Chronik des Nationalsozialismus März / April 1934

MÄRZ 1934

1.3.1934
Im Saargebiet wird die Deutsche Front als »deutsche Einheitspartei« all derer gegründet, die den Anschluss an Deutschland wünschen.
Beim Verlag Mittler & Sohn in Berlin erscheint das Buch "Aufbau einer Nation" des preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring (NSDAP). "Kämpferisch fortreißend und bezwingend" stellt Göring den "nationalen Umschwung" dar, heißt es in der Presseankündigung.
Der spanische Ministerpräsident Alejandro Lerroux y García tritt zurück nach der Demission zweier dem linken Kabinettflügel angehöriger Minister. Die Radikale Partei des Ministerpräsidenten hatte eine Zusammenarbeit mit den Rechten beschlossen. Am 3. März bildet Lerroux y García eine neue Koalitionsregierung.
In Miami in den USA schlägt Boxschwergewichtsweltmeister Primo Carnera (Italien) seinen Herausforderer Tommy Loughran in 15 Runden nach Punkten.

2.3.1934
In Düsseldorf beschlagnahmt die Kriminalpolizei von Mitgliedern der katholischen Jugend verteilte Flugblätter, auf denen, so die Behörden, "Propaganda für die katholischen Jugendverbände" gemacht wurde. Am selben Tag verfügt die Polizei ein "Betätigungsverbot" für die konfessionellen Jugendverbände.
Österreich erhält eine Einheitsgewerkschaft.
Das geistliche Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche beschließt das Gesetz, wonach die Deutsche Evangelische Kirche unter der Führung von Reichsbischof Ludwig Müller als Landesbischof die Leitung der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union übernimmt.
Der wegen Mordes zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilte US-Bürger Harley Edwards unternimmt vor der Hinrichtung in Michigan einen Selbstmordversuch. Als er sterbend mit aufgeschnittenen Pulsadern gefunden wird, erhält er mehrere Bluttransfusionen, damit das Urteil korrekt vollstreckt werden kann.

3.3.1934
Die Stadt Berlin übernimmt die Ehrenpatenschaft von dritten und vierten Kindern aus "erbgesunden Familien".
Staatsrat Willi Börger (NSDAP) veröffentlicht in Berlin einen "Aufruf an die schaffende Bevölkerung Deutschlands", in dem er zu mehr Weingenuß auffordert. Marxistische Gleichmacherei habe das Weintrinken als "kapitalistische Genußsucht" verpönt.

4.3.1934
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), eröffnet die Leipziger Frühjahrsmesse.

5.3.1934
In Indien wütet die Pest. Nach offiziellen Angaben sind in der vorletzten Woche 918 und in der letzten Woche 1210 Menschen gestorben.

6.3.1934
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler legt den Grundstein zum Richard-Wagner-Nationaldenkmal in Leipzig.
In Wien findet eine Versammlung der österreichischen und ungarischen Legitimisten statt. Sie fordern die Rückkehr der Habsburger auf den österreichischen Thron mit Otto, dem ältesten Sohn des verstorbenen letzten Kaisers Karl I.
Der österreichische Unterrichtsminister Kurt Schuschnigg (CP) betont in einer Rede vor den Ostmärkischen Sturmscharen in Graz, dass die sog. Habsburger Gesetze Unrecht seien. Die Habsburger treffe keinerlei Schuld am Ersten Weltkrieg, deshalb entbehre auch die Entrechtung und Enteignung der Dynastie jeder rechtlichen Grundlage.
Der deutsche Automobilrennfahrer Hans Stuck stellt auf der Avus in Berlin drei Rekorde auf.
Auf deutschen Antrag hin wird die französische Ausgabe des Buches "Mein Kampf" von Adolf Hitler (NSDAP) beschlagnahmt. Sie war ohne Genehmigung des Verfassers erschienen. Hitler hatte mehrmals erklärt, er wolle keine französische Übersetzung seines Buches.

7.3.1934
Deutsche und polnische Regierungsvertreter unterzeichnen in Warschau ein Zollfriedensprotokoll, das den deutsch-polnischen Zollkrieg endgültig beendet.
In Spanien wird der verschärfte Alarmzustand verhängt, nachdem es zu mehreren Streiks gekommen ist.

8.3.1934
Reichskanzler Adolf Hitler eröffnet in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm in Berlin die Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung. Bei dieser Gelegenheit kündigt er den Bau eines Volkswagens an und die Treibstoffversorgung Deutschlands auf nationaler Basis, also im wesentlichen synthetisch.
Bei den Wahlen zum London County Council erringt die Labour Party erstmals die Mehrheit.

9.3.1934
Aus den badischen Konzentrationslagern Kislau und Anckerbuck werden 40 Häftlinge entlassen, darunter ehemalige "Marxisten". Nach Pressemitteilungen gaben die Entlassenen "freiwillige Loyalitätserklärungen" ab, aus denen hervorgeht, "dass sie ihre Meinung über den Nationalsozialismus gründlich gewandelt haben und heute erkennen, dass er allein das deutsche Volk retten kann".
Im Berliner "Capitol am Zoo" findet die deutsche Erstaufführung des englischen Films "Katharina die Große" von Paul Czinner statt. Laut Presseberichten nimmt das Publikum gegen den Film des jüdischen Regisseurs, dessen jüdische Frau Elisabeth Bergner, in der Titelrolle zu sehen ist, "eine außerordentlich scharfe ablehnende Haltung ein und protestiert lebhaft gegen die Aufführung". Der Film wird auf Anweisung der Berliner NS-Führung vom Spielplan abgesetzt.
Das Sondergericht für das Land Sachsen in Dresden verurteilt neun Angeklagte zu mehrjährigen Zuchthausstrafen wegen Fortführung der (verbotenen) SPD. Die Angeklagten hatten u.a. die in Prag herausgegebene SPD-Exilzeitung, den "Neuen Vorwärts", ins Deutsche Reich eingeführt und vertrieben.

10.3.1934
Reichsminister Rudolf Heß, Stellvertreter des Führers der NSDAP, gewinnt den Zugspitzflug 1934.
Der SS Sturmbannführer Bruno Gesche übernimmt die Führung des "SS Begleitkommandos" Adolf Hitlers.
Der preußische Ministerpräsident Hermann Göring (NSDAP) fordert eine Verschärfung der Maßnahmen gegen die Schwarzarbeit.
In einer Pressemitteilung tritt der preußische Ministerpräsident und Reichsminister ohne Geschäftsbereich Hermann Göring (NSDAP) Gerüchten entgegen, die Geheime Staatspolizei (Gestapo) bespitzele "alle Lebensvorgänge" und bediene sich unlauterer Methoden.
In Berlin wird der Reichsverein für Sippenforschung und Wappenkunde gegründet.

11.3.1934
Anlässlich eines Staatsaktes zur Machtübernahme in Bayern sagt der deutsche Reichskanzler und NSDAP-Führer, Adolf Hitler, auf der Theresienwiese in München: "Die Hauptstadt der Kunst und unserer Bewegung ist München und wird München bleiben."
Der Zentralverlag der NSDAP in München gibt bekannt, dass zu dem Zeitungsleserwettbewerb "Mit Hitler in die Macht" über 200 000 Einsendungen eingegangen seien. Mit "welch gefühlsmäßig richtiger Einstellung das deutsche zeitunglesende Publikum der dem Wettbewerb zugrundeliegenden Idee gefolgt ist, beweist nicht nur die außerordentlich starke Teilnahme der deutschen Öffentlichkeit an dem Preisausschreiben, sondern auch die über Erwarten große Zahl der richtigen Lösungen: Von den über 200 000 Einsendern haben 1069 das Richtige getroffen", schreibt der Verlag.
Die rechtsradikale französische Frontkämpferorganisation Croix de feux (Feuerkreuz) unter dem ehemaligen Oberst François de La Rocque führt in Paris und Rouen einen Generalappell durch. Dem antiparlamentarischen, nationalistischen Wehrverband gehören rund 200 000 Mitglieder an, darunter zahlreiche Jugendliche und Frauen.
Der preußische Ministerpräsident Hermann Göring (NSDAP) ändert die Schutzhaftbestimmungen.

12.3.1934
Juden werden aus der deutschen Wehrmacht ausgeschlossen. Reichswehrminister Werner von Blomberg (parteilos) verfügt die Anwendung des Gesetzes über das Beamtentum vom 7. April 1933, das von Beamten einen Nachweis ihrer arischen Abstammung verlangt, auf die Reichwehr. Jüdische Soldaten aller Dienstgrade müssen ihren Dienst sofort quittieren.
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), weist darauf hin, dass öffentlich auftretende Künstler Mitglieder der Reichskulturkammer sein müssen, die wiederum ihm untersteht.
Unter der Leitung des Dirigenten Wilhelm Furtwängler wird in Berlin die Sinfonie "Mathis der Maler" von Paul Hindemith uraufgeführt.

13.3.1934
Reichskanzler Adolf Hitler empfängt Theophil Wurm, Landesbischof von Württemberg und seinen bayerischen Amtskollegen Hans Osswald Meiser zu einer Aussprache in München. Es geht um ihre Beschwerde über die Politik des Reichsbischofs Ludwig Müller, allerdings konnte keine Einigung erzielt werden.
Die Zusammenfassung der gewerblichen Wirtschaft im Deutschen Reich in sog. Fachgruppen wird in Berlin bekanntgegeben.
In Berlin-Plötzensee wird der 23 Jahre alte Kommunist Richard Bahr vom Magdeburger Scharfrichter hingerichtet. Er hat - laut Urteilsverkündung - gestanden, planmäßig kommunistische Terrorakte verübt zu haben, z. B. Scheunen und Kuhställe in Brand gesteckt zu haben.

14.3.1934
Nach Meldung der "Reichspost" sind in Österreich rund 100 Lehrer und Schuldirektoren entlassen worden, weil sie der nach den Februarunruhen verbotenen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei angehört hatten.

15.3.1934
Der Reichskanzler Adolf Hitler stiftet den "Blutorden", als Auszeichnung für Teilnehmer der bewaffneten Auseinandersetzung vom 9.11.1923 (Hitler-Putsch).
Die Eröffnungssitzung der Danziger Gesellschaft zum Studium Polens findet in Anwesenheit von Danzigs Senatspräsident Hermann Rauschning (NSDAP) statt.
Die im Deutschen Reich und Polen bestehenden gegenseitigen Zeitungsverbote werden aufgehoben.
Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Rat der Volkskommissare erlassen in Moskau das Dekret über den Umbau der Sowjetbehörden und Wirtschaftsorgane. Ziel dieser Maßnahme ist die Verkleinerung des bürokratischen Apparats, die Stärkung der "einheitlichen Befehlsgewalt" und der persönlichen Verantwortung der leitenden Persönlichkeiten.

16.3.1934
Der deutsche Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht betont in einer Grundsatzrede, dass die deutschen Schulden politische Schulden seien.

17.3.1934
Dr. Karl Brandt, der Begleitarzt Adolf Hitlers, heiratet die Schwimmsportlerin Anni Rehborn. Adolf Hitler und Hermann Göring nehmen als Trauzeugen an der Hochzeit teil.
Die Deutsche Kinderschar wird aufgelöst. Kinder unter zehn Jahren sollen nicht mehr in einer Organisation zusammengeschlossen werden.

18.3.1934
Der italienische Duce und Ministerpräsident Benito Mussolini bezeichnet auf der alle fünf Jahre stattfindenden Gesamttagung des Partito Nazionale Fascista (PNF) in Rom Demokratie, Sozialismus, Liberalismus und Freimaurertum als überholte Erscheinungsformen des 19. Jahrhunderts.
US-Präsident Franklin D. Roosevelt (Demokrat) schlägt in einer Botschaft an den Kongress die Gründung von zwölf Kreditbanken zur Unterstützung der Privatwirtschaft vor. Das Gründungskapital soll dem Gewinn entnommen werden, der dem Schatzamt aus der Entwertung des Dollars entstanden ist.
Aus Anlaß des 13. Jahrestags des Friedensvertrags von Riga (1921), in dem die polnische Ostgrenze beträchtlich vorgeschoben wurde, findet in Warschau ein "Huldigungsumzug" für Marschall Jósef Klemens Pilsudski statt. Dabei kommt es zu antitschechischen Ausschreitungen. 130 Demonstranten bewerfen das Gesandtschaftsgebäude der Tschechoslowakei mit Steinen.

19.3.1934
In München findet in Anwesenheit von SA-Stabschef Ernst Röhm der feierliche Revolutionsappell der alten Kämpfer statt. Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) bezeichnet die Vorgänge des November 1918 als Regierungswechsel, die Machtübernahme des Jahres 1933 als Revolution: "Der Sieg einer Partei ist ein Regierungswechsel, der Sieg einer Weltanschauung ist eine Revolution, und zwar eine Revolution, die den Zustand eines Volkes tiefinnerlich und wesenhaft umgestaltet."

20.3.1934
Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichsminister der Luftfahrt, Hermann Göring (NSDAP), bezeichnet in einem Interview mit der Pariser Zeitung "Le Jour" die Regelung der deutsch-französischen Beziehungen als Grundlage für einen dauerhaften Frieden in Europa und schlägt ein Treffen der führenden Staatsmänner beider Länder vor.
Der sudetendeutsche Politiker Konrad Henlein gründet in der Tschechoslowakei die Sudetendeutsche Partei (SdP).
In der UdSSR wird durch eine Verordnung die Einkommensmindestgrenze für Kolchosen-Bauern aufgehoben und eine leistungsorientierte Entlohnung eingeführt.
Emma, Königin der Niederlande stirbt im Alter von 75 Jahren in Den Haag.

21.3.1934
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler eröffnet die zweite Arbeitsschlacht im Deutschen Reich.
Das Schiffshebewerk Niederfinow wird feierlich eingeweiht. Es ersetzt die Schleusenanlage zwischen dem Hohenzollernkanal und der Alten Oder.

22.3.1934
Das deutsche Reichskabinett in Berlin verabschiedet den Reichshaushalt 1934, der mit 6,458 Milliarden in Einnahmen und Ausgaben um 500 Millionen Reichsmark höher abschließt als der Etat von 1933. Außerdem beschließt Reichskabinett das Gesetz zur Hebung der nationalen Kaufkraft. Es sieht u.a. eine Ermäßigung der Arbeitslosenabgabe vor.
Auf einer Konferenz der Reichsstatthalter in Berlin spricht Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) über die Aufgaben der Reichsstatthalter als Träger des Willens der obersten Führung des Reichs, nicht als Sachwalter der einzelnen Länder.

23.3.1934
Das Deutsche Reichskabinett in Berlin beschließt ein Gesetz zur Änderung der Kraftfahrzeugsteuer, wonach Steuerermäßigungen bzw. -befreiungen für ausländische Kraftfahrzeuge festgesetzt werden, um den Fremdenverkehr zu fördern.
Der bulgarische Ministerpräsident Nikolaus Muschánow erklärt in Bukarest, er denke nicht daran, diplomatische Beziehungen zwischen seinem Land und der Sowjetunion aufzunehmen.

24.3.1934
Regierungsvertreter des Deutschen Reiches und Finnlands unterzeichnen in Berlin einen neuen Handelsvertrag.

25.3.1934
Bei den Wahlen zur italienischen Abgeordnetenkammer in Rom stimmen über zehn Millionen Wähler für die faschistische Einheitsliste; nur rund 25% der italienischen Bevölkerung sind wahlberechtigt.
Der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (CP) erklärt auf einer "vaterländischen Kundgebung" in Klosterneuburg bei Wien, er liebe es nicht, wenn man sich im Ausland mit dem "Problem Österreich" beschäftige. Österreich sei kein Problem und kein Objekt, sondern ein Subjekt der Politik.
Der französische Kriegsminister Marschall Philippe Pétain fordert in einer Rede vor dem Gesamtverband der Reserveoffiziere in Paris die Wehrerziehung der Jugend.

26.3.1934
In Paris werden Waffenrazzien durchgeführt. Das Waffenverbot wird auf Gummiknüppel und Dolche ausgedehnt.

27.3.1934
Der deutsche Reichsarbeitsminister Franz Seldte (NSDAP) führt in einer Rede vor Vertretern der Auslandspresse in Berlin die wirtschaftlichen Erfolge der Regierung auf das wiedererstandene Vertrauen des deutschen Volkes in die NS-Führung zurück.
US-Präsident Franklin D. Roosevelt erleidet erstmals eine Niederlage im Kongreß. Trotz seines Vetos nehmen das Repräsentantenhaus und einen Tag später der Senat die Vorlage über eine Erhöhung der Entschädigungszahlungen an Teilnehmer am Ersten Weltkrieg und Kriegsveteranen an.
Das Großlogengebäude der Freimaurer in Cannes ist Ziel eines Bombenanschlags, den die Polizei mit der Stavisky-Affäre in Verbindung bringt.

28.3.1934
Die sowjetische Führung schlägt der deutschen Regierung vor, durch ein gemeinsames Protokoll die Unabhängigkeit Finnlands und der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zu garantieren. In ihrer Antwort begrüßt die deutsche Regierung den Wunsch der UdSSR, die Beziehungen zum Deutschen Reich "vertrauensvoller zu gestalten", bezeichnet jedoch den sowjetischen Vorschlag als ungeeignet.
Der 1918 vom jetzigen deutschen Reichsarbeitsminister Franz Seldte (NSDAP) gegründete Frontsoldatenbund Stahlhelm wird als Nationalsozialistischer Deutscher Frontkämpferbund (NSDFB) neugegründet. 1933 wurden Stahlhelmmitglieder unter 35 Jahren der SA eingegliedert.
Die deutschen Rundfunkgesellschaften werden in die Reichsrundfunkgesellschaft integriert.

Das preußische Staatsministerium erlässt das Gesetz über das Landjahr. Jugendliche aus der Stadt sind danach verpflichtet, nach dem Verlassen der Schule ein Jahr unter Betreuung in Heimen auf dem Land zu verbringen. Das Landjahr 1934 beginnt am Osterwochenende. Rund 25.000 Jugendliche sind von dem neuen Gesetz betroffen. Das Landjahr untersteht dem Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung.                   




























29.3.1934
Albert Einstein und Oskar Maria Graf werden aus dem Deutschen Reich ausgebürgert.
Hans Albers spielt die vielbeachtete Hauptrolle in Karl Hartls Ufa-Film "Gold", der in Berlin uraufgeführt wird.

30.3.1934
Der italienische Duce und Ministerpräsident, Benito Mussolini, erklärt in einem Interview mit der französischen Zeitung "Paris-Soir", dass sich das Verhältnis zwischen Italien und Frankreich in letzter Zeit gebessert habe. An den Ausbruch eines Kriegs in Europa glaube er nicht.

31.3.1934
Die Sperre für Neugründungen von Zeitungen und Zeitschriften im Deutschen Reich, die bis zum 31. März 1934 vorgesehen war, wird um ein Jahr verlängert.
Die letzte Nummer der 1617 gegründeten "Vossische Zeitung" erscheint.
Vom 1. April 1933 bis zum 31. März 1934 ist die Zahl der Übernachtungen von Ausländern im Deutschen Reich stark zurückgegangen.

APRIL 1934

1.4.1934
Das erste Winterhilfswerk im nationalsozialistischen Deutschen Reich wird beendet.
Im Deutschen Reich werden als verbraucherfreundliche Maßnahme einheitliche Sorten von Käse und Butter eingeführt.
Das NSDAP-Mitglied Eleonore Baur alias "Schwester Pia" wird von Heinrich Himmler in die Reichsführung der SS aufgenommen. Ihre Aufgabe ist es sich um kranke SS-Männer zu kümmern, besonders im Konzentrationslager Dachau. Sie hatte als einzige Frau die Erlaubnis das KZ zu betreten.
Der italienische Priester und Sozialpädagoge Giovanni Bosco wird in Rom heiliggesprochen.
In Paris wird der (kommunistische) Internationale Bund der Bau- und Holzarbeiter gegründet.

2.4.1934
Das außerordentliche Heilige Jahr wird von Papst Pius XI. in Rom feierlich beendet.
Am Schluß eines zweitägigen Kongresses in Utrecht beschließen die niederländischen Sozialdemokraten, die Sociaal-Democratische Arbeiderpartij, eine grundlegende Kursänderung. Sie bekennen sich ausdrücklich zur Legalität und Loyalität gegenüber der bürgerlichen Regierung, schwören allen revolutionären Forderungen ab, wollen auf Propaganda für einseitige Abrüstung verzichten und erkennen die militärische Landesverteidigung an.

3.4.1934
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) fordert in einem Interview eine Verdreifachung der deutschen Truppenstärke.
Mit Unterstützung des diensthabenden Justizwachbeamten fliehen zwei nationalsozialistische Häftlinge und drei sozialistische Schutzbündler aus dem landesgerichtlichen Gefangenenhaus in Linz. Der Beamte und die entsprungenen Häftlinge flüchten ins Deutsche Reich.
Der spanische Ministerrat beschließt die Aufhebung des Alarmzustands und kündigt die Wiedereinführung der Todesstrafe an.
Das Sondergericht in Düsseldorf verurteilt einen Mann, der in einer Gastwirtschaft in betrunkenem Zustand "Greuelmärchen" über die nationalsozialistische deutsche Regierung verbreitet hatte, zu sechs Monaten Gefängnis.

4.4.1934
Im "Völkischen Beobachter" wird ein Interview mit dem Vertreter der Associated Press, Louis P. Lochner, dass Adolf Hitler am Vortag gehalten hat, und erneut eine Wehrmacht von 300.000 Mann forderte, veröffentlicht.
In Moskau werden von Regierungsvertretern die Nichtangriffspakte zwischen der Sowjetunion und den baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland um zehn Jahre verlängert.

5.4.1934
In Stettin werden acht Kriminal-Angestellte und Beamte der Polizeiverwaltung wegen Misshandlung von Häftlingen zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen zwischen neun Monaten und 13 Jahren verurteilt. Hermann Göring hat persönlich die Anklageerhebung veranlasst.
Das Schwurgericht in Chemnitz verurteilt das ehemalige KPD-Mitglied Hans Beck wegen Mordes zum Tode. Laut Urteil hatte Beck 1932 bei einer Auseinandersetzung mit Nationalsozialisten einen SS-Mann so schwer verletzt, dass dieser kurze Zeit später starb.
Vor dem Sondergericht in Köln wird der pensionierte katholische Priester Leonhard Jansen wegen böswilliger Verleumdung der Reichsregierung zu sechs Monaten Gefängnis und Überführung in eine geschlossene Anstalt verurteilt. Jansen hatte u.a. behauptet, 400 katholische Priester seien in Konzentrationslager gebracht worden.

6.4.1934
Der Gauleiter von Oldenburg warnt vor dem neuen Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen. Sein Hirtenbrief übertreffe die vorherigen bei weitem an Schärfe. "Jeder Satz ist von Hass gegen den Nationalsozialismus diktiert."
Die österreichische Regierung Engelbert Dollfuß (Christlichsoziale Partei) gibt die Ausbürgerung von fünf Sozialisten - darunter Otto Bauer und Julius Deutsch, einem Kommunisten und zwölf Nationalsozialisten wegen hochverräterischer bzw. regierungsfeindlicher Tätigkeit bekannt.

7.4.1934
Bei einer Massenkundgebung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in der Freien Stadt Danzig betont Senatspräsident Hermann Rauschning (NSDAP), daß es die besondere staatsrechtliche Situation Danzigs nicht erlaube, den revolutionären nationalsozialistischen Gestaltungswillen verfassungsmäßig sofort zu verwirklichen.
Der deutsche Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht dementiert in Basel Gerüchte, das Deutsche Reich verhandle mit dem Ausland, um neue Kredite für die Beschaffung von Rohstoffen zu erhalten. Die deutsche Regierung wolle keine neuen Schulden machen, ehe nicht die alten beglichen seien.
In Rumänien tritt ein Staatsschutzgesetz in Kraft, das die Mitarbeit in verbotenen politischen Organisationen sowie jede Propaganda gegen die Monarchie, den Parlamentarismus und das allgemeine Stimmrecht unter Strafe stellt.
In Moskau wird der sowjetisch-finnische Nichtangriffspakt von 1932 um zehn Jahre verlängert.

8.4.1934
Auf einer Versammlung in Paris fordern die sog. Generalstände der Arbeit (Gewerkschaften) zur Verhinderung eines Bürgerkriegs die Auflösung und Entwaffnung aller bestehenden halbmilitärischen Verbände.

9.4.1934
Im Deutschen Reich wird die Sonntagsnummer der "Basler Nachrichten" beschlagnahmt wegen eines kritischen Artikels "Zur Lage der deutschen Juden".
Der deutsche Reichsminister und Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß (NSDAP), gibt in der Presse bekannt, dass Nichtreichsdeutsche auch nicht Mitglieder der NSDAP werden können.
Im Deutschen Reich beginnen die Reichsberufswettkämpfe.
In der Nacht auf den 10. April entgleist der D-Zug Salzburg- Frankfurt am Main zwischen Hörsching und Marchtrenk hinter Linz. Auf einer Länge von 15 m waren hier die Schienen von den Schwellen gelöst worden. Der Hintergrund des Anschlags, der ein Todesopfer und mehrere Verletzte fordert, bleibt unaufgeklärt.

10.4.1934
Die polnische Delegation setzt sich beim Völkerbund in Genf für ein allgemeines Schutzabkommen für ethnische Minderheiten ein.
Jean Cocteau (1889- 1963) verarbeitet in seinem Drama "Die Höllenmaschine" das im Théâtre Louis Jouvet in Paris uraufgeführt wird, den antiken Ödipus-Stoff in freier Form.

11.4.1934
Nach einer Meldung der »Jüdischen Rundschau« hat sich die Einwanderung von Juden nach Palästina aus dem Deutschen Reich stark erhöht. Durch das Ha'avara-Abkommen wurde es den Juden erleichtert, ins gelobte Land zu gehen und ihr Vermögen zu behalten.
Adolf Hitler schifft auf dem Panzerschiff "Deutschland" ein, um an einer Fahrt durch norwegische Gewässer teilzunehmen. Reichswehrminister Werner von Blomberg, Chef der Heeresleitung, Werner Freiherr von Fritsch und der Chef der Marineleitung, Admiral Erich Raeder, begleiten ihn auf der Reise.
Im polnischen Lublin kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen, als etwa 3000 Arbeitslose Beschäftigung bei den Notstandsarbeiten der Gemeindeverwaltung erzwingen wollen. Als Demonstranten die Polizei mit Steinen bewerfen, eröffnet diese das Feuer; eine Person wird getötet, 15 werden schwer verletzt.

12.4.1934
Die deutsche Gesandtschaft in Prag protestiert gegen eine vom tschechischen Künstlerverein "Manes" veranstaltete Karikaturenausstellung, in der "in unerhört beleidigender Form" der deutsche Reichspräsident, der Reichskanzler und führende Persönlichkeiten der deutschen NS-Führung verhöhnt würden. - Die tschechoslowakische Regierung veranlaßt die sofortige Entfernung der beanstandeten Karikaturen.
In Spanien schließen sich die drei Parteiorganisationen Republikanische Aktion, Galizische Republikaner und Unabhängige Radikalsozialisten zur Republikanischen Linken unter dem früheren Ministerpräsidenten Manuel Azaña y Díaz zusammen.

13.4.1934
Die "Leibstandarte Adolf Hitler" erhält die Bezeichnung "Leibstandarte SS Adolf Hitler". Josef Goebbels erklärt über alle Radiosender: "Die nationalsozialistische Bewegung leitet den Staat nach großen weltanschaulichen Grundsätzen und lässt sich in der Durchführung ihrer auf weite Sicht gesehene Prinzipien durch nichts und niemanden beirren."
In Ostoberschlesien fand ein Protestumzug des Aufständischen-, des Schützen- und des Reservistenverbandes unter Beteiligung von etwa 500 Personen gegen die deutsche Minderheit und die deutschen Verbände statt. Wo deutsche Minderheitsangehörige wohnten, wurden von bewaffneten Umzugsteilnehmern, mehrere Schüsse abgegeben. Sprechchöre forderten: "Nieder mit den deutschen Schulen und Verbänden! Es lebe die polnische Schule, nieder mit dem Verständigungspakt!"
Die sowjetische Gesandtschaft in Warschau wird in eine Botschaft umgewandelt.
Im Deutschen Reich wird die "Prawda", das Zentralorgan der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), vorübergehend verboten. Grund für das Verbot sind Anschuldigungen, die der bulgarische Politiker Georgi M. Dimitrow gegen NS-Politiker in der "Prawda" veröffentlicht hat.

14.4.1934
Der deutsche Reichsminister des Auswärtigen, Konstantin Freiherr von Neurath (parteilos), erklärt, das Deutsche Reich erstrebe keine Autarkie.
In Dresden wird die erste "Staatsakademie für Rasse- und Gesundheitspflege" eröffnet.
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) tritt die Heimreise von Norwegen an. Hitler hat ohne Kenntnis der norwegischen Regierung auf dem Panzerschiff "Deutschland" eine einwöchige Fahrt durch die westnorwegischen Fjorde unternommen, ohne sich an Land zu begeben. Es war die erste Auslandsreise des Kanzlers.
Eine extreme antisemitische Gruppe, »Obóz Narodowo-Radykalny« auf deutsch: radikale nationalistische Organisation (ONR), wird in Polen gegründet.
Der italienische Sportflieger Renato Donati erreicht in einem Caproni-Doppeldecker mit zwei 500 PS starken Alfa-Romeo-Pegasus-Motoren eine Höhe von 14 500 m und stellt damit einen neuen Höhenweltrekord auf.

15.4.1934
Der Leiter des Reichsrechtsamts der NSDAP, Hans Frank, gründet in Hamburg das Amt zur Rechtsbetreuung des deutschen Volkes. In den kommenden Wochen gründet das Amt 2000 Rechtsbetreuungsstellen.
Erstmals seit 1918 werden in Berlin 15 Bühnenkünstler durch den preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring (NSDAP) zu preußischen Kammersängern bzw. Staatsschauspielern ernannt.
In Hagen in Westfalen kommt es bei einer Kundgebung des oppositionellen Pfarrernotbunds zu tätlichen Auseinandersetzungen mit Anhängern der nationalsozialistisch beeinflußten Deutschen Christen.

16.4.1934
Das in Hamburg gegründete "Amt zur Rechtsbetreuung des deutschen Volkes" hat die Aufgabe, im nationalsozialistischen Sinne eine Rechtsbetreuung aller Volksgenossen vorzunehmen.
In Italien wird der Handel mit Margarine verboten. Das Verbot ist eine Maßnahme zur Förderung der Milchwirtschaft.
Bei Zusammenstößen zwischen Streikenden und der Polizei im spanischen Barcelona werden zwei Menschen getötet und 15 verletzt.
In der UdSSR wird der Titel "Held der Sowjetunion" eingeführt.

17.4.1934
Adolf Hitler besucht mit Werner von Blomberg und Ernst Röhm das Frühjahrskonzert der SA im Berliner Sportpalast. Das ist das letzte Mal, dass er sich in der Öffentlichkeit mit Ernst Röhm zeigt.
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) und der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), danken in Berlin den Leitern und Helfern des Winterhilfswerks. Hitler betont, das Winterhilfswerk solle nicht nur die Not beseitigen, die durch öffentliche Maßnahmen nicht beseitigt werden könne, sondern auch dazu beitragen, das Volk zu sozialistischem Denken zu erziehen.
Im Deutschen Reich wird eine parteiamtliche Prüfungskommission der NSDAP zum Schutz des nationalsozialistischen Schrifttums eingerichtet.

18.4.1934
Erste Fernsehübertragung in Deutschland. Der Fernsehsender "Paul Nipkow" strahlte Höhepunkte wie die Olympiade 1936, aber auch Wochenschauen, Kurzfilme und Live- Übertragungen aus. Die Erfindung war eine Sensation.
Laut Meldung des nationalsozialistischen "Hakenkreuzbanners" ist das Gebäude des "Neuen Mannheimer Volksblattes", einer ehemaligen Zentrumszeitung, von einer erregten Menschenmenge gestürmt worden.
Im Deutschen Reich werden 16 Luftämter zur Verwaltung von Luftfahrtangelegenheiten errichtet.
Auf einer Pressekonferenz in Berlin vor internationalen Journalisten bezeichnet der Stabschef der SA, Ernst Röhm (NSDAP), die SA als Garant des Friedens in Europa. Er sagt: "Das Gesetz der SA ist klar - Gehorsam bis zum Tode den obersten SA Führer Adolf Hitler. Mein Gut, mein Blut, mein Kampf und mein Leben, alles was ich habe gehört Deutschland."
Frankreich weist den sowjetischen Exilpolitiker Leo Trotzki aus.
In Berlin stört ein nationalsozialistisches Kommando ein Konzert des schweizerischen Dirigenten Edwin Fischer.
In Esbjerg und Kopenhagen kommt es während eines Streiks der dänischen Handelsmatrosen zu blutigen Unruhen.

19.4.1934
Adolf Hitler empfängt den bulgarischen Ministerpräsidenten Nikola Stoikow Muschanoff zu einer Unterredung in Berlin.
Der Führer Adolf Hitler erklärt in einem Brief an die UFA, dass er seine talentierteste Propagandistin, Leni Riefenstahl mit der künstlerischen und technischen Leitung des neuen Propagandafilms "Triumph des Willens" beauftragt hat.
Die französische Beamtenschaft legt aus Protest gegen die von der Regierung Gaston Doumergue verfügten Gehalts- und Pensionskürzungen für eine Stunde die Arbeit nieder.
Egon Erwin Kisch und andere prominente Deutsche im Exil sprechen in der französischen Hauptstadt Paris auf einer Versammlung deutscher Emigranten, bei der die Freilassung im Deutschen Reich inhaftierter Schriftsteller gefordert wird.
Die Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Arnsberg warnt die konfessionellen Jugendverbände, das Verbot zu übertreten, nach dem Aufmärsche, das Tragen von Uniformstücken, das Mitführen eigener Musikkapellen sowie sportliche Betätigung im Rahmen eines konfessionellen Jugendverbands untersagt ist. Übertretungen dieses Verbots würden künftig unnachsichtig mit "Polizeistrafen" geahndet.

20.4.1934
Im Deutschen Reich finden die Feierlichkeiten anlässlich des 45. Geburtstags des deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler statt. Ernst Röhm versichert Adolf Hitler zu seinem 45. Geburtstag, die unwandelbaren Treue und den niemals wankenden Gehorsam der SA. Der deutsche Reichspräsident von Hindenburg gratuliert mit einem Glückwunschtelegramm. Der Führer Adolf Hitler verbringt seinen Geburtstag im Auto auf der Fahrt von Berlin nach München. Er macht unterwegs mehrmals Rast und empfängt dabei Abordnungen vom BDM, vom Arbeitsdienst und von der SA. Auf Befehl des Reichswehrministers wird die Kaserne des I. Bataillons des 19. Bayerischen Infanterieregiments München, der Name "Adolf-Hitler-Kaserne" verliehen.               


















Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichsminister der Luftfahrt, Hermann Göring (NSDAP), beruft den Reichsführer der SS, Heinrich Himmler (NSDAP), zum Leiter des Geheimen Staatspolizeiamts.
Die Würzburger Katholikenzeitung "Fränkisches Wochenblatt" wird für acht Tage verboten, der Hauptschriftleiter in Schutzhaft genommen. Das Blatt hatte in einem Bericht über einen internationalen Presseempfang im Vatikan geschrieben, dass alle Besucher, gleichgültig ob Juden, Christen, Chinesen oder deutsche Neuheiden vor dem Papst das Knie gebeugt hätten.
Die Deutsche Reichspost lässt die Farbe ihrer Fahrzeuge ändern; zukünftig werden Postfahrzeuge rot lackiert.
In Wien wird amtlich bekanntgegeben, dass 81 Sozialisten und Kommunisten, die bisher in Wien inhaftiert waren, in das Anhaltelager Wöllersdorf verlegt wurden.

21.4.1934
In Berlin wird die Ausstellung "Deutsches Volk - deutsche Arbeit" eröffnet.
Heinrich Himmler wird Kommandant der politischen Polizei in Lippe und Schaumburg-Lippe. Heinrich Himmler untersteht somit die gesamte geheime Staatspolizei im Deutschen Reich.
Das spanische Parlament (Cortes) in Madrid nimmt ein Amnestiegesetz an für alle, die vor dem 14. April wegen politischer und militärischer Delikte verurteilt wurden. Die Zahl der Amnestierten, die überwiegend der politischen Rechten angehören, liegt bei rund 9000.

22.4.1934
Auf dem ersten bayerischen Bauerntag in München bezeichnet der deutsche Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Richard Walther Darré (NSDAP), das Reichserbhofgesetz als unerschütterliche Grundlage der neuen bäuerlichen Wirtschaftsregelung.
Die Vertreter der oppositionellen Bekennenden Kirche schließen sich in Ulm zur Bekenntnisgemeinschaft der Deutschen Evangelischen Kirche zusammen ("Ulmer Einigung"), die sich als rechtmäßige evangelische Kirche im Deutschen Reich versteht.

23.4.1934
Die Berliner Polizeibehörde verbietet Wahrsagerei.
Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Joachim von Ribbentrop (NSDAP) zum Beauftragten für die Abrüstungsfrage.
Die Stadtverwaltung von Düsseldorf meldet, ähnlich wie andere deutsche Städte, einen Anstieg der Eheschließungen und vermehrtes Ausscheiden von Frauen aus dem Arbeitsleben.
Die österreichische Bundesregierung unter Engelbert Dollfuß (CP) erteilt dem im Schweizer Exil lebenden Erzherzog Eugen die Erlaubnis zur Rückkehr nach Österreich.

24.4.1934
Im Deutschen Reich wird durch Gesetz der Volksgerichtshof als oberste Instanz zur Verhandlung »politischer Delikte« geschaffen.

25.4.1934
Der spanische Staatspräsident Niceto Alcalá Zamora y Torres verhängt den Belagerungszustand über das Land.Der spanische Ministerpräsident Alejandro Lerroux y García tritt wegen unüberbrückbarer Gegensätze zu Staatspräsident Torres in der Frage des Amnestiegesetzes von seinem Amt zurück.
Der Rat der Volkskommissare in Moskau verabschiedet die Resolution über die Verlegung der Akademie der Wissenschaften von Leningrad nach Moskau. Die Akademie war 1725 von Zar Peter dem Großen im damaligen Petersburg gegründet worden.

26.4.1934
Nach Angaben der "Neuen Zürcher Zeitung" bestehen in den USA mehrere faschistische Organisationen. Die bedeutendsten sind die sog. Weißhemden mit 200.000 Mitgliedern, die Silberhemden mit 100.000 Mitgliedern und die Khaki-Hemden mit 25.000 Mitgliedern.

27.4.1934
In Berlin beginnt die sog. Transferkonferenz, auf der über die deutsche Auslandsverschuldung beraten wird. Sie dauert bis 29. Mai.
Der deutsche Reichsminister des Auswärtigen, Konstantin Freiherr von Neurath (parteilos), nimmt auf einer Pressekonferenz in Berlin Stellung zu Abrüstungsfragen. Er führt u.a. aus, dass es erstaunlich sei, dass Frankreich, dessen Wehrausgaben in Höhe von 16 Milliarden Franc liegen, gegen die Aufstockung des deutschen Wehretats auf 890 Millionen Reichsmark protestiere.
Das Konzert des Dresdner Streichquartetts, das im polnischen Thorn stattfinden sollte, musste abgesagt werden, da die Künstler die Einreisegenehmigung nicht erhalten haben. In Berlin ist kurz vor dieser Veranstaltung, der polnische Tenor Jan Kiepura begeistert gefeiert worden. Der Reichskanzler und der Reichspropagandaminister empfingen den polnischen Tenor in ihren Logen.

28.4.1934
Der deutsche Reichsminister des Innern, Wilhelm Frick (NSDAP), ersucht die Landesregierungen, den Polizeidienststellen eine scharfe Bekämpfung des Denunziantentums zur Pflicht zu machen. Die Nachprüfung der bei den Behörden wegen angeblich staatsfeindlicher Äußerungen erstatteten Anzeigen ergäben sehr oft, dass der Grund für die Anzeigen persönliche Streitigkeiten seien. Namentlich bei Hausstreitigkeiten werde der Gegner oft politisch verdächtigt.
Nach dem Rücktritt des spanischen Ministerpräsidenten Alejandro Lerroux y García (Radikale Partei) bildet sein Parteikollege Ricardo Samper Ibáñez ein Kabinett, das sich von dem Lerroux' kaum unterscheidet. Auslöser der Kabinettskrise waren gegen die Regierung gerichtete Proteststreiks, die nach dem harten Eingreifen der Polizei zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen eskalierten.
In Rom wird das neugewählte Parlament eröffnet. Der Duce und Ministerpräsident Benito Mussolini, vereidigt die neuen Abgeordneten und die Verfassung. In seiner Thronrede hebt König Viktor Emanuel III. die Bedeutung des Faschismus hervor.

29.4.1934
Oswald Mosley, der Führer der britischen Faschisten (Schwarzhemden), erklärt auf einer Massenversammlung in London, seine Partei ahme weder das deutsche noch das italienische Vorbild nach. Der gemeinsame Feind aller faschistischen Parteien sei jedoch der Kommunismus.

30.4.1934
Der österreichische Nationalrat, das Bundesparlament, tritt zum letzten Mal zusammen. Mit 72 zu zwei Stimmen beschließt das Parlament, dem die Abgeordneten der im Februar verbotenen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei nicht mehr angehören, die "Verfassung 1934". Danach ist Österreich nicht mehr Republik, sondern ein ständisch geordneter Bundesstaat.
Die Berliner "Deutsche Tageszeitung", der "Hamburger Correspondent" und die "Frankfurter Nachrichten" stellen ihr Erscheinen ein. Durch wirtschaftliche Repressionen und politischen Terror erzwingt das NS-Regime die Schließung von ihr nicht genehmen Zeitungen.

Hermann Göring ernennt Heinrich Himmler am 20. April zum Inspekteur des Preußischen Geheimen Staatspolizeiamtes. Bevor Himmler 1929 Reichs- führer-SS wurde, hatte er folgende Funktionen:           
1925: Reichsredner der NSDAP
1925: Leiter Parteipropaganda für Niederbayern
1925: Schriftführer der Gauleitung Niederbayern
1926: Gaugeschäftsführer für Niederbayern-Oberpfalz
1926: Stellv. Gauleiter für Oberbayern-Schwaben
1926: Gau-SS-Führer Niederbayern
1926: Stellvertretender Reichspropagandaleiter
1927: Stellvertretender Reichsführer-SS
1927: Mitglied des Stabes der Obersten SA-Führung

Der Volksgerichtshof tagte im Verlaufe seiner Existenz in verschiedenen Gebäuden in Berlin; nach seiner Gründung am 24.4.1934 hatte er zunächst seinen Sitz im ehemaligen Preußischen Abgeordnetenhaus und seit 1935 in der Bellevuestraße 15 im Gebäude des früheren König-Wilhelm-Gymnasiums. Das Gerichtsgebäude an der Bellevuestraße wurde beim Bombenangriff am 3.2.1945 zerstört.
Links: Das ehemalige preußische Abgeordnetenhaus in der Prinz-Albrecht-Straße
Rechts: Das ehemalige „König-Wilhelm-Gymnasium" in der Bellevuestraße



die sozialen Errungenschaften im Deutschen Reich waren einzigartig und es gab auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares

Willi Börger

Paul Czinner

Elisabeth Bergner

Theophil Wurm

Hans Meiser

Hjalmar Schacht

Dr. Karl Brandt

Blumen für den Führer: Adolf Hitler begutachtet gemeinsam mit seiner Geliebten Eva Braun Präsente am Führergeburtstag               

Blumen für den Führer: Adolf Hitler begutachtet gemeinsam mit seiner Geliebten Eva Braun Präsente am Führergeburtstag               

Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen
Jugendliche des Deutschen Reiches im Landjahr
Jugendliche des Deutschen Reiches im Landjahr