Chronik des Nationalsozialismus Mai / Juni 1934

MAI 1934

1.5.1934
Mehr als zwei Millionen Menschen nehmen auf dem Tempelhofer Feld in Berlin an einem gigantischem Festakt der nationalsozialistischen Regierung zum Feiertag der nationalen Arbeit teil. Die Berliner "schaffenden Volksgenossen der Stirn und Faust" marschieren in 13 Marsch- kolonnen an. Der deutsche Reichskanzler und Führer der NSDAP, Adolf Hitler, erklärt in seiner Rede zum 1. Mai, dass Hammer und Sichel wieder Symbol der deutschen Arbeiter und Bauern seien. Er rechtfertigte die vor einem Jahr eingeleitete Zerschlagung der Gewerkschaften. Am Schluss seiner Rede führte er aus: "Vor allem aber möge die Vorsehung unser aller sehnlichsten Wunsch in Erfüllung gehen lassen, dass unsere deutsche Menschen sich immer mehr zusammenfinden in gegenseitiger Nachsicht und im gegenseitigem Verstehen, um das Ziel zu erreichen, für das unser Volk seit Jahrtausenden kämpfte, viele Generationen litten und Millionen sterben mussten: ein freies Volk in einem starken Deutschen Reich."                   





















Bernhard Rust (NSDAP) wird zum Leiter des neugebildeten Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung ernannt.
Adolf Hitler entbindet den preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring (NSDAP), vom Amt des preußischen Innenministers und überträgt es dem Reichsminister des Innern, Hermann Frick (NSDAP). Damit besteht eine weitere Personalunion bei einem Reichs- und einem preußischen Ministerium.
Nach offiziellen Angaben werden anläßlich des Feiertags der nationalen Arbeit fast 200 politische Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen.
Im 13. Bezirk von Paris, dem Arbeiterviertel, kommt es in der Nacht zum 2. Mai zu Barrikadenkämpfen und Straßenschlachten. Es gibt mehrere Tote.
Das Konkordat zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl tritt in Kraft.
Der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (Christlichsoziale Partei) ernennt den Bundesführer der Heimwehren, Ernst Rüdiger Starnhemberg, zum Vizekanzler als Nachfolger von Emil Fey (Heimwehr), der das Sicherheitsministerium übernommen hat.
In Berlin werden erstmals die Buch- und Filmpreise verliehen.
Anton Adriaan Mussert, der Führer der von ihm 1931 gegründeten Nationaal-Socialistische Beweging der Niederlande, verkündet auf einer Maifeier in Den Haag, dass die Mitgliederzahl nun bei über 30 000 liege. Kommunisten und Sozialisten stören die Versammlung.
In Preußen haben innerhalb eines Jahres 1364 nichtarische Rechtsanwälte ihren Beruf aufgegeben.
Die in Berlin im Verlag Ullstein erscheinende Illustrierte "Grüne Post" wird für drei Monate verboten. Sie hatte in einem Leitartikel gegen die zunehmende Uniformität der deutschen Presse Stellung bezogen.

2.5.1934
Adolf Hitler empfängt James D. Mooney, Präsident der General Motors Overseas Corporation, und bedankt sich für seinen Einsatz als wichtiger Arbeitgeber (rund 17.000 Arbeitsplätze) in Deutschland.
Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Berlin kündigt die Einführung eines Hauswirtschaftlichen Jahres für schulentlassene Mädchen an.
Die Maifeiern in Berlin finden in der ausländischen Presse starke Beachtung. Hervorgehoben wird vor allem die Disziplin und Ordnung, mit der die Veranstaltungen trotz eines Aufgebots von zwei Millionen Menschen durchgeführt wurden.
Das Hanseatische Sondergericht in Hamburg fällt das Urteil im Prozeß gegen die sog. Rote Marine. Acht Kommunisten werden wegen Terroranschlägen in den Jahren 1932/33 zum Tode verurteilt, 33 weitere Angeklagte erhalten Zuchthausstrafen bis zu 15 Jahren.

3.5.1934
Die deutsche Reichsregierung erlässt einen Aufruf an alle "Saarabstimmungsberechtigten", die nicht mehr im Saargebiet leben, sich bis zum 12. Mai bei ihren Einwohnermeldeämtern zu melden.
Die nationalsozialistische Gemeinschaft »Kraft durch Freude« (KdF) stellt die ersten Dampfer zur Verfügung, mit denen Mitglieder des Werks in die Ferien fahren werden. Über 100.000 Arbeiter sollen in den Sommermonaten in den Genuss einer Seereise gelangen.
Adolf Hitler lässt durch Joseph Goebbels folgende Bekanntmachung veröffentlichen: "Die Reichspropagandaleitung der NSDAP hat eine umfassende Versammlungs- Propagandaaktion angeordnet, die sich besonders gegen die Miesmacher und Kritikaster, gegen die Gerüchtemacher und Nichtskönner, gegen Saboteure und Hetzer richten wird, die immer noch glauben, die klare Aufbauarbeit des Nationalsozialismus stören zu können..."
Bei einer Rede in Würzburg spricht der bayerische Ministerpräsident Ludwig Siebert (NSDAP) den Kirchen das Recht zur politischen Betätigung ab. "Niemals mehr darf es in Deutschland politisierende Geistliche geben. Die Mitarbeit der Konfessionen sei willkommen, nur ihre politische Betätigung müsse verschwinden."
In mehreren italienischen Städten werden Razzien in Geschäften und Gaststätten durchgeführt. Läden und Lokale, in denen die Preissenkungsvorschriften nicht befolgt wurden, werden geschlossen, die Inhaber werden aus der Faschistischen Partei ausgeschlossen.

4.5.1934
Aus Moskau wird gemeldet, dass mit dem Bau einer 1000 km langen Erdölleitung von den Embaer Ölfeldern (Erdölförderung seit 1911) am Kaspischen Meer nach Orsk am Südfuß des Ural begonnen wurde. Die Leitung soll Ende 1935 in Betrieb genommen werden.

5.5.1934
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, rechnet auf einer Saarkundgebung in Zweibrücken mit dem "landesverräterischen Treiben der Emigranten" ab und skizziert die Aufbaupläne der Nationalsozialisten nach der Rückkehr des Saargebiets in das Deutsche Reich.
Reichskanzler Adolf Hitler ernennt Franz Xaver Ritter von Epp zum Reichsleiter des Kolonialpolitischen Amtes der NSDAP.
In Moskau wird der sowjetisch-polnische Nichtangriffspakt von 1932 bis 1945 verlängert.
In Berlin findet in Anwesenheit von Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) die Grundsteinlegung zum Neubau der Reichsbank statt. Die Kosten werden auf 40 Millionen Mark veranschlagt.
Das Sobranje, die Volksvertretung des Königreichs Bulgarien in Sofia, nimmt den Gesetzentwurf über die Errichtung einer Spielbank im bekannten Schwarzmeerseebad Warna an.

6.5.1934
Beim Grenzübertritt nach Österreich wird ein 17jähriger Deutscher aus Dresden verhaftet, der in der Absicht nach Österreich einreisen wollte, ein Attentat auf Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (CP) zu verüben. Die deutsche Reichsregierung hatte die österreichischen Behörden vorher entsprechend informiert.
Die fünf mittelamerikanischen Republiken Costa Rica, Guatemala, Honduras, Nicaragua und El Salvador schließen in Guatemala einen Freundschafts- und Friedensvertrag, der langfristig die Vereinigung der Länder zu einem einzigen Staat vorsieht.

7.5.1934
In der UdSSR wird das Jüdische Autonome Gebiet Birobidschan, in einem Territorium von 36.000 qkm in der Region Chabarowsk, errichtet.
Der deutsche Reichsbischof Ludwig Müller übernimmt durch Kirchengesetz die Leitung der Landeskirchen in Sachsen und Hessen-Nassau.

8.5.1934
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), gibt den Erlass über die Handhabung der Pressepolitik bekannt.
Aus Berlin wird die Beschlagnahmung des "Katholischen Kirchenblatts für Berlin" durch die geheime Staatspolizei (Gestapo) gemeldet. Das Blatt hatte einen "völlig unzuverlässigen" Bericht über Hitlerjungen gebracht, die gotteslästerliche Lieder gesungen haben sollen. "Die irreführenden Berichte haben das deutsche Ansehen im Auslande stark geschädigt", heißt es.

9.5.1934
Die Deutsche Arbeitsfront in Berlin lässt mitteilen, dass "das Braunhemd und die anderen Trachten der Bewegung" zwar "das schönste und liebste Gewand" für die deutschen Männer geworden sei, an eine Uniformierung der Frau jedoch nicht gedacht sei: "Für die deutsche Frau ist das Arbeitskleid das Ehrenkleid."
Die belgische Regierung erlässt ein Uniformverbot für alle politischen Wehrformationen.
In San Francisco treten die Hafenarbeiter in den Ausstand, um bessere Arbeitsbedingungen und gewerkschaftliche Vertretung durchzusetzen.

10.5.1934
30 000 Menschen nehmen in Salzburg an einer Massenkundgebung teil, mit der die Regierung unter Engelbert Dollfuß (Christlichsoziale Partei) die nationale Eigenständigkeit demonstrieren will.
In Paris wird am ersten Jahrestag der Bücherverbrennung in Berlin von deutschen Emigranten die Deutsche Freiheitsbibliothek mit im Dritten Reich verfemten Büchern gegründet.

11.5.1934
SA-Stabschef Ernst Röhm (NSDAP) untersagt jede Teilnahme von SA-Mannschaften an kirchenpolitischen Veranstaltungen.
In Berlin eröffnet der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), den "Feldzug gegen Miesmacher und Kritikaster".

12.5.1934
Deutsche Zeitungen berichten über die Verhaftung eines jüdischen Bankangestellten namens Jakob Wassermann in Berlin durch die Gestapo. Der Mann soll "systematisch und mit zynischer Frechheit aufreizende Verunglimpfungen" des preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring (NSDAP) verbreitet haben. "Wassermann wird im KZ Oranienburg längere Zeit Gelegenheit haben, darüber nachzudenken, wie man sich als Gast in Deutschland zu benehmen hat."
Nach tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Studenten unterschiedlicher Richtungen verfügt das spanische Innenministerium die Schließung der Universität Madrid sowie der Zentren der faschistischen und der republikanischen Studentenvereinigungen. Die Bekanntgabe dieser Maßnahme löst weitere schwere Ausschreitungen aus.

13.5.1934
Am Muttertag wird im nationalsozialistischen Deutschen Reich der »Reichsmütterdienst« gegründet zur Vorbe-
reitung von Frauen auf die Mutterschaft.  Er veranstaltete reichsweit die sogenannten „Mütter-Schulungen“
die Millionen von Frauen in tausenden Kursen besucht haben.  Darin erlernten sie die sozialen Aufgaben
der Mutterschaft, die Ernährung und die Erziehung des unselbstständigen, anfangs noch hilflosen Kindes
bis zum Alter der Mündigkeit des betreute Kindes.


Leo Kozlowski wird neuer polnischer Ministerpräsident als Nachfolger des zurückgetretenen Janusz Jedrzejewicz.
Die »Gesellschaft der Freunde des neuen Deutschland« unternimmt in den USA eine Propagandaaktion gegen den
Boykott deutscher Waren.
Der Braunschweiger Hafen wird eingeweiht.
In den USA werden am Muttertag öffentliche Sammlungen für bedürftige Mütter durchgeführt.

14.5.1934
In Cosel findet in Anwesenheit des Reichsministers und Führerstellvertreters Rudolf Heß (NSDAP) die feierliche
Grundsteinlegung für den Bau des Adolf-Hitler-Kanals (Gleiwitzkanal) statt. Er soll das oberschlesische Industrie-
gebiet mit der Oder bei Cosel verbinden und den alten Klodnitzkanal ersetzen.
In Rom wird ein österreichisch-italienisches Außenhandelsabkommen unterzeichnet.

15.5.1934
Das deutsche Reichskabinett in Berlin beschließt das Gesetz zur Regelung des Arbeitseinsatzes, das die freie Wahl des Arbeitsplatzes einschränkt. Weiterhin wird das Theatergesetz verabschiedet, wonach alle Theater dem Reichspropagandaministerium unterstellt werden. Die Reichsregierung beschließt auch die Stiftung eines Ehrenkreuzes für alle Kriegsteilnehmer und für Witwen und Eltern von gefallenen, gestorbenen und verschollenen Kriegsteilnehmern.
Kriminalpolizei, Feldjäger und SS verhaften in einer gemeinsamen Aktion in Erfurt 33 Mitglieder einer kommunistischen Organisation. Bei Hausdurchsuchungen werden nach offiziellen Angaben Waffen, Munition und kommunistisches Propagandamaterial sichergestellt.

16.5.1934
Der Deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) eröffnet in Berlin den zweiten Kongress der Deutschen Arbeitsfront. In seiner Rede bezeichnet er den Nationalsozialismus als "nichts anderes, als dass zur Erhaltung unserer Gemeinschaft auf jedem Platz unseres Lebens die höchsten Fähigkeiten ausschließlich und autoritär zum Einsatz gebracht" würden.
Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichsminister der Luftfahrt, Hermann Göring (NSDAP), trifft zu einem zweitägigen Besuch in der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad ein. Vor der Presse bekundet er die aufrichtige Freundschaft des "neuen Deutschland" zu Jugoslawien.
In der österreichischen Hauptstadt Wien beginnt die zweite Paneuropäische Wirtschaftskonferenz. Sie tagt bis zum 18. Mai.
In Lettland wird der Ausnahmezustand verhängt; Parteien und Parlament werden aufgehoben, die Regierung unter Ministerpräsident Karlis Ulmanis herrscht von nun an diktatorisch.

17.5.1934
Eine Verordnung des deutschen Reichsarbeitsministers Franz Seldte (NSDAP) regelt die Zulassung von Ärzten zu den Krankenkassen neu. Kassenärzte müssen eine Landpraxis geführt haben. Nichtarische Ärzte oder Ärzte mit nichtarischen Ehegatten werden nur zugelassen, wenn sie Frontkämpfer oder mindestens seit 1914 zugelassen waren.
Das 300-Jahres-Jubiläum des Oberammergauer Passionsspiels beginnt.

18.5.1934
Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beschließt die niederländische Regierung in Den Haag ein Arbeitsbeschaffungsprogramm, das den Bau eines schiffbaren Kanals von Amsterdam bis zum Rhein und von Groningen in den Zuidersee sowie die Regulierung der Maas vorsieht.

19.5.1934
Nach einem Armeeputsch wird Kimon S. Georgiew neuer bulgarischer Ministerpräsident. Er unterstützt das autoritäre Regime von König Boris III.
Das Storting, das norwegische Parlament in Oslo, lehnt den Antrag der oppositionellen Arbeiterpartei auf Austritt aus dem Völkerbund mit 59 zu 55 Stimmen ab.

20.5.1934
Der deutsche Vizekanzler Franz von Papen (parteilos) eröffnet in Trier die zweitägige Pfingsttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Er fordert den Völkerbund auf, an der Saar die Grenzen wiederherzustellen, die seit einem Jahrtausend »deutsches Volkstum umfaßten«.
In deutschen Zeitungen wird darauf hingewiesen, dass Pfingsten "durchaus nicht artfremd" sei.

21.5.1934
In Scharzfeld im Harz wird die Deutsche Glaubensbewegung gegründet, die sich die Verbreitung des "arteigenen deutschen Glaubens" zum Ziel gesetzt hat.

22.5.1934
In Theresienstadt (Terezín) wird das vom tschechoslowakischen Ministerium für soziale Fürsorge errichtete erste Lager der Arbeitsgemeinschaft der Jugend eröffnet. In das Lager werden jugendliche Arbeitslose nach Anmeldung zum freiwilligen Arbeitsdienst aufgenommen.
Die spanischen Royalisten dementieren Pressemeldungen, laut denen der nach dem Wahlsieg der republikanischen Parteien außer Landes gegangene König Alfons XIII. auf den Thron verzichtet hat. Alfons wolle seinen jüngeren Sohn, den Infanten Juan, als Kronprinzen erziehen.

23.5.1934
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), fordert die Bauverwaltungen im Deutschen Reich auf, mehr Anträge an bildende Künstler und Kunsthandwerker zu vergeben.
Der Bau des Damms zur deutschen Ostseeinsel Rügen beginnt (fertiggestellt 1936)

24.5.1934
Der Herausgeber des „American Hebrew" New York zu dem antisemitischen Schriftsteller Robert Edward Edmondson: „Wir sind dabei, einen Krieg über Deutschland zu bringen."
Winston Churchill erklärt Heinrich Brüning, dem ehemaligen Reichskanzler des Deutschen Reichs seine Absichten: „Wenn Deutschland wirtschaftlich zu stark wird, muss es zerschlagen werden. Deutschland muss wieder besiegt werden und diesmal endgültig."
Tomá Garrigue Masaryk wird zum vierten Mal zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt.
Die seit Anfang dieses Monats andauernden Streiks in den USA führen in Toledo im Bundesstaat Ohio zu blutigen Straßenkämpfen.
Der österreichische Erzherzog Eugen kehrt nach 15jährigem Exil in seine Heimat zurück.
Ehemalige Freimaurer können in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) grundsätzlich keine Führerpositionen innehaben. Die einfache Mitgliedschaft in der NSDAP ist für sie nur möglich, wenn sie vor dem 30. Januar 1933, dem Tag der nationalsozialistischen Machtergreifung, ihren Austritt aus der Freimaurerei erklärt haben.

25.5.1934
In Österreich werden die Standrechtsbestimmungen erweitert, um gegen den politischen Terror vorgehen zu können.

26.5.1934
Das deutsche Luftschiff »Graf Zeppelin« startet in Friedrichshafen zum ersten Südamerikaflug.
In einer Rede in Rom fordert der italienische Duce und Ministerpräsident, Benito Mussolini, die Verjüngung der Einrichtungen Europas; andernfalls werde Europa "morgen" dem Vergleich mit den Vereinigten Staaten oder Japan nicht mehr standhalten können. Mussolini führt weiter aus, er glaube nicht an den ewigen Frieden, da der Krieg dasselbe für den Mann bedeute, was die Mutterschaft für die Frau sei.

27.5.1934
In Dresden beginnt die erste »Reichstheaterwoche« mit "Tristan und Isolde", ein Musikdrama von Richard Wagner. Die Hauptspielorte der Reichs- theaterwoche waren das Schauspielhaus, die Oper und das Festspielhaus Hellerau. Für die zahlreich erschienenen Vertreter der Staatsführung standen neben den Theaterbesuchen politische und propagandistische Auftritte im Vordergrund. Joseph Goebbels hielt am Eröffnungstag eine Rede im Opernhaus, die auch ins Schauspielhaus übertragen wurde. In dieser legte er ein Bekenntnis zum NS-Staat und seiner Kunst ab. Reichskanzler Adolf Hitler hält sich auch drei Tage in Dresden auf und traf sich mit den sächsischen NS-Führern und hält eine kurze Rede vor den Kreisleitern.           
























28.5.1934
Erstmals werden die Opernfestspiele im britischen Glyndebourne (Sussex) veranstaltet.
In Kanada gebiert eine 26jährige Farmersfrau Fünflinge.

29.5.1934
In Genf beginnen die Beratungen der sog. Abrüstungskonferenz.
Die Berliner Transferkonferenz geht zu Ende; sie hatte sich mit der deutschen Auslandsverschuldung befaßt.
In Barmen (Wuppertal) tagt die erste Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche.

30.5.1934
Reichskanzler Adolf Hitler kehrt von Dresden nach Berlin zurück und empfängt dort die "Skagerrak-Ehrenwache", die anlässlich des Jahrestages der Seeschlacht in jedem Jahr von der Marine gestellt wird. Es handelt sich dieses Mal um Offiziere und Mannschaften des Kreuzers "Köln", die Hitler in der Reichskanzlei spricht.
Aufgrund des Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar werden die diplomatischen Vertretungen Preußens und Bayerns beim Vatikan sowie die Münchner apostolische Nuntiatur aufgehoben.

31.5.1934
Die Barmer Bekenntnissynode endete mit einer "Theologischen Erklärung", die in sechs Thesen und sechs Verwerfungen die Grundlagen des evangelischen Bekenntnisses formulierte und den Totalitätsanspruch des nationalsozialistischen Staats ebenso ablehnte wie staatliche Funktionen für die Kirche.
Der Chemiekonzern IG Farbenindustrie AG übernimmt die Mehrheitsanteile der "Frankfurter Zeitung".
Die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich sinkt auf 2.525.000 Menschen.
In Budapest beginnt die Turn-Weltmeisterschaft, an der zum ersten Mal seit 1914 wieder deutsche Athleten teilnehmen.

JUNI 1934

1.6.1934
Frankreich und das Deutsche Reich einigen sich im Genfer Völkerbundsausschuß auf den 13. Januar 1935 als Tag für die Volksabstimmung im Saargebiet zur Staatszugehörigkeit dieser Region.
Adolf Hitler erklärt sich mit dem Vorschlag des Nürnberger Architekturprofessors Ludwig Ruff für eine neue Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände in der Nähe vom Dutzendteich einverstanden. Ruff wird auch mit der Ausführung beauftragt.

2.6.1934
Der deutsche Reichsminister des Innern, Wilhelm Frick (NSDAP), erklärt auf einer Pressekonferenz, über die künftige Organisation des Deutschen Reichs sei noch nicht endgültig entschieden, doch sei die Untergliederung in Reichsgaue statt Länder wahrscheinlich.
Die französischen internationalen Tennismeisterschaften in Paris gewinnt der Deutsche Gottfried Freiherr von Cramm durch einen Fünfsatzsieg über den Australier Jack Crawford.

3.6.1934
Manfred von Brauchitsch gewinnt das Internationale Eifelrennen auf dem Nürburgring in 2:47:36,4 Stunden auf Mercedes und stellt mit 122,5 km/h einen neuen Rekord auf. Zweiter wird Hans Stuck in 2:48:56,1 Stunden auf einem Porsche-Wagen der Auto-Union.
Im Halbfinalspiel der Fußballweltmeisterschaft in Italien unterliegt die deutsche Mannschaft der Tschechoslowakei in Rom 1:3.

4.6.1934
Der Armeebefehl über die »Pflichten des deutschen Soldaten« wird erlassen.
In Kassel findet eine Demonstration vor der Woolworth-Filiale statt, da sich das Unternehmen Gerüchten zufolge am Boykott deutscher Waren beteiligt.
Der Stadtrat von Zürich verbietet politische Kundgebungen, nachdem es zu gewalttätigen Ausschreitungen bei Demonstrationen gekommen ist.

5.6.1934
In Fulda wird die deutsche Bischofskonferenz feierlich eröffnet.
Nach offiziellen Angaben ist die Zahl der Schwerverbrechen in Preußen durch die Einführung der "Sicherheitsverwahrung" um rund 60% zurückgegangen.
In Preußen sollen alle verheirateten Beamtinnen aus dem Amt ausscheiden, um Arbeitsplätze für Männer zu schaffen.
Rund 20 000 Katholiken nehmen an den Feierlichkeiten zum 800. Todestag des Ordensstifters Norbert von Xanten teil.

6.6.1934
Anhänger des 1929 gestürzten litauischen Ministerpräsidenten Augustin Voldemaras unternehmen in der Nacht auf den 7. Juni in Kowno (Kaunas) einen Militärputsch und proklamieren Voldemaras zum Staatspräsidenten. Der Putsch scheitert, Voldemaras wird verhaftet.
Nationalsozialistische Studenten fordern in Berlin die Absetzung des Films "Die blonde Kathrein", einer Komödie über das Studentenleben.

7.6.1934
Der Stabschef der SA, Reichsminister Ernst Röhm, tritt nach einer Unterredung mit Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) einen Krankheitsurlaub an. Für die SA wird gleichzeitig ein "wohlverdienter Juli-Urlaub" angekündigt.
Ein Redakteur der "Deutschen Wochenschau" wird wegen eines Berichtes über angetrunkene SA-Männer zu einer Geldstrafe verurteilt.
Bei der Fußballweltmeisterschaft in Italien gewinnt die deutsche Nationalmannschaft beim Spiel um den dritten Platz in Neapel 3:2 gegen Österreich.

8.6.1934
Von München aus lässt Ernst Röhm ankündigen: "... Ich erwarte, dass am 1. August die SA wieder ausgeruht und gekräftigt bereitsteht, um ihren ehrenvollen Aufgaben zu dienen, die Volk und Vaterland von ihr erwarten dürfen. Wenn die Feinde der SA sich in der Hoffnung wiegen, die SA Werte aus ihrem Urlaub nicht mehr oder nur zum Teil einrücken, so wollen wir Ihnen die kurze Hoffnungfreude lassen. Sie werden in der Zeit, und in der Form, in der es notwendig erscheint, darauf die gebührende Antwort erhalten! Die SA ist und bleibt das Schicksal Deutschlands."
Bei einer Versammlung der britischen Schwarzhemden in London kommt es zu Ausschreitungen.
Deutsche Strafgefangene kultivieren das Emsländische Moor zur Ansiedlung von Bauern.

9.6.1934
Auf einer Kundgebung des nationalsozialistischen Lehrerbundes in München ruft Reichserziehungsminister Bernhard Rust den "Staatsjugendtag" aus. Jeder Samstag ist fortan den Aktivitäten der Hitlerjugend (HJ) vorbehalten.
Adolf Hitler richtet von Berlin aus ein Begrüßung Worte an das Deutsche Rote Kreuz anlässlich des am 10. Juni stattfindenden Rotkreuztages.
Anlässlich des Beginns der Verkehrserziehungswoche, die das deutsche Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda durchführt, wird in München die Ausstellung "Die Straße" eröffnet.
In Paris findet die erste Jahrestagung der Französischen Faschistischen Bewegung statt. Führer der französischen "Francistes" ist Marcel Bucard.
Regierungsvertreter der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Rumäniens unterzeichnen in Genf ein Abkommen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

10.6.1934
Durch Bundesgesetz werden in Österreich die Standrechtsbestimmungen erweitert. Mit einer Verurteilung zum Tod muss rechnen, wer Sprengstoffattentate verabredet, wer Sprengstoff herstellt, verwahrt oder anschafft in der Absicht, ein Verbrechen zu begehen oder andere Personen mit Sprengstoff zu versorgen.
Durch Dekret des autoritär regierenden Königs Boris III. wird in Bulgarien ein Ministerium der nationalen Erneuerung errichtet, das nach dem Vorbild des deutschen Reichspropagandaministeriums tätig werden soll.
Die Familie Ullstein verkauft auf massiven Druck des NS-Regimes den Rest ihrer Anteile am Berliner Ullstein Verlag an die Cautio GmbH, die im Auftrag des Reichspropagandaministeriums handelt.
Das Gastgeberland Italien gewinnt in Rom die Fußballweltmeisterschaft mit einem 2:1-Sieg gegen die Mannschaft der Tschechoslowakei.

11.6.1934
Fritz Reinhardt (NSDAP), Staatssekretär im deutschen Reichsfinanzministerium und Initiator des nach ihm benannten Reinhardt-Programms zur Arbeitsbeschaffung, kündigt auf einer Tagung der Kommission für Wirtschaftspolitik der NSDAP in München an, dass es gelingen werde, die Arbeitslosigkeit von derzeit 2,5 Millionen Menschen innerhalb von zwei Jahren restlos zu beseitigen; Voraussetzung sei jedoch, dass alle Maßnahmen der Regierung strengstens eingehalten werden.
Rudolf Nadolny tritt von seinem Posten als deutscher Botschafter in Moskau zurück. Er begibt sich in den Ruhestand und widmete sich fortan der Landwirtschaft auf Gut Briesen (Kreis Templin).
Die österreichische Bundesregierung unter Engelbert Dollfuß fordert die Bevölkerung auf, sie beim Kampf gegen den Terror aktiv zu unterstützen. Sie erhöht die Belohnungen für Hinweise auf "politische Gewalttäter" und kündigt die Bildung von Ortswehren an.

12.6.1934
Durch Dekret des autoritär regierenden Königs Boris III. werden in Bulgarien alle politischen Parteien aufgelöst; Zeitschriften und Druckschriften mit parteipolitischer Tendenz müssen ab sofort ihr Erscheinen einstellen.

13.6.1934
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), trifft zu einem Besuch in Warschau ein.
In Österreich wird - nach mehreren Terroranschlägen von Nationalsozialisten - der freiwillige Ortsschutz aufgebaut. Die Mitglieder des Ortsschutzes erhalten die Erlaubnis, sich mit Schlag- und Handfeuerwaffen auszurüsten. Der Ortsschutz bewacht öffentliche Gebäude, Bahnanlagen, Straßen und andere wichtige Objekte.

14.6.1934
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) trifft in Begleitung vom Reichsaußenminister, Konstantin Freiherr von Neurath, zu einem zweitägigen Besuch in Venedig ein.
In Polen werden drei oppositionelle Tageszeitungen und das Wochenmagazin "Literarische Nachrichten" verboten. Die "Nachrichten" hatten die Veranstaltung der Intellektuellen-Union, auf der Joseph Goebbels, der deutsch Reichspropagandaminister, eine Rede hielt, als "Bankett der Vegetarier zu Ehren eines Menschenfressers" bezeichnet.
Der sowjetische Volkskommissar des Äußeren, Maxim M. Litwinow, unterbreitet dem deutschen Reichsminister des Auswärtigen, Konstantin Freiherr von Neurath (NSDAP), den Vorschlag, das Deutsche Reich, die UdSSR, Polen und die baltischen Staaten sollten ein Sicherheitsbündnis schließen. Die deutsche Reichsregierung lehnt diesen Vorschlag ab.
Die niederländische Regierung in Den Haag weist die Polizeibehörden an, den Zustrom deutscher Emigranten einzudämmen.
Der US-Amerikaner Max Baer gewinnt die Boxweltmeisterschaft im Schwergewicht durch einen Sieg über den Italiener Primo Carnera.

15.6.1934
Die Deutsche Luft-Hansa eröffnet den »Blitzflugverkehr« zwischen mehreren deutschen Großstädten.
Der polnische Innenminister Bronislaus Pieracky fällt in Krakau einem Revolverattentat zum Opfer. Nach dem Anschlag kommt es zu Massenverhaftungen von Mitgliedern radikalnationaler Gruppen. Die polnische nationalsozialistische Partei in Schlesien wird aufgelöst, das Tragen von Uniformen und Abzeichen wird verboten.
Das Erbgesundheitsgericht in Baden hat bis zum 15. Juni in 997 Fällen (bei 3025 Anträgen) die Sterilisierung angeordnet. In Hamburg waren es 761 (von 1325) und im Landgerichtsbezirk Düsseldorf 200 (von 465) Sterilisierungen.

16.6.1934
Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt auf Vorschlag von Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) den preußischen Justizminister Hanns Kerrl (NSDAP) zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Kerrl bleibt preußischer Staatsminister. Der Reichsminister der Justiz, Franz Gürtner, wird mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Finanzministeriums betraut.
Im sog. zweiten Horst-Wessel-Prozeß werden in Berlin die Kommunisten Sally Epstein und Hans Ziegler zum Tod und Peter Stoll zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Die internationale Presse wertet den Richterspruch als "Racheurteil".

17.6.1934
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) betont auf dem Gauparteitag in Gera den Friedenswillen des Deutschen Reiches.
Der deutsche Vizekanzler Franz von Papen (parteilos) hält in Marburg eine aufsehenerregende Rede, in der er vorsichtig Kritik am Einparteiensystem und an der Unfreiheit der Presse übt.
Die Kieler Woche wird eröffnet. Das nationalsozialistische Deutsche Reich benutzt diese internationale Segelsportveranstaltung mit großem propagandistischen Aufwand zur Selbstdarstellung des "neuen Deutschland".
Die polnische Regierung beschließt die Einrichtung von Isolationslagern zur Inhaftierung von "Störern der öffentlichen Ordnung und von politischen Hetzern". Betroffen von dieser politischen Zwangsmaßnahme sind vor allem ukrainische Nationalisten und Mitglieder der verbotenen Kommunistischen Partei.
In Marseille, Paris und Toulouse kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen rechten und linken Gruppierungen und der Polizei.
London meldet mit 30,5 C den bisher heißesten Tag des Jahres. Aus Paris werden 31 im Schatten gemeldet. Die Trockenheit ist in einigen französischen Regionen so groß, dass Engpässe in der Wasserversorgung auftreten.

18.6.1934
Im Deutschen Reich wird die Ausfuhr von Weizen, Weizenmehl und Hafer gesperrt, da infolge der langen Trockenheit mit einer wenig ergiebigen Ernte gerechnet wird.
Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichsminister der Luftfahrt, Hermann Göring (NSDAP), hebt bei einer Rede im Staatsrat in Potsdam die feste organische Verbindung zwischen Preußen und dem Reich hervor. Der alte preußische Staat sei im Reich aufgegangen, Preußen sei kein souveräner Staat mehr.
In Toulouse kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der französischen Rechten und Kommunisten. Bei den Unruhen, die die ganze Nacht fortdauern, werden Tankstellen in Brand gesetzt und zahlreiche Geschäfte zerstört.
Die österreichische Bundesregierung unter Engelbert Dollfuß (CP) beschließt die Wiedereinführung der Todesstrafe im ordentlichen Gerichtsverfahren.

19.6.1934
Das Schwurgericht I beim Landgericht Berlin fällt nach einem monatelangen Prozeß die Urteile im sog. Polizistenmörderprozeß. Es werden drei Todesurteile und neun Zuchthaus- bzw. Gefängnisstrafen gegen KPD-Mitglieder verhängt, die 1931 zwei Polizeihauptleute ermordet haben sollen.
Aus Berlin wird gemeldet, dass der Geschäftsführer des aufgelösten Reichsverbands der deutschen Fischhändler, Paul Winkler, "in Schutzhaft" genommen wurde. "Winkler hatte sich der angeordneten Auflösung des Reichsverbandes widersetzt und versuchte, Unruhe in der Fischwirtschaft zu stiften."

20.6.1934
Der Reichsarbeitsminister, Franz Seldte, hebt die Bestimmung, daß in den an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beteiligten Betrieben höchstens 40 Stunden pro Woche gearbeitet werden darf, mit sofortiger Wirkung auf. In einigen Wirtschaftszweigen habe sich ein Mangel an Facharbeitern bemerkbar gemacht.
Im Beisein Adolf Hitlers wird Hermann Görings erste Frau, die Schwedin Carin, die am 17. Oktober 1931 in Stockholm verstorben war, auf Görings neuem Gut in der Schorfheide bei Berlin, den späteren Karinhall, beigesetzt.
Franz von Papen tritt als Vizekanzler zurück.

21.6.1934
Reichskanzler Adolf Hitler reist nach Neudeck (Ostpreußen) und informiert Reichspräsident Hindenburg über seine Venedigreise und die dort geführten Gespräche mit Benito Mussolini.
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), wendet sich bei einer Rede in Berlin gegen die "Reaktion". Die Kritiker der Bewegung hätten die nationalsozialistische Revolution nicht verstanden und würden den "Marsch des Jahrhunderts" nicht aufhalten. Die Worte des Ministers werden als Antwort auf die Marburger Rede von Vizekanzler Franz von Papen (parteilos) am 17. Juni verstanden.
Die Düsseldorfer Ortsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Rassehygiene meldet die Einrichtung einer Eheberatungsstelle, in der jeder Volksgenosse sich in allen einschlägigen Fragen kostenlosen Rat durch Fachleute holen kann.

22.6.1934
Aus Texas wird der Lynchmord an einem 30jährigen Farbigen gemeldet, der in Gesellschaft eines 17jährigen weißen Mädchens gesehen worden war. Der Mann wird an einen Baum gehängt und erschossen, danach wird die Leiche an einen Kraftwagen gebunden und durch die Straßen geschleift.
Die Regierung der Ukraine siedelt von Charkow nach Kiew über.
In Dresden wird ein Mann wegen Ehebruchs zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

23.6.1934
Reichskanzler Adolf Hitler empfängt am Vormittag saarländische Frauen in der Reichskanzlei. Anschließend begibt er sich auf den Obersalzberg.
Im deutschen Reich nehmen nach offiziellen Angaben rund fünf Millionen Jungen und Mädchen am zweiten Deutschen Jugendfest teil. Den Abschluß dieses schulfreien Tags, der Spiel und Sport gewidmet ist, bilden die Sonnwendfeiern.
In der Freien Stadt Danzig wird die einjährige Arbeitsdienstpflicht für alle arbeitsfähigen männlichen Bürger zwischen dem 17. und dem 25. Lebensjahr eingeführt.

24.6.1934
Reichspropagandaminister Joseph Goebbels (NSDAP) erklärt bei einer Veranstaltung in Essen, der Feind des Nationalsozialismus sitze nicht unter den Arbeitern, sondern unter den vornehmen Herren, für die der Nationalsozialismus nur eine Zeiterscheinung sei. Es sei an der Zeit, dass das Volk diese Clique in die Flucht jage.
Der deutsche Luftsportverband veranstaltet den "Deutschland-Flug". Adolf Hitler hält zwei kurzen Ansprachen an die anwesenden Besucher und später an die Flieger, die an den Rundflug teilnahmen.
Ein Geschwader der italienischen Kriegsmarine läuft unangemeldet die albanische Hafenstadt Durazzo (Durrës) an.

25.6.1934
Der deutsche Reichsminister und Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß (NSDAP), warnt in Köln in einer Rundfunkrede vor Provokateuren, die unter dem Deckmantel einer "zweiten Revolution" gegen die NS-Führung hetzen. Die Rede wird als Warnung für Ernst Röhm verstanden.
Der Publizist Edgar Julius Jung, der Verfasser der Magdeburger Rede von Vizekanzler Franz von Papen (parteilos), wird verhaftet.
Im Reichsministerium des Innern in Berlin beginnen die Verhandlungen zwischen der Delegation der deutschen katholischen Bischöfe und den Vertretern der Reichsregierung über Fragen, deren Lösung im Reichskonkordat von 1933 späterer Verhandlung überlassen worden waren.

26.6.1934
Fritz Reinhardt (NSDAP), Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, verkündet in der Akademie für Deutsches Recht in Berlin den Steuerreformplan der Regierung. Die Steuerpolitik im "Adolf-Hitler-Staat" sei von drei "großen Gedanken" getragen: Dem Kampf um die Verminderung der Arbeitslosigkeit, der Förderung der Familie, der Betonung des Wertes der Persönlichkeit und der persönlichen Verantwortung in der Wirtschaft.
In Düsseldorf wird die Schwimmende Braune Messe 1934 eröffnet. Sie gilt als "Gradmesser deutscher Wertarbeit": "Deutsch die Kleidung, deutsch der Hausrat, deutsch die gesamte Handwerksarbeit" ist das Prinzip dieser Wanderausstellung, die auch in anderen Hafenstädten auf Schiffen gezeigt wird.
Bei blutigen Zusammenstößen zwischen rund 200 Faschisten und Sozialisten in London werden zwölf Personen verletzt.

27.6.1934
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler begibt sich vom Obersalzberg nach Berlin und empfängt dort die drei katholischen Bischöfe Wilhelm Berning, Nikolaus Bares und Conrad Gröber und empfiehlt ihnen, Geduld zu bewahren. Er werde auf jeden Fall die Kirche in ihrem Aufgabengebiet beschützen.
In Polen wird allen politischen Organisationen das Tragen von Uniformen bzw. Uniformhemden verboten. Ausgenommen ist die Marschall Jósef Klemens Pilsudski nahestehende Wehrsportorganisation "Schützenverband".

28.6.1934
Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, prangert auf einem Empfang der Auslandshandelskammern in Berlin den Boykott deutscher Waren in mehreren Staaten als Einmischung in die inneren Verhältnisse Deutschlands an. Er sagt, der Boykott sei ein zweischneidiges Schwert, das z. B. die ausländischen Juden in Deutschland in eine gefährliche Situation bringen könne.
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) nimmt in Essen, mit Hermann Göring und Heinrich Himmler, an der Trauung von Gauleiter Josef Terboven (NSDAP) teil. Er tarnt so die laufenden Vorbereitungen zur Ausschaltung der SA-Führung.
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) bestellt telefonisch die höheren Führer der SA für den 30. Juni zu einer Tagung in das Hotel "Hanslbauer" in Bad Wiessee.
Der deutsche Reichswehrminister Werner von Blomberg (parteilos) lässt von Berlin aus die Reichswehr in Alarmzustand versetzen.
Während einer Sitzung in Speyer überträgt die pfälzische Landeskirche als erste evangelische Kirche Süddeutschlands ihre Rechte auf die Reichskirche.
Am 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags wird auf Anordnung der nationalsozialistischen deutschen Reichsregierung auf allen Dienstgebäuden des Reichs, der Länder und der Gemeinden sowie Gebäuden der Körperschaften des öffentlichen Rechts und der öffentlichen Schulen halbmast geflaggt.

29.6.1934
Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler (NSDAP) besucht Arbeitslager in Westfalen. In einer kurzen Ansprache dankte er dem anwesenden Konstantin Hierl für den Aufbau des Arbeitsdienstes. Danach begibt sich Hitler nach Godesberg in das Rheinhotel "Dreesen", wo er sich mit Joseph Goebbels und den Kommandanten der "SS-Leibstandarte Adolf Hitler" Sepp Dietrich trifft, und sie für den nächsten Tag instruiert.
In München findet der Deutsche Bauerntag statt. Das NS-Regime schenkt den Bauern als Träger der Nahrungsmittelversorgung besondere Aufmerksamkeit.
Nach einem Blaubuch der britischen Regierung herrschen in der afrikanischen Republik Liberia menschenunwürdige Zustände. In großem Stil werde Sklavenhandel betrieben; bei Strafexpeditionen zur Eintreibung von Steuern würden ganze Dörfer niedergebrannt.
Aus dem Vatikan wird gemeldet, dass die Werke des antifaschistischen Philosophen und Historikers Benedetto Croce auf den "Index librorum prohibitorum" gesetzt worden seien.

30.6.1934
Im deutschen Reich wird die sog. Röhm-Revolte niedergeschlagen. Der Stabschef der SA, Ernst Röhm, und andere Funktionäre der SA werden während einer SA-Führertagung in Bad Wiessee festgenommen.
Das neue Panzerschiff "C" der deutschen Reichsmarine, das dritte deutsche Panzerschiff, läuft in Wilhelmshaven vom Stapel. Es wird nach dem Sieger der Schlacht bei Coronel in Chile 1914 "Admiral Graf Spee" getauft.

Der 1.Mai ist der Feiertag der nationalen Arbeit
Der 1.Mai ist der Feiertag der nationalen Arbeit
Der 1.Mai ist der Feiertag der nationalen Arbeit
Der 1.Mai ist der Feiertag der nationalen Arbeit
Der 1.Mai ist der Feiertag der nationalen Arbeit

Führer Adolf Hitler bei der Ansprache zum 1.Mai                 

Der Staatsakt auf dem Tempelhofer Feld mit 2 Millionen Teilnehmern                 

Vorbeimarsch von NS-Verbänden am Führer Adolf Hitler 30. Mai 1934 zu den Reichstheater-Festwochen in Dresden                 

Die Semperoper in Dresden, ist durch ihre geschichtliche Tradition ein Hauptspielort der Reichstheaterwoche                 

Die Reichstheaterwoche in Dresden
Die Reichstheaterwoche in Dresden
Die Reichstheaterwoche in Dresden
Die Reichstheaterwoche in Dresden
Die Reichstheaterwoche in Dresden

Die SA ist Anfang 1934 mit zwei bis drei Millionen Männern zwanzigmal so stark wie die Reichswehr, und Ernst Röhm träumt bereits davon mit deren Hilfe seine Machtposition auszubauen. Am Nachmittag des 30. Juni 1934 wurden Röhm, weitere führende Mitglieder der SA und sonstige Gegner Hitlers, auf Befehl Hitlers und Betreiben der SS, unter Heinrich Himmler, Hermann Göring und Reinhard Heydrich, in das Gefängnis München-Stadelheim gebracht. Zuvor wurden Gerüchte bestätigt die einen geplanten Putsch durch Röhm entdeckten. Goebbels wendet sich am 1. Juli über den Rundfunk an die Bevölkerung und erklärt Hitler hat im letzten Augenblick durch sein Eingreifen die "Röhm-Revolte" verhindert und das "unter unsäglichen Opfern von der ganzen Nation gewonnene Aufbauwerk" gegen eine "zweite Revolution" verteidigt.Mit "soldatischer Entschlossenheit und vorbildlichem Mut" habe der "Führer" die "Verräter und Meuterer" zerschmettert. Der kranke Reichspräsident, telegrafiert Hitler am 2. Juli: " Sie haben das deutsche Volk aus einer schweren Gefahr gerettet. Hierfür spreche ich Ihnen tief empfundenen Dank und meine Anerkennung aus."


Die Monte Olivia - Dieser 13.750 Tonnen schwere Kreuzer - erbaut 1925 von Blohm&Voss in Hamburg - nahm an der allerersten KdF-Kreuzfahrt teil. Die Schiffe der "Monte-Serie" waren ein Ausblick auf das, was die KdF beabsichtigte, da diese nicht dem "Klassen-System" unterlagen. Obwohl die Monte Olivia nicht der KdF angehörte, wurde sie für das Kreuzfahrtprogramm gechartert.

die sozialen Errungenschaften im Deutschen Reich waren einzigartig und es gab auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares

Manfred von Brauchitsch

Hans Stuck

Marcel Bucard

König Boris III.

Max Baer

Dr. Franz Gürtner

Hanns Kerrl

Edgar Julius Jung

Josef Terboven

Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen