrennt werden.

14.8.1934
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), spricht auf einer Veranstaltung im Stadion Neukölln in Berlin über die Autorität der nationalsozialistischen Regierung: "Der Beste muss führen!.... Ein Volk zu schmieden - der Führer hat es vollbracht!"
Frankreich und Rumänien schließen ein Defensivabkommen.

15.8.1934
Der ehemalige deutsche Vizekanzler Franz von Papen (parteilos), überbringt dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP), das politische Testament des verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und macht es dann öffentlich bekannt. Hindenburg beurteilt darin die Übertragung der Kanzlerschaft auf Adolf Hitler als "einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite". Adolf Hitler und Franz von Papen besprechen sich über die Österreichfrage.

16.8.1934
In Wien überreicht der ehemalige deutsche Vizekanzler, Franz von Papen (parteilos), dem österreichischen Bundespräsidenten Wilhelm Miklas sein Beglaubigungsschreiben als deutscher Gesandter. Er bezeichnet es als seine vornehmste Aufgabe, dahin zu wirken, dass in den staatlichen Beziehungen der beiden Länder die Gefühle der Freundschaft wiederhergestellt werden.
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, verbietet Mitgliedern der NSDAP die Vertretung von Juden vor Gericht, die Fürsprache, das Ausstellen von Bescheinigungen und den Verkehr mit Juden in der Öffentlichkeit.

17.8.1934
Der deutsche Führer, Adolf Hitler (NSDAP), hält während eines Staatsbesuchs in Hamburg eine Rundfunkrede anlässlich der Volksabstimmung am 19. August, bei der die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers bestätigt werden soll.
Der Stellvertreter des Führers Rudolf Hess gründet den "Nationalsozialistischen Bund Deutscher Technik", Vorsitzender wird Gottfried Feder.
In Berlin wird die elfte Funkausstellung eröffnet.
Das von der österreichischen Regierung unter Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (CP) beschlossene Verfassungsgesetz über den "Wirkungskreis des Generalkommissars für außerordentliche Maßnahmen zur Bekämpfung staats- und regierungsfeindlicher Bestrebungen in der Planwirtschaft" tritt in Kraft. Danach kann der Generalstaatskommissar, Bundesinnenminister Emil Fey (Heimwehr), u.a. staatsfeindlichen Arbeitgebern die Konzession entziehen oder die Schließung ihrer Betriebe veranlassen; bei staatsfeindlichen Arbeitnehmern kann er die sofortige Entlassung verfügen.
In Moskau beginnt der erste Allunionskongress der sowjetischen Schriftsteller. Auf der bis zum 1. September dauernden Veranstaltung wird der sozialistische Realismus zur Grundlage von Literatur und Literaturkritik bestimmt.

18.8.1934
Nach Pressemeldungen aus Polen sind in den letzten Wochen 4500 polnische Arbeiter aus Frankreich in ihre Heimat zurückgekehrt. Zum Teil waren sie von französischen Behörden ausgewiesen worden.

19.8.1934
Das Amt des Reichspräsidenten wird nach einer Volksabstimmung mit dem Amt des Kanzlers verschmolzen und Adolf Hitler nannte sich fortan Führer und Reichskanzler (Bei einer Wahlbeteiligung von 95,71% entscheiden sich 89,93% der deutschen Wähler für die Zusammenlegung der Ämter). Auch diesmal verzichtet Hitler auf das Gehalt als Reichspräsident von 47200 RM.

20.8.1934
Der deutsche Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler (NSDAP), betont in einem Dankschreiben an Reichswehrminister Werner von Blomberg (parteilos) seine Absicht, »die Armee als einzigen Waffenträger in der Nation zu verankern«.
Aber Hitler begibt sich nach Nürnberg, um das Reichsparteitagsgelände zu besichtigen. Er segnet die Planung der Architekten Albert Speer und Ludwig Ruff für den Reichsparteitag 1934 ab.
Das Standgericht in Wien verurteilt zwei Männer wegen Aufbewahrung von Sprengstoffen zum Tod durch den Strang. Das Urteil wird noch am selben Tag vollzogen.
Der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (CP) reist nach Florenz zu einer Zusammenkunft mit dem italienischen Duce und Ministerpräsidenten, Benito Mussolini. Vor dem Abflug in Wien bezeichnet er in einem Interview mit dem "Giornale d'Italia" Italien als die größte Stütze Österreichs.

Auf der Dritten vorbereitenden World Jewish Conference in Genf, erklärte Stefen Wise, der im sicheren New York saß und es lieber sah, wenn die Juden in Deutschland leiden, als sich mit den Nationalsozialisten zu verständigten: „Durch die Hände der Nazis zu sterben, ist grausam, durch ihre Gnade zu überleben, wäre tausendmal schlimmer. Wir werden den Nazismus überleben, außer wenn wir die unsühnbare Sünde begehen, uns auf einen Kuhhandel mit ihm einzulassen, um einige jüdische Opfer zu retten." Die Juden in Genf beschließen, den 1933 proklamierten Boykott gegen das nationalsozialistische Deutsche Reich fortzuführen, obwohl die jüdischen Organisationen in Deutschland gegen den Konfrontationskurs waren.                              



















Linkes Bild: Protest von Juden in London gegen deutsche Produkte. Mittleres Bild: Fast eine Million Menschen als Demonstranten oder Zuschauer haben an der Boykott-Parade in New York unter Schirmherrschaft der "Jewish Veterans" teilgenommen. Die Parade begann am St. Mark Platz in Manhattan und ging über Lafayette Street zur City Hall. Rechtes Bild: Jüdisches Geschäft mit einem Schild fordert den Boykott deutscher Waren (USA).


Auf der Dritten vorbereitenden World Jewish Conference in Genf, erklärte Stefen Wise, der im sicheren New York saß und es lieber sah, wenn die Juden in Deutschland leiden, als sich mit den Nationalsozialisten zu verständigten: „Durch die Hände der Nazis zu sterben, ist grausam, durch ihre Gnade zu überleben, wäre tausendmal schlimmer. Wir werden den Nazismus überleben, außer wenn wir die unsühnbare Sünde begehen, uns auf einen Kuhhandel mit ihm einzulassen, um einige jüdische Opfer zu retten." Die Juden in Genf beschließen, den 1933 proklamierten Boykott gegen das nationalsozialistische Deutsche Reich fortzuführen, obwohl die jüdischen Organisationen in Deutschland gegen den Konfrontationskurs waren.                              



















Linkes Bild: Protest von Juden in London gegen deutsche Produkte. Mittleres Bild: Fast eine Million Menschen als Demonstranten oder Zuschauer haben an der Boykott-Parade in New York unter Schirmherrschaft der "Jewish Veterans" teilgenommen. Die Parade begann am St. Mark Platz in Manhattan und ging über Lafayette Street zur City Hall. Rechtes Bild: Jüdisches Geschäft mit einem Schild fordert den Boykott deutscher Waren (USA).


21.8.1934
Reichsjugendführer Baldur von Schirach ordnet für diejenigen Mitglieder der Hitlerjugend, des BDM und der NSDAP, die einer dieser Organisationen schon vor den 2. Oktober 1932 angehörten, die Verleihung des HJ-Ehrenzeichens an.
Das am 25. Juli in Wien verhängte Standrecht wird aufgehoben.
Paula Wessely gibt in "Maskerade" ihr Filmdebüt und wird quasi über Nacht zum gefeierten Star. Der in Wien des Jahres 1905 zur Faschingszeit spielende Film wird in Berlin uraufgeführt und erhält das Prädikat "künstlerisch". Der Film ist die zweite Regiearbeit des Schauspielers Willi Forst.

22.8.1934
Die deutsche Reichsregierung in Berlin erlässt ein Gesetz, nach dem alle Beamten auf den Führer und Reichskanzler zu vereidigen sind. Der Diensteid lautet: "Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflicht gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe."
Im Deutschen Reich werden die Industrie- und Handelskammern der Aufsicht des Reichswirtschaftsministeriums unterstellt. Sie werden künftig nach dem Führerprinzip geleitet.
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler bespricht auf dem Obersalzberg mit Rudolf Hess, Heinrich Himmler und Viktor Lutze den bevorstehenden Reichsparteitag in Nürnberg.

23.8.1934
Die Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern lehnt auf einer Tagung in München ihre Eingliederung in die nationalsozialistisch orientierte Reichskirche ab.
Der Leiter der Kommission für Wirtschaftspolitik, Bernhard Köhler verspricht im Berliner Sportpalast vor 15.000 Amtswaltern der Ortsgruppe Berlin: "Wir sind mit dem Marxismus fertig geworden, wir werden auch mit dem Kapitalismus fertig!"

24.8.1934
In Griechenland wird eine Verschwörung aufgedeckt, die den Sturz der Republik und die Errichtung einer Militärdiktatur unter General Nikolaos Plastiras zum Ziel hatte. Zahlreiche Offiziere werden verhaftet.
Auf der dänischen Nordseeinsel Fano beginnt die Tagung des ökumenischen Rats der Protestantischen Kirche. Der bis zum 30. August dauernde Kongress bekundet gegen den Protest der meisten Mitglieder der deutschen Delegation seine Sympathie mit der oppositionellen Bekennenden Kirche im Deutschen Reich.

26.8.1934
In Köln wird die Ausstellung "Deutsche Saar" eröffnet, welche vom Führer und Reichskanzler Adolf Hitler am selben Tag besucht wird. Danach begibt er sich per Schiff über den Rhein nach Koblenz auf die Feste Ehrenbreitstein und nimmt vor 400.000 Saarländern, die "Treuekundgebung des Reiches für das Saargebiet" ab. Hitler nennt die Saarfrage "die einzige territoriale Frage, die uns heute noch von Frankreich trennt". Nach ihrer Lösung können beide Länder "ewig und in alle Zukunft" miteinander in Frieden leben.
Der deutsche Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht (parteilos) eröffnet als kommissarischer Reichswirtschaftsminister die Leipziger Herbstmesse.
Der deutsche Schwergewichtsboxer Max Schmeling siegt in einem Kampf gegen Walter Neusel in der 9. Runde. Dieser Sieg ist der Beginn von Schmelings Comeback auch im internationalen Boxsport.

27.8.1934
Der italienische Duce und Ministerpräsident, Benito Mussolini, fordert in Rom die Militarisierung des gesamten Lebens in Italien.
Die Beamten der Reichskanzlei und der Präsidialkanzlei werden auf Adolf Hitler vereidigt.

28.8.1934
Die Belgische Nationalbank in Brüssel senkt den Diskontsatz von 3 auf 2,5%, um die Kreditvergabe der Banken und damit das wirtschaftliche Leben anzukurbeln.

29.8.1934
Der deutsche Reichsjugendführer, Baldur von Schirach (NSDAP), bezeichnet in einer Rundfunkrede »An die deutschen Eltern« Elternhaus, Schule und Hitlerjugend (HJ) als die drei Faktoren, die an der Gestaltung der jungen Generation in kameradschaftlicher Verbundenheit zusammenarbeiten müßten.

30.8.1934
Lettland, Estland und Litauen unterzeichnen in der lettischen Hauptstadt Riga den "Vertrag über das Einvernehmen und die Zusammenarbeit der drei baltischen Staaten". Er sieht u.a. enge außenpolitische Zusammenarbeit vor.
Der österreichische Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhemberg (Heimwehr) erklärt in Wien, dass er den Frieden in Österreich nach wie vor für gefährdet halte.

31.8.1934
Nach Angaben der deutschen Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gibt es im Deutschen Reich nur mehr 2.398.000 Arbeitslose gegenüber 4.124.000 im August 1933.

Erst am 13. Juli 1934 gab Adolf Hitler im Deutschen Reichstag einen offiziellen Überblick über die Aktion, die er als "Putsch Röhms zur Übernahme der Macht im Staate" bezeichnete. So entstand der Begriff "Röhmputsch". Bei der gesamten Aktion wurden 19 höhere und 31 mittlere SA-Führer sowie  3 SS-Führer  und  5 Parteigenossen  hingerichtet.  13 SA-Führer  wurden  bei  Widerstand  erschossen,  3 SA-Führer  begingen  Selbstmord.

die sozialen Errungenschaften im Deutschen Reich waren einzigartig und es gab auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares

Viktor Lutze

Ludwig Müller

Dr. Kurt Schmitt

Engelbert Dollfuß

Kurt Daluege

Graf von der Goltz

Ernst Rüdiger Starhemberg

Kurt Schuschnigg

Trauerfeier fuer Generalfeldmarschall von Hindenburg im Ehrenhof des Tannenberg-Denkmals in Anwesenheit von Adolf Hitler           

Trauerfeier fuer Generalfeldmarschall von Hindenburg im Ehrenhof des Tannenberg-Denkmals in Anwesenheit von Adolf Hitler           

Die sterblichen Überreste von Hindenburg werden zur endgültigen Ruhe in den Gruft- turm des Tannenberg - Denkmals überführt            

Die sterblichen Überreste von Hindenburg werden zur endgültigen Ruhe in den Gruft- turm des Tannenberg - Denkmals überführt            

Werner Eduard Fritz von Blomberg - Im Ersten Weltkrieg war von Blomberg zunächst als Generalstabsoffizier einer Reserve- division eingesetzt. 1916 zum Major befördert, wurde er Erster Generalstabsoffizier bei der 7. Armee. Für seine besonderen Leistungen auf dem Schlachtfeld wurde ihm 1918 der "Pour le Mérite", die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, verliehen.






Rechts: Dieses undatierte Bild zeigt Hitler, Franz von Papen (mitte) und Werner von Blomberg vor der Berliner Staatsoper. Blomberg war von 1933 bis 1938 Reichswehrminister und ab 1936 Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Er bereitete Deutschlands Austritt aus der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund vor und verließ damit die frühere Militärpolitik.

Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen