Chronik des Nationalsozialismus November / Dezember 1935

NOVEMBER 1935

1.11.1935
Nach Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht rückt der erste Rekrutenjahrgang (1914) zur Ableistung seiner einjährigen Dienstpflicht bei der Wehrmacht ein.
Im deutschen Kriegsministerium wird ein Wehrwirtschaftsstab eingerichtet. Er soll - als Verbindungsstelle zwischen Wehrmacht und Wirtschaft - die Organisation der Aufrüstung verbessern.
Bei einer Polizeiaktion gegen kommunistische Geheimorganisationen werden in Berlin mehr als 60 Personen verhaftet. Unter ihnen befinden sich auch Mitglieder des illegalen Zentralkomitees.

2.11.1935
Die Zeitschrift des Vatikan "Civilita Cattolika", die unter dem direkten Einfluss des Papstes steht, spricht sich in einem Artikel für die Verleihung eines Mandates über Abessinien an Italien aus. Es dürfe nicht mehr länger gewartet werden, wenn man "ernste Unruhen in Europa und vielleicht in der Welt vermeiden wolle".

3.11.1935
Bei einer gelenkten Volksabstimmung in Griechenland votieren 95% der Bevölkerung für die Wiedereinführung der Monarchie und die Rückkehr König Georgs II.
Bei einer Tagung der "Republikanischen Sozialisten", der "Französischen Sozialisten" und der "Neo-Sozialisten" in Paris schließen sich diese Organisationen zur "Republikanisch-Sozialistischen Union" zusammen.
In einem Schwergewichtsboxkampf verliert der Deutsche Walter Neusel gegen Exweltmeister Primo Carnera durch technischen K. o. in der vierten Runde.

4.11.1935
Nach dem Besuch einer Ausstellung von Kriegsschiffmodellen im Kongresssaal der Reichskanzlei begeben sich Hitler, Goebbels, Hess, der Kammerdiener Linge und der Adjutant Brückner in den Rauchsalon zum Pilot Baur dem Fotograf Hoffmann. Hitler imitiert Hindenburg und Hoffmann verspottet Göring und Ley und die ganze Runde brüllt vor Vergnügen. Hitler schlägt sich lachend auf die Schenkel und erklärt: "Die Engländer glauben, ich sitze in der Reichskanzlei wie eine bissige Bulldogge, die man nicht reizen darf. Gut dass sie uns jetzt nicht sehen können!" (Nicht Geschichtsrelevant, aber der Führer hat auch Humor)
Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht bestätigt in einem Schreiben an die Reichswirtschaftskammer, dass durch die Ausführungsbestimmungen zu den Nürnberger Gesetzen eine Entrechtung der deutschen Juden auch auf wirtschaftlichem Gebiet bevorsteht. Wegen der Ungewißheit der Regelung kommt es in jüdischen Geschäftskreisen zu zahlreichen überstürzten Geschäftsverkäufen.
In einer Tagesmeldung der Gestapo heißt es, dass die für das "Winterhilfswerk des deutschen Volkes" geforderten Spendensätze, die per Anschlag auf der Schiffswerft Blohm & Voss in Hamburg bekanntgegeben wurden, von 60% der Belegschaft eingehalten wurden.

5.11.1935
Das Parteihoheitszeichen der NSDAP wird zum Hoheitszeichen des Deutschen Reiches. Gleichzeitig verordnet Hitler die Einführung einer neuen Reichskriegsflagge, die der alten kaiserlichen Kriegsflagge ähnelt.
Das Berliner Landgericht verurteilt die Generalprokuratorin der Genossenschaft "Unserer lieben Frau", Anna Schroers, "wegen Devisenvergehen" zu zehn Jahren Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und 250.000 RM Geldstrafe.
Wegen der angespannten Versorgungslage aufgrund des Abessinienkrieges findet in Italien der erste "fleischlose" Tag statt.
Marianne Hoppe spielt in dem deutschen Spielfilm "Anschlag auf Schweda", der in Berlin uraufgeführt wird, die Hauptrolle. Regie führte Karl Heinz Martin.

6.11.1935
Um internationalen Boykottbewegungen im Hinblick auf die Olympischen Spiele 1936 in Berlin entgegenzuwirken verspricht Hitler vor der ausländischen Presse, alle antijüdischen Zeichen während der Spiele beseitigen zu lassen.
Bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus im Staat New York erhalten die Republikaner 83 (bisher 73) und die Demokraten 67 (bisher 73) Sitze. Dieses Ergebnis wird als Niederlage für Präsident Franklin D. Roosevelt gewertet, der früher das Amt des Gouverneurs im Staat New York bekleidete.
Ein großes italienisches Modehaus das seinen Modellkleidern bisher französische Namen zu geben pflegte, nennt sie nun "Asmara", "Takasse", "Harrar" und "Schebeli", Namen, die in Italien aus den täglichen Frontberichten aus Abessinien bekannt sind.

7.11.1935
In einer Regierungserklärung gibt Führer und Reichskanzler Adolf Hitler bekannt, daß das Deutsche Reich sich nicht an Sanktionen gegen Italien beteiligt.
Wegen seiner Konkurrenz zur SA wird der 1918 gegründete Soldatenbund »Stahlhelm« von Reichsinnenminister Wilhelm Frick endgültig aufgelöst. In der Begründung für diesen Schritt heißt es, der »Stahlhelm« sei ein Sammelbecken staatsfeindlicher oder die Partei ablehnender Elemente.
Das Deutsche Reich und Ungarn schließen ein Wirtschaftsabkommen, das für 1936 eine erhebliche Ausfuhrsteigerung von Schweinefett, Speck und Schweinen von Ungarn ins Deutsche Reich vorsieht. Im Gegenzug wird die Ausfuhr von Chemikalien und Textilien nach Ungarn erheblich angehoben.
Im ersten "Rassenschandeprozeß" verurteilt das Altonaer Landgericht einen Juden aufgrund der Nürnberger Gesetze zu neun Monaten Gefängnis. In der Urteilsbegründung wird betont, dass schon die Absicht zu sexuellem Verkehr mit einer Arierin als versuchte Rassenschande anzusehen sei.

8.11.1935
Im Münchner Bürgerbräukeller beginnt zum Gedenken an den gescheiterten Hitlerputsch die zweitägige "Feier des Sieges und der Auferstehung der Toten des 9. November 1923". Adolf Hitler hält um 20:30 Uhr seine Gedenkrede im Bürgerbräukeller und begibt sich danach zur Feldherrnhalle.
Italienische Truppen erobern die abessinische Stadt Makale.

9.11.1935
In München werden bei den Feierlichkeiten zum Gedenken des gescheiterten Hitlerputsches die 16 Toten des 9. November 1923 in neueingerichteten Ehrentempeln beigesetzt. Um 22:00 Uhr hält Adolf Hitler eine Ansprache bei der Vereidigung der neuen SS-Rekruten. Außerdem verfügt er eine "Ehrenunterstützung für Schwerbeschädigte der NSDAP".
In den USA gründet sich innerhalb der "American Federation of Labor" (AFL) der amerikanischen Gewerkschaft, das Committee for Industrial Organization (CIO). Die neue Gewerkschaft vertritt auch - im Gegensatz zur AFL - die Interessen der ungelernten Arbeiter.

10.11.1935
In der Reichsbauernstadt Goslar findet der diesjährige Reichsbauerntag statt.
In einem Brief an den Exil-Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade) erläutert das Zentralkomitee der Exil-SPD die Einheitsfrontbeschlüsse der "Brüsseler Parteikonferenz".
Bei den Europameisterschaften der Gewichtheber in Paris gewinnen vier Deutsche die Titel. Im Federgewicht stellt Heinrich Walter mit 297,5 kg einen neuen Weltrekord auf.

11.11.1935
Das Propagandaministerium in Berlin verfügt die Beschlagnahmung einer Ausgabe der britischen "Times". Die Zeitung hat sich kritisch mit der Judenverfolgung im Deutschen Reich befaßt.
In der Zeitung des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes wird zur Förderung des erbgesunden Nachwuchses die Einführung einer amtlichen Ehevermittlung verlangt.
Adolf Hitler nimmt in Weimar an der Trauerfeier für die im Alter von 90 Jahren verstorbenen Schwester Nietzsches, Frau Foerster-Nietzsche, teil. Auch Winifred Wagner ist unter den Trauergästen.
Die US-Amerikaner Albert Stevens und Orvil Anderson stellen mit dem größten bislang konstruierten Stratosphärenballon "Explorer" einen neuen Weltrekord im Höhenflug auf.

12.11.1935
Der Reichsführer SS Heinrich Himmler spricht auf dem Reichsbauerntag in Goslar über "Die Schutzstaffel als antibolschewistische Kampforganisation"....
Um den akuten Versorgungsschwierigkeiten im Lande entgegenzuwirken, verbietet die deutsche Reichsregierung die Ausfuhr wichtiger Lebensmittel und industrieller Rohstoffe.
Der Korrespondent des "Völkischen Beobachters" in London, Friedrich Thost, wird wegen politischer Aktivitäten aus Großbritannien ausgewiesen. Thost unterhält enge Beziehungen zur britischen Faschistengruppe um Oswald Mosley. Seine Ausweisung steht auch im Zusammenhang mit Maßnahmen der Nationalsozialisten gegen britische Staatsangehörige im Deutschen Reich.
Vier Mitarbeiter der Scherl Druckerei in Berlin werden wegen eines Fehlers im "Berliner Lokalanzeiger" verhaftet. In einer Ausgabe wurde eine Rede des Stellvertreters des Führers Rudolf Heß veröffentlicht. Heß hatte die NSDAP als die "schicksalhafte Freiheitsbewegung des Volkes" bezeichnet. Im "Lokalanzeiger" las man statt dessen von der "schicksalhaften Freiheitsberaubung" des Volkes. Die Gestapo glaubt an eine politische Demonstration des Druckereipersonals.
Eine Menge von etwa 700 Menschen begeht in Altair im US-Bundesstaat Texas Lynchmorde an zwei 16jährigen Schwarzen, die des Mordes an einem weißen Mädchen beschuldigt werden.

13.11.1935
Der französische Journalist und Schriftsteller Paul Levy fordert in seiner Pariser anti-deutschen Tageszeitung „Le Rempart": „Revolution gegen Hitler und einen Präventivkrieg gegen Deutschland".
Bei antibritischen Unruhen in Kairo gibt es drei Todesopfer, 147 Menschen werden verletzt.

14.11.1935
Mehrere Durchführungsverordnungen zu den Nürnberger Gesetzen treten in Kraft. Die Rechte der Juden werden drastisch eingeschränkt. Alle Juden ohne Ausnahme werden vom Staatsdienst entlassen und ihnen wird das Wahlrecht aberkannt.
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, ordnet an, dass Übergriffe politisierender Geistlicher, ihm direkt zu melden sind.
Bei den Unterhauswahlen in Großbritannien behält die konservative Regierungskoalition weiterhin die Mehrheit. Die Konservativen verlieren 72 Mandate und verfügen nunmehr über 380 Sitze im Parlament. Die oppositionelle Arbeiterpartei gewinnt 94 Sitze hinzu, kommt jedoch nicht über 153 Mandate.
In Berlin wird der als "künstlerisch wertvoll" ausgezeichnete deutsche Spielfilm "Mazurka" unter der Regie von Willi Forst uraufgeführt. Die Hauptrollen spielen Pola Negri, die in ihrer ersten deutschen Tonfilmrolle zu sehen ist, Paul Hartmann und Albrecht Schönhals.

15.11.1935
Propagandaminister Joseph Goebbels spricht auf der 2. Jahrestagung der Reichskulturkammer, der auch Adolf Hitler beiwohnt. In seiner Rede erklärt Goebbels: »Es ist im Kulturleben unseres Volkes kein Jude mehr tätig.« Adolf Hitler begibt sich danach direkt zur Wiedereröffnung des neu umgebauten Deutschen Opernhauses in Berlin-Charlottenburg. Mit Richard Wagners "Meistersingern" wird das deutsche Opernhaus wieder ein kultureller Publikumsmagnet.
Die von Rudolf Steiner gegründete Anthroposophische Gesellschaft wird im ganzen Reich verboten.

16.11.1935
Propagandaminister Josef Goebbels beruft dem von ihm gegründeten Reichskultursenat zu einer ersten Sitzung ein und übernimmt den Vorsitz.
Der Architekt Alois Degano erstellt Pläne für die weitere Vergrößerung des Hauses Wachenfeld, die Adolf Hitlers Vorstellungen von einem repräsentativen Wohnsitz entsprachen.
Bei einer Schießerei zwischen Mitgliedern der faschistischen französischen Frontkämpferorganisation "Croix de feu" (Feuerkreuz) und linken Demonstranten, die gegen ein Treffen der Vereinigung demonstrieren, werden in Limoges drei Menschen erschossen und mehr als 30 verletzt.

17.11.1935
In einer Rede zum Abschluß des Reichsbauerntages in Goslar bezeichnet Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß die "Erzeugungsschlacht" der deutschen Bauern als "eine Abwehrschlacht gegen den Bolschewismus". Reichslandwirtschaftsminister Richard Walther Darré gibt die Schuld für die Butterverknappung im Deutschen Reich den Weimarer Regierungen.

18.11.1935
Auf der "Korrosionstagung" der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde in Berlin wird beraten, wie man Rostschäden, deren Gesamtvolumen auf ein bis zwei Mrd. RM jährlich geschätzt werden, senken kann.
Mit dem landesweiten Hissen der italienischen Flagge und Appellen faschistischer Politiker für den Boykott ausländischer Waren wird in Italien auf den Beginn der Völkerbundsanktionen geantwortet.
Spanische Kriegsgerichte in Gijon und Cadiz verurteilen drei Personen zum Tode und elf zu langjährigen Haftstrafen. Ihnen wird die Beteiligung am Aufstand in der Provinz Asturien im Oktober 1934 vorgeworfen.

19.11.1935
Wegen antijüdischer Ausschreitungen der Studentenschaft wird die Universität Budapest für einen Tag geschlossen.
Am New Yorker Civic Repertory Theatre wird Bertolt Brechts Drama "Die Mutter" in englischer Sprache uraufgeführt. Brecht selbst, der auch den Proben beiwohnte, hält die Aufführung wegen "politischer Ahnungslosigkeit" für "sehr verhunzt".
In Berlin wird der deutsche Film "Friesennot", ein Bauerndrama über das Problem der Volksdeutschen in der Sowjetunion, uraufgeführt. Der Regisseur ist Peter Hagen. Die Reichspropagandaleitung der NSDAP verleiht den Film selbst.

20.11.1935
Zum Buß- und Bettag verlesen Pfarrer der Bekennenden Kirche in ganz Preußen eine regimekritische Kanzelbotschaft. Darin wird u.a. der Ausschluß qualifizierter Theologen von den deutschen Universitäten beklagt.
In Johannesburg beginnt die zehntägige Panafrikanische Gesundheitskonferenz. Neben Ärzten aus 20 afrikanischen Staaten beraten Spezialisten aus aller Welt über Gesundheitsprobleme in Afrika.

21.11.1935
In Ausführung des »Reichsbürgergesetzes« vom 15. September 1935 verbietet Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht jüdischen Maklern ihre Tätigkeit an deutschen Börsen.
In einer Unterredung mit dem französischen Botschafter André François Poncet erörtert Adolf Hitler die Möglichkeiten einer deutsch-französischen Verständigung.
Fritz Sauckel wird mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichstatthalters von Braunschweig und Anhalt betraut.
Als Reaktion auf die Völkerbundsanktionen im Zusammenhang mit dem Abessinienkrieg schickt das italienische Kriegsministerium 100.000 in Ostafrika stationierte Soldaten für drei Monate nach Hause. Dort sollen sie ihrer Arbeit nachgehen, um trotz internationaler Boykottmaßnahmen Italiens wirtschaftliches Überleben zu sichern.
Im US-Bundesstaat New Jersey wird der 16jährige Jugendliche Jacob Cimiengo wegen Mordes zum Tode verurteilt.
Igor Strawinskis Konzert für zwei Klaviere wird in Paris uraufgeführt. Strawinsky selbst und sein Sohn Soulima sind die Solisten.

22.11.1935
Der Leiter der Abteilung Ost der Dienststelle "Ribbentrop" setzt den ersten Entwurf zum Antikomminternpakt zwischen Deutschland und Japan auf.
In der Pariser Comédie des Champs-Elysées wird Armand Salacrous Schauspiel "L'Inconnue d'Arras" (Die Unbekannte von Arras) uraufgeführt.
Durch schwere Unwetter kommen in Süditalien etwa 100 Menschen ums Leben. Die meisten Opfer werden bei Catanzaro in der Provinz Kalabrien durch Erdrutsche verschüttet.

23.11.1935
Nach einer ernsten Warnung des deutschen Gesandten in Oslo, eine Verleihung des Nobelpreises an einen "Staatsverbrecher" (Karl von Ossietzky) wäre eine Brüskierung Deutschlands, verzichtete das norwegische Nobel-Komitee auf eine Preisverleihung für 1935.
Zur Förderung der Geburtenzahlen erhalten 50 000 kinderreiche Familien im Deutschen Reich je 400 RM.
In Sofia tritt der bulgarische Ministerpräsident Andreas Tóschew mit seinem gesamten Kabinett zurück. Neuer Ministerpräsident wird Georg Kiosse-Iwánow, der ein Ende des autoritären Regimes und den Übergang zu parlamentarischen Verhältnissen verspricht.

24.11.1935
In zahlreichen französischen Städten veranstalten die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes Protestaktionen gegen das radikale Sparprogramm der Regierung, das durch Notverordnungen eingeleitet worden war.
Die Burg Erwitte im Teutoburger Wald wird als "Reichsschulungsburg" der NSDAP eingeweiht.

25.11.1935
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler billigt den Entwurf zum Antikomminternpakt zwischen Deutschland und Japan.
Der Berliner Oberbürgermeister Heinrich Sahm wird aus der NSDAP ausgeschlossen, weil seine Familie mehrfach in jüdischen Geschäften eingekauft haben soll.
Das Propagandaministerium verbietet jüdischen Künstlern Pseudonyme zu benutzen, durch die sie als Arier erscheinen könnten. Laut Gesetz dürfen im Deutschen Reich jüdische Künstler nur vor jüdischem Publikum auftreten.
Die Bank von Frankreich erhöht in Paris den Diskontsatz ungewöhnlich stark von 5 auf 6%. Damit will sie den starken Goldabfluß aus Frankreich stoppen, der u.a. mit den heftigen Auseinandersetzungen zwischen faschistischen und Volksfrontgruppen im Land zusammenhängt.
Nach 12jährigem Exil kehrt König Georg II. nach Griechenland zurück. In Athen wird ihm ein triumphaler Empfang bereitet.

26.11.1935
Eine deutsche Regierungskommission trifft in Österreich ein, um eine deutsch-österreichische Vereinbarung über den Tausch von Schlachtvieh gegen Ruhrkohle in die Tat umzusetzen und das Vieh auszusuchen.
Etwa zwei Drittel der polnischen Arbeiter im Bergbau Oberschlesiens und ein Drittel der Stahlarbeiter beginnen einen dreitägigen Streik für kürzere Arbeitszeiten höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

27.11.1935
Hjalmar Schacht hält einen Vortrag bei Adolf Hitler über die wirtschaftlichen Bestimmungen gegen die Juden. Danach gewährte Hitler dem amerikanischen Journalisten und Präsidenten der "United Press", Mr. Hugh Baillie, ein Interview und erklärt: "Deutschland ist Bollwerk gegen den Bolschewismus und wird Propaganda mit Propaganda, Terror mit Terror und Gewalt mit Gewalt bekämpfen." Die Nürnberger Rassegesetze beschreibt der Führer als prodeutsch und nicht als antijüdisch.
In Berlin feiert die NS-Freizeitorganisation »Kraft durch Freude« ihren zweiten Jahrestag.
Nachdem es tagelang wegen der Unruhen in Brasilien nicht landen konnte, legt das deutsche Luftschiff »Graf Zeppelin« am Landemast in Pernambuco an. Mit 119 Stunden Nonstop-Flug stellt es damit unfreiwillig einen neuen Rekord auf.

28.11.1935
Die Reichsregierung vereinbart mit den Regierungen Argentiniens, Brasiliens und Chiles, die Gesandtschaften in den jeweiligen Hauptstädten in den Status von Botschaften zu erheben. Dieser symbolische Schritt soll die intensiver gewordenen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Lateinamerika illustrieren.
Der Gesundheitsausschuß des tschechoslowakischen Abgeordnetenhauses veröffentlicht in Prag ein Gutachten, demzufolge Kinder in den sudetendeutschen Gebieten des Staates überwiegend unterernährt sind. Ein hoher Prozentsatz der Kinder weist Folgekrankheiten wie Tuberkulose und Rachitis auf.

29.11.1935
Die Deutschlandhalle in Berlin wird in Gegenwart von Adolf Hitler eingeweiht. Die Mehrzweckhalle hat ein Fassungsvermögen von 20 000 Personen.

30.11.1935
Auf einer Pressetagung in Köln beschreibt Propagandaminister Joseph Goebbels die Aufgabe der deutschen Presse als "Dienstverhältnis zum Staat".
Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht warnt in Berlin vor der exzessiven Anwendung nationalsozialistischer Ideologie in der Wirtschaft. In einer Rede weist er darauf hin, dass in der planwirtschaftlichen "Erzeugungsschlacht" Agrarromantik, wie sie für die NS-Ideologie typisch ist, moderne Industrie nicht ersetzen könne.
Eine Vorabzensur aller Schriftstücke, die von der regimekritischen Bekennenden Kirche veröffentlicht werden oder zwischen Pfarreien zirkulieren, ordnet Reichskirchenminister Hanns Kerrl an.
Zum 17. Jahrestag der Gründung Jugoslawiens (1918) verfügt König Peter II. eine Amnestie für 1200 politische Gefangene.
Der griechische König Georg II. erlässt eine Amnestie für die Beteiligten der März-Revolte unter Eleftherios Weniselos. Gleichzeitig löst Konstantin Demerdzis Georg Kondylis als Ministerpräsident ab, der gegen die Amnestie war.

Die Deutschlandhalle ist eine der weltweit ältesten Veranstaltungsarenen dieser Dimension. Sie wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 als damals „größte Mehrzweckhalle der Welt" in Berlin nach Entwürfen der Architekten Franz Ohrtmann und Fritz Wiemer in nur neunmonatiger Bauzeit errichtet und am 29. November 1935 im Beisein vom Führer und Reichskanzler Adolf Hitler eingeweiht. Die mit 117 Meter lange und mit 83 Meter breite Stahlkonstruktion bietet ein Platzangebot für bis zu 10.000 Zuschauer; unter Ausnutzung aller Möglichkeiten passten fast bis zu 16.000 Menschen hinein.                

Der Reichsbauerntag in der Reichsbauernstadt Goslar am 10. November und die Rede von H. Goering und Joseph Göbbels

DEZEMBER 1935

1.12.1935
Lady Unity Mitford wird in die NSDAP aufgenommen. Adolf Hitler persönlich überreicht ihr persönlich ein spezielles Parteiabzeichen mit seinem Namenszug auf der Rückseite. Der Führer schenkte der jungen Engländerin außerdem ein Porträt mit persönlicher Widmung in einem Silberrahmen, welches Lady Mitford wie einen Schatz hütete.
Die Türkei, Iran, Irak und Afghanistan schließen einen Nichtangriffspakt ab.
In Paris wird die Kuppel des "Trocadero" gesprengt. Das in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts anlässlich der Weltausstellung entstandene Gebäude wird in der nächsten Zeit vollständig abgetragen. An seinem Standort wird mit dem Bau des Palais de Chaillot begonnen.

2.12.1935
Die Deutsch-Englische Gesellschaft (DEG) wurde von Joachim von Ribbentrop gegründet. Es war eine deutsche Organisation zur deutsch-britischen Verständigung. Sie war die deutsche Schwesterorganisation der britischen Anglo-German Fellowship. Bei den deutsch-englischen Jugendtreffen war in erster Linie an das wechselseitige und unbefangene Kennenlernen gedacht. Man veranstaltete deutsch-englische Jugendlager, Fahrten deutscher Gruppen nach England und englischer Gruppen nach Deutschland. Man knüpfte Verbindungen an mit englischen Jugendverbänden, Schulen und Universitäten. Es wurde eine eigene Zeitung, die Anglo-German Review, herausgegeben.
Im Zentralverlag der NSDAP erscheint Josef Goebbels "Der Angriff" wieder.
In Straßburg wird Marcel Bucard, Führer der rechtsradikalen "Francisten" in Frankreich, zusammen mit 110 Anhängern der Partei verhaftet. Damit reagieren die Behörden auf die zunehmende Kritik der Linksparteien an der nachgiebigen Haltung der Regierung Laval gegenüber paramilitärischen Vereinigungen.
Über 1000 Studenten demonstrieren m Kairo gegen die britische Afrikapolitik.

3.12.1935
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erlässt eine Weisung zur "Ertüchtigung der gesamten deutschen Jugend vom 10. bis zum 18. Lebensjahr außerhalb der Schule."
Nichtariern wird die Ausbildung zum Schwimmmeister vom Reichserziehungsminister versagt.
Die französischen Vertreter im marokkanischen Haushaltsausschuß beschließen, aus Protest gegen die Wirtschafts- und Finanzpolitik Frankreichs die Zusammenarbeit mit den französischen Verwaltungsbehörden einzustellen. Damit schließen sie sich den Klagen der Marokkaner an, die sich durch die restriktive Haushaltspolitik der Kolonialmacht Frankreich geknebelt fühlen. Die Politik der Franzosen führte zu drastischen Versorgungsschwierigkeiten der marokkanischen Bevölkerung bei wichtigen Lebensmitteln.

4.12.1935
Der Internationale Gerichtshof in Den Haag erklärt die Änderung des Danziger Strafgesetzbuches, das den Grundsatz "Kein Verbrechen ohne Strafe" eingeführt hat, für verfassungswidrig. Dieses Rechtsprinzip öffne der Richterwillkür "Tür und Tor".
Vor 72 000 Zuschauern gewinnt England in London ein Fußball-Länderspiel gegen Deutschland 3:0.

5.12.1935
Das Prager Gericht verurteilt den Führer der »Schwarzen Front«, Otto Strasser wegen Verstoßes gegen das Telegraphengesetz zu fünf Monaten Haft ohne Bewährung. Die revolutionär-nationalsozialistische Organisation hatte in Prag einen Schwarzsender installiert.
Franz Ritter von Epp, Leiter des Kolonialpolitischen Amtes der NSDAP, fordert in Hamburg die Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien. Es bestehe ein klarer Rechtsanspruch auf diese Gebiete, da die »koloniale Schuldlüge längst als Machwerk erkannt« sei.
Der Volksschullehrer Fritz Waechtler wird zum Gauleiter des Gaues Bayerische Ostmark ernannt. Gleichzeitig erfolgt seine Benennung zum kommissarischen Leiter des NS-Lehrerbundes.
Hans Steinhoff führte Regie in dem deutschen Film "Ammenkönig", der in Berlin uraufgeführt wird. Neben Gustav Knuth sind Käthe Gold und Richard Romanowsky in den Hauptrollen zu sehen.

6.12.1935
In Hamburg hält Preußens Ministerpräsident Hermann Göring eine Rede, in der er Aufrüstung und Lebensmittelknappheit im Deutschen Reich unmittelbar miteinander verknüpft: "Entweder kaufen wir Butter und verzichten auf die Freiheit oder aber wir erstreben die Freiheit und verzichten dann auf die Butter."
Adolf Hitler sendet ein Glückwunschtelegramm zum 86. Geburtstag von Generalfeldmarschall August von Mackensen.
Der tschechische Oberste Gerichtshof verurteilt in Prag acht Personen zu teilweise langjährigen Haftstrafen wegen Spionage für das Deutsche Reich. Die Hauptangeklagte, die 25jährige Anna Dienel, erhält 15 Jahre verschärfte Kerkerhaft.
Das französische Parlament nimmt nach mehrtägiger Debatte einen Gesetzentwurf zur Auflösung von sog. Wehrverbänden an. Darüber hinaus wird das Tragen von Waffen bei Demonstrationen unter Strafe gestellt. Damit wird auf die monatelangen bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken reagiert.
Der Operettenfilm "Im weißen Rößl" von Carl Lamac wird in Wien uraufgeführt. In der deutsch-österreichischen Gemeinschaftsproduktion spielen Christl Mardayn, Theo Lingen und Hermann Thimig die Hauptrollen.

7.12.1935
In Nürnberg wird in Anwesenheit von Führer und Reichskanzler Adolf Hitler zwei Tage lang der 100jährige Geburtstag der deutschen Eisenbahn gefeiert. Am 7. Dezember 1835 wurde die Linie Nürnberg-Fürth eröffnet.
Am "Tag der nationalen Solidarität" werden bei Straßensammlungen im ganzen Deutschen Reich für das Winterhilfswerk über 4 Mio. RM gespendet.
Verschiedene internationale Boykottbewegungen gegen die im Deutschen Reich stattfindenden XI. Olympischen Spiele 1936 gründen in Paris das antifaschistische "Comité international pour le respect de l'esprit Olympique" (Internationales Komitee zur Verteidigung des olympischen Gedankens)

8.12.1935
Der Dachverband der US-amerikanischen Leichtathleten, Boxer und Ringer beschließt auf seiner Jahresversammlung in New York die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Diese Entscheidung bedeutet eine Niederlage der internationalen Boykottbewegung.
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hält eine Ansprache vor der Ortsgruppe der NSDAP Landshut, die ihr 15-jähriges Bestehen feiert: "Wer den Mut hat, mit sieben Mann den Staat zu erobern, der hat auch den Mut und die Kraft und die Zuversicht, diesen Staat zu erhalten."
Im Deutschen Reich findet der zweite "Eintopfsonntag" zugunsten des Winterhilfswerkes statt. Allen Gaststätten ist vorgeschrieben, drei bestimmte Eintopfgerichte anzubieten.
Aufgrund der verstärkten antibritischen Studentenunruhen in Ägypten ermächtigt die ägyptische Regierung in Kairo die Polizei, in Menschenmengen hineinzuschießen. Außerdem verfügt sie die Schließung der Kairoer Universität sowie dreier anderer Hochschulen des Landes, die als Hauptunruheherde gelten.
Im Endspiel um den deutschen Fußball-Vereinspokal schlägt der 1. FC Nürnberg vor 55.000 Zuschauern in Düsseldorf Schalke 04 2:0. Der Wettbewerb wird 1935 zum ersten Mal ausgetragen.

9.12.1935
In London beginnt die zweite Flottenkonferenz, auf der u.a. die Hauptseemächte Großbritannien, USA, Japan, Frankreich und Italien über die Begrenzung der internationalen Flottenrüstung verhandeln.
Ein Rund-Erlass von Reichsinnenminister Wilhelm Frick macht den Ariernachweis für alle deutschen Beamten und deren Ehepartner verbindlich. Jüdische Beamte sollen vorzeitig in den Ruhestand versetzt werden.
Der britische Außenminister Samuel Hoare und der französische Ministerpräsident Pierre Laval schließen in Paris ein Abkommen, nachdem sich Großbritannien bereit erklärt, die Annexion großer Teile Abessiniens durch Italien zu dulden.
Bei Lille wird die erste französische Fabrik zur Herstellung von Benzin aus Kohle eingeweiht.
In Paris lesen deutsche Emigranten aus den Werken des im Konzentrationslager Papenburg-Esterwegen einsitzenden jüdischen Publizisten Carl von Ossietzky. Das Motto lautet: "Ossietzky antwortet Hamsun." Der norwegische Literaturnobelpreisträger Knut Hamsun, der in diesem Jahr der nationalsozialistischen Partei seines Landes beitrat, hat Ossietzky in Zeitungsartikeln mehrfach angegriffen und ihm unpatriotisches Verhalten vorgeworfen.

10.12.1935
Konrad Henlein, Vorsitzender der von der NSDAP unterstützten Sudetendeutschen Partei (SdP), beteuert in einer Rede vor dem Royal Institute of International Affairs in London die Unabhängigkeit seiner Partei von den Nationalsozialisten. Weiter beklagt er, dass die sudetendeutsche Minderheit in der Tschechoslowakei weiter massiv unterdrückt werde.
Bis heute müssen alle jüdischen Besitzer von Kinos, diese verkauft haben oder es droht ihnen der Konzessionsentzug.
Die königliche Akademie der Wissenschaften in Stockholm verleiht dem Deutschen Hans Spemann den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Die Franzosen Frédéric Joliot-Curie und seine Frau Irène bekommen den Preis für Chemie, der Brite James Chadwick den für Physik. Literatur- und Friedensnobelpreis werden in diesem Jahr nicht verliehen.
An der Warschauer Universität kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen polnischen und jüdischen Studenten. Die polnischen Studenten fordern, dass die Juden gesonderte Plätze einnehmen.

11.12.1935
In Berlin veröffentlichen 44 führende deutsche Politiker, meist NSDAP-Mitglieder, einen Appell an die deutschen Eltern, mindestens vier Kinder aufzuziehen. So sollen die Leistungen des NS-Staates für die Zukunft gesichert werden.
Die NS-Parteizeitung "Der Angriff" berichtet in einer groß aufgemachten Meldung von der Verhaftung des Berliner Domkapitulars Georg Banasch am 22. November wegen "dringenden Verdachts des Verrats von Staatsgeheimnissen".
Weil ein Abgeordneter bei einer Sitzung des belgischen Parlaments in Brüssel flämisch spricht, verlassen die französisch sprechenden Abgeordneten aller Parteien demonstrativ den Sitzungssaal. In Belgien schwelt seit der Staatsgründung 1830 der Konflikt zwischen dem flämischen Bevölkerungsteil und den französischsprachigen Wallonen.

12.12.1935
Auf Veranlassung des Reichsführers-SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, wird in Berlin der Verein „Lebensborn e.V.“ gegründet. Die Organisation war als eingetragener Verein rechtlich selbständig, um auch Eigentumsrechte an Heimen usw. erwerben und auch Nicht-SS-Angehörigen den Beitritt ermöglichen zu können. Finanziert wurde die Organisation durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Zentrale der Organisation hat ihren Standort in München, als Abteilung des von Himmler geleiteten Rasse-und Siedlungs-Hauptamts(RuSHA).
Der ägyptische König Fuad I. unterzeichnet in Kairo ein Dekret, durch das die parlamentarische Verfassung von 1923 wiederhergestellt wird.
In einem Erlass des Reichserziehungsministers wird Nichtariern das Theologiestudium versagt.

13.12.1935
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erörtert mit dem britischen Botschafter, Sir Eric Phipps, die Möglichkeiten etwaiger Rüstungsbeschränkungen und den französisch-englischen Vorschlag eines Luftpakts.
Durch ein Reichsgesetz wird das Fernsehen im Deutschen Reich der »Sicherung der Luftfahrt, des Luftschutzes und der Landesverteidigung« untergeordnet. Die Fernsehtechnik fällt in Zukunft in den Zuständigkeitsbereich der Reichspost.
Das Energiewirtschaftsgesetz stellt die deutschen Gas- und Elektrizitätsunternehmen sowie alle anderen Bereiche der Energiewirtschaft unter eine straffe Reichsaufsicht.

14.12.1935
Bei Wernigerode im Harz wird nach einjähriger Bauzeit die Zillertalsperre fertiggestellt. Sie ist 175 m lang und 54 m hoch.
Der Staatspräsident der Tschechoslowakei, Tomá Garrigue Masaryk, tritt im Alter von 85 Jahren von seinem Amt zurück.
Der US-amerikanische Schwergewichtsboxer Joe Louis schlägt seinen spanischen Herausforderer Paolino Uzcudun vor 20.000 Zuschauern im New Yorker Madison Square Garden durch technischen K. o. in der vierten Runde.

15.12.1935
Der Niederländer Max Euwe wird in Amsterdam Schachweltmeister. In insgesamt 30 Partien schlägt er den bisherigen Titelträger Alexandr Aljochin aus der UdSSR knapp.

16.12.1935
Der abessinische Kaiser Haile Selassie I. lehnt den Pariser Friedensplan für Ostafrika ab. Der sog. Laval-Hoare-Plan stelle eine Verletzung der Prinzipien des Völkerbundes dar und belohne den Angreifer Italien, heißt es in der Begründung.
In Hamburg wird das musikalische Lustspiel "Liebeslied" uraufgeführt. Unter der Regie von Fritz Peter Buch und Herbert B. Fredersdorf spielen u.a. Carola Höhn, Rudolf Platte und Paul Hörbiger.

17.12.1935
Adolf Hitler besichtigt die Kaserne der "Leibstandarte SS Adolf Hitler" in Berlin-Lichterfelde und hält sich mehrere Stunden dort auf. Am Nachmittag berichtete er eine Ansprache an "seine treuen Soldaten der Bewegung".
Das Mitglied der Reichsleitung der verbotenen Organisation "Rote Hilfe Deutschlands" (RHD), Rudolf Claus, wird in Berlin-Plötzensee amtlich getötet.
Das Reichsjustizministerium erlässt einheitliche Vorschriften für die 27 Sondergerichte im Deutschen Reich. Die Aufgabe der Gerichte sei u.a. die Abwehr "heimtückischer Angriffe staatsfeindlicher Elemente auf Staat und Partei". Es komme bei den Verfahren nicht darauf an, ob die Sondergerichte zuständig seien, sondern nur, ob die rasche Aburteilung von Bedeutung sei. Vor den Sondergerichten werden Schnellverfahren auch bei Straftaten abgehalten, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich von Amts- oder Landesgerichten fallen.
Ein Gericht in Siegen verurteilt einen katholischen Priester aus Kirchhundem zu vier Jahren Gefängnis wegen Angriffe gegen das NS-Regime. Diese Angriffe hätten in dem Ort eine anti-nationalsozialistische Stimmung geschürt und im Sommer zur Erschießung eines Mitglieds des Arbeitsdienstes geführt, heißt es in der Urteilsbegründung.
Die Douglas DC-3 startet zu ihrem Erstflug. Die Maschine der amerikanischen Fluggesellschaft American Airlines bietet bis zu 32 Passagieren Platz.

18.12.1935
In einer gemeinsamen Protestnote verurteilen Sozialdemokraten und Kommunisten in Paris die Hinrichtung des deutschen Kommunisten Rudolf Claus am 17. Dezember. Diese Erklärung ist das erste gemeinsam unterschriebene Dokument von führenden deutschen Sozialdemokraten und Kommunisten seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
Nach dem Rücktritt des tschechoslowakischen Staatspräsidenten Tomá Garrigue Masaryk wird Eduard Benes zu seinem Nachfolger im Amt gewählt.
In religiös-patriotischen Zeremonien in Norditalien schenken italienische Eheleute dem Staat ihre Eheringe als Beitrag zur Finanzierung des Abessinien-Feldzuges. Allein in der Provinz Triest kommen 40 000 Ringe zusammen.
In Tampa (US-Bundesstaat Florida) werden sechs Polizisten unter Mordanklage verhaftet. Sie haben den Arbeiterführer Joseph Shoemaker, der wegen des Verdachts kommunistischer Aktivitäten von der örtlichen Polizei verhört worden war, verprügelt, geteert und gefedert. Shoemaker starb an den Folgen dieser Mißhandlungen.

19.12.1935
Der Präsident der Reichsfilmkammer Oswald Lehnich, erlässt eine Anordnung, die deutschen Soldaten in Uniform den Kinoeintritt zum halben Preis gestattet.
Aufgrund des Reichsbürgergesetzes fordert die Fachgruppe Hochschullehrer des NS-Juristenbundes unter Vorsitz von Carl Schmitt, den Rechtsbegriff "Mensch" abzuschaffen, da er die Verschiedenheiten von Volksgenosse, Reichsbürger, Ausländer, Jude usw. verdecke und verfälsche.
Der deutsche Kriegs- und Abenteuerfilm "Henker, Frauen und Soldaten" wird in München uraufgeführt. Unter der Regie von Johannes Meyer spielen u.a. Hans Albers und Charlotte Susa.

20.12.1935
Reichskirchenminister Hanns Kerrl beruft ein Verwaltungskomitee für Kirchenan- gelegenheiten in vier preußischen Provinzen und in Sachsen. Damit wird der Kirche das Recht genommen, Verwaltungsaufgaben, wie die Ernennung von Pastoren, die Einberufung von Synoden usw. wahrzunehmen.
In Berlin gelangt der bayerische Schwank "Kirschen in Nachbars Garten" zur Uraufführung. In den Hauptrollen sind Karl Valentin, Liesl Karlstadt, Adele Sandrock und Rotraut Richter zu sehen. Regie führte Erich Engel.

21.12.1935
Alle jüdischen Ärzte an öffentlichen Krankenhäusern werden nach einer Durchführungsverordnung zu den Nürnberger Gesetzen zum Ausscheiden aus dem Krankenhausdienst gedrängt.
Der deutsche Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky begeht im schwedischen Exil Selbstmord. Die Nationalsozialisten hatten Tucholsky 1933 ausgebürgert.
Per Gesetzesdekret wird in Italien der Große Faschistische Rat zur obersten gesetzgebenden Körperschaft des Staates erhoben. Damit wird die von Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini wiederholt angekündigte Ausschaltung des Anfang 1934 neugewählten Parlaments vollzogen.
Alfred P. Sloan, Präsident der US-amerikanischen General Motors Corporation, kündigt ein Weihnachtsgeschenk in Höhe von 5 Mio. US-Dollar (12,35 Mrd. RM) für die Mitarbeiter seiner Firma an. Jeder der 200 000 Beschäftigten erhält zu Weinachten 25 Dollar (61,75 RM).
In Berlin findet die Uraufführung einer deutschen Filmversion von Henrik Ibsens Drama "Stützen der Gesellschaft" statt, das im norwegischen Werft- und Kleinstadtmilieu spielt. Unter der Regie von Detlef Sierck spielen Heinrich George und Maria Krahn die Hauptrollen.

22.12.1935
Der Reichsminister für Luftfahrt, Hermann Göring, warnt die deutschen Bauern vor dem "Hamstern" von Lebensmitteln. Immer wieder ist es in den letzten Wochen zum privaten Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen gekommen, wobei die vom deutschen Staat festgelegten Preise weit überschritten wurden. Die Gestapo werde rücksichtslos gegen die "Saboteure der Volksernährung"vorgehen, heißt es in der Erklärung Görings.
Nachfolger von Samuel Hoare wird der bisherige britische Minister für Völkerbunds- angelegenheiten, Robert Anthony Eden, neuer Außenminister Großbritanniens.

23.12.1935
In einer Rundfunkansprache erklärt Josef Goebbels den Sinn des Weihnachtsfestes: "Es ist ein christliches Fest. Aber dadurch, dass wir ihm einen so tiefen und innerlichen Sinn geben, auch im wahrsten Sinne des Wortes, ein nationalsozialistisches Fest!"
Der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg kündigt in einer Weihnachtsansprache im Radio eine umfangreiche Amnestie für politische Gefangene an. Von der Amnestie profitieren sowohl die Sozialisten, die an den Kämpfen im Februar 1934 beteiligt waren, als auch eine große Anzahl von Nationalsozialisten, die an dem Umsturzversuch im Juli 1934 mitgewirkt hatten.
Lilian Harvey, Willy Fritsch und Willy Birgel spielen die Hauptrollen in dem deutschen Spielfilm "Schwarze Rosen", der in Berlin uraufgeführt wird. Karl Heinz Martin führte Regie.
Der deutsche Spielfilm "Die weiße Hölle vom Piz Palü", eine Tonfassung des gleichnamigen Stummfilms aus dem Jahr 1929, wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Arnold Fanck spielt Leni Riefenstahl die Hauptrolle.

24.12.1935
Bei der Weihnachtsfeier der "alten Kämpfer" im Münchener Hotel Wagner, hält Adolf Hitler eine Ansprache in der er über vergangene und zukünftige Aufgaben des neuen Deutschen Reiches spricht.
Bei einem schweren Zugunglück in Groß-Heringen, Thüringen, sterben 33 Menschen, 17 Insassen werden verletzt.

25.12.1935
In seiner Münchner Wohnung empfängt Adolf Hitler die Regisseurin Leni Riefenstahl. Unter anderem sprechen die beiden über den Film, der während der Olympiade 1936 von Leni Riefenstahl gedreht werden soll.
Ein Brand zerstört fast die Hälfte des Pinienbestandes des Tafelbergs und den gesamten Baumbestand des Devil Peak in Südafrika. Wochenlange Trockenheit begünstigte die Ausbreitung der Flammen.

26.12.1935
Reichsinnenminister Wilhelm Frick erläßt eine zweite Erweiterungsverordnung zum »Reichsbürgergesetz«, nach der ehemalige jüdische Beamte nur noch »Staatsmitglieder« oder »Bürger zweiter Klasse« und nicht mehr »Reichsbürger« sind.

28.12.1935
In einer Rede vor dem französischen Parlament erklärt Ministerpräsident Pierre Laval, dass ohne eine Annäherung an das Deutsche Reich niemals eine Garantie für den Frieden gegeben sein werde.
Der Hochkommissar des Völkerbundes für jüdische und sonstige Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich, James G. MacDonald, reicht seinen Rücktritt ein. Als Grund für seine Demission gibt MacDonald die unüberschaubare Zunahme diskriminierender Maßnahmen gegen Juden im Deutschen Reich an. Das Hochkommissariat, mit dem er beauftragt worden sei, könne nichts Wesentliches für die Betroffenen tun.

29.12.1935
Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry startet zu einem Langstreckenflug Paris- Saigon, auf dem er 200 km vor Kairo notlanden muß. Erst nach fünftägigem Marsch durch die Wüste wird er gerettet.
Die sowjetische Regierung beschließt die Wiedereinführung des Weihnachtsbaumes. Damit er keine religiöse Bedeutung erhält, soll der Baum nicht zu Weihnachten, sondern erst am Silvestertag aufgestellt werden.

30.12.1935
Im UfA-Filmpalast findet, in Anwesenheit Adolf Hitlers, die offizielle Premiere von Leni Riefenstahls Film "Tag der Freiheit", der am 16. September beim Tag der Wehrmacht gedreht wurde, statt.
In der Sowjetunion werden alle Beschränkungen des Zugangs zu den Hochschulen und technischen Lehranstalten aufgehoben, die für Sowjetbürger aufgrund ihrer sozialen Stellung oder Herkunft bestanden.
Der deutsche Abenteuer- und Spionagefilm "Der höhere Befehl" wird in Berlin uraufgeführt. Lil Dagover, Karl Ludwig Diehl und Heli Finkenzeller spielen unter der Regie von Gerhard Lamprecht die Hauptrollen.

31.12.1935
Alle jüdischen Beamten einschließlich der Frontkämpfer werden aufgrund einer Verordnung zu den Nürnberger Gesetzen entlassen.
Das Reichspropagandaministerium in Berlin verfügt ein Verbot jeglicher Werbung im Rundfunk.

die sozialen Errungenschaften im Deutschen Reich waren einzigartig und es gab auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares

Rudolf Hess

Heinz Linge

Hans Baur

Heinrich Hoffmann

Wilhelm Brückner

Pola Negri

Paul Hartmann

Richard Romanowsky

Gustav Knuth

Knut Hamsun

Carl von Ossietzky

Hans Spemann

Boxchampion Joe Louis

Carl Schmitt

Der Eintopfsonntag (ab 1940 Opfersontag) wurde in Deutschland am 1. Oktober 1933 als ein Zeichen der Solidarität innerhalb der Volksgemeinschaft eingeführt. Am zweiten Sonntag der Monate Oktober bis März sollten in allen deutschen Haushalten nur Eintopf gegessen werden. Die Differenz zwischen den Kosten für das sonst übliche Sonntagsessen und dem für Eintopf nötigen Aufwand, generell mit 50 Pfennig veranschlagt, kam  dem  kurz  zuvor  gegründeten Winterhilfswerk zugute.

Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen