Die nationalsozialistische Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF) wurde gegründet, um dem Deutschen Volk Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung anzubieten. Die Organisation bestand von 1933 bis 1945. Kraft durch Freude war eine Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Mit dem Amt für Reisen, Wandern und Urlaub war KdF zugleich der größte Reiseveranstalter. Die Grundidee von KdF beruhte auf Erkenntnissen Robert Leys. Sein ideologischer Grundgedanke war es, der Arbeiterschaft in ihrer Freizeit die Möglichkeit zur Erholung zu geben. Hitler selbst wird von Ley mit folgenden Worten zitiert: "Ich will, daß dem Arbeiter ein ausreichender Urlaub gewährt wird und daß alles geschieht, um ihm diesen Urlaub sowie seine übrige Freizeit zu einer wahren Erholung werden zu lassen. Ich wünsche das, weil ich ein nervenstarkes Volk will, denn nur allein mit einem Volk, das seine Nerven behält, kann man wirklich wahrhaft große Politik machen."                     

Die Organisation Kraft durch Freude wollte durch preisgünstigen Urlaub den Lebensstandard der Bevölkerung heben. Neben Kreuzfahrten auf KdF-eigenen Schiffen war der Bau von insgesamt fünf Seebädern für jeweils 20.000 Personen geplant, die es der Bevölkerung ermöglichen sollten, jeweils zwei Wochen im Jahr Urlaub zu machen. Das einzige in Teilen realisierte Bauprojekt aus diesem Plan ist das KdF-Seebad Rügen, Prora. Der Auftrag zur Errichtung des Seebades wurde nach einer Ausschreibung im Februar 1936 an den Architekten Clemens Klotz (18861969) erteilt. Zwar waren insgesamt zehn renommierte Architekten an dem Verfahren beteiligt, allerdings hatte Klotz bereits andere nationalsozialistische Propagandabauten errichtet und im Auftrag seines Förderers, des KdF-Führers Robert Ley, auch für diese Anlage vorher schon Pläne entwickelt. Sie wurden nach dem Wettbewerb auf Weisung Hitlers nur dahingehend modifiziert, dass aus dem Entwurf des Architekten Erich Putlitz die große Festhalle als zentrales Element übernommen und architektonisch angepasst wurde.                    


Kraft durch Freude war eine Organisation der Deutschen Arbeitsfront

KdF-Veranstaltungen sollten der Entspannung und der Regeneration dienen, wozu auch die Verbesserung und Verschönerung der Arbeitsplätze mit Kantinen, Sportstätten oder Grünanlagen gehörte. Die Organisation, die allen den Zugang zu bisher nur bürgerlichen Privilegien anbot, diente letztlich der Vorstellung einer klassenlosen Gesellschaft im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Zu den Zielen zählte die Stärkung des Heimatgefühls, des Nationalstolzes und des Gemeinschaftsgefühls. Das deutsche Volk sollte in der gemeinsam verbrachten Freizeit zu einer starken Gemeinschaft zusammengeschweißt werden. Man erhoffte sich von KdF auch Erfolge im Ausland. Das deutsche Volk sollte sein neues Selbstbewußtsein nach außen tragen und auf Auslandsreisen sein eigenes Vaterland mit anderen Ländern vergleichen können. Die Welt sollte somit auch einen Eindruck des gesunden und friedliebenden Deutschlands gewinnen.                 

Das KdF-Schiff Wilhelm Gustloff läuft nach London aus
Für die Olympischen Spiele wurde die "KdF-Stadt" gebaut




KdF organisierte Bunte Abende, Gymnastik, Schwimmlehrgänge, Nähkurse, Schachturniere und Konzerte. Auch Erwachsenenbildung wurde angeboten. Darüber hinaus initiierte die KdF Dorf- verschönerungsaktionen. Ziel war es, "das Dorf um seiner selbst willen und als nationalsozialistische Gemeinschaft und damit als Kraftquell für die ganze Nation" zu gestalten. Ein wesentliches Instrument dazu war der "Wettbewerb um das schönste und vorbildlichste Dorf". Die vielfältigen Aktivitäten von KdF boten ein umfangreiches kulturelles und touristisches Freizeitprogramm. Theateraufführungen, Konzerte, Kunstausstellungen oder Vorträge wurden bis 1938 von über 38 Millionen Menschen besucht. In Berlin sollte die "KdF-Stadt" 1936 jedem deutschen Volksgenossen die Teilnahme an den Olympischen Spielen ermöglichen. In den eigens dafür erbauten Häusern in der Nähe des Berliner Olympiastadions wurden günstige Unterkünfte und Verpflegung angeboten.                     
Der größte Geschäftsbereich von KdF war jedoch die Organisation von Ausflügen und Reisen. Das hierfür zuständige Amt für Reisen, Wandern und Urlaub erwirtschaftete rund vier Fünftel des Umsatzes. Die Organisation verkaufte bis 1939 mehr als 43 Millionen Reisen, überwiegend Tagesausflüge. Von den sieben Millionen Urlaubsreisen waren 690.000 Hochseefahrten nach Norwegen, Madeira oder Italien. Die Preise lagen zwischen einer und fünf Reichsmark für Kurzreisen und 120 Reichsmark für eine Schiffsreise nach Madeira. Ähnlich dem "Reisesparen" war ab 1938 auch der Erwerb des KdF-Wagens von Volkswagen (VW) geregelt. Der Interessent erwarb Woche für Woche Sparmarken, bis die Kaufsumme von 990 Reichsmark erreicht war. Aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges kam es jedoch nicht mehr zu einer Auslieferung der Wagen.                

Damals fanden die Bauarbeiten internationale Beachtung. So wurde bei der Weltausstellung 1937 in Paris ein Modell des Seebades Prora mit einem Grand Prix ausgezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass die von Robert Ley vorgegebene Kostengrenze in Höhe von 50 Mio. Reichsmark (40 Mio. RM Baukosten und 10 Mio. RM Ausstattung) deutlich überschritten wurde. Trotzdem wurde weiter gebaut.