Chronik des Nationalsozialismus März / April 1935

MÄRZ 1935

1.3.1935
Mit einem feierlichen Akt wird in Saarbrücken die Übergabe des vom Völkerbund verwalteten Saarlandes an das Deutsche Reich begangen. Adolf Hitler hält im Saarbrückener Rathaus eine Ansprache an die Dreier-Kommission des Völkerbundes. Am Abend hält der Führer eine große Volksrede auf dem Rathausplatz von Saarbrücken: "Möchten doch alle Staatsmänner aus diesen das eine sehen, dass es zwecklos ist, mit diesen Methoden Völker und Staaten zerreißen zu wollen." Der Gauleiter Josef Bürckel wird als Reichs-Kommissar für das Saarland in sein Amt eingeführt.
In Wien kommt es anlässlich der Feierlichkeiten zur Rückgliederung des Saarlands in das Deutsche Reich zu Demonstrationen nationalsozialistischer Studenten. Die Demonstranten skandieren Hochrufe auf das Deutsche Reich und hissen eine Hakenkreuzflagge auf dem Dach des Gewerkschaftshauses.

2.3.1935
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler ernennt sieben neue Reichstagsabgeordnete aus dem Saargebiet.
Ein Schwurgericht in Salzburg verurteilt 17 österreichische Nationalsozialisten wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz zum Tode.
Bei den US-amerikanischen Hallenmeisterschaften im New Yorker Madison Square Garden stellt Jesse Owens mit 7,85 einen Hallenweltrekord im Weitsprung auf.

3.3.1935
In Leipzig beginnt die Frühjahrsmesse. Über 8000 Aussteller aus 19 Ländern stellen ihre Produkte zur Schau.
Eine Vereinsstaffel des Schwimmvereins "Magdeburg 1896" schwimmt bei einem Klubkampf gegen den "Bremischen SV" in Magdeburg Europarekord über 4 Freistil. Die Staffel legt die Strecke in 9:22,2 min zurück.

4.3.1935
Adolf Hitler spricht Kemal Atatürk telegrafisch seine Glückwünsche zur Wiederwahl als türkischer Staatspräsident aus.
Die britische Regierung veröffentlicht ein Rüstungsweißbuch, in dem sie ihre Besorgnis über die Aufrüstungsmaßnahmen im Deutschen Reich zum Ausdruck bringt. Der geplante Besuch des britischen Außenministers John Simon wird daraufhin von deutscher Seite verschoben.
Auf einer Kundgebung der NSDAP in Köln kündigt Gauleiter Josef Grohé einen "aufrührenden Propagandafeldzug" zur Vertiefung der weltanschaulichen Einigung des Deutschen Reiches an. Diese Aktion stellt eine Kampfansage an beide Konfessionen dar, deren Tätigkeit auf seelsorgerische Belange beschränkt werden soll.
Der deutsche Film "Baccarole" wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Gerhard Lamprecht spielen u.a. Gustav Fröhlich, Willy Birgel und Hilde Hildebrand.

5.3.1935
Die Bekenntnissynode der evangelischen Kirche der altpreußischen Union wendet sich in einem Aufruf gegen die Entstehung einer neuen Religion, in der "die rassisch-völkische Weltanschauung zum Mythos wird".
Italien und Abessinien einigen sich auf die Schaffung einer neutralen Zone im Grenzgebiet zwischen den beiden Hoheitsgebieten. Ungeachtet dieser Einigung fährt Italien jedoch fort, seine Truppenkontingente in diesem Gebiet zu verstärken.
Hanni Hölzner schwimmt in Plauen mit 2:48,0 min einen neuen Weltrekord über 200 y und verbessert damit die alte Bestmarke der Krefelderin Martha Genenger um eine Sekunde.

6.3.1935
Gauleiter und Kultusminister Hans Schemm stirbt aufgrund von Verletzungen, die er sich bei einem Flugzeugabsturz zugezogen hatte; das Flugzeug war während des Starts von Bayreuth aufgrund eines Pilotenfehlers abgestürzt. Hitler persönlich beorderte den Berliner Professor Ferdinand Sauerbruch per Flugzeug nach Bayreuth. Schemm erlag jedoch vor dessen Eintreffen seinen Verletzungen. Sein Nachfolger als Gauleiter und Reichswalter des NSLB wurde Fritz Wächtler.
Die französische Regierung kündigt in Paris die Verlängerung der Militärdienstzeit um ein Jahr auf zwei Jahre an. Ministerpräsident Pierre E. Flandin begründet die Maßnahmen mit der Wiederaufrüstung im Deutschen Reich.
Zur Einschüchterung der Vertreter des kritischen politischen Karnevals lässt der hessische Gauleiter Jakob Sprenger am Aschermittwoch das gesamte Komitee des "Mainzer Karneval Vereins" festnehmen.
Im Deutschen Reich erscheint die erste Ausgabe des SS-Wochenblattes »Das Schwarze Korps«. Jeder SS-Mann war verpflichtet, das Blatt zu lesen.
Im Deutschen Reich wird die Arbeitsdienstpflicht vor dem Studium eingeführt.

7.3.1935
In einem Brief an den Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) regt die Rote Gewerkschaftsinternationale (RGI) den gemeinsamen Wiederaufbau freier Gewerkschaften im Deutschen Reich an.
Der Staatssekretär des US-amerikanischen Arbeitsministeriums Frances Perkins gibt in Washington bekannt, dass in den USA 20,5 Mio. Menschen Sozialhilfe erhalten.

8.3.1935
Die Reichspressekammer in Berlin fordert zahlreiche nichtarische Verleger von Tageszeitungen und Fachzeitschriften auf, ihre Unternehmen an Arier zu verkaufen.
In Eupen und Malmédy unternimmt die Polizei umfangreiche Hausdurchsuchungen bei belgischen Nationalsozialisten wegen des Verdachts einer anti-belgischen Verschwörung. Dabei kommt es zu mehreren Verhaftungen.
Zum 25. Jahrestag der Frauen-Internationale veröffentlicht das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) eine Verfügung zur Hebung des Einflusses und der Stellung der Frau im politischen Leben. Darin heißt es, Frauen sollten in noch stärkerem Maße als bisher an politischen Arbeiten teilnehmen und mehr verantwortliche Posten der politischen und staatlichen Verwaltung übernehmen.
Der deutsche Film "Alle Tage ist kein Sonntag" mit Adele Sandrock in der Hauptrolle wird in Berlin uraufgeführt. Regie führt Walter Janssen.

9.3.1935
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler lässt den ausländischen Regierungen offiziell mitteilen, dass sich das Deutsche Reich wieder im Besitz einer Luftwaffe befindet. Dies bedeutet die einseitige Außerkraftsetzung des Versailler Vertrages.
Adolf Hitler wohnt der Beisetzung seines alten Kampfkameraden, Gauleiter Hans Schemm bei. Die Gedächtnisrede hält der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, weil Hitler erkältet ist.
Erstmals gewinnt Spanien den europäischen Schönheitswettbewerb, und Alicia
Navarro wird zur Miss Europa gekürt.

10.3.1935
Die nationalsozialistische Sport- und Freizeitorganisation »Kraft durch Freude« (KDF) verschickt 3000 Arbeiter aus allen Teilen des Reiches, mit drei großen Dampfern auf eine dreiwöchige Seereise nach Madeira.
In einem Ausscheidungskampf um die Box-Weltmeisterschaft im Schwergewicht schlägt Max Schmeling den US-Amerikaner Steve Hamas in der neunten Runde durch technischen K.O.. Schmeling und Hamas blieben auch nach diesem Kampf, was sie vorher gewesen waren - gute Freunde.

11.3.1935
Der außenpolitische Ratgeber Hitlers, Joachim von Ribbentrop, verbietet im Deutschen Reich alle Presseangriffe gegen den Führer der Sudetendeutschen Heimatfront (SHF), Konrad Henlein.
Auf einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft II des Sachverständigenbeirates für Bevölkerungs- und Rassenpolitik diskutieren deren Mitglieder mit Ministerialbeamten die illegale Sterilisierung farbiger deutscher Kinder.
In Athen wird ein Putschversuch republikanischer Militärs unter Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten Eleftherios Weniselos von Regierungstruppen niedergeschlagen.
Unter dem Titel "Eine Krise in der Universitätswelt" veröffentlicht der Völkerbund einen Bericht über die Auswanderung deutscher Gelehrter.

12.3.1935
Die Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, sowie Finanzen, Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk, ordnen gemeinsam eine Senkung der Kirchensteuer um 20% an.
Der Reichskommissar für Preisüberwachung Karl Friedrich Goerdeler verbietet dem Handwerkerstand, sich öffentlich mit Preisfragen zu beschäftigen.
Nach einer Gasexplosion bei Reinigungsarbeiten gerät im britischen Southampton ein Tank mit rund 1,1 Mio. l Erdöl in Brand. Tagelang bemühen sich Feuerwehrleute vergeblich, das Feuer unter Kontrolle zu bringen.
Zwischen Berlin und Tokio wird eine Funkfernsprechverbindung eröffnet.
In Berlin wird der als "künstlerisch wertvoll" eingestufte deutsche Spielfilm "Artisten" uraufgeführt. Harry Piel führt Regie und spielt neben Susi Lanner und Hilde Hildebrand die Hauptrolle.

13.3.1935
Der griechische Kriegsminister General Georg Kondylis erklärt in einem Interview, dass Griechenlands neues innenpolitisches Programm "sich nicht viel vom Programm des großen Formers des neuen Deutschland, Hitler, unterscheiden wird".

14.3.1935
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, verbietet mehrere Berliner "Skandalblätter". In der Begründung heißt es, die verbotenen Zeitungen hätten Volksgenossen in der Öffentlichkeit herabgesetzt und dadurch Klatschsucht und übelste Sensationshascherei gefördert.
Ein Militärgericht in Wien verurteilt den früheren Landeshauptmann der Steiermark und Unterrichtsminister Anton Rintelen wegen dessen Verwicklung in den 1934 gescheiterten Putsch gegen den österreichischen Bundeskanzler und Außenminister Engelbert Dollfuß zu lebenslanger Haftstrafe.
Nach dem gescheiterten Putschversuch des früheren Ministerpräsidenten Eleftherios Weniselos beschließt die griechische Regierung, das Parlament aufzulösen. Neuwahlen zur Nationalversammlung soll es erst in sechs Monaten geben.
Die Oper "Prinz von Homburg" von Paul Graener nach dem gleichnamigen Stück von Heinrich von Kleist wird an der Berliner Staatsoper uraufgeführt.
In Berlin wird der deutsche Sensations- und Kriminalfilm "Der blaue Diamant" unter der Regie von Kurt Blachnitzky uraufgeführt. Es spielen u.a. Salto King, Ursula Grabley, Oscar Sabo und Adele Sandrock.

15.3.1935
In Berlin wird der deutsche Film "Blutsbrüder" uraufgeführt. Unter der Regie von J. A. Hübler-Kahla spielen Brigitte Horney, Willy Eichberger und Attila Hörbiger die Hauptrollen.

16.3.1935
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler verkündet die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im Deutschen Reich. Diese Ankündigung, die einen Bruch des Versailler Diktates von 1919 bedeutet, löst im Deutschen Reich Begeisterung, im deutschfeindlichen Ausland heftige Proteste aus.
Der Hamburger Erwin Sietas verbessert in Düsseldorf den Weltrekord über 200 m Brust von 2:46,2 min auf 2:42,4 min.

17.3.1935
Truppenparade anlässlich des "Heldengedenktag" vorbei an Adolf Hitler und Generalfeldmarschall August von Mackensen. Die Berliner Innenstadt wurde für die Feierlichkeiten mit einer Großlautsprecheranlage ausgerüstet, um die Kundgebungen für alle zu übertragen.
Adolf Hitler betont in einem Interview mit dem britischen Journalisten Ward Price, die Revisionen territorialer Bestimmungen internationaler Verträge niemals durch einseitige Maßnahmen vornehmen zu wollen. Hitler erklärt, das deutsche Volk empfindet die Wiederherstellung der Wehrhoheit als "moralischen Akt" und nicht als einen militärisch notwendigen.
700 Pfarrer der oppositionellen "Bekennenden Kirche" werden überwiegend in Berlin, Schlesien und Teilen Preußens verhaftet oder unter Hausarrest gestellt. Damit wollen die Behörden die Lesung des Manifestes gegen das "neue Heidentum" des Nationalsozialismus beenden. Unter den Verhafteten befindet sich auch der regimekritische Pfarrer Martin Niemöller.
In einem Fußball-Länderspiel unterliegt Frankreich in Paris Deutschland 1:3.

18.3.1935
Der im Exil lebende Schauspieler Wolfgang Langhoff, der zwischen 1933 und 1934 in einem Konzentrationslager inhaftiert war, berichtet auf einem Treffen deutscher Exilschriftsteller in Paris über seine KZ-Erfahrungen. Der Bericht wird im Buch "Die Moorsoldaten" verlegt.
London protestierte in einer offiziellen Note gegen die Wiedereinführung der deutschen Wehrpflicht.

19.3.1935
Adolf Hitler fährt im Auto über Augsburg nach Stuttgart, wo er den Goldenen Rathaussaal besichtigt. Er übernachtet im Hospiz Victoria.
Britische Truppen feuern in Karatschi in Indien auf demonstrierende Moslems und töten dabei 37 Menschen. Die britische Kolonialregierung in Indien begründet das Vorgehen der Soldaten mit dem Schutz hinduistischer Stadtbewohner.
In Berlin findet eine großangelegte Luftschutzübung statt.
Mit 173,3 km/h stellt ein britischer Expreßzug auf der Strecke Newcastle- London einen Geschwindigkeitsrekord auf.

20.3.1935
Der Frankfurter Oberbürgermeister Friedrich Krebs weist die Stadtverwaltung an, in Zukunft für gängige Fremdworte nur noch deutsche Bezeichnungen zu verwenden.
Adolf Hitler setzt seine Reise nach Heidelberg, Darmstadt und Wiesbaden fort, wo er dann für drei Tage im Hotel Rose wohnt. Er besucht eine Beethoven Sinfonie im Kurhaus und eine "Aida" Aufführung im Staatstheater.
Der französische Außenminister Pierre Laval protestiert in einem Telegramm an den Völkerbund in Genf gegen die Remilitarisierung des Deutschen Reichs, die sich im Aufbau einer Luftwaffe und in der Wiedereinführung der Wehrpflicht äußere. Laval fordert eine Sondertagung des Völkerbundes.
Im vorwiegend von Farbigen bewohnten New Yorker Stadtteil Harlem kommt es zu Unruhen, bei denen 36 Personen verletzt und über 150 festgenommen werden. Anlaß für den Aufruhr unter der schwarzen Bevölkerung ist die Nachricht, dass ein kleiner Junge für das Stehlen eines Messers vom Ladenbesitzer fast zu Tode geprügelt worden war.
In Berlin wird der deutsche Expeditionsfilm "Der Dämon des Himalaya" unter der Regie von Günther Oskar Dyhrenfurth uraufgeführt. Die Filmmusik hat Arthur Honegger geschrieben.

21.3.1935
Für die Studentenzahl an Großstadt-Universitäten erlässt Reichs-Erziehungsminister Bernhard Rust Höchstgrenzen. So dürfen etwa in Berlin höchstens 5.600, in Frankfurt 1.400 und in Münster 2.500 Deutsche studieren. Die Studenten sollen in kleinere Orte gezogen werden, um die »Verbindung zwischen den Arbeitern der Stirn und der Faust« zu fördern.
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler unterzeichnet einen "Erlass über die Eingliederung der gewerblichen Wirtschaft in die Deutsche Arbeitsfront".
Im Saarland wird die NSDAP Saar gegründet.
Frankreich und Italien protestieren gegen die Wiedereinführung der deutschen Wehrpflicht.

22.3.1935
Das Reichswehrministerium bedankt sich bei der Bevölkerung für täglich eingehende Geldspenden zum Aufbau der Wehrmacht und bittet um weitere Beiträge auf das Konto »Wehrdank« bei der Deutschen Bank.
In Berlin wird das erste regelmäßig ausgestrahlte Fernsehprogramm der Welt gestartet.
Mit finanzieller Beteiligung der Deutschen Lufthansa wird in Berlin die »Deutsche Zeppelin Reederei GmbH« gegründet. Ziel des Unternehmens ist es, einen regelmäßigen Linienverkehr in der Luftschiffahrt einzurichten.
Der deutsche Film "Hundert Tage", ein historisches Drama um Napoleon I., wird in Berlin uraufgeführt. Franz Wenzler führt Regie, Gustaf Gründgens ist in einer Nebenrolle zu sehen.

23.3.1935
Für die Aufnahme in höheren Schulen müssen nach einer Verordnung des Reichserziehungsministers Bernhard Rust schriftliche, mündliche und körperliche Eignungsprüfungen abgelegt werden.
Adolf Hitler sendet dem Obermusikmeister Georg Fürst, dem Komponist des von Hitler geliebten Badenweiler Marsches, ein Glückwunschtelegramm zum Geburtstag.
In Berlin eröffnet Reichsinnenminister Wilhelm Frick die größte deutsche Ausstellung des Jahres 1935, »Das Wunder des Lebens«. In sieben Hallen wird, so Frick, »das frische, kerngesunde, pulsierende Leben in all seinen Erscheinungsformen« dargestellt.

24.3.1935
Der britische Außenminister John Simon und der Lordsiegelbewahrer (Minister ohne Geschäftsbereich) Robert Anthony Eden treffen zu einem viertägigen Staatsbesuch in Berlin ein. Gegenstand der Gespräche, die sie unter anderem mit Adolf Hitler führen, sind französisch-britische Vorschläge für einen europäischen Sicherheitspakt. Zu weiteren Informationsgesprächen reist Eden anschließend weiter nach Moskau, Warschau und Prag.
Die vierte "Thingstätte" im Deutschen Reich wird in Koblenz eröffnet. Insgesamt sind 23 dieser Kultstätten vorgesehen, die u.a. der Reaktivierung germanischer Kultur dienen sollen.

25.3.1935
In New York sind etwa eine Mio. Menschen arbeitslos. Ein städtisches Komitee, das das Problem der Arbeitslosigkeit untersucht, schätzt die Zahl der dadurch mitbetroffenen Familienmitglieder auf 2,66 Mio. oder 37% der Gesamtbevölkerung der Stadt.

26.3.1935
Durch Erlaß Hitlers wird die »Organisation der gewerblichen Wirtschaft«, in dem alle deutschen Unternehmen Mitglied sein müssen, der »Deutschen Arbeitsfront« (DAF) eingegliedert. Mit der Zusammenlegung bezweckt die Regierung, das Verschwinden von Klassengegensätzen zwischen Arbeitern und Unternehmern zugunsten der nationalsozialistischen »Volksgemeinschaft« zu demonstrieren.
In der litauischen Hauptstadt Kovno endet ein Hochverratsprozeß gegen memelländische Deutsche mit vier Todesurteilen und 15 Haftstrafen.
Über 70 Anhänger der anti-britischen "Irisch-Republikanischen-Armee" (IRA) werden in Dublin nach tagelangen Unruhen verhaftet. Grund ist die Unterstützung, die die IRA einem illegalen Streik der Transportarbeiter Dublins zukommen läßt. Die IRA versucht, soziale Unruhen für die Beseitigung der seit 1921 bestehenden Teilung des Landes in das britische Nordirland und die Republik Irland zu nutzen.

27.3.1935
Die Geschäftsleitung der Deutschen Lufthansa AG fordert in Berlin im Namen der internationalen Fluggesellschaften die Postverwaltungen auf, internationale Sendungen nur noch per Flugzeug zu befördern. Die deutsche Reichspost hat bereits angekündigt, Briefe nach Großbritannien nur noch so zu transportieren.

28.3.1935
Adolf Hitler inspiziert als Oberbefehlshaber der Wehrmacht erstmals offiziell die neue Reichs-Luftwaffe. Zusammen mit Reichs-Luftfahrtminister Hermann Göring besucht er das »Geschwader Richthofen« in Döberitz.
Adolf Hitler empfängt den neuen spanischen Botschafter Francesco Cortijo in der Reichskanzlei zur Entgegennahme des Beglaubigungsschreiben.
Im Berliner UFA-Palast wird, im Beisein Adolf Hitlers, Leni Riefenstahls Film über den Nürnberger Reichsparteitag 1934, »Triumph des Willens« uraufgeführt.
Der sowjetische Botschafter im Deutschen Reich, Jakob Suritz, protestiert bei Reichsaußenminister Konstantin Freiherr von Neurath in Berlin gegen die zunehmende antisowjetische Propaganda in den deutschen Medien. Suritz droht mit einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten und mit der Streichung von Aufträgen für deutsche Unternehmen in der UdSSR.

29.3.1935
Der belgische Ministerpräsident Paul van Zeeland verkündet vor dem Parlament in Brüssel die Abwertung der belgischen Währung - seit 1926 "Belga" genannt - um 25%. Die Zahl wird einen Tag später auf 28% korrigiert. Durch die Abwertung hofft die Regierung, die Probleme der Zahlungsbilanz zu beheben, den Export anzukurbeln und den Devisenabfluß stoppen zu können.

30.3.1935
Die nationalsozialistische Regierung verabschiedet in Berlin das Gesetz über die Haushaltsführung des Reiches. Es sieht u.a. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Bereich der Bodenurbarmachung und öffentliche Bürgschaften für die Finanzierung des Kleinwohnungsbaus vor.

31.3.1935
Hitler unterbreitete den Staaten Europas noch einmal ein großes Friedensangebot. Er forderte zur allgemeinen Abrüstung und zur Unterzeichnung eines 25jährigen europäischen Friedenspaktes auf, dessen Grundlage die gegenwärtigen Luftstreitkräfte, neue entmilitarisierte Zonen und andere bedeutsame, praktische Maßnahmen bilden sollten. Dieses durchgreifende Friedens- und Abrüstungsprogramm mit seinen 19 Punkten war der umfassendste Nichtangriffspakt, der je entworfen wurde. Dieses Angebot wurde strikt abgelehnt.
Die Umorganisation der Bewachung und Zuständigkeit für Konzentrationslager ist beendet. Die der SS angehörenden Wachmannschaften übernehmen damit endgültig diesen Zuständigkeitsbereich von der SA.
Die Reichsmusikkammer lehnt die Erneuerung der ablaufenden Ausweise ihrer nichtarischen Mitglieder ab. Im Laufe des Monats März sind außerdem etwa 1000 nichtarische Schriftsteller sowie Journalisten aus ihren Berufsverbänden ausgeschlossen worden. Ohne die Mitgliedschaft in diesen Verbänden darf der jeweilige Beruf im Deutschen Reich nicht ausgeübt werden.
Die Emeritierung des Münchner Physikprofessors Arnold Sommerfeld leitet einen zwei Jahre dauernden Streit um seine Nachfolge an der Universität München ein. Befürworter einer "arischen Physik" lehnen die Kandidatur des Sommerfeld-Schülers Werner Heisenberg ab.

APRIL 1935

1.4.1935
Durch das »3. Gesetz zur Überleitung der Rechtspflege auf das Reich« werden die Justizbehörden der Länder in Reichsbehörden umgewandelt. Die nationalsozialistische Regierung setzt damit die Gleichschaltung der deutschen Justiz fort.
Reichsluftfahrtminister Hermann Göring übernimmt den Oberbefehl über die deutsche Flakartillerie.
Die "Pommersche Zeitung" kündigt in ihrer ersten Monatsausgabe an, dass in Zukunft jüdische Geschäftsleute nicht mehr in pommerschen Zeitungen inserieren dürfen.
Die Regierung der Schweiz protestiert bei der deutschen Reichsregierung gegen die Entführung des Journalisten Berthold Jacob aus der Schweiz auf deutsches Gebiet durch die Gestapo.
In Rom verurteilt Papst Pius XI. die allgemeine Kriegsrüstung scharf und bezeichnet einen neuen Krieg als "Verbrechen".
Ein achttägiger Kongress der "Women,s International Zionist Organization" (Zionistische Frauenorganisation) geht in Tel Aviv zu Ende. Es war die erste internationale jüdische Konferenz, die in Palästina stattfand.

2.4.1935
Der Leiter der Berliner Bekennenden Kirche, Pastor Walter, wird verhaftet und in ein Konzentrationslager gebracht. Ihm wird vorgeworfen Predigten zugunsten verhafteter Geistlicher nicht verhindert zu haben.
Der Oberste Gerichtshof in Washington gesteht der demokratischen Partei des US-Bundesstaates Texas in einem Urteil das Recht zu, Schwarze von parteiinternen Vorwahlen zu den Präsidentschaftswahlen auszuschließen. Politische Parteien so das Gericht, seien freiwillige Organisationen, die selbst über die Zusammensetzung ihrer Mitgliedschaft entscheiden könnten. Die Gerichtsentscheidung bedeutet einen Sieg für die Rassendiskriminierung im Süden der USA.
Während der Hinrichtung des wegen Mordes zum Tode verurteilten Briten Leonard Brigstock in London findet vor dem Gefängnis eine Protestkundgebung gegen die Todesstrafe statt. Drei über der Menge kreisende Flugzeuge tragen Transparente mit der Aufschrift "Schluß mit der Todesstrafe".

3.4.1935
Der britische Lordsiegelbewahrer (Minister ohne Geschäftsbereich) Robert Anthony Eden beendet einen Staatsbesuch in Polen, bei dem er dem polnischen Marschall Jósef Klemens Pilsudski den englischen Plan eines europäischen Friedenspaktes erläuterte.
Weil ein weiterer Krieg "das Land an den Abgrund der Revolution" führen werde, legt eine US-Senatskommission dem Washingtoner Kongress einen Gesetzentwurf vor, der die Waffenproduktion einschränken soll. Für Gewinne aus Kriegsproduktionen, die 6% des eingebrachten Kapitals übersteigen, ist eine hundertprozentige Steuer vorgesehen. Demnach würde der Staat den gesamten Gewinn konfiszieren.

4.4.1935
Die Aufführung von Friedrich Schillers Drama "Don Carlos" wird in Bremen verboten, nachdem bei einer vorangegangenen Aufführung an der bekannten Stelle "Sire, geben Sie Gedankenfreiheit" demonstrativer Beifall eingesetzt hatte.
Während eines Prozesses gegen einen Arbeitslosen in Gallup (US-Bundesstaat New Mexico), der wegen Mietrückstandes seine Wohnung verlassen mußte, dringen etwa 100 Arbeitslose in den Gerichtssaal und eröffnen das Feuer. Dabei wird der Richter erschossen, zwei Beisitzer werden schwer verletzt.

5.4.1935
Eine dreiwöchige Zwangshaft droht nach einer Polizeiverordnung in der Rheinprovinz demjenigen, der "die Grundsätze der nationalsozialistischen Bewegung" herabsetzt. Die Verordnung richtet sich gegen Geistliche, die Alfred Rosenbergs "Mythus des 20. Jahrhunderts" kritisiert hatten, neben Hitlers "Mein Kampf" das ideologische Standardwerk der "Bewegung".
Dem Berliner Historiker Hermann Oncken wird nach einem Disziplinarverfahren die Ausübung der akademischen Lehrtätigkeit verboten. Wegen seiner Forderung nach wissenschaftlicher Distanz auch zu Zeitereignissen führt die nationalsozialistische Presse, unter anderem der "Völkische Beobachter", seit längerem eine Kampagne gegen Oncken.

6.4.1935
Die 30.000 Arbeiter und Angestellten der Siemens-Werke in Berlin verpflichten sich gegenüber der nationalsozialistischen "Betriebszellenleitung", dass weder sie noch ihre Familienangehörigen in jüdischen Geschäften einkaufen.
Durch einen Führererlass wird die Regelung vom 27. Juli 1934 für Rudolf Hess erweitert, zur Mitwirkung an allen Entwurfsarbeiten zu Ausführungsbestimmungen und Durchführungsverordnungen, soweit sie im Reichsgesetzblatt veröffentlicht werden.
Eine Reihe polnischer Organisationen, so etwa der allgemeine Lehrerverband, protestieren in einer Erklärung gegen die Entrechtung der polnischen Minderheit im Deutschen Reich, die im Gegensatz zu Hitlers Beteuerungen stehe.
Beim Absturz eines holländischen Passagierflugzeugs in der Nähe von Kassel kommen alle sieben Insassen ums Leben. Die Maschine befand sich auf dem Weg von Prag nach Amsterdam.

7.4.1935
Bei den Wahlen zum Danziger Volkstag bleibt die NSDAP mit 59,2% der Stimmen stärkste Partei, erreicht aber nicht die erhoffte Zweidrittelmehrheit in der unter Völkerbundmandat stehenden Stadt.
In Berlin findet der Hindenburg-Gepäckmarsch über 35 km statt, der zur Wehrhaftmachung der Bevölkerung dienen soll.
Im Deutschen Reich beginnt eine "Lärmbekämpfungswoche".
Bei einem Autorennen im französischen Chateau-Thierry rast ein Rennwagen in die Zuschauermenge und tötet sieben Menschen. Vier Verletzten müssen an Ort und Stelle Gliedmaßen amputiert werden.

8.4.1935
Die Regierung der UdSSR erlässt ein Gesetz, durch das das Mindestalter für die Todesstrafe auf zwölf Jahre gesenkt wird.
Der US-amerikanische Kongress verabschiedet in Washington den "Emergency Relief Appropriation Act", ein wirtschaftliches Nothilfegesetz, nach dem die Bundesregierung knapp fünf Mrd. Dollar (12,4 Mrd. RM) in verschiedene Arbeitsbeschaffungsprogramme investieren wird.

9.4.1935
Aus Anlaß des 70. Geburtstages des Generals a. D. Erich Ludendorff ordnet Führer und Reichskanzler Adolf Hitler die Beflaggung aller Staatsgebäude an. Außerdem lässt Hitler dem Jubilar eine Ehrenkompanie stellen und er entsendet Reichswehrminister Generaloberst Werner von Blomberg und dem Chef der Heeresleitung General Werner Freiherr von Fritsch zur Gratulation nach Tutzing.
Das Deutsche Reich und die Sowjetunion schließen ein Handels- und Kreditabkommen, nach dem ein deutsches Bankenkonsortium unter Führung der Dresdner Bank der UdSSR 200 Mio. RM für den Kauf deutscher Waren leihen wird.

10.4.1935
Mit prunkvollem Zeremoniell heiratet der Reichsluftfahrtminister Hermann Göring die Schauspielerin Emmy Sonnemann in Berlin. Führer und Reichskanzler Adolf Hitler fungiert als Trauzeuge.
Im Gefängnis Berlin-Plötzensee werden Sally Epstein und Hans Ziegler hingerichtet. Sie sind 1934 wegen Beteiligung an dem dem Mord an dem Nationalsozialisten Horst Wessel (14. 1. 1930) zum Tode verurteilt worden.
Der Immigrationsausschuß des US-amerikanischen Repräsentantenhauses verurteilt die Aktivitäten von "Schleppern", die verarmten Arbeitssuchenden aus der Karibik und Lateinamerika zum illegalen Grenzübertritt in die USA verhelfen.

11.4.1935
Zwischen den Regierungschefs von Großbritannien, Frankreich und Italien beginnt die dreitägige Konferenz von Stresa am Lago Maggiore, auf der die Wiederaufrüstung des Deutschen Reiches verurteilt wird. Die drei Länder verpflichten sich, jeder einseitigen Aufkündigung von Verträgen, mit allen geeigneten Mitteln entgegenzuwirken.

12.4.1935
Die Reichsschrifttumskammer schließt alle nichtarischen Mitglieder aus ihrer Organisation aus. Diese Maßnahme kommt einem Berufsverbot gleich, da ohne die Mitgliedschaft in dem Gremium im Deutschen Reich kein schriftstellerischer oder journalistischer Beruf ausgeübt werden darf.
In allen deutschen Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten finden zum letzten Mal im »Dritten Reich« die Wahlen der Vertrauensräte statt.
Wegen Kritik an Alfred Rosenbergs "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" wird der katholische Studentenpfarrer von Rostock, Wilhelm Leffers, in Schwerin zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Eine Studentin zeigte ihn an.
Die deutsche Universität in Prag wendet sich in einem Memorandum scharf gegen tschechische Vorwürfe einer "hakenkreuzlerischen Gesinnung". Die Universität sei "rein wissenschaftlich" tätig, Unterschiede zwischen Ariern und Nichtariern im Lehrpersonal würden nicht gemacht.
Der US-Amerikaner Jack Medica verbessert in Chicago den Weltrekord im 200-m-Freistilschwimmen auf 2:07,2 min. Den alten Weltrekord von 2:08,8 min hatte Johnny Weissmuller acht Jahre lang gehalten.

13.4.1935
Deutschfeindliche Ausschreitungen im Seekreis bei einer polnischen Versammlung in Neustadt, die in schwere Hetze gegen deutsche Minderheiten ausartete. Die dadurch aufgebrachte und nicht mehr zurück zu haltende Menge durchzog dann die Stadt und schlug Schaufenster und sonstige Fensterscheiben Deutscher ein. Bei ähnlichen Versammlungen auch an anderen Orten des Seekreises kam es bei einer solchen Demonstration zu schweren Schlägereien, in deren Verlauf mehrere Deutschstämmige gefährlich verletzt wurden und einer davon starb.
Nach einem Erlass des Reichsjustizministeriums können Gefangene nach Abbüßung ihrer Strafe auf unbestimmte Zeit in ein Konzentrationslager überführt werden.
Am Deutschen Theater in Berlin wird das Drama "Michael Kohlhaas" von Walter Gilbricht nach der Novelle von Heinrich von Kleist uraufgeführt.
Zwischen London und Brisbane (Australien) wird eine regelmäßige Flugverbindung über 20 000 km Länge eröffnet.

14.4.1935
Der Führer der britischen "Union of Fascists" (Faschistische Union), Oswald Ernald Mosley, greift in einer Rede vor 5000 Personen in Leicester die Juden Großbritanniens an.

15.4.1935
Der Bergarbeiterführer Fritz Husemann wird einen Tag nach Einlieferung in das Konzentrationslager Esterwegen bei einem Fluchtversuch erschossen.
Als Reaktion auf die Angriffe deutscher Nationalsozialisten gegen polnische Oppositionelle bei den letzten Wahlen kommt es in mehreren Städten Polens zu Ausschreitungen gegen deutsche Staatsbürger. Dabei werden mehrere Personen verletzt.
Unter der Leitung von dem Mediziner Walter Gross wird das Rassenpolitische Amt gegründet. Die Schulung von Rednern war eine der Hauptaufgaben des Rassenpolitischen Amtes, mit der eine einheitliche Sprachregelung auf dem Gebiet der Rassenhygiene erreicht werden sollte. Hierzu wurde in Potsdam-Babelsberg eine ReDementsprechend war die Schulung von Rednern eine der Hauptaufgaben des Rassenpolitischen Amtes, mit der eine einheitliche Sprachregelung auf dem Gebiet der Rassenhygiene erreicht werden sollte.
Der britische Schatzkanzler Arthur Neville Chamberlain kündigt in London sein Haushaltsprogramm für 1935/36 an. Darin wird u.a. eine Senkung der Einkommenssteuer für kleinere Einkommen, eine Erhöhung der Steuerfreibeträge und die Abschaffung der Vergnügungssteuer für billige Kinoplätze festgelegt.

16.4.1935
Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht gibt der Stabschef der SA, Viktor Lutze, in Magdeburg eine Erklärung über die zukünftigen Aufgaben der SA ab. Danach soll die SA eine kleine Organisation ausgesuchter »politischer Soldaten« sein, die die Tradition der Revolution fortsetzt, ein Beispiel an Disziplin gibt und eine Trainingsstätte für nationalsozialistische Prinzipien und Ideen darstellt.
In San Francisco startet eine Sikorsky S-24, ein Flugboot der Pan American Gesellschaft, zum Flug nach China. Dabei legt sie die 2400-Meilen-Distanz auf einer neuen Route über den Pazifik in weniger als 18 h zurück.

17.4.1935
Der Völkerbund in Genf nimmt einen gemeinsamen Entschließungsantrag Großbritanniens, Frankreichs und Italiens an, der den Bruch des Versailler Vertrages vom Deutschen Reichs durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht verurteilt.
Der deutsche Operettenfilm "Zigeunerbaron" mit Musik von Johann Strauß wird in Berlin uraufgeführt. Regie führte Karl Hartl.

18.4.1935
In einem RundErlass modifiziert Reichsinnenminister Wilhelm Frick den totalitären Anspruch der nationalsozialistischen Rassengesetzgebung. In dem Erlass heißt es, "jeder Artfremde, soweit nicht jüdischen Blutes, kann von der Rassengesetzgebung ausgenommen werden, wenn außenpolitische Rücksichten dies erfordern".
In der türkischen Stadt Yildiz wird der Kongress des Weltbundes für das Frauenwahlrecht und die politische und bürgerliche Gleichberechtigung eröffnet. 300 Delegierte aus 30 Ländern nehmen an dem Kongress teil.

19.4.1935
Die Zeitung "Katholisches Kirchenblatt", offizielles Blatt der katholischen Diözese Berlins, wird nach einem kritischen Bericht über den Prozeß gegen den am 12. April verurteilten Pfarrer Wilhelm Leffers von der Polizei konfisziert.

20.4.1935
Als Geschenk der SA zu Hitlers 46. Geburtstag übergibt SA-Stabschef Viktor Lutze dem »Führer« das Jagdgeschwader »Horst Wessel« für die »Wiederherstellung der Wehrhoheit«. Auf der Reichskanzlei wird erstmals die neue »Standarte des Führers und Reichskanzlers« aufgezogen. In einer Radioansprache lobt Propagandaminister Joseph Goebbels Hitler als einen Mann des Volkes und rühmt dessen fanatische Besessenheit, der er Glück und Privatleben geopfert habe. Die Rasselsteiner Eisenwerksgesellschaft stellt als "Geschenk für den Führer" 130 "alte Kämpfer der Bewegung" ein.
In einer Festvorstellung des Staatlichen Schauspielhauses Berlin nimmt die Schauspielerin Emmy Sonnemann-Göring als "Minna von Barnhelm" offiziell Abschied von der Bühne.

21.4.1935
Die 1933 emigrierten KPD-Politiker Walter Ulbricht und Franz Dahlem bilden in Prag eine operative Leitung für die illegale Arbeit der Kommunisten in Deutschland.

22.4.1935
In Frankfurt/Main beginnt der 3. Kynologische Weltkongress mit ca. 300 Delegationen internationaler Hundezüchtervereine aus 32 Ländern. Auf dem Kongress werden Fragen der Zucht, der Dressur und der Erkrankung von Hunden behandelt.
Bei den Ringer-Europameisterschaften in Kopenhagen gewinnen die Deutschen Sebastian Hering und Kurt Hornfischer die Titel im griechisch-römischen Stil im Feder- und im Schwergewicht.

23.4.1935
Der Reichsstatthalter von Sachsen, Martin Mutschmann, lässt 10 Pastoren der oppositionellen Glaubensbewegung in der Deutschen Evangelischen Kirche verhaften und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportieren. Etwa 200 Pastoren der Bewegung protestieren gegen die Maßnahme und fordern die sofortige Freilassung ihrer Glaubensbrüder.
In Polen tritt eine neue Verfassung in Kraft, die dem Präsidenten diktatorische Vollmacht verleiht. Der Präsident wird als der "vor Gott und der Geschichte" verantwortliche Lenker des Staats mit der Befugnis ausgestattet, die Regierung zu ernennen und zu entlassen. Die Rechte des Senats werden erweitert, dem Sejm, Polens Reichstag und oberstes Gesetzgebungsorgan, nur beratende Funktion belassen.
In Moskau wird der erste 12 km lange Abschnitt der Untergrundbahn eröffnet. 150 000 Bürger nutzen täglich die Gelegenheit freier U-Bahn-Fahrten, bis der offizielle Betrieb im nächsten Monat aufgenommen wird.

24.4.1935
Der Präsident der Reichspressekammer Max Amann erlässt drei Anordnungen zur weiteren Ausschaltung der bürgerlichen Zeitungsverlage.
In Erwartung einer baldigen kriegerischen Auseinandersetzung in Europa beginnen US-amerikanische Filmproduktions- gesellschaften mit Vorbereitungen für eine Berichterstattung. Mehrere Hundert Spezialkameras werden nach Europa verschifft, Dutzende Reporter in die kleineren europäischen Länder geschickt, die bisher noch keine Vertreter haben.
Im niederländischen Exil veröffentlicht der deutsche Philosoph Helmuth Plessner "Das Schicksal des Deutschen Geistes".

25.4.1935
In Berlin wird der Internationale Filmkongress 1935 eröffnet. An dem von der Reichsfilmkammer organisierten Kongreß, der bis zum 30. April dauert, nehmen 1000 Delegationen aus 40 Ländern und etwa 1500 Repräsentanten der deutschen Filmbranche teil.
1000 nationalsozialistische Handwerksgesellen gehen in Berlin auf die traditionelle Wanderschaft der Handwerker. Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP und Leiter der "Deutschen Arbeitsfront" (DAF), Robert Ley, erklärt bei der Verabschiedung das Ziel dieser Aktion: "Nicht zuletzt wollen wir die letzten Überreste katholischer Gesellenvereine schlagen."
In Venedig eröffnet König Viktor Emanuel III. von Italien die große Tizian-Ausstellung, die das Gesamtwerk des Renaissancemalers zeigt. Es werden etwa hundert Gemälde und Zeichnungen ausgestellt, die mit 152 Mio. Lire (32,2 Mio. RM) versichert sind. Die Ausstellung dauert bis Anfang November.

26.4.1935
Im Berliner Ufa-Palast wird der deutsche Film "Das Mädchen Johanna", ein historischer Film um die Gestalt Johanna von Orleans uraufgeführt. Die Regie in dem als "staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll" ausgezeichneten Spielfilm führt Gustav Ucicky. In den Hauptrollen sind Gustaf Gründgens, Heinrich George, René Deltgen und Erich Ponto zu sehen.
Die erste Welt-Hunde-Ausstellung wird in Berlin eröffnet. Es werden 124 verschiedene Hunderassen aus 15 Ländern gezeigt. Die Ausstellung gilt als die größte ihrer Art in der Welt.

27.4.1935
Der belgische König Leopold III. eröffnet die Brüsseler Weltausstellung, an der 36 Nationen teilnehmen. Die Ausstellung umfaßt alle wichtigen Zweige der Technik, Wissenschaft und Kunst. Das Deutsche Reich und die Vereinigten Staaten sind nicht vertreten.

28.4.1935
Die jüdischen Kulturorganisationen schließen sich auf einer Konferenz in Berlin zum Reichsverband jüdischer Kulturbünde zusammen.
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler besichtigt die Bauarbeiten auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.
Der Polizist Willi Schröder wirft in Magdeburg mit 53,10 m einen Weltrekord im Diskuswerfen.
In einem Fußballänderspiel in Brüssel schlägt die deutsche Mannschaft Belgien 6:1.

29.4.1935
Adolf Hitler gibt einen Empfang in seiner Privatwohnung am Prinzregentenplatz in München. Geladene Gäste sind unter anderem Winifred Wagner, die junge Engländerin Unity Mitford, die Herzogin von Brunswick (einzige Tochter von Kaiser Wilhelm II.) und auch Sir Oswald Mosley, der britische Faschistenführer.
Für den "kranken Frieden" beten die Gläubigen auf dem Weltkongress der Wallfahrer in Lourdes. Hunderttausende Pilger aus aller Welt kommen hier zusammen, um vor dem drohenden Krieg in Europa zu warnen. Der Legat des Papstes, Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli, verurteilt in seiner Ansprache den nationalsozialistischen "Aberglauben von Rasse und Blut".

30.4.1935
In Berlin-Tempelhof findet die "erste aktuelle Fernsehübertragung der Welt" statt. Bei der Demonstration von Journalisten sind mit Hilfe eines Zwischenfilmverfahrens und eines Übertragungswagens Fernsehbilder 70 Sekunden nach ihrer Aufnahme auf einem Bildschirm zu sehen.
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zeichnet 26 Jungen und 12 Mädchen als Sieger der Reichsberufswettkämpfe aus.
Der Präsident der Reichsschrifttumskammer Friedrich Blunck verfügt, dass bei der Reichsschrifttumskammer eine Liste über jene Bücher geführt wird, die das "nationalsozialistische Kulturwollen" gefährden. Ihre Verbreitung durch Buchhandlungen ist untersagt. Ebenso soll die Auflistung "jugendgefährdender Schriften" erfolgen.
Im Münchner Hoheneichen Verlag erscheint das Werk des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg "An die Dunkelmänner unserer Zeit". Durch Vorausbestellungen sind die ersten 20 000 Exemplare bereits vergriffen.


"Kraft durch Freude", war eine Organisation der Deutschen Arbeitsfront und wurde 1933 gegründet. Reisen, Autos und Schiffe, wie hier die "Wilhelm Gustloff" und auch eineinhalb geschossige Häuser stellten die Aushängeschilder dieser Orga- nisation dar. Das KdF-Angebot sollte nun noch durch die KdF-Ferienanlagen erweitert werden. In Prora sollte eines der größten Seebäder des Deutschen Reiches entstehen. Die Organisation ermöglichte auch dem Volksgenossen mit geringem Einkommen, durch eine Solidarität untereinander, eine Reise in den Urlaub.

Links: Goebbels schaut fern (Funkaustellung) Die erste Fernsehübertragung in Deutschland wurde der Öffentlichkeit am 18.4.1934 in der Berliner Krolloper vorgestellt. Die Aufnahme eines regelmäßigen Programmdienstes folgte am 22.3.1935 und wurde über UKW übertragen. Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky eröffnet den Betrieb des Senders mit den Worten: „… in dieser Stunde wird der Rundfunk berufen, die größte und heiligste Mission zu erfüllen: nun das Bild des Führers unverlöschlich in alle deutsche Herzen zu pflanzen …" Den Namen „Fernsehsender Paul Nipkow" erhielt der Sender im Rahmen einer Feierstunde zum 75. Geburtstag von Paul Nipkow am 29. Mai 1935. Das Höchstmaß an Publizität erlangte er im August 1936, als während der Olympischen Sommerspiele mit einem Großaufgebot von Fernsehkameras quasi live von den Spielen.

die sozialen Errungenschaften im Deutschen Reich waren einzigartig und es gab auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares

Pierre E. Flandin

Max Schmeling

Anton Rintelen

Martin Niemöller

Friedrich Krebs

Georg Fürst

John Simon

Jósef Klemens Pilsudski

Erich Ludendorff

Hermann Göring

Emmy Sonnemann

Walter Ulbricht

Franz Dahlem

Martin Mutschmann

Friedrich Blunck

 

 Triumph in der Hanseatenhalle in Hamburg: Max Schmeling, der ein   Comeback als Schwergewichtsweltmeister will, siegt über Steve Hamas

UfA-Tonwoche Nr. 237 vom 20.3.1935 - Der Fuehrer gibt Deutschland die Wehrfreiheit wieder. Die allgemeine Wehrpflicht wird wiedereingefuehrt.

Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen