Chronik des Nationalsozialismus Januar / Februar 1933

JANUAR 1933

1.1.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg gibt in Berlin einen Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps.
Die »Frankfurter Zeitung« schreibt in einer Betrachtung zur Jahreswende: »Der gewaltige nationalsozialistische Angriff auf den Staat ist abgeschlagen«. In Deutschland herrscht allgemein die Auffassung, die NSDAP sei am Ende.
Der "Völkische Beobachter" erscheint wieder in Berlin, nachdem die Druckerei Adolf Müller, München, eine Zweigstelle eröffnet hat.
Die beiden Gaue Hessen-Nassau-Süd und Hessen-Darmstadt werden zum Groß-Gau Hessen-Nassau zusammengelegt. Zum Gauleiter wird Jakob Sprenger ernannt
Adolf Hitler begibt sich nach München und besucht dort die Vorstellung "Meistersinger" im Nationaltheater.
Der amtierende Reichskanzler Kurt von Schleicher besucht am Abend das Musiktheater in Berlin und hört Jacques Offenbachs Operette "Die Prinzessin von Trapezunt". An einer Stelle rief einer der Mitwirkenden: "Was machen wir nun?" Abweichend vom Libretto gab ein anderer zur Antwort: "Wir bilden eine neue Regierung und lösen den Reichstag auf." Diese kecke Improvisation wurde vom Publikum mit schallendem Gelächter quittiert.
Edmund Schulthess löst Giuseppe Motta in Bern als Bundespräsident ab. Schulthess ist damit nach 1917, 1921 und 1928 zum vierten Mal Schweizer Staatsoberhaupt.
In der Münchner "Bonbonniere" eröffnet die alkohol- und drogenabhängige Tochter von Thomas Mann, Erika Mann, das politische Kabarett "Die Pfeffermühle".

3.1.1933
Adolf Hitler unterstreicht auf der agrarpolitischen Tagung der NSDAP in München in einer längeren Ansprache die Bedeutung des Bauerntums für die nationalsozialistische Bewegung. Er erklärt u.a.: "Die Verwirklichung des vom Nationalsozialismus wieder erweckten, fundamentalen volkspolitischen Gedankens, der in der These von Blut und Boden seinen Ausdruck findet, wird die tiefstgehende Umgestaltung bedeuten, die jemals stattgefunden hat!"

4.1.1933
Im Haus des Bankiers Kurt von Schröder in Köln sprechen Adolf Hitler und Ex-Reichskanzler Franz von Papen über eine gemeinsame Regierungsbildung. Papen witterte die Chance eines politischen Comeback. Er spielte in jenen Wochen eine zentrale Rolle, weil er als ehemaliger "Lieblingskanzler" eine ausgesprochene Vertrauensstellung bei Hindenburg hatte.
Reichspräsident Paul von Hindenburg empfängt den früheren NSDAP-Funktionär Gregor Strasser und billigt den Plan Reichskanzler Kurt von Schleichers, Strasser zum Reichsarbeitsminister und Vizekanzler zu berufen.
Am Abend hält Adolf Hitler eine Rede in Detmold anlässlich der Eröffnung des Landtagswahlkampfes in Lippe.
Ein Brand auf dem französischen Passagierdampfer "L'Atlantique" im Ärmelkanal fordert 20 Tote.

5.1.1933
Die Reichsregierung bestätigt Berichte aus Washington, wonach sie einen Stundungsantrag für die am 31. März fälligen Zahlungen für Kriegsschäden und Besatzungskosten in Höhe von 33 Mio. Reichsmark gestellt hat.
Adolf Hitler hält eine Rede in Leopoldshöhe und in Örlinghausen im Landkreis Lippe, in der er prophezeit: "Es kommt ein Reich, aus der Kraft dieser Bewegung heraus geboren, und die Zeichen dieses kommenden Reiches werden die Zeichen unserer Bewegung sein."
In einem gemeinsamen Kommuniqué, das Adolf Hitler und Franz von Papen über ihre Kölner Unterredung veröffentlichten, wird erklärt, das die Besprechungen sich ausschließlich mit der Möglichkeit der Bildung einer großen nationalen und politischen Einheitsfront befassten.
In San Francisco beginnt der Bau der Golden Gate Bridge mit Veranstaltungen auf beiden Seiten der Meerenge.

6.1.1933
Der am 20. Juli 1932 per Notverordnung für abgesetzt erklärte preußische Ministerpräsident Otto Braun (SPD) fordert von Reichskanzler Kurt von Schleicher, wieder eingesetzt zu werden. Er regt an, vorübergehend ohne Parlament zu regieren.
Im Namen des SPD-Vorstandes rät der SPD-Vorsitzende, Rudolf Breitscheid, dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Theodor Leipart, die Gespräche mit Reichskanzler Kurt von Schleicher über einen Regierungseintritt abzubrechen.
Adolf Hitler hält Wahlkampfreden in Augustdorf und Horn.
Der deutsche Filmregisseur Ernst Lubitsch und die britische Schauspielerin Lilian Harvey reisen von Berlin nach Hollywood. Lubitsch bleibt nach dem 30. Januar dort, während Lilian Harvey nach Deutschland zurückkehrt.

7.1.1933
In Moskau beginnt ein bis zum 12. Januar dauerndes Plenum des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion). Josef W. Stalin, der Generalsekretär der KPdSU, berichtet über den ersten Fünfjahrplan, der in vier Jahren und drei Monaten erfüllt worden sei.
NSDAP-Führer Adolf Hitler spricht in Hohenhausen und Calldorf.

8.1.1933
Adolf Hitler hält eine Wahlkampfrede auf Burg Schwalenberg. Am selben Tag unterstreicht Hitler in einem Interview mit Pressechef Otto Dietrich, das bei einer etwaigen Regierungsbildung nur seine eigene Kanzlerschaft infrage kommt.
Die in Wien erscheinende sozialdemokratische "Arbeiter-Zeitung" berichtet über die sog. Hirtenberger Waffenaffäre, einen großangelegten Waffenschmuggel aus Italien via Österreich nach Ungarn.
In Rumänien gründet der Rechtsanwalt Petru Groza die Landarbeiterfront, eine antifaschistische bäuerliche Partei.
In Barcelona und anderen spanischen Städten werden anarchistische Putschversuche niedergeschlagen.

9.1.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg beauftragt Ex-Reichskanzler Franz von Papen zur Fortsetzung der am 4. Januar begonnenen Gespräche mit der NSDAP über die Bildung einer Reichsregierung.
NSDAP-Führer Adolf Hitler hält eine Wahlkampfrede in Lage (Lippe).

10.1.1933
Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk (parteilos) informiert den Haushaltsausschuß des Deutschen Reichstages über die Finanzlage. Die Schulden des Reiches betrugen am 31. Dezember 1932 12264 Mrd. RM, das sind rund 112 Mio. RM mehr als am 31. März 1932.
Auf dem Danziger Langen Markt demonstriert die deutsche Danziger Jugend für die Wiedervereinigung der Freien Stadt mit dem Deutschen Reich.
In der Nacht zum 11. Januar findet ein geheimes Treffen zwischen Adolf Hitler und Franz von Papen im Haus von Joachim Ribbentrop in Dahlem statt. Das Gespräch bleibt allerdings ergebnislos.

11.1.1933
Das Präsidium des Reichslandbundes kritisiert die Agrarpolitik der von Kurt von Schleicher geführten Reichsregierung.
Adolf Hitler hält eine Wahlkampfrede in Lemgo, in welcher er erklärt: "Wir gehen in die Regierung, in dem Augenblick, in denen wir neben der Verantwortung auch die Führung erlangen! Und wenn man uns sagt, das wird uns nicht gelingen, warum ist denn dann die ganze Judenpresse so aufgeregt, als wenn ein Komet einschlägt, wenn ich nach Berlin komme? Wir kämpfen weiter! Wir werden siegen!"
Kanzelankündigung von 21 Pastoren in der Hauptkirche in Hamburg-Altona, kurz "Altonaer Bekenntnis", als Reaktion auf den Altonaer Blutsonntag vom 17. Juli 1932, als sich Kommunisten blutige Schlägereien mit SA-Männern lieferten.

12.1.1933
In Lippe suchen Adolf Hitler und der frühere NSDAP-Spitzenfunktionär Gregor Strasser ohne Erfolg eine Verständigung.
Als Oberster SA-Führer bestätigt Adolf Hitler die von SA-Stabschef Ernst Röhm veranlaßte Enthebung des Nürnberger Reichstagsabgeordneten Wilhelm Stegmann von seinem Posten als SA-Gruppenführer. Allerdings verfügt Stegmann, dem Verstöße gegen die Parteidisziplin vorgeworfen werden, im NSDAP-Gau Franken über erheblichen Anhang.
Der Reichsverband der Deutschen Industrie weist die Erklärung des Reichslandbundes vom 11. Januar zurück. Darin werde wider besseres Wissen die Industrie der Mithilfe an der "Ausplünderung der Landwirtschaft" beschuldigt.

13.1.1933
Reichskanzler Kurt von Schleicher empfängt Alfred Hugenberg (DNVP). Dieser will als "Wirtschaftsdiktator" ins Kabinett eintreten, was Schleicher ablehnt.
Vor dem Haushaltsausschuß des Reichstages beziffert Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk den vermutlichen Haushaltsfehlbetrag der Länder Ende 1932 auf 520 Mio. Reichsmark.
NSDAP-Führer Adolf Hitler hält Wahlkampfreden in Barntrup und in Blomberg. Im "Völkischen Beobachter" veröffentlicht Adolf Hitler einer Erklärung über die "Lügenflut" in der Presse.
Die Direktoren des Deutschen Theaters in Berlin, Karl Heinz Martin und Rudolf Beer, beenden ihre Tätigkeit. Theaterleiter Max Reinhardt beruft Heinrich Neft und Carl-Ludwig Achaz (eigtl. Duisberg) zu ihren Nachfolgern. Zu den Ursachen für den Wechsel gehören finanzielle Probleme des Theaters.

14.1.1933
Die Reichsregierung warnt vor aufreizender Agitation und verweist dabei u.a. auf eine Erklärung vom Vorstand des Pommerschen Landbundes, der seine Mitglieder dazu aufgerufen hat, "seine Scholle und seine Arbeitsstelle mit den letzten Mitteln zu verteidigen".
Adolf Hitler spricht in Bad Salzuflen im Kreis Lippe zum Wahlkampf.
In Grewenburg trifft sich Hitler mit Wilhelm Stegmann zu einer Aussprache. Stegmann entschuldigt sich bei Hitler und unterschreibt einer Erklärung, in welcher er auf sein Reichstagsmandat freiwillig verzichtet.

15.1.1933
Bei den Landtagswahlen im ostwestfälischen Lippe wird die NSDAP mit 39,6% der Stimmen und neun von 21 Sitzen stärkste Partei vor der SPD (sieben Sitze, minus zwei).
NSDAP-Führer Adolf Hitler spricht in Weimar auf einer SA und Gauleitertagung.
Im Berliner Sportpalast feiert der Kriegerverband Kyffhäuserbund die Reichsgründung. Als Gast versichert Reichskanzler Kurt von Schleicher den Teilnehmern, die Reichswehr sei von demselben Geist beseelt wie das alte Heer.
In Berlin führt die KPD eine Kundgebung zu Ehren der 1919 ermordeten KPD-Führer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch. Die Hauptredner sind Wilhelm Pieck und der Generalsekretär der französischen KP, Maurice Thorez.
Papst Pius XI. erlässt eine Bulle zum Heiligen Jahr 1933/34 anlässlich des 1900. Todestages Jesu Christi.

16.1.1933
Das Reichskabinett billigt den Plan Kurt von Schleichers, die zu erwartende Abkehr der NSDAP von ihrer Tolerierungspolitik mit der Auflösung des Reichstages und der Verzögerung der Neuwahlen zu beantworten.
Vor den in Weimar versammelten NSDAP-Gauleitern rechnet Adolf Hitler mit dem »abtrünnigen« Gregor Strasser, seinem ehemaligen Reichsorganisationsleiter, ab. Die Gauleiter geloben Hitler unbedingte Gefolgschaft.
Reichskanzler Kurt von Schleicher empfängt Prälat Ludwig Kaas (Zentrum), der eine Regierungsbeteiligung jedoch ablehnt.

17.1.1933
Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages lehnt die von der NSDAP geforderte Arbeitsdienstpflicht ab. Er nimmt eine Resolution der Zentrumspartei an, die eine Fortführung des freiwilligen Arbeitsdienstes vorsieht.
NSDAP Führer Adolf Hitler, Alfred Hugenberg und der Fraktionsvorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei im Reichstag Otto Schmidt-Hannover konferieren in Berlin über die Möglichkeit einer gemeinsamen Regierung oder einer gemeinsamen Opposition. Die Sitzung bleibt ergebnislos.

18.1.1933
Vor dem Haushaltsausschuß des Reichstages beziffert Reichswirtschaftsminister Hermann Warmbold die Verschuldung der deutschen Landwirtschaft für Ende 1932 auf rund 11,4 Mrd. RM und die jährlichen Kreditzinsen auf rund 620 Mio. RM.
Adolf Hitler spricht erneut mit Franz von Papen in der Dahlemer Villa des Henkelvertreters Joachim von Ribbentrop über eine Regierungsbildung. Anwesend sind auch Ernst Röhm und Heinrich Himmler. Hitler fordert erneut die Kanzlerschaft. Von Papen erklärt das sein Einfluss auf den Reichspräsidenten Hindenburg nicht ausreicht, um das zu bewerkstelligen. Daraufhin sagte Hitler, dass er keinen Sinn in weiteren Gesprächen sieht.

19.1.1933
Im Haushaltsausschuß des Reichstages verlangt Joseph Ersing (Zentrum) eine Untersuchung über die Verwendung der Osthilfegelder durch die Großgrundbesitzer.
Nach der Zusammenlegung Niederbayern-Oberpfalz und Oberfranken, wird Hans Schemm Gauleiter des neuen Gaues Bayerische Ostmark.
In der Nacht zum 20. Januar sprechen Adolf Hitler, Josef Goebbels und Hermann Göring in dessen Privatwohnung die zukünftige Richtung durch.

20.1.1933
Der Ältestenrat des Reichstages vertagt auf Antrag der Zentrumsfraktion die Eröffnung des Parlaments vom 24. auf den 31. Januar. Bis dahin sollen gemäß einer am selben Tag getroffenen Absprache zwischen Reichskanzler Kurt von Schleicher und dem Zentrum weitere Gespräche über eine Regierungsbildung geführt werden.
Das SPD-Zentralorgan "Vorwärts" kommentiert die Intrigen um die Regierungsbildung mit den Worten: "Wer findet sich noch zurecht in der Geheimpolitik, die ohne das deutsche Volk getrieben wird?"
Der SA-Gruppenführer Wilhelm Stegmann wird von Adolf Hitler aus der Partei ausgeschlossen. Stegmann hatte seinen Austritt schon selbst erklärt, und mit seinen Unterführern das "Freikorps Franken", unabhängig von der NSDAP, gegründet.
NSDAP Führer Adolf Hitler hält abends im Berliner Sportpalast auf einer Amtswalterversammlung der NSDAP eine Rede.

21.1.1933
Die Reichstagsfraktion der DNVP kündigt dem Kabinett von Kurt von Schleicher offene Opposition an und fordert eine "starke Staatsführung". Die Erklärung wird auf Bitten des Kanzlers erst am 24. Januar veröffentlicht.
Im Vortrag bei Reichspräsident Paul von Hindenburg erklärt Theodor Leipart, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes: "Die Verelendung hat mit 6 Millionen Arbeitslosen ihren schlimmsten Grad erreicht".

22.1.1933
In Berlin spricht NSDAP-Führer Adolf Hitler mit Ex-Reichskanzler Franz von Papen und Oskar von Hindenburg, dem Sohn des Reichspräsidenten, über eine Regierungsbildung. Er betont, die demokratischen Spielregeln achten zu wollen.
Ohne Zwischenfälle verläuft eine von der Polizei geschützte NS-Großdemonstration von 35.000 SA und SS-Männern auf dem Bülowplatz vor dem Karl-Liebknecht-Haus, dem Sitz der KPD-Leitung in Berlin. Die Gedenkveranstaltung für den "Sänger unserer deutschen Freiheitsbewegung", Horst Wessel, endet auf dem Nikolaifriedhof am Grab von Horst Wessel. Adolf Hitler enthüllt einen Gedenkstein und hält eine Rede für den ermordeten SA-Mann Wessel. Noch am gleichen Abend findet im Berliner Sportpalast eine Horst-Wessel-Gedenkfeier statt. Adolf Hitler preist in seiner Rede "jene Fanatiker, die erfasst sind von der großen Aufgabe ihrer Zeit, die leben in ihrer Aufgabe, und sterben in ihr."
Zum Auftakt des Betriebsrätewahlkampfes organisiert der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund in Berlin eine Konferenz von 400 Betriebsräten. Unter der Parole "Sachliche Arbeit im Interesse der Arbeiterklasse" sollen KPD und NSDAP gleichermaßen bekämpft werden.
Am Staatlichen Schauspielhaus in Berlin wird unter der Regie von Gustav Lindemann Johann Wolfgang von Goethes Drama "Faust II" aufgeführt. In der Rolle des Mephisto erfährt Gustaf Gründgens besonderes Lob.
Der Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes berät in Berlin ohne Ergebnis über die Einführung des Berufsspielertums.

23.1.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg empfängt Reichskanzler Kurt von Schleicher zu einer ergebnislosen Unterredung. Hindenburg lehnt den Wunsch des Reichskanzlers nach einer Auflösung des Reichstages und der Ausrufung des Staatsnotstandes ab.
Adolf Hitler konferiert mit Hjalmar Schacht im Kaiserhof und hält außerdem noch eine zweistündige Ansprache vor Berliner SA-und SS-Führern über die politische Lage. Am Abend ergreift Adolf Hitler an einer Amtswaltertagung in Frankfurt an der Oder im Schützenhaussaal das Wort, er sagt u. a.: "(...) Wenn es gelingt, aus Proletariern und Bürgern wieder Deutsche zu machen, dann ist die deutsche Zukunft gesichert (...)"
Reichsarbeitsminister Friedrich Syrup erlässt eine Verordnung über ausländische Arbeitnehmer nebst Durchführungsbestimmungen für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung.

24.1.1933
Reichskanzler Kurt von Schleicher, dessen Pläne zur Ausrufung eines Staatsnotstandes und des Verbots von NSDAP und KPD bekanntgeworden sind, dementiert derartige Überlegungen und erklärt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln die Verfassung erhalten zu wollen.
Das Präsidium der in Genf tagenden Abrüstungsversammlung billigt eine Konvention über Rüstungskontrolle und regelmäßige Überprüfungen. Vier Staaten, darunter das Deutsche Reich, melden gegen dieses Regelwerk einen Generalvorbehalt an, da jede Kontrolle abhängig von einer grundlegenden Übereinstimmung in der Abrüstungsfrage sein müsse.
Unter Führung von Theodor Lewald, als Mitglied im Exekutivkomitee des IOC, wird in Berlin das Organisationskomitee für die Olympischen Sommerspiele 1936 gegründet. Die dafür nötigen Geldmittel will man durch eine Lotterie und einen Olympia-Groschen, der bei jeder Sportveranstaltung erhoben wird, aufbringen.
Wilhelm Stegmann betont im Nürnberger "Herkules-Saalbau" bei einer Versammlung: "Die Partei braucht keine braunen Häuser und auch keine Acht-Zylinder-Autos, sondern Stahlhelme und Waffen. (...) In Franken einmal den Besen ansetzen, der von der Parteileitung in München längst hätte gebraucht werden müssen."

In Berlin wird das Jüdische Museum eröffnet, welches sich direkt neben der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße befindet. Es ist weltweit das erste jüdische Museum, das nicht nur Kunstwerke und historische Zeugnisse der Vergangenheit, sondern auch jüdische Kunst der Moderne sammelte. Der Berliner Jüdischen Gemeinde war es trotz der widrigen Umstände gelungen, in den 5 Jahren seiner Existenz, eine Reihe von wichtigen - im damaligem Deutschen Reich fast einzigartigen - Ausstellungen durchzuführen und eine große Kunstsammlung mit Werken u.a. von Max Liebermann, Lesser Ury, Moritz Oppenheim und Marc Chagall aufzubauen. Erst beim Novemberpogrom wird es 1938 von der Gestapo geschlossen und das Inventar wird beschlagnahmt.                 

25.1.1933
Bei der Auflösung einer Kundgebung des kommunistischen Kampfbundes gegen den Faschismus in Dresden durch die Polizei, werden sieben Personen durch Schüsse getötet und zwei weitere infolge einer Panik zu Tode getrampelt.
Die Berliner Akademie der Künste bestätigt den Architekten Hans Poelzig, gegen den der nationalsozialistische Kampfbund für deutsche Kultur eine Hetzkampagne begonnen hat, in seinem Amt als stellvertretenden Präsidenten.
Großkundgebung der Kommunisten (120.000 Mann) vor dem Berliner Karl-Liebknecht-Haus.
Auf einer Versammlung des Parteiaktivs der Moskauer Garnison berichtet Kliment J. Woroschilow, der Volkskommissar für das Heerwesen, dass der aktive Teil der Roten Armee mittlerweile bereits zu 59% aus Mitgliedern der KPdSU oder Jungkommunisten bestehe.

26.1.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg verweigert Reichskanzler Kurt von Schleicher die erbetenen Vollmachten erneut. Schleicher verlangte, mit »der gesamten vollziehenden Gewalt im Reichsgebiet ohne Einschränkung und Befristung« betraut zu werden.
Bei einem Empfang des Chefs der Heeresleitung, Generaloberst Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, erklärt Reichspräsident Paul von Hindenburg in bezug auf Adolf Hitler: »Sie werden mir doch nicht zutrauen, daß ich diesen böhmischen Gefreiten zum Reichskanzler berufe«.
Die anhaltende Kältewelle im Deutschen Reich führt in Breslau zu Temperaturen von minus 32 Grad.

27.1.1933
Der preußische SPD-Politiker Otto Braun warnt Reichskanzler Kurt von Schleicher in einem offenen Brief vor dem Versuch, den Reichstag ausschalten zu wollen.
Adolf Hitler bricht im Zorn alle Verhandlungen ab und kann nur mit Mühe davon abgehalten werden, von Berlin nach München abzureisen. Papens Versicherung, er bekenne sich nun uneingeschränkt zu einer Kanzlerschaft Hitlers, wendet Hitlers Stimmung.
Wegen der hohen Benzinsteuern blockieren die Wiener Taxifahrer für mehrere Stunden die Innenstadt.

28.1.1933
Nachdem Reichspräsident Paul von Hindenburg eine Auflösung des Reichstages abgelehnt hat, erklärt Reichskanzler Kurt von Schleicher mit dem gesamten Kabinett seinen Rücktritt.
Nach dem Rücktritt des Kabinetts Schleicher kommen Adolf Hitler, Franz von Papen und Alfred Hugenberg zusammen. Hitler strebt ein Präsidialkabinett mit den gleichen Befugnissen an, die Papen und Schleicher zugebilligt worden waren und bekräftigt seine Bereitschaft zur Berücksichtigung von Ministern früherer Kabinette, die der Präsident favorisiere. Franz von Papen fordert das Amt des Vizekanzlers.
In einem Telegramm an den Reichspräsidenten warnen die Spitzenverbände der Gewerkschaften vor der Berufung einer "arbeiterfeindlichen Regierung".
Das Sekretariat der KPD ruft die Bezirksleitungen der Partei auf, den für den 12. März angesetzten Parteitag der SPD zu nutzen, um "die Rolle und den Charakter der SPD als soziale Hauptstütze der Bourgeoisie" zu entlarven.
Im Restaurant Zoologischer Garten in Berlin findet der traditionelle Ball des Vereins Berliner Presse statt.
Unter Mitwirkung des Komponisten wird in Frankfurt am Main das 2. Klavierkonzert von Bela Bartok uraufgeführt. Es dirigiert Hans Rosbaud.

29.1.1933
In Berlin lehnt der am Vortag von seinem Posten als Reichskanzler und Wehrminister zurückgetretene Kurt von Schleicher vor hohen Reichswehr-Offizieren einen Militärputsch ab.
Reichspräsident Paul von Hindenburg bittet Franz von Papen, selbst ein Kabinett zu bilden. Papen weiß, dass er jetzt keine Chance mehr hat, zum zweiten Mal Reichskanzler zu werden, und strebt eine Vizekanzlerschaft unter Hitler an, gegen den sich Hindenburg nicht mehr grundsätzlich zu wehren scheint. Am späten Abend legt Papen dem Reichspräsidenten eine Liste mit konservativen und "gemäßigten" Ministerkandidaten vor, die einen Kanzler Hitler "einrahmen" sollen. Hindenburg lässt zum ersten Mal seine Zustimmung zu Hitlers Kanzlerschaft erkennen. Hitler wird für elf Uhr am nächsten Morgen zur Vereidigung bestellt.
Reichspräsident Paul von Hindenburg beruft den in Genf weilenden General Werner vom Blomberg nach Berlin. Er will ihn zum Reichswehrminister ernennen.























30.1.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg beruft NSDAP-Führer Adolf Hitler, in der Alten Reichskanzlei in der Wilhelmstraße, zum Reichskanzler. Neben Adolf Hitler gehören dem Kabinett mit Wilhelm Frick (Inneres) und Hermann Göring (ohne Geschäftsbereich) zwei weitere NSDAP-Mitglieder an. Aus Anlass der Machtübernahme paradierten in Berlin etwa 15.000 Mitglieder von SA, Schutzstaffel (SS), und "Stahlhelm" mit Militärmusik und Fackeln durch das Brandenburger Tor und an der hell erleuchteten Staatskanzlei vorbei, von der aus der neuernannte Reichskanzler Adolf Hitler und seine Parteifreunde Göring, Heß und Goebbels dem Spektakel beiwohnten. Reichspräsident Paul von Hindenburg saß nur wenige Meter von der Reichskanzlei entfernt. Tausende Zivilisten waren auf der Straße, die angesichts dieses Festzuges hellauf begeistert waren. Joseph Goebbels ließ das Rundfunkprogramm unterbrechen um das Ereignis zu übertragen. Auch in anderen deutschen Städten und Dörfern fanden ebenfalls Fackelzüge statt, allerdings erreichte der Festakt nur den nationalsozialistisch eingestellten Bevölkerungsteil. Die KPD rief im Gegenzug gleich zum Generalstreik auf.           















30.1.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg beruft NSDAP-Führer Adolf Hitler, in der Alten Reichskanzlei in der Wilhelmstraße, zum Reichskanzler. Neben Adolf Hitler gehören dem Kabinett mit Wilhelm Frick (Inneres) und Hermann Göring (ohne Geschäftsbereich) zwei weitere NSDAP-Mitglieder an. Aus Anlass der Machtübernahme paradierten in Berlin etwa 15.000 Mitglieder von SA, Schutzstaffel (SS), und "Stahlhelm" mit Militärmusik und Fackeln durch das Brandenburger Tor und an der hell erleuchteten Staatskanzlei vorbei, von der aus der neuernannte Reichskanzler Adolf Hitler und seine Parteifreunde Göring, Heß und Goebbels dem Spektakel beiwohnten. Reichspräsident Paul von Hindenburg saß nur wenige Meter von der Reichskanzlei entfernt. Tausende Zivilisten waren auf der Straße, die angesichts dieses Festzuges hellauf begeistert waren. Joseph Goebbels ließ das Rundfunkprogramm unterbrechen um das Ereignis zu übertragen. Auch in anderen deutschen Städten und Dörfern fanden ebenfalls Fackelzüge statt, allerdings erreichte der Festakt nur den nationalsozialistisch eingestellten Bevölkerungsteil. Die KPD rief im Gegenzug gleich zum Generalstreik auf.           















31.1.1933
Durch zwei am 31. Januar bzw. 2. Februar in Kraft tretende Notverordnungen des Reichspräsidenten werden Franz von Papen zum Reichskommissar für Preußen und Hermann Göring (NSDAP) zum Reichskommissar für die Luftfahrt ernannt.
Auf der Sitzung des SPD-Parteiausschusses in Berlin sagt der Fraktionsvorsitzende Rudolf Breitscheid, man müsse auf ein Ende der Hitler-Regierung hinarbeiten.
Vor dem Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes erklärt der Vorsitzende Theodor Leipart auch die Hitler-Regierung werde nicht: "die deutsche Arbeiterschaft und deren Organisationen überwältigen können".
Reichskanzler Adolf Hitler verhandelt mit dem Prälaten Ludwig Kaas, Vorsitzender der Zentrumspartei, über eine mögliche Regierungsbeteiligung. Die Gespräche verlaufen allerdings ergebnislos.
Auf der Kabinettssitzung am Nachmittag spricht sich Reichskanzler Adolf Hitler für die Auflösung des Reichstages und baldige Neuwahlen aus. Hitler erklärt, das soll die letzte Neuwahl zum Reichstag sein. Die Rückkehr zum parlamentarischen System sei unbedingt zu vermeiden.
Der SS-Gruppenführer Sepp Dietrich wird von Adolf Hitler mit der Aufstellung einer zuverlässigen "Stabswache" beauftragt.
Als Nachfolger für den am 29. Januar zurückgetretenen Joseph Paul-Boncour bildet der Radikalsozialist Edouard Daladier in Frankreich eine neue Regierung.
Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung beziffert die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich mit 6 013 612 Personen.


Jetzt beginnt Hitlers gewaltiges wirtschaftliches, soziales und kulturelles Aufbauwerk im Sinne des Nationalsozialismus und zum Wohle der Nation! Was Adolf Hitler mit seinen Mitarbeitern in den folgenden sieben Jahren erreicht - ein geschichtlich einmaliges Ergebnis.
Jetzt beginnt Hitlers gewaltiges wirtschaftliches, soziales und kulturelles Aufbauwerk im Sinne des Nationalsozialismus und zum Wohle der Nation! Was Adolf Hitler mit seinen Mitarbeitern in den folgenden sieben Jahren erreicht - ein geschichtlich einmaliges Ergebnis.

FEBRUAR 1933

1.2.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg ordnet die Auflösung des Reichstages und die Abhaltung von Neuwahlen am 5. März 1933 an.
Reichswehrminister Werner von Blomberg versichert der Truppe, daß er die Reichswehr als ein »überparteiliches Machtmittel des Staates« erhalten wolle.
Am Abend spricht Adolf Hitler erstmals im Rundfunk und verliest den Aufruf der Reichsregierung an das Volk: "...So wird es die nationale Regierung als ihre oberste und erste Aufgabe ansehen, die geistige und willensmäßige Einheit unseres Volkes wieder herzustellen. Sie wird die Fundamente wahren und verteidigen, auf denen die Kraft unserer Nation beruht. Sie wird das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen....."

2.2.1933
Vor dem Reichsrat erklärt Reichskanzler Adolf Hitler, er wolle die Länder als die »historischen Bausteine« des deutschen Reiches erhalten und strebe keine Zentralisierung um jeden Preis an.
Der kommissarische preußische Innenminister Hermann Göring (NSDAP) verbietet Demonstrationen der KPD in Preußen. Die NSDAP-regierten Länder Thüringen, Braunschweig, Mecklenburg-Schwerin und Oldenburg folgen dieser Maßnahme.
Die SPD veröffentlicht ihren Wahlaufruf und fordert u.a. die Enteignung der Großgrundbesitzer und der Schwerindustrie sowie den Aufbau einer sozialistischen Plan- und Bedarfsdeckungswirtschaft.
Auf Vorschlag der Reichsregierung ändert Reichspräsident Paul von Hindenburg das Reichswahlgesetz ab. So müssen Parteien, die nicht im Reichstag vertreten sind, statt 500 nunmehr 60.000 Stimmen beibringen, damit ihr Kreiswahlvorschlag berücksichtigt wird.
Adolf Hitler erteilt der Parteiführerschaft Berlin Richtlinien für den kommenden Reichstagswahlkampf. Hitler erlässt folgenden Aufruf: "Parteigenossen! SA.- und SS-Männer! (...) Die kommunistische Mordorganisation hetzt seit Tagen in unverantwortlicher Weise gegen die nationale Erhebung. Niemand verliert die Nerven! Haltet Ruhe und Disziplin! (...) Die Stunde der Niederbrechung dieses Terrors kommt."
Am Jahrestag der Eröffnung der ersten Abrüstungskonferenz in Genf (2. - 24. 2. 1932) tagt in Anwesenheit von Vertretern aller 64 Staaten der Hauptausschuß unter Vorsitz des Briten Arthur Henderson. Deutschlands Vertretung fordert "Rüstungsgleichberechtigung".
Unter den Berliner Premierengästen des Ufa-Films "Morgenrot" von Gustav Ucicky, mit Rudolf Forster und Adele Sandrock in den Hauptrollen, ist Reichskanzler Adolf Hitler.

3.2.1933
In der Dienstwohnung des Chefs der Heeresleitung, General der Infanterie Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, hält Adolf Hitler vor den Befehlshabern des Heeres und der Marine eine grundlegende Rede. Er bezeichnet die Wiedergewinnung der politischen Macht nach innen durch eine "autoritäre Staatsführung", die "Ausrottung des Marxismus" und die "Stärkung des Wehrwillens mit allen Mitteln" als Ziele.
Adolf Hitler gewährt einer Reihe von englischen, amerikanischen und italienischen Journalisten Interviews. Dabei verkündet er: "... Jeder, der wie ich selbst, den Krieg kennt, weiß welchen Verbrauch von Kräften er bedeutet. Über das, was ein etwaiger zukünftiger Krieg mit sich bringt, können nur Mutmaßungen aufgestellt werden. Daher wünscht niemand mehr Friede und Ruhe als ich und als das deutsche Volk!"
Erhard Milch, Fliegeroffizier wird Stellvertretender Reichskommissar für die Luftfahrt, tritt in die NSDAP ein.
In Genf endet die am 24. Januar eröffnete 70. Tagung des Völkerbundrates in dessen Verlauf u.a. ohne Ergebnis über die deutschen Beschwerden wegen einer Benachteiligung der Oberschlesiendeutschen durch die polnische Agrarreform diskutiert wurde.

4.2.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg erläßt die Notverordnung »zum Schutze des deutschen Volkes«. Sie schränkt die Meinungsfreiheit erheblich ein.
Franz von Papen, der Reichskommissar für Preußen, ernennt zu seinen Stellvertretern für den Bereich Wirtschaft und Landwirtschaft Reichsminister Alfred Hugenberg (DNVP) und für Bildung und Wissenschaft Bernhard Rust (NSDAP).
Der preußische Landtag lehnt mit 214 gegen 196 Stimmen den Antrag der NSDAP-Fraktion auf Selbstauflösung ab. Dagegen werden die Gemeindeparlamente von der kommissarischen preußischen Regierung für aufgelöst erklärt. Für den 12. März werden Neuwahlen angesetzt.
Reichsminister Hermann Göring ersetzt die Verantwortlichen für die Personalfragen der preußischen Schutzpolizei, Polizeioberst Majewski und Polizeihauptmann Zeitz, durch den weit rechts stehenden Polizei-Oberstleutnant von Zeppelin.

5.2.1933
Adolf Hitler nimmt im Braunhemd an der Trauerfeier für SA-Sturmführer Hans Maikowski und Polizeioberwachtmeister Josef Zauritz im Berliner Dom teil. Die beiden waren im Anschluss an den Fackelzug vom 30. Januar bei politischen Zusammenstößen erschossen worden.
Die Reichspressestelle der NSDAP teilt mit: "...Wie bekannt, verbleibt die Leitung der nationalsozialistischen Bewegung auch für die Zukunft in München. Adolf Hitler, der auch persönlich außerordentlich an München hängt, behält hier seine eigentliche Wohnung. Der Führer bezieht im Übrigen als Reichskanzler kein Gehalt, er hat, da er sich als Schriftsteller sein Einkommen selbst verdient, auf seine Bezüge als Reichskanzler Verzicht geleistet."
Auf einer Sitzung des SPD-Parteivorstandes mit Vertretern des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes plädiert der "Vorwärts"-Chefredakteur Friedrich Stampfer vergeblich für ein Kooperationsangebot an die KPD.
Bei politischen Auseinandersetzungen im Reichsgebiet sterben fünf Menschen, darunter der SPD-Bürgermeister von Staßfurt, Hermann Kasten, den ein 17jähriger NSDAP-Anhänger ermordet.

6.2.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg überträgt durch eine Notverordnung die Rechte der preußischen Regierung auf den Reichskommissar für Preußen, Franz von Papen, und seine Beauftragten.
Adolf Hitler gewährt dem englischen Obersten Etkerton, Pressevertreter der "Daily Mail", ein Interview, das beim Erscheinen Missfallen auslöste.
Eva Braun erhält von Adolf Hitler zu ihrem 21. Geburtstag ihren ersten Schmuck.

7.2.1933
Der "Völkischen Beobachter" schreibt auf der Titelseite: "Adolf Hitler verzichtet auf sein Reichskanzler-Gehalt ….. Wie die Reichspressestelle der NSDAP mitteilt, bezieht der Führer als Reichskanzler kein Gehalt, er hat, da er sich als Schriftsteller sein Einkommen selbst verdient, auf die Bezüge als Reichskanzler Verzicht geleistet."
Auf einer Tagung des Zentralkomitees der KPD im Lokal Sporthaus Ziegenhals in Niederlehme (Kreis Königs Wusterhausen) propagiert der Parteivorsitzende Ernst Thälmann vor den rund 40 Teilnehmern den Sturz der Hitler-Regierung durch außerparlamentarische Massenaktionen.
In Preußen wird der Landtag aufgelöst. Neuwahlen werden für den 5. März angesetzt.
Unter Hinweis auf die Notverordnungen, die die Versammlungs- und Pressefreiheit weiter einschränken, erklärt Otto Wels, einer der drei SPD-Vorsitzenden, vor rund 200.000 Anhängern der Eisernen Front im Berliner Lustgarten, nur schwache Regierungen regierten mit Gewalt und ruft zu Disziplin und Geschlossenheit auf.
Der neue Landtag (Wahl vom 15. Januar) von Lippe wählt eine NSDAP-Regierung unter Präsident Ernst Krappe.
Der hessische Landtag lehnt gegen die Stimmen der Rechtsparteien eine Auflösung des Parlaments und der Kommunalvertretungen sowie die Herabsetzung der Zahl der Landtagsmandate ab.
Das dänische Königspaar, König Christian X. und Königin Alexandrine, treffen in Berlin bei einem Aufenthalt auf der Reise nach Cannes, den Reichspräsidenten von Hindenburg und den Reichsaußenminister von Neurath zu einem kurzen Besuch.

8.2.1933
Der bayerische Landtag billigt mit den Stimmen der Fraktionen von SPD und NSDAP einen NSDAP-Antrag, der die bayerische Staatsregierung zu einer Aufsicht über die Geschäftsführung der in Bayern tätigen Großbanken auffordert.
Auf der Sitzung des Reichskabinetts setzen Adolf Hitler und Reichswehrminister Werner von Blomberg entgegen anderen Vorschlägen den absoluten Vorrang der militärischen Ausrüstung bei allen wirtschaftspolitischen Maßnahmen durch. Als erste außenwirtschaftliche Maßnahme der neuen Reichsregierung werden die Einfuhrzölle für Lebendvieh, Frischfleisch und Schmalz erhöht.
Das Land Preußen klagt gegen das Deutsche Reich und die am 6. Februar erlassene Verordnung zur Wiederherstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen. Das Kabinett von Ministerpräsident Otto Braun ist der Auffassung, dass die Verordnung verfassungswidrig ist. Auch Bayern will sich dieser Klage anschließen.
Adolf Hitler spricht vor leitenden Männern der deutschen Presse. Er will ihnen die neue Einschränkung der Versammlungs- und Pressefreiheit, die er durch die Notverordnung zum Schütze des deutschen Volkes vom 4. Februar gerade verhängt hatte, begründen. Unter anderem verkündet er: "In 10 Jahren wird es in Deutschland keinen Marxismus mehr geben."

9.2.1933
In der Sitzung des Ausschusses der Reichsregierung für Arbeitsbeschaffung erklärt Adolf Hitler: "Die Zukunft Deutschlands hängt ausschließlich und allein vom Wiederaufbau der Wehrmacht ab ... Er halte die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch Vergebung öffentlicher Aufträge für die geeignetste Hilfsmaßnahme ..."
Adolf Hitler tritt erstmals am Diner-Empfang der ausländischen Diplomaten bei Reichspräsidenten Paul von Hindenburg auf. Hitler unterhält sich intensiv mit der Jüdin Elisabeth Cerruti, der Frau des italienischen Botschafters.
Die Deutsche Volkspartei, der Christlich-Soziale Volksdienst und die Deutsche Bauernpartei vereinbaren eine gemeinsame Reichstagswahlliste. Vergeblich hat sich Vizekanzler Franz von Papen bemüht, einen Wahlblock der bürgerlichen Rechten zu bilden.
Adolf Hitlers Gehaltsverzicht als Reichskanzler ist, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, bei einem Beamten rechtlich nicht zulässig. Deswegen wird das Geld nach Steuerabzug an ein Kuratorium überwiesen, und wird zur Unterstützung von bedürftigen Hinterbliebenen erschossener SA-Männer und Polizisten verwendet.

10.2.1933
Mit einer Rede im Berliner Sportpalast eröffnet der neue Reichskanzler Adolf Hitler den Wahlkampf der NSDAP. In dieser ersten Rede als Reichskanzler, die von Joseph Goebbels angekündigt wird, geht Hitler wenige Tage nach der NSDAP-Wahl unter seiner Führung auf die innenpolitischen Probleme des Reiches ein, die sich während der Zeit der sogenannten Weimarer Republik aufgestaut haben. Die Rede wird übers ganze deutsche Rundfunknetz übertragen: ".... 14 Jahre lang haben die Parteien des Zerfalls, der November-Revolution das deutsche Volk verführt und misshandelt, 14 Jahre lang haben sie zerstört, zersetzt und aufgelöst. Dann ist es nicht vermessen, wenn ich heute vor die Nation hintrete und sie beschwöre, deutsches Volk, gib uns vier Jahre Zeit, dann richte und urteile über uns ..."
Als erste wirtschaftspolitische Maßnahme des Kabinetts Hitler-Hugenberg, werden die Einfuhrzölle auf Vieh, Fleisch und Schmalz stark erhöht, da für diese Erzeugnisse kein Einfuhrbedarf vorliegt. Die deutschen Viehbestände reichen für die einheimische Bevölkerung völlig aus.
Die Verkehrspolizisten im Deutschen Reich werden von jetzt an teilweise mit Fotoapparaten ausgerüstet, um Unfälle und andere Ereignisse besser aufklären und dokumentieren zu können.
Eine Explosion eines 70 Meter hohem Gasometers des Neunkirchener Eisenwerks in Niederneunkirchen verwüstete große Teile des Hüttenareals sowie 65 Wohnhäuser in der unmittelbaren Umgebung völlig. Das Unglück forderte 68 Tote und etwa 190 Verletzte.
In München spricht Thomas Mann über "Leiden und Größe Richard Wagners".

11.2.1933
In Berlin eröffnet Reichskanzler Adolf Hitler die Internationale Auto- und Motorrad-Ausstellung, auf der 350 Autos und 100 Motorräder gezeigt werden. Er kündigt die staatliche Förderung der Automobilindustrie an. Nach seiner Rede flog Hitler nach Kassel, um dort anlässlich der Einweihung des Adolf-Hitler-Hauses zu sprechen. Er erklärt dort: "... Vorbei ist die Zeit der internationalen Solidarität. An ihre Stelle wird die nationale Solidarität des deutschen Volkes treten ..."
Mit Reichswirtschaftsminister Alfred Hugenberg als Hauptredner veranstaltet die am Vortag gegründete Kampffront Schwarz-Weiß-Rot (DNVP und Stahlhelm) eine Großveranstaltung im Berliner Sportpalast. Die Wahlkampfrede von Dr. Hugenberg wird auf Anordnung der Reichsregierung im Rundfunk übertragen.
Die "Illustrated London News" berichtet über die Ergebnisse der Ausgrabungsarbeiten in der altpersischen Metropole Persepolis.
Der kommissarische preußische Kultusminister, Bernhard Rust (NSDAP), beruft den Weimarer Generalintendanten Franz Ulbrich zum Leiter des Berliner Staatlichen Schauspielhauses. Als erster Dramaturg wird der Schriftsteller Hanns Johst eingesetzt.
Der deutsche Schriftsteller Thomas Mann reist mit seiner Frau auf seiner Vortragsreise anlässlich des 50. Todestages Richard Wagners weiter nach Amsterdam, Brüssel und Paris. Von dieser Reise kehrt er aus politischen Gründen nicht nach Deutschland zurück.

12.2.1933
Mit der Aufführung von Richard Wagners "Tannhäuser" dirigiert Otto Klemperer zum letzten Mal in der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Er muss wegen seiner jüdischen Abstammung als Generalmusikdirektor abtreten. Von jüdischer Seite genoss er allerdings wenig Ansehen; im Lexikon der Juden in der Musik (1940) wurde er mit folgender Aussage verfemt: „Seine Hauptaufgabe sah Klemperer in der bewussten Entstellung deutscher Meisterwerke."
Der Chefredakteur des SPD-Parteiorgans "Vorwärts", Friedrich Stampfer, fordert die KPD zu einem Nichtangriffspakt beider Parteien auf.
Als kommissarischer preußischer Minister für Wissenschaft und Unterricht gibt Bernhard Rust zu verstehen, „mit aller Brutalität der Pflicht“ das aus den Schulen zu verbannen, „was dort nicht hingehört und undeutsch ist“.
Im Beisein von Reichskanzler Adolf Hitler wird in Leipzig des 50. Todestages von Richard Wagner gedacht. Der Führer besucht ein Festkonzert im Leipziger Gewandhaus. Es begleiten ihn Oberbürgermeister Carl Goerdeler, Winifred und Wieland Wagner.
Politische Auseinandersetzungen in Eisleben zwischen SA-Leuten und Besuchern einer Veranstaltung der Roten Hilfe, fordern vier Tote und zahlreiche Schwerverletzte.

13.2.1933
Der kommissarische preußische Innenminister Hermann Göring (NSDAP) beurlaubt eine Reihe von Regierungspräsidenten, Polizeipräsidenten und höheren Polizeiführern. Seit dem »Preußen-Putsch« vom 20. Juli 1932 sind sieben der elf Oberpräsidenten, 15 der 33 Regierungspräsidenten und 24 von 35 Polizeipräsidenten beurlaubt worden, um den Verwaltungsapparat so umzugestalten, daß er von den höchsten Posten bis herunter zur Verwaltung mit ihren politischen Absichten übereinstimmt.
Vor 5000 Funktionären der Eisernen Front in Berlin erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Peter Graßmann, die Gewerkschaften nähmen den Kampf gegen die Reichsregierung auf.
DNVP und Stahlhelm schließen sich für die bevorstehenden Reichstagswahlen und Wahlen zum preußischen Landtag zu einer »Kampffront des Schwarz-Weiß-Rot« zusammen. Franz von Papen stellt sich dieser Front zur Verfügung.

14.2.1933
Auf einem Empfang der Vertreter der gesamten nationalsozialistischen Presse in der Reichskanzlei erklärt Adolf Hitler zur Aufgabe der Presse: "Die Erziehung der ganzen deutschen Presse zum Gedanken des Dienstes am Volke als dem oberster Grundsatz, aus dem die Presse als öffentliche Einrichtung ihre Daseinsberechtigung überhaupt ableite (...)"
Vor in Berlin versammelten SA- und SS-Führern gibt Adolf Hitler in einer Ansprache nähere Anweisungen über die Führung des Wahlkampfes.
In Hamburg scheitert eine Neubildung des Senats an der Weigerung der Hamburger Staatspartei, der NSDAP die Ämter des Ersten Bürgermeisters und des Polizeiherrn zu überlassen.
Die Stadt Berlin veröffentlicht ihre Finanzen, mit Einnahmen, mit Ausgaben und Schulden. Mit den Mehrausgaben der vergangenen 3 Jahre, kommt man auf einen Fehlbetrag von insgesamt 150 Millionen Mark.

15.2.1933
In der bayerischen Gesandtschaft in Berlin beschließen die Länder-Regierungschefs, zur Preußenfrage nicht Stellung zu nehmen. Am 7. Februar hatte die alte preußische Staatsregierung Otto Braun / Carl Severing (SPD) beim Staatsgerichtshof Klage gegen die Übertragung ihrer Rechte an den Reichskommissar für Preußen erhoben.
Adolf Hitler spricht vor Kriegsopferverbänden bei einem Empfang in der Reichskanzlei und erklärt, er werde "das Kriegsopferproblem an der Wurzel anpacken".
Am Abend bei einer Wahlveranstaltung in Stuttgart greift Adolf Hitler insbesondere die vergangene Kulturpolitik an und erklärt: "(...) diese Fäulniserscheinung in der Literatur, in Theater, in Schule und Presse, kurz in unserer ganzen Kultur, auszubrennen und das Gift zu beseitigen, das in diesen vierzehn Jahren in unser ganzes Leben hineingeflossen ist." Aufgrund eines durchgeschnittenen Kabels muss die Sendung des Südfunks von der Wahlrede Hitlers unterbrochen werden.
Attentat auf Franklin D. Roosevelt nur wenige Wochen vor seiner Vereidigung zum US-Präsident: Der Italo-Amerikaner Giuseppe Zangara feuerte in Miami fünf Schüsse ab. Roosevelt selbst wurde nicht getroffen, allerdings kamen vier Menschen ums Leben, darunter auch der Bürgermeister von Chicago, Anton Cermak.
Von amtlicher Stelle wird dementiert, dass Reichsorganisationsleiter Dr. Joseph Goebbels als "Leiter einer Reichspropagandastelle" ins Kabinett eintreten soll.
Hans Bredow, seit 1926 Reichsrundfunkkommissar, tritt zurück. An seine Stelle tritt Staatssekretär Dr.-Ing. August Kruckow. Der politische Rundfunkkommissar, Oberregierungsrat Walter Conrad, der die politische Aufsicht über den deutschen Rundfunk führte, wird nach einer Besprechung mit Reichsinnenminister Frick abgesetzt. Nachfolger Conrads wurde dessen persönlicher Referent Gustav Krukenberg.
Heinrich Mann und Käthe Kollwitz legen die Führung der Sektion für Dichtkunst in der preußischen Akademie der Künste nieder. Der Theaterkritiker Alfred Kerr, Präsident des deutschen PEN-Clubs, geht ins Exil.
Der Berliner Polizeipräsident hat die Berliner Zeitungen "Vorwärts" und "8 Uhr-Abendblatt" verboten. Der Oberpräsident der Provinz Sachen hat die in Magdeburg erscheinende Sozialdemokratische "Volksstimme" auf die Dauer von fünf Tagen verboten, weil in dieser Zeitung der Polizeipräsident von Magdeburg verächtlich gemacht worden sei. Das kommunistische "Thüringer Volksblatt" in Erfurt wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Aufreizung zum Generalstreik verboten.

16.2.1933
Im Reichsrat verwahrt sich Bayern gegen die Teilnahme des Reichskommissars für Preußen, Franz von Papen. Die Länderkammer billigt mit 39 gegen 26 Stimmen den Antrag Bayerns, bis zu einer Gerichtsentscheidung über die Rechtmäßigkeit der Kommissariatsregierung in Preußen die Beratungen auf besonders dringliche Fälle zu beschränken.
Die Regierung von Braunschweig entläßt Adolf Hitler auf dessen Wunsch mit sofortiger Wirkung vom Amt des Regierungsrates des Landeskultur- und Vermessungsamtes. Am 25. Februar 1932 war Hitler formell braunschweigischer Beamter und damit Bürger des Deutschen Reiches geworden.
Der Berliner Polizeipräsident hat vier in Berlin erscheinende kommunistische Zeitungen und Wochenschriften bis 28. Februar bzw. 31. März verboten. In Halle wurde der kommunistische "Klassenkampf" auf vier Wochen verboten.
Schießerlaß des preußischen Innenministers Göring: "Es wird Straffreiheit für jeden Waffengebrauch gegen "Staatsfeinde" zugesichert (…) Gegen terroristische Terrorakte und Überfälle ist mit aller Strenge vorzugehen, und wenn nötig, rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen."
In Genf erneuern die Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien die seit 1921 bestehende Kleine Entente.

17.2.1933
Adolf Hitler hält eine Wahlrede in der Dortmunder Westfalenhalle und fliegt anschließend in einem Privatflugzeug nach Köln.
Der Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, weigert sich, Adolf Hitler offiziell zu empfangen. Als Begründung erklärt Adenauer: Hitler komme nicht als Reichskanzler, sondern als Parteiredner der NSDAP.
Der kommissarische Innenminister von Preußen, Hermann Göring (NSDAP), fordert von der Polizei die Tolerierung aller Übergriffe von SA und Stahlhelm.
Die Spitzenorganisation der Deutschen Filmindustrie unter Vorsitz von Ufa-General Direktor Ludwig Klitzsch veröffentlicht ihren Plan zur Neuorganisation der deutschen Filmindustrie.
Der Kölner Regierungspräsident hat im Zusammenhang mit der Tötung eines SA-Mannes durch Schüsse aus dem SPD-Volkshaus in Siegburg öffentliche Versammlungen der SPD und der Eisernen Front bis auf weiteres verboten.
Der deutsche Schriftsteller Oskar Maria Graf fährt zu einer Vortragstournee nach Wien und kehrt anschließend nicht mehr ins Deutsche Reich zurück.

18.2.1933
Der Reichspräsident Paul von Hindenburg erlässt eine Verordnung zur Milderung von Härten in der Sozialversicherung und in der Reichsversorgung, insbesondere was Rentner, Kinder und Invaliden betrifft. Sie tritt ab 1. April 1933 in Kraft.
In der Nacht kam es in verschiedenen Berliner Stadtteilen zu politischen Schießereien. Der schwerste Fall ereignete sich in Charlottenburg, wo zwei Angehörige der NSDAP von 40 Kommunisten verfolgt und beschossen werden. Nach Eintreffen der Schutzpolizei, flüchteten die Kommunisten und entkamen.
In Königsberg erwirken die SPD-Politiker Otto Braun und Carl Severing eine einstweilige Verfügung gegen ein NSDAP-Wahlplakat, auf dem ihnen vorgeworfen wird, sie hätten als preußische Regierungsmitglieder 2 Mio. Reichsmark veruntreut.
Bei seiner ersten Rede im Reichstagswahlkampf weist der ehemalige Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum) in Würzburg den Vorwurf der NSDAP zurück, sie habe von den früheren Regierungen einen Trümmerhaufen übernehmen müssen.
Eine Protestveranstaltung zur Pressefreiheit "Das Freie Wort" in der Berliner Kroll-Oper mit 900 Gästen und 100 Journalisten, wird polizeilich aufgelöst. Albert Einstein, Heinrich Mann und Rudolf Olden hatten als Initiativkomitee zur Teilnahme aufgerufen.

19.2.1933
Der ehemalige Reichskanzler Wilhelm Marx (Zentrum) erreicht vom kommissarischen preußischen Innenminister Hermann Göring die Rücknahme des Erscheinungsverbots der Zentrumspresse. Rund 600 Zeitungen konnten wegen Abdrucks des Wahlaufrufs der katholischen Verbände ab dem 18. Februar nicht erscheinen.
Mit einem Aufmarsch im Lustgarten endet in Berlin die letzte zweitägige Bundesgeneralversammlung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Die Versammelten gedenken der für die Republik Gefallenen und der über 3475 Reichsbannerleute, die von Gerichten zu Strafen von insgesamt 2597 Monaten Gefängnis und 509 Monaten Zuchthaus verurteilt wurden.

20.2.1933
Reichskanzler Adolf Hitler und Reichsminister Hermann Göring empfangen, zwecks Erläuterung ihres Wirtschaftsprogramms im Berliner Reichspräsidenten-Palais 25, führende Industrielle und Bankiers, u.a. Gustav Krupp, Hjalmar Schacht, Albert Vögler, Friedrich Flick, Kurt von Schröder, Ernst Tengelmann und Karl Büsen, die im Anschluß 3 Millionen Reichsmark für den Wahlkampf bereit stellen.
Auf einer Veranstaltung der Bayerischen Volkspartei in Kaiserslautern kommt es zu Zusammenstößen zwischen der SA und Zentrumsanhängern. Der Hauptredner, der ehemalige Reichskanzler Heinrich Brüning, wird danach unter Polizeischutz aus der Stadt geleitet.

21.2.1933
Die »Vossische Zeitung« veröffentlicht einen Brief Friedrich Eberts, des ältesten Sohnes des ersten Reichspräsidenten, an Paul von Hindenburg. Ebert protestiert gegen die Behauptung der NSDAP, 14 Jahre Marxismus hätten Deutschland ruiniert.
Die NS-Tageszeitung "Westdeutscher Beobachter" kritisiert die Weigerung des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer (Zentrum), am Tag des Besuchs von Adolf Hitler in Köln (19. 2.) die Rheinbeleuchtung einschalten zu lassen und erklärt, dass "solche Herausforderungen sich in Zukunft rächen werden".
In Krefeld wird eine Zentrumsveranstaltung mit dem früheren Reichsarbeitsminister Adam Stegerwald als Hauptredner durch die SA gestört. Dabei wird Stegerwald tätlich angegriffen.

22.2.1933
Der kommissarische preußische Innenminister Hermann Göring (NSDAP) ordnet die Bildung einer Hilfspolizei an, die sich vornehmlich aus SA, SS und Stahlhelm rekrutiert.
Reichsinnenminister Wilhelm Frick verbietet in Sachsen bis auf weiteres alle Kundgebungen der KPD unter freiem Himmel.
Der kommissarische preußische Kultusminister, Bernhard Rust (NSDAP), führt ab Ostern 1933 in den Berufs- und Fortbildungsschulen des Landes den Religionsunterricht ein und ordnet den Abbau der nicht-konfessionellen Schulen an.
Adolf Hitler eröffnet dem ungarischen Journalisten von "Budapest Hirlap", dass die NSDAP bei der Wahl am 5. März mindestens drei Millionen Stimmen gewinnen werde.

23.2.1933
In einem Interview mit der Associated Press erklärt Adolf Hitler, Abrüstung und Gleichberechtigung seien die vorrangigen außenpolitischen Ziele seiner Regierung.
Adolf Hitler hält eine Wahlrede in Frankfurt und fliegt dann nach München.
Auf der letzten KPD-Kundgebung in Berlin, die von der Polizei vorzeitig aufgelöst wird, fordert Wilhelm Pieck eine »Einheitsfront« der Tat, lehnt jedoch einen »Nichtangriffspakt« mit der SPD wegen ihres angeblichen »Sozialfaschismus« ab.
Nach einer Durchsuchung des Karl-Liebknecht-Hauses, Sitz der KPD-Leitung am Bülowplatz in Berlin, werden das Haus und die darin befindliche Druckerei polizeilich besetzt und bis auf weiteres geschlossen.
Vor Beginn einer SPD-Veranstaltung mit dem Reichstagsabgeordneten Philipp Scheidemann kommt es in Essen zu schweren Ausschreitungen von SA und SS. Die Veranstaltung wird darauf vom Essener Polizeipräsidenten verboten.

24.2.1933
Adolf Hitler spricht im Münchner Hofbräuhaus vor 2.000 alten Parteigenossen zur Parteigründungsversammlung von 1920. Anschließend hält er eine große Wahlrede in den Münchner Ausstellungshallen. Er sagt u. a.: "Deutschland und diesem deutschen Volk, das die andern ins Unglück stürzten, werde ich mich auch in vier Jahren wieder stellen ... Ich werde mir niemals eine Villa in der Schweiz bauen lassen oder ein Bankkonto anlegen! Ich bleibe bei meinem Volke und bin bereit, ihm nach diesen vier Jahren wieder Rede und Antwort zu stehen!"
Mit Hinweis auf die vielen gewaltsamen Störungen seiner Kundgebungen durch die SA lehnt der frühere Berliner Polizeipräsident Albert Grzesinski ein Auftreten bei SPD-Kundgebungen in Dortmund, Frankfurt am Main, Altona und Kiel ab.

25.2.1933
Adolf Hitler hält eine weitere Wahlkampfrede in Nürnberg. Er spricht vor über 20.000 Menschen in der Kongresshalle am Luitpoldhain, in der er am Ende sagt: "... Das deutsche Volk wird und muss wieder einstimmen in den großen Choral, der heute durch Deutschland geht, es naht die Tat."
Bei einer von Vizekanzler Franz von Papen vermittelten Aussprache zwischen dem Reichskommissar für das preußische Innenministerium, Hermann Göring, und dem Präsidenten des preußischen Staatsrats, Konrad Adenauer, hinsichtlich des Erlasses Görings, wird halbamtlich erklärt, dass Präsident Adenauer "zufriedenstellende Erklärungen" erhalten habe.
Die "Gewerkschaftszeitung" veröffentlicht einen Brief des stellvertretenden ADGB-Vorsitzenden Peter Graßmann an Reichspräsident Paul von Hindenburg mit der Bitte um Aufhebung des Göring-Erlasses vom 17. Februar.
In Newport News (US-Bundesstaat Virginia) läuft der erste US-Flugzeugträger, die U.S.S. "Ranger", vom Stapel.

26.2.1933
Mit einer Doppelnummer unter dem Datum 26./27. Februar erscheint die letzte legale Ausgabe des KPD-Zentralorgans "Die Rote Fahne". Ab März wird sie - zunächst in Berlin, später im Ausland - dreimal monatlich herausgebracht.
Mit dem Ordens "Pour le mérite" für Wissenschaft und Künste werden der in Zürich lebende berühmte Kunsthistoriker Professor Dr. Heinrich Wölfflin und der Bildhauer Ernst Barlach in Güstrow (Mecklenburg) geehrt.
In Frankreich stellen die großen Pariser Schneider ihre Frühjahrsmodelle vor. Die Röcke werden wieder beträchtlich kürzer.

27.2.1933
Das Berliner Reichstagsgebäude wird durch Brandstiftung zum Teil zerstört. Kurz nach 21 Uhr wurde im Reichstag Feueralarm gegeben. Die Feuerwehr war mit 15 Löschzügen vor Ort. Allerdings hatte sie das Feuer erst gegen 0:25 Uhr weitgehend gelöscht. Als Täter wird der Niederländer Marinus von der Lubbe verhaftet. In der gleichen Nacht werden viele hundert NSDAP-Gegner inhaftiert.
Eine SPD-Veranstaltung im Berliner Sportpalast mit "Vorwärts"-Chefredakteur Friedrich Stampfer als Hauptredner zum Gedenken an den am 14. März 1883 verstorbenen Karl Marx wird von der Polizei aufgelöst.
Auf einer Zentrumskundgebung in Frankfurt am Main weist Fritz Schäffer, Vorsitzender der Bayerischen Volkspartei, Drohungen der NSDAP gegen die Eigenständigkeit Bayerns zurück.
In der Berliner Philharmonie veranstaltet die Staatspartei eine stark besuchte Kundgebung, wo der frühere Finanzminister Hermann Dietrich als Spitzenkandidat, die derzeitige Koalition heftig kritisiert.
In den deutschen Karnevalshochburgen feiern Zehntausende von Narren und Närrinnen die traditionellen Rosenmontagszüge. Die politischen Umwälzungen im Deutschen Reich scheinen dem Frohsinn keinen Abbruch zu tun.

28.2.1933
Reichspräsident Paul von Hindenburg unterzeichnet die Notverordnungen »zum Schutz von Volk und Staat« und gegen »Verrat am deutschen Volke und hochverräterische Umtriebe«. Die weitreichende Regelung wurde als Notverordnung nach Artikel 48 (Notstand) der Weimarer Reichsverfassung erlassen. Laut Eingangssatz diente sie „zur Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte“. Die von Reichspräsident von Hindenburg erlassene Verordnung wurde von Reichskanzler Adolf Hitler, Reichsminister des Innern Wilhelm Frick und Reichsminister der Justiz Dr. Gürtner gegengezeichnet.
Der preußische Innenminister Hermann Göring (NSDAP) verbietet das Erscheinen der SPD-Presse in Preußen für die Dauer von zwei Wochen.
Der KPD-Funktionär Willi Münzenberg flieht nach Paris. Bertolt Brecht flieht mit seiner Frau, Helene Weigel, und seinem Sohn Stefan zunächst nach Prag.

Wahlveranstaltung der NSDAP

Entgegen dem von Anfang an durch Sozialdemokraten erhobenen Vorwurf einer nationalsozialistischen Urheberschaft der Brandstiftung, ist die Alleintäterschaft von van der Lubbe heute gesichert. Zweifel an der Alleintäterschaft kamen auf, da es unmöglich schien, daß van der Lubbe allein einen so mächtigen Brand legen konnte. Für das rasche Ausbreiten des Feuers ist jedoch das Phänomen der Rauchgasexplosion verantwortlich, welches zur damaligen Zeit noch nicht ausreichend erforscht war. Die Berliner Feuerwehr rückte mit über 60 Fahrzeugen an, Feuerwehrleute aus 15 Revieren waren im Einsatz. Der Plenarsaal wurde vollständig zerstört. Nach 1945 tauchten eine Reihe von fadenscheinigen Gutachten, sowie allerlei gefälschte Dokumente auf, welche die nationalsozialistische Regierung bezichtigten, den Brand gelegt zu haben. Diese wurden als Falsifikat enttarnt. Der geständige van der Lubbe wollte mit seiner Brandstiftung ein Zeichen gegen die Machtübernahme Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten setzen.                


Entgegen dem von Anfang an durch Sozialdemokraten erhobenen Vorwurf einer nationalsozialistischen Urheberschaft der Brandstiftung, ist die Alleintäterschaft von van der Lubbe heute gesichert. Zweifel an der Alleintäterschaft kamen auf, da es unmöglich schien, daß van der Lubbe allein einen so mächtigen Brand legen konnte. Für das rasche Ausbreiten des Feuers ist jedoch das Phänomen der Rauchgasexplosion verantwortlich, welches zur damaligen Zeit noch nicht ausreichend erforscht war. Die Berliner Feuerwehr rückte mit über 60 Fahrzeugen an, Feuerwehrleute aus 15 Revieren waren im Einsatz. Der Plenarsaal wurde vollständig zerstört. Nach 1945 tauchten eine Reihe von fadenscheinigen Gutachten, sowie allerlei gefälschte Dokumente auf, welche die nationalsozialistische Regierung bezichtigten, den Brand gelegt zu haben. Diese wurden als Falsifikat enttarnt. Der geständige van der Lubbe wollte mit seiner Brandstiftung ein Zeichen gegen die Machtübernahme Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten setzen.                

Reichspräsident Hindenburg
NSDAP-Führer Adolf Hitler
Reichskanzler von Schleicher
Franz von Papen
Hermann Göring
Kurt von Hammerstein-Equord
Werner von Blomberg

Joachim von Ribbentrop

Otto Schmidt-Hannover

Rudolf Breitscheid

Erhard Milch

Hans Maikowski

Eva Braun

Ernst Thälmann

Hans Maikowski
Carl Severin
Otto Braun
Marinus von der Lubbe
Heinrich Brüning
Wilhelm Pieck

Konrad Adenauer

Thälmann kämpfte mit roten Terror für eine deutsche Sowjetrepublik
Adolf Hitler spricht zum Wahlkampf im Berliner Sportpalast
Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen
 Erste Rede Adolf Hitlers als Reichskanzler  
 Erste Rede Adolf Hitlers als Reichskanzler