Chronik des Nationalsozialismus November / Dezember 1934

NOVEMBER 1934

1.11.1934
Die deutschen Reichsstatthalter werden auf den Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler (NSDAP), vereidigt.
In einer Verlautbarung des Generalsekretariats der deutschen Kolonialgesellschaft in Berlin heißt es, die Wiederaufnahme der deutschen Kolonisation sei eine Frage der Zeit.
Der deutsche Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler (NSDAP), empfängt in Berlin die wegen ihrer kritischen Haltung zum Nationalsozialismus amtsenthobenen evangelischen Landesbischöfe Hans Meiser (Bayern) und Theophil Wurm (Württemberg). Beide werden wieder in ihre Ämter eingesetzt.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, hält eine über alle deutschen Sender verbreitete Rede an die deutsche Jugend. Was diese Jugend von der Jugend der Vorkriegszeit unterscheide, sei "die Aufgewecktheit ihres Geistes, die wache Spannkraft, die aus ihren Augen leuchtet, die Tatbereitschaft, die in ihrem Marschtritt mitklingt."
Die deutsche Justizverwaltung in Berlin gibt bekannt, dass der neuerrichtete Volksgerichtshof bei Landesverrat auch die Todesstrafe verhängen könne, auch wenn ein solches Urteil bisher noch nicht gefällt worden sei.
Der dänische Ministerpräsident Thorvald Stauning (Sozialdemokrat) fordert die Abschaffung des Landsting, des Oberhauses in Kopenhagen.
Das internationale Waffenausfuhrverbot in die südamerikanischen Staaten Bolivien und Paraguay tritt in Kraft. Beide Länder führen seit 1932 den sog. Chacokrieg gegeneinander.

2.11.1934
Der Saarbevollmächtigte der deutschen Reichsregierung und Gauleiter der Rheinpfalz, Josef Bürckel (NSDAP), weist in einem Aufruf die Gerüchte über einen Putsch der SA im Saargebiet als unsinnig zurück. Für die Zeit vom 10. Januar bis zum 10. Februar 1935 untersagt er für eine 40-km-Zone längs des Saargebiets das Tragen von Uniformen.
Die Behörden der deutschen Länder werden zu scharfer Preisüberwachung aufgefordert. Es bestehe kein Grund, die Preise wegen angeblicher Warenknappheit zu erhöhen.
Nach der allgemeinen Lese der Trauben beginnt im Deutschen Reich die Spätlese und die Edelbeerenauslese. Qualitativ und quantitativ wurde, so heißt es, "eine Ernte erzielt, die als Spitzenernte in diesem Jahrhundert bezeichnet werden muß".
Bei den Wahlen im südafrikanischen Mandatsgebiet South West Africa (Namibia), der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, erringt die United Party der nicht-deutschen Weißen mehr als zwei Drittel der Mandate.
Die seit 30. Oktober in der türkischen Hauptstadt Ankara tagende Konferenz des Balkanpakts, dem Griechenland, Jugoslawien, Rumänien und die Türkei angehören, beschließt die Gründung einer Balkanbank.
In Berlin fällt in der Nacht zum 2. November der erste Schnee. Auch im Allgäu ist der Winter eingezogen und hat eine Schneehöhe von zehn Zentimetern im Tal gebracht. Schneefälle werden auch aus Paris und Großbritannien gemeldet.
In Lympne bei Dover treffen die britischen Piloten Cathcart Jones und Keller nach einem Rekordflug zwischen Großbritannien und Australien wieder ein.

3.11.1934
Das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro (DNB) in Berlin veröffentlicht die neue Ausbürgerungsliste.
Das britische Unterhaus in London nimmt mit großer Mehrheit einen Gesetzentwurf an, der die Polizei zu Hausdurchsuchungen bei Verdacht der "Aufreizung zur Untreue" ermächtigt. Das Gesetz richtet sich vor allem gegen kommunistische Agitation in Heer und Marine.
In Kioto in Japan wird das deutsche Kulturinstitut eröffnet.

4.11.1934
Auf Burg Horst bei Essen wird das Ehrenmal zum Andenken an die in den Ruhrkämpfen von 1918 bis 1920 gefallenen Kämpfer der Reichswehr, der Polizei, der Freikorps und der Bürgerwehren eingeweiht.
Nach einem Gespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (Vaterländische Front) in Wien betont der ungarische Ministerpräsident, Gyula Gömbös von Jákfa, Ungarn betreibe "keine Blockpolitik und keine Art von irgendeinem Bündnissystem".
Ein neues Sprachengesetz erklärt das Estnische zur einzigen Staatssprache in Estland. Angehörige der deutschen, schwedischen und russischen Minderheiten können sich jedoch an die Zentralbehörden weiterhin in ihrer Sprache wenden.
In Bulgarien wird das staatliche Tabakmonopol eingeführt.

5.11.1934
Der Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler (parteilos) wird Reichskommissar für Preisüberwachung.
Das Reichspostministerium in Berlin weist darauf hin, daß - wie im gesamten deutschen Schrift- und Druckwesen - auch im Postverkehr die »deutsche Schrift« zu verwenden sei.
Auf Veranlassung der deutschen Reichsschrifttumskammer gibt die Reichsschrifttumsstelle in Berlin eine Liste mit 200 Büchern heraus, die innerhalb einer bestimmten Frist von allen Leihbüchereien angeschafft werden müssen, "so dass jede Leihbücherei in Deutschland einen bestimmten Bestand an guten Büchern besitzen wird."
In Schlesien werden 24 Fleischerbetriebe geschlossen, da sie nach amtlichen Angaben die vom Bezirksbeauftragten für Schlachtviehverwertung als gerechtfertigt festgesetzten Preise überschritten haben".
In Litauen wird die letzte deutsche Minderheitenschule außerhalb des Memelgebiets geschlossen.

6.11.1934
In der Universität Köln findet die "feierliche Immatrikulation der Jungstudenten" statt. In seiner Ansprache weist der Rektor darauf hin, dass die Universitäten "des klaren Aufbaus" bedürfen, "der einheitlichen Haltung und der vertikal durchgeführten Befehlsgewalt, die das preußische Heer vorbildlich gemacht haben und die im Dritten Reich allmählich sich auf allen Gebieten des Lebens unseres Volkes durchzusetzen beginnen".
Die Demokratische Partei von US-Präsident Franklin D. Roosevelt erringt einen klaren Sieg bei Wahlen zum Repräsentantenhaus.
Vor der Nationalversammlung in Prag bezeichnet der tschechoslowakische Außenminister Eduard Benes den Völkerbund in Genf als einzige und letzte Kraft, die einen Krieg verhindern könne.

7.11.1934
Der NSDAP-Reichsleiter Alfred Rosenberg spricht in München über die "Freiheit der Wissenschaft".
Am Ende der zweitägigen Besprechungen zwischen dem italienischen Duce und Ministerpräsidenten, Benito Mussolini, und dem ungarischen Ministerpräsident, Gyula Gömbös von Jákfa, wird ein amtliches Kommuniqué veröffentlicht, nach dem Ungarn und Italien die Politik der Zusammenarbeit mit Österreich fortsetzen und ausbauen wollen.
Die deutsche Presse bemerkt, dass das Attentat auf den jugoslawischen König Alexander I. in Marseille die sich abzeichnende französisch-italienische Verständigung in den Hintergrund gedrängt habe. Unter dem Eindruck der Wirren komme es nun wieder zu einer engen Bindung zwischen Rom, Wien und Budapest.

8.11.1934
Der deutsche Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler (NSDAP), spricht im Bürgerbräukeller in München anläßlich des elften Jahrestags des mißlungenen Hitler-Putschs von 1923: "Der Sinn des 8. und 9. November 1923 liegt für uns in dem, dass damals diese Bewegung ihre innere Härte und Widerstandsfähigkeit erwies". Hitler stiftet für diejenigen, die am Novemberputsch teilgenommen hatten, einen eigenen Orden, das Ehrenzeichen des 9. November 1923, kurz "Blutorden" genannt. Einer der ersten Träger war eine Frau: Eleonore Baur, genannt "Schwester Pia".
Der französische Ministerpräsident Gaston Doumergue tritt zurück. Seine Pläne einer Parlamentsreform hatten sich nicht durchgesetzt.
Im Deutschen Reich werden zahlreiche Geschäfte wegen Preistreiberei geschlossen.
In den Niederlanden werden 150 000 Kühe und 50 000 Kälber notgeschlachtet und zu Konserven verarbeitet, da für Milch bzw. Milchprodukte nicht genügend Absatzmöglichkeiten bestehen.

9.11.1934
Anstelle des Gedächtnismarsches findet vor der Feldherrnhalle in München die Vereidigung der 18jährigen Hitlerjungen zu den jüngsten Parteimitgliedern der NSDAP statt. Adolf Hitler verkündet eine "Stiftung für die Blutzeugen der Bewegung" und die Vergabe eines Ehrensoldes für die Hinterbliebenen von "im Kampf der Bewegung für die Freiheit des deutschen Volkes gefallenen Kämpfern".
Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf gilt die allgemeine Ausfuhrbegrenzung für Devisen bei Auslandsreisen grundsätzlich auch für Geschäftsleute. Diese können allerdings bei Vorlage einer Dringlichkeitsbescheinigung der Ortspolizei zusätzlich 50 RM ausführen.
Walter Buch wird Vorsitzender des Obersten Parteigerichts (OPG) im Range eines Reichsleiters und unter Verleihung des Ehrenranges eines SS-Obergruppenführers.
Robert Ley wird offiziell zum Reichsorganisationsleiter der NSDAP ernannt.
Pierre Étienne Flandin wird neuer französischer Ministerpräsident als Nachfolger von Gaston Doumergue.
Der britische Premierminister James Ramsey MacDonald (Labour) erklärt, Großbritannien trete nach wie vor für den Frieden ein, doch sei Abrüstung kein wirksames Mittel, um die Rüstung anderer Länder zu verhindern; Abrüstung könne auch zum Angriff herausfordern.

10.11.1934
Im Deutschen Reich wird mit zahlreichen Veranstaltungen der 175. Geburtstag des Dichters Friedrich Schiller gefeiert.

11.11.1934
In der deutschen Reichsbauernstadt Goslar wird der zweite Reichsbauerntag eröffnet. Bauern aus fast allen europäischen Ländern nehmen an den bis zum 18. November dauernden Veranstaltungen teil. Erstmals wird auch ein Reichsbauernthing durchgeführt.
Die französischen Frontkämpferverbände veranstalten große Umzüge in Paris.

12.11.1934
Der deutsche Beauftragte für Abrüstungsfragen, Joachim von Ribbentrop (NSDAP), trifft in London mit dem britischen Lordsiegelbewahrer Robert Anthony Eden und am 13. November mit Außenminister John Allsebrook Simon zusammen. Nach Angaben Edens werden keine neuen Abrüstungsvorschläge unterbreitet.
In Italien müssen Lehrer in Miliz- oder Parteiuniform und Lehrerinnen in Parteitracht zum Unterricht erscheinen, die Schule habe nicht nur formales Wissen zu vermitteln, sondern sei ein Institut zur faschistischen Erziehung, heißt es in einer amtlichen Erklärung.

13.11.1934
Der deutsche Reichsminister und Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß (NSDAP), verbietet jede »Beweihräucherung« führender Parteigenossen.
Die französische Zeitung "Paris Midi" veröffentlicht einen sensationellen Bericht über ein französisch-britisch-belgisches Luftverteidigungsbündnis, das Großbritannien besser absichern soll.
Adolf Hitler schreibt an den Vorsitzenden des olympischen Organisationskomitees, Staatssekretär Dr. Theodor Lewald, ein Telegramm, worin er erklärt, dass er der Bitte, die Schirmherrschaft über die XI. Olympischen Spiele in Berlin zu übernehmen, gerne entspräche. Er wünscht dem Komitee weiterhin viel Erfolg.
Der preußische Ministerpräsident, Hermann Göring (NSDAP), bezeichnet die Rechtssicherheit als die Grundlage der Lebensgemeinschaft und begründet damit die große Zahl der Ausbürgerungen.
Der österreichische Bundeskanzler, Kurt Schuschnigg, bemerkt auf einem Empfang der britisch-US-amerikanischen Pressevereinigung in Wien zur Habsburgerfrage, auf die Staatsform werde heutzutage nicht mehr so viel wie früher gegeben. Außerdem sei das Habsburgerproblem eine interne Angelegenheit Österreichs.
Dem Thema Umerziehung zum Regimeanhänger durch Zwangsarbeit in einem stalinistischen Arbeitslager ist das erfolgreiche Stück "Aristokraten" von Nikolai F. Pogodin gewidmet, das im Vachtangow-Theater in Moskau uraufgeführt wird.

14.11.1934
Der bisherige polnische Gesandte in Berlin, Josef Lipski, überreicht dem deutschen Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler (NSDAP), sein Beglaubigungsschreiben als Botschafter. Hitler bezeichnet die Neugestaltung der deutsch-polnischen Beziehungen als wichtigen Faktor für die Sicherung des allgemeinen Friedens.
Der britische Kriegsminister Douglas MacGarel Hoog verkündet im Oberhaus in London den Regierungsbeschluß, elf neue Militärflughäfen zu errichten.

15.11.1934
Gertrud Scholtz-Klink, Leiterin des Frauenwerkes und der NS-Frauenschaft wird Reichsfrauenführerin.
Der französische Außenminister, Pierre Laval, bezeichnet vor dem Auswärtigen Ausschuß in Paris die deutsch-französische Verständigung, so wenig sie zur Zeit auch greifbar sei, als das größte Ziel der französischen Außenpolitik.
US-Präsident Franklin D. Roosevelt (Demokrat) kündigt die Einführung einer Arbeitslosenversicherung im Rahmen der Sozialgesetzgebung an. Bisher gibt es in den USA keine staatliche Arbeitslosenunterstützung.

16.11.1934
Der deutsche Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler (NSDAP), genehmigt den Antrag des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust (NSDAP), wonach der Nationalsozialistische Studentenbund die gesamte politisch-weltanschauliche Erziehung der Studenten übernimmt.
NSDAP-Reichspressechef Otto Dietrich spricht in Köln über Nationalsozialismus und Philosophie.
In München stirbt der Ingenieur Carl von Linde im Alter von 92 Jahren. Linde hatte u.a. den Eisschrank entdeckt.

17.11.1934
Philipp Bouhler, Reichsgeschäftsführer der NSDAP, wird zum Chef der Kanzlei des Führers der NSDAP mit Sitz in Berlin ernannt. Ihm sind die Parteiadjutanten, Wilhelm Brückner, Eberhard Paul Wernicke, Christa Schroeder (Sekretärin), Julius Schreck, Erich Kempka und die Privatkanzlei Adolf Hitlers unterstellt.
Der Schriftsteller und Maler Joachim Ringelnatz stirbt in Berlin. Der Autor skurriler Lyrik - "Kuttel Daddeldu" - wurde am 7. August 1883 in Wurzen geboren.

18.11.1934
Bei den Neuwahlen in den Kreisen Großes Werder und Danziger Niederung in der Freien Stadt Danzig erhält die NSDAP 77% bzw. 79% der Stimmen. Zu diesen Wahlen waren auch Oppositionsparteien zugelassen.
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), fordert die Überwindung der "unwürdigen Kriecherei vor höheren Parteigenossen".

19.11.1934
Unterredung des deutschen Botschafters von Moltke mit dem Polnischen Außenminister Beck über die Fragen des Minderheitenschutzes mit dem deutschen Hinweis darauf, daß es immer schwerer werde, die bisherige Zurückhaltung zu bewahren, da sie mit dem Volksempfinden zu wenig im Einklang stünde.
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler weilt im Kreise der Kämpfer von Brzenini in Berlin. Es handelt sich um eine Soldatenvereinigung des Ersten Weltkrieges. General Karl von Litzmann, der "Löwe von Brzenini", ist ihr Vorsitzender.
Der belgische katholische Politiker Georges Theunis bildet sein drittes Kabinett, nachdem Charles Graf de Broqueville (katholisch) zurückgetreten ist. Die neue Regierung ist eine Minderheitsregierung.
Der Völkerbund in Genf beziffert die Zahl der im Chacokrieg zwischen Bolivien und Paraguay Getöteten auf bisher 40 000.

20.11.1934
Der britische König Georg V. eröffnet das Parlament in London mit einer Thronrede, in der er auf die krisenhafte Situation in Europa hinweist.
Der deutsche Reichskommissar für Preisüberwachung, der Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler, verfügt, dass Preise, Preisspannen und Zuschläge nur durch den Reichskommissar festgesetzt werden dürfen. Regelungen über einen freien Markt sind damit unmöglich geworden.
Der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichsminister, Hermann Göring (NSDAP), verbietet den Bund freireligiöser Gemeinden Deutschlands wegen getarnter marxistischer Propaganda.
Die französische Regierung gibt bekannt, dass die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer von 1,5 Millionen im Jahr 1930 auf 800 000 zurückgegangen sei. Künftig würden keine Arbeitsbewilligungen für Ausländer mehr erteilt.

21.11.1934
Die britische Regierung veröffentlicht einen Vorschlag zur Verfassungsreform für Britisch-Indien, der ohne Beteiligung indischer Vertreter erarbeitet wurde.

22.11.1934
Das private Deutsche Studentenwerk und die Deutsche Darlehnskasse des Deutschen Studentenwerks werden zum Reichsstudentenwerk zusammengeschlossen, das staatlicher Aufsicht unterstellt wird.
Bildung der ersten vorläufigen Leitung der bekennenden Kirche unter Bischof August Marahrens.

23.11.1934
Der 47jährige Senatspräsident der Freien Stadt Danzig, Hermann Rauschning (NSDAP), tritt nach parteiinternen Streitigkeiten zurück. Sein Nachfolger wird fünf Tage darauf der Vizepräsident und Innensenator der Freien Stadt Danzig, Arthur Greiser (NSDAP). Nach Kriegsbeginn wird Greiser Gauleiter und Reichsstatthalter des Gaues Wartheland und somit verantwortlich für die angestrebte Regermanisierung seiner Heimat.

24.11.1934
Adolf Hitler empfängt in Berlin französische Frontkämpfer. Er betont, das neue Deutschland denke nicht »an zu erobernde Quadratkilometer von Gebiet. Wir haben die Sicherung des Lebens unseres Volkes im Auge.«

25.11.1934
Der Dirigent Wilhelm Furtwängler veröffentlicht in der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" einen "Offenen Brief", in dem er sich für den von NS-Funktionären angefeindeten Komponisten Paul Hindemith einsetzt. Hermann Göring hat die Aufführung der Hindemith-Sinfonie "Mathies der Maler" in der Berliner Lindenoper verboten.

26.11.1934
Fritz Todt wird Leiter des "Amtes für Technik" und des NS-Bundes deutscher Technik (NSBDT). Todt erhält den Titel "Reichswalter". Gottfried Feder verliert alle seine Ämter.
Der Appellationsgerichtshof in Turin lehnt die von Frankreich im Zusammenhang mit dem Marseiller Attentat auf den jugoslawischen König Alexander I. und den französischen Außenminister Louis Barthou geforderte Auslieferung des kroatischen Politikers Ante Pavelic ab.
In Prag werden die Insignien der deutschen Universität an die tschechische Universität übergeben.

Aus Anlass des ersten Jahrestages der NS-Gemeischaft "Kraft durch Freude", fand am Dienstag, dem 27. November, in der Maschinenhalle der AEG Werke in Berlin eine Großkundgebung statt, auf der Reichs-minister Dr. Goebbels, Johannes Engel und Minister Heß sprachen.             


Aus Anlass des ersten Jahrestages der NS-Gemeischaft "Kraft durch Freude", fand am Dienstag, dem 27. November, in der Maschinenhalle der AEG Werke in Berlin eine Großkundgebung statt, auf der Reichs-minister Dr. Goebbels, Johannes Engel und Minister Heß sprachen.             


27.11.1934
Das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro (DNB) in Berlin bezeichnet Meldungen der Auslandspresse über Meinungsverschiedenheiten zwischen der Reichswehrführung und der Reichsregierung als "Lüge". Das Verhältnis sei "nach wie vor das denkbar beste".
Anlässlich des Jahrestags der Gründung der Nationalsozialistischen Gemeinschaft "Kraft durch Freude" (KdF) in der Deutschen Arbeitsfront (DAF) findet in der Maschinenhalle der AEG-Werke in Berlin ein Festakt statt. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), betont, der Nationalsozialismus halte die Freude für nötig, um die Not des Tages zu überwinden.
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erörtert mit dem britischen Botschafter Sir Eric Philipps die Möglichkeiten eines deutsch-englischem Flottenab-kommens.
Der österreichische Staatsrat tritt in Wien zu seiner Eröffnungssitzung zusammen.
Die deutsche Wirtschaft wird in sechs Reichsgruppen der Reichswirtschafts-kammer eingeteilt: Industrie, Handel, Handwerk, Banken, Versicherungen und Energiewirtschaft.
Die Sowjetunion und die Mongolische Volksrepublik schließen eine Übereinkunft über die gegenseitige Unterstützung im Fall eines kriegerischen Angriffs auf einen der vertragschließenden Partner.
In Rumänien werden alle Organisationen kommunistischen Charakters verboten.
Mit Ausnahme der Nord Africa Aviazone werden alle italienischen Fluggesellschaften zur Mediterranea zusammengeschlossen. Die Mediterranea fliegt unter der Bezeichnung Ala Littoria SA.

28.11.1934
Arthur Greiser (NSDAP), SS-Standartenführer, wird neuer Senatspräsident von Danzig.
Der konservative britische Abgeordnete Winston Churchill stellt im Unterhaus in London den Antrag auf Verstärkung der Luftstreitkräfte.
Die jugoslawische Regierung bezeichnet in einer Denkschrift an den Völkerbund in Genf kroatische Emigranten als Verantwortliche für das Marseiller Attentat auf den jugoslawischen König Alexander.
In Zürich stören Faschisten die Aufführung des Stücks "Professor Mannheim" des Kabaretts "Pfeffermühle".

29.11.1934
Lloyd George, Englands Premier während der Kriegszeit (WW1), spricht vor dem englischen Unterhaus: „… dass die Signatarmächte des Vertrages von Versailles den Deutschen feierlich versprachen, man würde abrüsten, wenn Deutschland mit der Abrüstung vorangehe .... Können wir uns dann wundern, dass die Deutschen zu guter Letzt zu einer Revolution und Revolte gegen diese chronischen Betrügereien der großen Mächte getrieben werden?"
Die sowjetische Regierung beschließt die Abschaffung der Lebensmittelkarten für Brot, Mehl und Grütze ab 1. Januar 1935.
William Patrick Hitler schreibt an Julius Schaub, dem persönlichen Adjutanten des Führers, einen Erpresserbrief, in dem er androht, der englischen Presse Unterlagen über die Herkunft Adolf Hitlers preiszugeben, weil sich seine berufliche Situation nicht verbessert hat. William erreicht damit immerhin, dass sein Gehalt bei der Bank verdoppelt wird.
Der schweizerische Bundesrat in Bern verbietet den Internationalen Kongress gegen Krieg und Faschismus, der Ende Dezember unter dem Vorsitz des französischen Schriftstellers Henri Barbusse in Genf stattfinden sollte.

30.11.1934
Die Saarregierung verfügt angesichts der bevorstehenden Volksabstimmung zum Status des Saargebiets eine verschärfte Einreisekontrolle und den Meldezwang für Fremde.
Die Turn-und Sportjugend wird in die Hitlerjugend eingegliedert.
Das Schauspiel "Der Große Kurfürst" von Hans Rehberg wird im Schauspielhaus in Berlin uraufgeführt. Die Verherrlichung Preußens steht im Einklang mit der NS-Kulturpolitik.
Der österreichische Bundestag in Wien wird feierlich eröffnet. Am selben Tag tritt der Länderrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.
Der britische Prinz Georg, Herzog von Kent, heiratet in London Prinzessin Marina von Griechenland.
Das Mandatsgebiet South West Africa will der Südafrikanischen Union eingegliedert werden.

DEZEMBER 1934

1.12.1934
Die jüdische Zeitung "Nascha Retsch", die in Rumänien erscheint, schreibt: "... Der Kampf gegen Deutschland wird von sämtlichen jüdischen Gemeinden, Tagungen, Kongressen ... von jedem einzelnen Juden geführt. ... Unsere jüdischen Interessen verlangen, daß Deutschland endgültig vernichtet wird ... Unschädlich muss es gemacht werden für alle Zeiten".
Das Direktorium des zu Litauen gehörenden Memelgebiets tritt zurück. Am 3.12. wird ein Direktorium gebildet, das als noch deutschfeindlicher gilt als das alte.
Im deutschen Reichsgesetzblatt erscheint die Verordnung über den Aufbau der organischen Wirtschaft. Damit ist die Umstrukturierung der nationalsozialistischen Wirtschaftsordnung im wesentlichen abgeschlossen.
Der sowjetische Politiker Sergei M. Kirow wird in Leningrad ermordet. Der Mord an Kirow war einer der Anlässe für die in den Jahren 1936 bis 1939 folgenden Verhaftungen, die Stalinschen Säuberungen, die öffentlichen Schauprozesse und die Moskauer Prozesse, in denen hohe sowjetische Partei- und Staatsfunktionäre angeklagt wurden.

2.12.1934
Der deutsche Reichsminister des Auswärtigen, Konstantin Freiherr von Neurath, betont in einem Interview, das Deutsche Reich werde in den Völkerbund zurückkehren, wenn seine berechtigten Ansprüche frei und offen anerkannt würden.

3.12.1934
In Rom werden die Verhandlungen über die geplante Volksabstimmung an der Saar und alle damit zusammenhängenden Fragen beendet.
Die Saarregierung untersagt das freie Anbringen von Plakaten. Die Abstimmungsparteien dürfen gleich große Plakate nur an vorgeschriebenen Orten anbringen.

4.12.1934
Samuel Untermeyer, der jüdische Vorsitzende des US-amerikanischen Komitees zum Boykott deutscher Waren, erklärt auf einer in London zusammengetretenen Weltkonferenz, die Boykottbewegung verzeichne in den USA größte Erfolge. In Großbritannien, Schweden u.a. Ländern verzeichne sie jedoch keinen Fortschritt.
Die Freie Stadt Danzig und Polen verlängern das Hafenprotokoll von 1933. Dadurch soll der Danziger Hafen von einem schrankenlosen Wettbewerb mit dem polnischen Hafen Gdingen geschützt werden.
Das deutsche Reichskabinett in Berlin verabschiedet drei Wirtschaftsgesetze, das Gesetz über die Gewinnverteilung bei Kapitalgesellschaften, das Gesetz über die Neuordnung der deutschen Börsen und das Gesetz zur Beaufsichtigung des Kreditgewerbes.
Der Dirigent Wilhelm Furtwängler legt seine Ämter als Vizepräsident der Reichsmusikkammer, als Leiter der Berliner Philharmoniker und als Direktor der Berliner Staatsoper nieder nach Meinungsverschiedenheiten mit den NS-Kulturbehörden.
Das deutsche Reichskabinett in Berlin verabschiedet ein Gesetz, durch das der Urheberrechtsschutz an Werken der Literatur, Tonkunst und bildenden Kunst von 30 auf 50 Jahre verlängert wird.

5.12.1934
Durch das zweite Gesetz zur Überleitung der Rechtspflege auf das Reich werden die Justizministerien der deutschen Länder aufgehoben. Ihre Funktionen gehen auf das Reichsjustizministerium über.
Laut amtlicher Mitteilung ist der Politiker der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs und frühere Bürgermeister von Wien, Karl Seitz, auf freien Fuß gesetzt worden unter der Bedingung, sich den Behörden zur Verfügung zu halten. Seitz war am 12. Februar unter dem Vorwurf hochverräterischer Unternehmungen verhaftet worden.
Die spanischen Regierungstruppen beenden die Entwaffnung der aufständischen Bevölkerung in Asturien.
Der rumänische Ministerpräsident Gheorghe Tâtârâscu legt dem Ministerrat in Bukarest ein Rüstungsprogramm vor, zu dessen Finanzierung er die Einführung einer Rüstungssteuer vorschlägt. Beide Initiativen werden vom Ministerrat einstimmig angenommen.
Das tschechoslowakische Abgeordnetenhaus in Prag nimmt das Gesetz zur Verlängerung der Militärzeit von 14 auf 24 Monate an. Soldaten, die ihren Dienst am 1. November 1933 angetreten haben und ihn am 31. Dezember 1934 hätten beenden sollen, müssen zehn Monate nachdienen.

6.12.1934
Adolf Hitler beruft Gottfried Feder (NSDAP) als Reichskommissar für das Siedlungswesen ab. Die Aufgaben zur Förderung des Siedlungswesens werden dem Reichsarbeitsministerium übertragen.
Der Saarbevöllmächtigte der deutschen Reichsregierung und Gauleiter der Rheinpfalz, Josef Bürckel (NSDAP), untersagt allen Mitgliedern der SA und SS die Einreise in das Saargebiet, sofern sie nicht an der Abstimmung teilnehmen.
Im Saargebiet wird die Partei Deutscher Volksbund für christlich-soziale Kultur gegründet, die für die Beibehaltung des Status quo eintritt.
Der deutsche Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler (NSDAP), besucht in Begleitung von Reichswehrminister Werner von Blomberg (parteilos) und dem Chef der Heeresleitung, Werner Freiherr von Fritsch (parteilos), in Burghorn, am Rand der Lüneburger Heide, Generalfeldmarschall August von Mackensen, um ihm zum 85. Geburtstag zu gratulieren.
Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels (NSDAP), verurteilt im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Wilhelm Furtwängler "die Dissonanzensucht von Nichtskönnern" und "die Experimentiererei wild gewordener Farben- und Steinkleckser".
In der deutschen Reichshauptstadt Berlin beginnen die Deutschen Tanzfestspiele 1934. Sie dauern bis zum 18. Dezember.
Im Leningrader Bezirk werden 37, im Moskauer Bezirk 29 und im Samarkander Bezirk acht Todesurteile wegen politischer Vergehen vollstreckt.

7.12.1934
Der deutsche Reichsminister des Innern, Wilhelm Frick (NSDAP), erklärt auf einer Veranstaltung in Wiesbaden, die Reichskirchenregierung sei in dem Bestreben, die 28 evangelischen Landeskirchen in der Reichskirche aufgehen zu lassen, etwas zu stürmisch vorgegangen und habe dabei Anordnungen ohne die nötige Rechtsgrundlage erlassen.
Adolf Hitler besucht Leni Riefenstahl in den Geyer-Kopierwerken in Berlin Neukölln bei der Arbeit an ihrem Dokumentarfilm "Triumph des Willens".

8.12.1934
Der deutsche Reichsminister und Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß (NSDAP), weist in einer Rede in Bochum alles Gerede von einer Kriegsgefahr, die vom Deutschen Reich ausgehe, zurück. Von Krieg redeten vor allem die "Emigranten, die, innerlich und äußerlich vaterlandslos, nur ein Ziel haben, Rache an den Völkern, die sie ausgestoßen haben. Sie können nur im Trüben fischen, sie können als die Verachteten aller Völker nur im Hintergrund sticheln. Sie können hetzen und lügen und mit Kriegsgerede Unruhe schaffen, sonst haben sie keinen politischen Daseinszweck".
Im Deutschen Reich wird der "Tag der nationalen Solidarität" begangen.
In Kiel läuft der deutsche Kreuzer "Nürnberg" vom Stapel. Adolf Hitler sieht in diesem Stapellauf "die enge Verbundenheit der Wehrmacht mit der nationalsozialistischen Bewegung".

9.12.1934
Bei den Gemeindewahlen in der Tschechoslowakei erringt die Sudetendeutsche Heimatfront Konrad Henleins in den fünf deutschen Orten einen Sieg.

10.12.1934
Der österreichische Dirigent Clemens Krauss, seit 1929 Direktor der Wiener Staatsoper, wird als Nachfolger des zurückgetretenen Wilhelm Furtwängler zum Direktor der Berliner Staatsoper berufen.
Der DNB-Bilderdienst veröffentlicht ein Bild: "Adolf Hitler spendet 1000 RM-Schein für die Winterhilfswerk-Sammelbüchse der Schauspielerin Maria Paudler".
Auf einer Kundgebung der Vaterländischen Front und der österreichischen Soldatenfront wendet sich der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (Vaterländische Front) gegen die Behauptung, alle national Denkenden würden in Österreich brutal verfolgt. Wer jedoch das Vaterland grob beschimpfe, für den brauche man keine Richter.
In Stockholm und Oslo werden die Nobelpreise verliehen.
Die estländische Regierung in Reval ordnet die Errichtung von Konzentrationslagern für staatsgefährdende Personen an.

11.12.1934
Bei Singapur beginnen britische Luft-, See- und Landmanöver. Sie sollen die Uneinnehmbarkeit des britischen Stützpunkts unter Beweis stellen.
In Vaduz, der Hauptstadt des Fürstentums Liechtenstein, fordern Demonstranten des sog. Heimatdienstes die Abdankung des 80jährigen Fürsten Franz zugunsten des Thronfolgers Franz Joseph. Sie verlangen ferner eine Volksabstimmung, eine Verfassungsänderung und das Verbot für Geistliche, Staatsämter zu bekleiden.

12.12.1934
Reichserziehungsminister Bernhard Rust (NSDAP) führt für Hochschulstudenten und -studentinnen eine Ausbildung in Leibesübungen während der ersten drei Semester ein. Die Fortsetzung des Studiums wird an die erfolgreiche Absolvierung dieser Ausbildung geknüpft.
Adolf Hitler nimmt an den Beisetzungsfeierlichkeiten für den, durch einen Autounfall verstorbenen, SA-Gruppenführer von Thüringen Dr. Gustav Zunkel in Weimar teil.


Zu Tumulten kommt es in der Wiener Staatsoper, als der zum Nachfolger von Wilhelm Furtwängler zum Direktor der Berliner Staatsoper berufene Clemens Krauss ans Dirigentenpult tritt. Laut NS-Presse werden dabei zahlreiche Juden wegen "Krawallmachens" verhaftet.
Der österreichische Bundesminister für soziale Verwaltung, Odo Neustädter-Stürmer (Heimwehr), erlässt die Satzungen des Gewerkschaftsbunds.

13.12.1934
Durch ein Reichsgesetz werden die Bestimmungen über heimtückische Angriffe auf Staat und Partei im Deutschen Reich verschärft.
Die nationalsozialistische deutsche Reichsregierung in Berlin verabschiedet das "Gesetz über den Nachfolger des Führers und Reichskanzlers".
Die nationalsozialistische deutsche Reichsregierung in Berlin verabschiedet das Gesetz über den Ausgleich bürgerlich-rechtlicher Schadensansprüche, die sich im Zusammenhang mit der »nationalsozialistischen Revolution« ergeben.
Das vom deutschen Reichskabinett in Berlin verabschiedete Gesetz zur Änderung der Rechtsanwaltsordnung dient als "Schutz gegen eine ungesunde Übersetzung und eine drohende wirtschaftliche Verkümmerung des Anwaltsstandes". Anwärter, deren Aufnahme in die Anwaltschaft "nach ihrer Persönlichkeit oder ihren Verhältnissen nicht erwünscht" ist, sollen von ihr "wirksamer ferngehalten" werden, als es durch die bisherigen Vorschriften möglich war.
Durch die Änderung des deutschen Lichtspielgesetzes wird die obligatorische Mitwirkung des Reichsfilmdramaturgen bei Filmen auf die Fälle beschränkt, in denen die Industrie seine Mitwirkung erbittet.
Das deutsche Reichskabinett verabschiedet das neue Wald-Artgesetz.                 


Der preußische Ministerpräsident, Hermann Göring (NSDAP), hält auf einem diplomatischen Empfang des Außenpolitischen Amts der NSDAP in Berlin eine Rede über "Die Überwindung des Kommunismus in Deutschland". Die nationalsozialistische Regierung könne bei der Bekämpfung des Kommunismus keine Rücksicht nehmen. Die Behauptung, "dass die Konzentrationslager Folterstätten seien", erklärt der Minister, "für frei erfunden und böswillig erdacht".
Im ungarischen Abgeordnetenhaus in Budapest sieht sich Ministerpräsident Gyula Gömbös von Jákfa schweren Vorwürfen wegen seiner deutschfreundlichen Politik ausgesetzt; es sei notwendig, die italienische Freundschaft zu erhalten, da die deutschen Anschlußpläne gegenüber Österreich auch eine Gefahr für Ungarn bedeuteten.

14.12.1934
Reichskanzler Adolf Hitler wohnt dem Stapellauf des Ozeandampfers "Scharnhorst" in Bremen bei. Anschließend besichtigt Hitler in Bremerhaven den Lloyd-Schnelldampfer "Europa" und das Panzerschiff "Admiral Scheer". Auf dem Rückweg nach Berlin stößt der Sonderzug Adolf Hitlers mit dem Omnibus einer Theatergesellschaft aus Stade zusammen, der im Nebel eine Bahnschranke durchbrochen hatte. Bei dem Unfall kamen 14 Menschen ums Leben.
In der litauischen Hauptstadt Kowno (Kaunas) beginnt vor dem Kriegsgericht ein Prozeß gegen 129 deutsche Memelländer. Ihnen wird vorgeworfen, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reich auf eine Abtrennung des Memelgebiets von Litauen hingearbeitet zu haben.
In den USA nimmt der Dickstein-Ausschuß zur Untersuchung kommunistischer Aktivitäten seine Tätigkeit auf.
Die deutsche Presse ermahnt in Aufrufen die Bevölkerung: "Nur nicht vergessen! Am kommenden Sonntag Eintopf essen!".

15.12.1934
Der deutsche Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust (NSDAP), suspendiert den schweizerischen Theologieprofessor Karl Barth von seinem Bonner Lehrstuhl, nachdem er den Beamteneid auf Hitler verweigert hatte.

16.12.1934
In Montreux findet der erste Faschistenweltkongress statt. Die Konferenz wurde organisiert und geleitet von dem Aktionskomitees für die Universalität von Rom.
Ein britischer Polizeioffizier fährt in Saarbrücken in eine Menschengruppe hinein. Dabei wird eine schwangere Frau erheblich verletzt.
In Portugal finden die Wahlen zur Nationalversammlung statt. Alle 90 Kandidaten der Einheitsliste werden mit Mehrheit gewählt. Portugal ist ein autoritärer Ständestaat unter General António Oscar de Fragoso Carmona als Staatspräsident (seit 1928) und António de Oliveira Salazar als Ministerpräsident (seit 1932).

17.12.1934
Adolf Hitler lässt durch seinen Adjutanten Wilhelm Brückner bei der Beerdigung der Opfer unter 10. Dezember einen Kranz niederlegen und Spenden an die Hinterbliebenen überreichen.
Der schwedische Außenminister Richard Johannes Sandler erklärt in Uppsala, dass zwischen den nordischen Staaten völlige Übereinstimmung bei der Einhaltung eines neutralen Kurses in der Außenpolitik bestehe.
In Mittel- und Südeuropa grassiert das Ulmensterben.

18.12.1934
Im nationalsozialistischen Deutschen Reich wird der Tag der Polizei gefeiert. Die Einführung des Hitler-Grußes wird als deutscher Gruß allen uniformierten Polizeiverbänden zur Pflicht gemacht. Hitler hält eine kurze Ansprache an die Landespolizeitruppe, die im Hof der Reichskanzlei ein Konzert gab.
Die spanische Regierung setzt das Autonomiestatut Kataloniens für unbestimmte Zeit außer Kraft.
Das trockengelegte Land um die neugegründete italienische Stadt Littoria wird 93. Provinz Italiens.

19.12.1934
Adolf Hitler enthebt Hans Frank (NSDAP) von seinem Amt als Reichskommissar für die Gleichschaltung der Justiz und ernennt ihn zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Des weiteren bestimmt Hitler aufgrund des "Gesetzes über die Nachfolge des Führers und Reichskanzlers" vom 13.12.1934 Hermann Göring zu seinem Nachfolger.

20.12.1934
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler empfängt die französische Frontkämpfer der "Union Federale", Präsident Pichot und Generalsekretär Randour.
Die Reichsregierung erlässt das "Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniform".
Adolf Hitler verleiht Helene Bechstein das goldene Parteiabzeichen der NSDAP, obwohl sie kein Mitglied der Partei ist.
Die chinesische Regierung erteilt dem deutschen Forschungsinstitut für Wasserbau und Wasserkraft der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften den Auftrag, den Fluß Hwangho zu regulieren.

21.12.1934
Das Lied "So oder so ist das Leben" von Theo Mackeben, das Brigitte Horney zu Beginn und am Schluß des Südsee- und Matrosenfilms "Liebe, Tod und Teufel" singt, wird ein Evergreen. Der Ufa-Film, der mit dem Prädikat "künstlerisch wertvoll" ausgezeichnet wird, hat in Berlin Premiere.
Nach amtlicher sowjetischer Mitteilung wurden seit dem 1. Dezember 105 Todesurteile im Zusammenhang mit der Ermordung des sowjetischen Politikers Sergei M. Kirow durch einen Studenten in Kiew vollstreckt.

22.12.1934
Im Saargebiet sind inzwischen 1400 Briten, 800 Italiener, 550 Schweden und 250 Niederländer stationiert. Sie bilden die unter britischem Oberbefehl stehende internationale Polizeitruppe zur Überwachung der Volksabstimmung über den Status des Saarlandes.

23.12.1934
Am letzten Einkaufssonntag vor Weihnachten, verzeichnen die Geschäfte im Deutschen Reich ein kräftiges Umsatzplus. In mehreren Großstädten müssen Spielwarengeschäfte zeitweise wegen Überfüllung geschlossen werden.
In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press betont der deutsche Reichswehrminister, Werner von Blomberg (parteilos), es bestehe keinerlei Uneinigkeit darüber, dass die Reichswehr einziger Waffenträger der Nation sei.
In einer Weihnachtsbotschaft bezeichnen die österreichischen Bischöfe die richtige Gestaltung der berufsständischen Ordnung als die schwierigste und zugleich bedeutendste Frage im sozialen Bereich.
Der österreichische Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhemberg (Heimwehr) ruft zur nationalen Versöhnung im Innern auf.

24.12.1934
In seiner Weihnachtsansprache formuliert Papst Pius XI. ein neues Gebet für den Frieden: "Zerstreue die Völker, die den Krieg suchen!"
In Österreich werden zahlreiche Sozialdemokraten, Kommunisten u.a. im Zusammenhang mit den Februarunruhen verhaftete Oppositionelle aus den Anhaltelagern entlassen, darunter auch der General und ehemalige Bundesrat Theodor Körner.

25.12.1934
Das deutsche Luftschiff LZ 127 "Graf Zeppelin" fliegt auf seiner Weihnachtsfahrt vom Bodensee nach Südamerika den 1 000 000. Kilometer.

26.12.1934
Im Deutschen Reich wird der 165. Geburtstag des Dichters Ernst Moritz Arndt gefeiert. Arndt gilt als "großer Künstler deutschen Wesens und Vorkämpfer deutscher Erneuerung".

27.12.1934
Der Staatsname "Persien" wird in "Iran" geändert, um an die Glanzzeiten des Reiches in der Antike zu erinnern.

28.12.1934
Japan kündigt das Washingtoner Flottenabkommen von 1922, in dem es der Festlegung seiner Flottenstärke im Verhältnis 3:5:5 gegenüber Großbritannien und den USA zustimmen mußte.
Bei einem Erdbeben in der portugiesischen Provinz Algarve wird u.a. das ehemalige Maurenschloss Silves, das als Gefängnis dient, zerstört. Mehrere Häftlinge können fliehen.

29.12.1934
Der deutsche Führer und Reichskanzler, Adolf Hitler (NSDAP), läßt Papst Pius XI. »herzliche Neujahrsgrüße« übermitteln. Der Papst dankt »aufrichtig« und erwidert sie »wärmstens«.
Die Deutsche Reichspost gewährt den abstimmungsberechtigten Saarländern, die auf dem Land wohnen und auf der Reise zur Abstimmung bis zur Eisenbahn die Kraftpost benutzen, für die Hin- und Rückreise freie Fahrt.
Die Saarregierung verbietet die Zeitung "Deutsche Freiheit" für eine Woche. Als Grund wird "eine üble Karikatur des Führers" angegeben, die aus dem Prager "Neuen Vorwärts" entnommen wurde.
Der deutsche Reichssender Stuttgart führt bis zur Abstimmung im Saargebiet im Januar 1935 als Pausenzeichen die ersten Takte des "Saarliedes" ein.
Der Mörder des Leningrader Parteisekretärs Sergei M. Kirow, Schlossergehilfe Leonid Nikolajew, und 13 Mitangeklagte werden zum Tod durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wird sofort vollstreckt. Aufgrund des offensichtlichen Nutzens, den Stalin für die Entfachung des Großen Terrors aus dem Mord gezogen hatte, gibt es immer wieder Vermutungen, er habe den Mord in Auftrag gegeben. Dafür haben sich allerdings nie Beweise finden lassen.

30.12.1934
In einer Rede vor dem Jahreswechsel schlägt der französische Staatspräsident Albert Lebrun in der internationalen Politik stärkere Zusammenarbeit vor.
In München wird der im Milieu des österreichischen Offiziersadels spielende Film "Hohe Schule" von Erich Engel uraufgeführt. Rudolf Forster spielt darin einen Kunstreiter.

31.12.1934
In Westeuropa ist es so warm, dass in manchen Parks die Bäume knospen.

Die Beerdigung von Staatsrat und SA-Gruppenführer von Thüringen, Gustav Zunkel, am 12.12.1934, der bei einem Autounfall ums Leben kam. Links von Adolf Hitler ist Zunkels Witwe und links von ihr sitzt SA-Stabschef Viktor Lutze.             


Die Beerdigung von Staatsrat und SA-Gruppenführer von Thüringen, Gustav Zunkel, am 12.12.1934, der bei einem Autounfall ums Leben kam. Links von Adolf Hitler ist Zunkels Witwe und links von ihr sitzt SA-Stabschef Viktor Lutze.             


Die organisierte Judenheit ist weltweit als politische Einheit aufgetreten und sie war es, die Deutschland durch die Boykotte zuerst zu offenen Kampfhandlungen überging. Deutschlands eintägiger Boykott gegen jüdische Gewerbetreibende war erst die Antwort darauf, also eine defensive, keine offensive Maßnahme. Im Zweiten Weltkriege nahmen ca. 1,5 Millionen Juden am regulären militärischen Kampf sowie völkerrechtswidrig als Partisanen aktiv am Krieg gegen Deutschland teil. Der deutsche Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, erklärte schon im Oktober 1934 auf einer Tagung des Gaus Groß-Berlin, die "Boykotthetzer" müßten nicht glauben, daß das Deutsche Reich wegen Devisenschwierigkeiten oder wegen des bevorstehenden Winters klein beigeben werde.


                Das Saarland vor der Volksabstimmung
Als politische Einheit wurde das Saarland 1920 in Folge des Versailler Diktats gebildet und wegen der Bodenschätze von Frankreich annektiert. Es war etwas kleiner als das spätere Saarland, da die damals festgelegte Nordgrenze südlicher als die heutige lag. Man legte dabei fest, daß der Zustand dieses Gebietes auf 15 Jahre dem Völkerbund unterstellt wurde, jedoch war es einseitig zum Vorteil Frankreich. In 20 Jahren sollte eine Volksabstimmung klären, zu welchem Staat die Saarbevölkerung künftig gehören möge. 1935 war die Frist um, und die Abstimmung stand an. Frankreich betrieb daher einen heftigen Wahlkampf, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, daß sie bei Frankreich bleiben möge. Da die Emotionen diesbezüglich überzukochen drohten, war man im Reich besorgt, daß es zu Ausschreitungen kommen könnte. Adolf Hitler schlug daher vor, auf die Volksabstimmung zu verzichten und die Zugehörigkeit stattdessen auf andere Weise zu regeln: Durch eine "freundschaftliche Vereinbarung zwischen beiden Regierungen" sollte das Saarland wieder Teil des Deutschen Reiches werden, Frankreich dort aber nach wie vor Industrie betreiben dürfen. Frankreich lehnte den Vorschlag des Reichskanzlers jedoch siegessicher ab. Bei der Wahl am 13. Januar 1935 stimmten dann 90,8 % der Saarländer für die Heimkehr zum Reich.

die sozialen Errungenschaften im Deutschen Reich waren einzigartig und es gab auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares

Josef Bürckel

Carl Friedrich Goerdeler

Eleonore Baur

Gaston Doumergue

Joachim von Ribbentrop

Dr. Theodor Lewald

Otto Dietrich

Philipp Bouhler

Botschafter von Moltke

Der britische König Georg V.

Arthur Greiser

Samuel Untermeyer

Gottfried Feder

August von Mackensen

Clemens Krauss

Dr. Gustav Zunkel

Wilhelm Brückner

Brigitte Horney

Papst Pius XI.

Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen