Chronik des Nationalsozialismus September / Oktober 1933

Die Reichsparteitage der NSDAP 1927, 1929 und 1933       1933 - Der Sieg des Glaubens von Leni Riefenstahl

SEPTEMBER 1933

1.9.1933
Bei der Eröffnung des Parteikongresses in Nürnberg wird die Proklamation Adolf Hitlers durch Adolf Wagner verlesen. Hitler ist persönlich im Kongresssaal anwesend. Bei der Kulturtagung ergreift Adolf Hitler selbst das Wort und verbreitet sich ausführlich über Wesen und Aufgaben von Kunst.
Der bayrische Ministerrat hat dem Ministerpräsidenten Göring 10.000 Quadratmeter Staatsgelände auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden, wo auch der Sommersitz des Reichskanzlers liegt, zur Verfügung gestellt, damit der Ministerpräsident sich dort ein Haus errichten und in den von ihm geliebten Bergen weilen könne. Göring hat die Ehrengabe dankend angenommen.
Gegen den früheren Reichslandwirtschaftsminister a. D. Dr. Andreas Hermes hat jetzt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen fortgesetzter Untreue erhoben. Hermes ist beschuldigt, Gelder, die zur Unterstützung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens bestimmt waren, bestimmungswidrig verwandt zu haben.
Die gesamte deutsche Polizeibeamtenschaft ist von heute ab in einem einheitlichen großen Verbande, dem Kameradschaftsbund Deutscher Polizeibeamten zusammen gefaßt; die bisherigen zahlreichen Polizeibeamten-Verbände Deutschlands haben mit dem heutigen Tage zu bestehen aufgehört.
Der frühere Professor der Technischen Hochschule Hannover, Theodor Lessing, ist in Marienbad Opfer eines Mordanschlags geworden.
Professor Edmund Forster wird vom Kultusministerium ein Schreiben vorgelegt: "Auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufbeamtentums vom 7. April 1933 sehe ich mich veranlasse den ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der dortigen Universität Dr. E. Forster, bis zur endgültigen Entscheidung mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt zu beurlauben." Für Forster droht Gefahr.
In Österreich beginnt die Aufstellung des "Freiwilligen Assistenzkörpers". Hierbei handelt es sich um 8000 Wehrmänner, die sich freiwillig zu einer halbjährigen Ausbildung melden. Damit erhöht sich der Stand des Bundesheeres auf die im Friedensvertrag von 1919 erlaubten 30 000 Mann.

2.9.1933
Adolf Hitler erklärt Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage". Von stärkstem Eindruck sind die gewaltigen Aufmärsche
und brillanten Masseninszenierungen des Arbeitsdienstes, der Hitler-Jugend, der Politischen Leiter, der SA und der SS
in Nürnberg an diesen Tagen. Neben den Massenaufmärschen fanden in der Parteitagswoche u. a. im Opernhaus und
in der alten Kongresshalle Vortragsveranstaltungen von prominenten Parteiführern vor NSDAP-Anhängern statt. Am
Nachmittag des 4. Tages waren es 60.000 Hitlerjungen, denen der Führer zurief: "Ihr seid das lebende Deutschland
der Zukunft." Beschlossen wurde der Tag mit dem »gewaltigsten Feuerwerk der Welt«, wie es in dem offiziellen
Parteitagsführer hieß. 30 Pyrotechniker hatten ein Feuerzauber mit 70.000 Explosionen innerhalb einer Stunde
vorbereitet. Auf persönlichen Wunsch Adolf Hitlers wurde die Regisseurin Leni Riefenstahl damit beauftragt,
den "Parteitag des Sieges" filmisch zu dokumentieren. Sie probiert in ihrem Film "Sieg des Glaubens" die
Gestaltungsmöglichkeiten des Films für Propaganda aus. Die Uraufführung fand am 1. Dezember 1933 statt.

























Auf der Zeppelinwiese im Reichsparteitagsgelände macht Adolf Hitler die angetretenen 150.000 Amtswalter der NSDAP für die Erziehung der deutschen Menschen zu einem "Volk mit einer Idee und einer Willensäußerung" verantwortlich. In einer Ansprache an Ehrengäste des diplomatischen Korps erklärt Adolf Hitler: "(…) es würde mich freuen, wenn die Herren von Nürnberg den Eindruck mitnehmen würden, dass die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland nicht Zwang oder gar Tyrannei sei, sondern dass hier die Volksstimme wirklich zum innersten und tiefsten Ausdruck komme." Den aufmarschierten Hitlerjungen ruft er zu: "Ihr, meine Jungen, ihr seid das lebende Deutschland der Zukunft, nicht eine leere Idee, kein blasser Schemen, sondern ihr seid Blut von unserem Blute, Fleisch von unserem Fleisch, Geist von unserem Geist, ihr seid unseres Volkes Weiterleben." Allein der Umfang der technischen Vorbereitung zeigt die Gigantomanie der Massenveranstaltung: Zum Schmuck der Festhalle werden 20.000 Meter Deko-Stoff, 1,5 Kilometer Girlanden und 15 Wagenladungen Blumen benötigt. 340 Sonderzüge bringen die Teilnehmer nach Nürnberg.


2.9.1933
Adolf Hitler erklärt Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage". Von stärkstem Eindruck sind die gewaltigen Aufmärsche
und brillanten Masseninszenierungen des Arbeitsdienstes, der Hitler-Jugend, der Politischen Leiter, der SA und der SS
in Nürnberg an diesen Tagen. Neben den Massenaufmärschen fanden in der Parteitagswoche u. a. im Opernhaus und
in der alten Kongresshalle Vortragsveranstaltungen von prominenten Parteiführern vor NSDAP-Anhängern statt. Am
Nachmittag des 4. Tages waren es 60.000 Hitlerjungen, denen der Führer zurief: "Ihr seid das lebende Deutschland
der Zukunft." Beschlossen wurde der Tag mit dem »gewaltigsten Feuerwerk der Welt«, wie es in dem offiziellen
Parteitagsführer hieß. 30 Pyrotechniker hatten ein Feuerzauber mit 70.000 Explosionen innerhalb einer Stunde
vorbereitet. Auf persönlichen Wunsch Adolf Hitlers wurde die Regisseurin Leni Riefenstahl damit beauftragt,
den "Parteitag des Sieges" filmisch zu dokumentieren. Sie probiert in ihrem Film "Sieg des Glaubens" die
Gestaltungsmöglichkeiten des Films für Propaganda aus. Die Uraufführung fand am 1. Dezember 1933 statt.

























Auf der Zeppelinwiese im Reichsparteitagsgelände macht Adolf Hitler die angetretenen 150.000 Amtswalter der NSDAP für die Erziehung der deutschen Menschen zu einem "Volk mit einer Idee und einer Willensäußerung" verantwortlich. In einer Ansprache an Ehrengäste des diplomatischen Korps erklärt Adolf Hitler: "(…) es würde mich freuen, wenn die Herren von Nürnberg den Eindruck mitnehmen würden, dass die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland nicht Zwang oder gar Tyrannei sei, sondern dass hier die Volksstimme wirklich zum innersten und tiefsten Ausdruck komme." Den aufmarschierten Hitlerjungen ruft er zu: "Ihr, meine Jungen, ihr seid das lebende Deutschland der Zukunft, nicht eine leere Idee, kein blasser Schemen, sondern ihr seid Blut von unserem Blute, Fleisch von unserem Fleisch, Geist von unserem Geist, ihr seid unseres Volkes Weiterleben." Allein der Umfang der technischen Vorbereitung zeigt die Gigantomanie der Massenveranstaltung: Zum Schmuck der Festhalle werden 20.000 Meter Deko-Stoff, 1,5 Kilometer Girlanden und 15 Wagenladungen Blumen benötigt. 340 Sonderzüge bringen die Teilnehmer nach Nürnberg.


3.9.1933
Nach dem Appell der SA- und SS-Männer im Luitpoldhain weiht Adolf Hitler die neuen Fahnen und Standarten der SA und SS durch Berühren mit der sog. "Blutfahne" vom 9. November 1923 (Hitlerputsch). Am Nachmittag nimmt Hitler den Vorbeimarsch der SA- und SS-Formationen auf dem Adolf-Hitler-Platz in Nürnberg ab. Schlussrede vor dem Parteikongress, wo er u.a. sagt: "Der Kommunismus ist nicht eine höhere Entwicklungsstufe, sondern er ist die primitivste Ausgangsform der Volks- und Staatenbildung (...) Wenn in West- oder Mitteleuropa erst ein Volk dem Bolschewismus verfällt, wird dieses Gift weiter fressen und das heute älteste und schönste Kulturgut der Erde verwüsten, indem Deutschland diesen Kampf auf sich genommen hat, erfüllt es nur, wie schon so oft in seiner Geschichtet eine wahrhaft europäische Mission." Der am 30. August eröffnete Reichsparteitag der NSDAP geht zu Ende.
In der Lutherstadt Wittenberg wird die erste deutsche evangelische Nationalsynode der deutschen Christen eröffnet.
Im ›Börsenblatt‹ wirbt der Reichsstand des Deutschen Handels: "Die Führung des Reichsstandes des Deutschen Handels erwartet von jedem deutschen Kaufmann, daß er Neueinstellungen von Angestellten vornehmlich aus den Kreisen der SA und SS vornimmt."
In Rom wird ein Freundschafts- und Nichtangriffspakt zwischen Italien und der Sowjetunion unterzeichnet.
Auf der Schlußsitzung des am 21. August eröffneten 18. Zionistenkongresses in Prag wird der polnische Jude Nahum Sokolow als Präsident der Zionistischen Weltorganisation bestätigt. Zuvor hatte sich der Kongress zwecks Wiederherstellung der Rechte der deutschen Juden an den Völkerbund in Genf gewandt.

4.9.1933
Die Landesstelle Baden-Württemberg für Volksaufklärung und Propaganda beabsichtigt der "Ersten nationalsozialistischen Grenzland Werbemesse" eine Ausstellung "Deutsche Revolution" anzugliedern, welche eine Übersicht über den nationalsozialistischen Kampf geben soll. Sie bittet daher alle Gliedrungen der Partei, alle Parteigenossen, SA- und SS-Männer, welche Erinnerungsstücke aus diesem Kampf besitzen, ihr diese für die Ausstellung ganz oder leihweise zur Verfügung zu stellen.
Bei einer Fahndung nach kommunistischem Material fand das Kommando z.b.V. auf zwei Böden eines Hauses in Barmbek einen großen Vervielfältigungsapparat modernsten Typs, mehrere hundert Flugblätter, die das Kommando z.b.V. betrafen. Akten, Bücher und Schriften marxistischen Inhalts und ein 9-mm-Gewehr. Die Gegenstände wurden beschlagnahmt.
In den preußischen Verwaltungsgerichten wird auf Weisung des Innenministeriums zu Beginn und Ende der Verhandlung der Hitler-Gruß eingeführt.
In den USA tritt eine Verordnung der von der Regierung eingesetzten National Recovery Administration in Kraft, mit der die Erwerbsarbeit von Personen unter 16 Jahren verboten wird. In den USA sind rund 200 000 Kinder, vor allem in Webereien, berufstätig.
Bei einem Großfeuer im Duisburger Hafen ist ein großes Lagerhaus der Rheinmilch- Speditionsgesellschaft abgebrannt. Die Feuerwehren mussten sich darauf beschränken die Nachbargrundstücke zu schützen da das Lagerhaus nicht mehr zu retten war.

5.9.1933
In Berlin beginnt die zweitägige 10. Generalsynode der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. Sie billigt gegen das Votum der Gruppe "Evangelium und Kirche" die Schaffung des Bischofsamtes für die Union, die Gliederung der Landeskirche in zehn Bistümer und die Einführung eines Arierparagraphen.
Reichskanzler Adolf Hitler besucht in Begleitung von Hermann Göring die Manöver der 5. Reichswehrdivision in Ulm, die bis zum 6. September dauern.
Der Reichsgrundbesitzerverband erläßt an seine Mitglieder einen Aufruf, dem Beispiel der ostpreußischen Landbesitzer zu folgen und freiwillig Land für Siedlungszwecke unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.
In Berliner Dom fand die Weihe der 600 Vereinsfahnen des Gaus Brandenburg im deutschen Leichtathletik- und Handballverband statt. Der Stellvertretende Reichsleiter der Glaubensbewegung der Deutschen Christen, Pfarrer Fritz Loerzer, Kampfflieger und früherer Wettkämpfer auf dem Rasen, appellierte, in Anwesenheit des Kronprinzen Wilhelm von Preußen, des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten, des Gruppenführers Karl Ernst, des Geschäftsführers des Reichssportringes Mildner und der Vertreter der Regierung, an die Jugend, den Sport zu pflegen in dem Gedanken an das Vaterland als kostbarstes Gut.
Zwischen der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und der obersten SA-Leitung ist eine Vereinbarung getroffen worden, wonach für Einstellungen bei der Reichsbahn Angehörige nationaler Verbände in erster Linie berücksichtigt werden.
Der Stuttgarter Oberbürgermeister, Karl Strölin, ersucht die städtischen Beamten, ihre Frauen zu veranlassen, daß sie sich nicht mehr der Amtsbezeichnung ihres Mannes bedienen und sich auch nicht mit der Amtsbezeichnung ihres Mannes anreden lassen, da diese nur dem Beamten zusteht, nicht aber seiner Frau.
Reichskanzler Adolf Hitler hat die Patenschaft für das zwanzigste Kind der Landwirtsfamilie Höhnke in Ungersheim (Oberbayern) übernommen.
Die Hamburger Polizei nahm 40 Mitglieder einer Einbrecherbande fest, die seit 2 Jahren zahlreiche Wohnungs- und Geschäftseinbrüche ausgeführt hat.
In Sonneberg wurde zur Bekämpfung der Schwarzarbeit ein Handwerker-Pass eingeführt, den nur anerkannte Berufsfachleute erhalten. Auch die kleinste Arbeit soll nur an Handwerker vergeben werden, die diesen Pass haben.
Der Treuhänder der Arbeit für Schlesien, Dr. Leopold Nagel, ordnet an, dass die sogenannten Überwachungsausschüsse zur Kontrolle der Arbeitsbedingungen, lediglich Unterstützungsorgane des Treuhänders sind und dessen Weisungen genau innezuhalten haben.
Die russische Regierung hat der polnischen Regierung die Polizeiakten über die frühere Betätigung des Marschalls Pilsudski in der revolutionären russischen Bewegung ausgehändigt und hat dafür Polizeiakten und Dokumente aus dem polnischen Archiven über den Aufenthalt Lenins in Krakau und Zakopane erhalten.
Der Journalist Edgar Anselm Mowrer erklärt seinen Rücktritt von der Führung des Vereins der ausländischen Presse in Berlin. Der Korrespondent der "Chicago Daily News", der seinen Posten in Berlin aufgrund einer Intervention der Reichsregierung hatte räumen müssen, war wiederholt als Kritiker der NS-Pressepolitik hervorgetreten. Mowrer ruft seine Kollegen auf, lieber Berlin zu verlassen, als eine Einschränkung ihrer Berichterstattung zu dulden.
Die Ford Motor Company erhöht die Mindestlöhne ihrer Arbeiter um 20%, weigert sich aber weiterhin, das für die Automobilbranche zwischen Unternehmern und Regierung ausgehandelte Statut zu unterzeichnen.

6.9.1933
Die Reform des deutschen Bankwesens, seit langem gefordert, soll endlich in Angriff genommen werden. Bevor es aber an die Reform gehen kann, muß man sich über die Ziele klar sein. Die nötigen Vorarbeiten soll eine große Banken-Enquete leisten, die von Reichsbankpräsident Schacht feierlich eröffnet wurde.
Die Deutschnationale Volkspartei in der Freien Stadt Danzig wird vom Senatspräsident Dr. Hermann Rauschning aufgelöst.
Die Nationalsynode beschließt die Übertragung sämtlicher Vollmachten der Generalsynode auf einen Kirchensenat, der den Leiter der "Deutschen Christen", Joachim Hossenfelder, zum Bischof von Brandenburg beruft.
Ein Flugzeugunglück in der Nähe von Moskau forderte acht Todesopfer, unter denen die prominentesten Persönlichkeiten des Sowjet Russisch und Luftfahrtwesens waren. Unter den Verunglückten befanden sich der Leiter der Flugzeugindustrie, Baranow, der Chef der zivilen Luftfahrt, Golzmann mit Frau, ferner sein Stellvertreter, Petrow, und der Chef des Flugzeugkonstruktionswerk lll, Gorbunow.
Der Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk und der Reichsarbeitsminister Franz Seldte ordnen an, dass aus Anlass der Verpfändung von Steuergutscheinen, Landessteuer nicht erhoben werden dürfen. Es handelt sich dabei um die Landesstempelsteuern, die sonst bei Verpfändungen zu erheben waren.
In England beträgt die Zahl der Arbeitslosen insgesamt 1.843.517. Das sind 450.000 weniger als zur selben Zeit im Vorjahr.
Neue Unruhen in Kuba: Die Stadt Havanna und sämtliche Garnisionen sind fest in der Hand der revolutionäre, die einem fünfköpfigen Rat die Vollzugsgewalt übertragen haben. Bisher ist der Staatsstreich völlig unblutig verlaufen, doch man befürchtet jeden Augenblick Ausschreitungen der erregten Bevölkerung.

7.9.1933
Im deutschen diplomatischen Dienst findet eine umfangreiche Umbesetzung statt. Neu besetzt werden u.a. die Vertretungen in Bern (Ernst Freiherr von Weizsäcker, vorher Oslo), Mexico (Rüdt von Collenberg-Bödigheim, vorher Shanghai) Tokio (Herbert von Dirksen, vorher Moskau) und Moskau (Rudolf Nadolny, Leiter der deutschen Delegation auf der Genfer Abrüstungskonferenz).
Die Deutsche Gesellschaft für Vererbungswissenschaft begann in Göttingen ihren diesjährigen auf drei Tage vorgesehenen Kongress. Neben Referaten über Artdifferenzierung und Fruchtbarkeitsproblemen im Pflanzenreich, gibt es mehrere Vorträge über die Erbgesetzmäßigkeit bei Menschen.
Die Grenzmark Posen-Westpreußen ist frei von Arbeitslosen, was der Oberpräsident Wilhelm Kube dem preußischen Minister des Inneren gemeldet hat.
Nach dem Rücktritt des Journalist Edgar Anselm Mowrer wurde in einer ausserordentlichen Generalversammlung des "Vereins der ausländischen Presse in Berlin" der Berliner Vertreter der Londoner Times, Norman Ebbut zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Das Schwurgericht beim Düsseldorfer Landgericht verurteilt neun Anhänger der KPD, wegen der Ermordung des SA-Mannes Kurt Hilmer und wegen Mordversuchs an einem weiteren SS-Mann am 20. Juni 1932 in Erkrath, zum Tode.
Das Hörspiel "Erbkrank - Erbgesund" wird heute in der "Stunde der Nation" unter der Regie des Dramaturgen Otto Heinz Jahn über alle Sender gehen. Das rassenhygienische Lehr- und Hörspiel, hat Konrad Dürre auf Veranlassung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda nach dem II. Akt seines rassenhygienischen Schauspiels "Am Erbstrom des Volkes" verfaßt.
In Wien wird ein 210seitiges "Braunbuch" fertiggestellt, das chronologisch alle Gewalttaten der NSDAP in Österreich dokumentiert.
Der neue Militäraufstand auf Kuba hat die amerikanische Regierung veranlasst, zudem bereits nach Havanna entsandten vier Kriegsschiffen jetzt noch das Schlachtschiff Mississippi mit 1200 Marinesoldaten zu mobilisieren, für den Fall dass amerikanische Interessen geschützt werden müssen.
Die seit Wochen in England herrschende Trockenheit hat zu verheerenden Heidebränden geführt. Tausende Soldaten mit Gasmasken mussten ausrücken und den örtlichen Feuerwehren bei der Brandbekämpfung helfen.

8.9.1933
Reichskanzler Adolf Hitler empfing auf dem Obersalzberg den Reichsernährungsminister Walter Darre, den mecklenburgischen Ministerpräsidenten Walter Granzow, die Staatssekretäre Wilhelm Meinberg und Herbert Backe sowie die Herren Dr. Reichle und Alexander von Brandenstein-Zeppelin zu einer Besprechung über aktuelle agrarpolitische Fragen.
Massen-Kundgebung der Postbeamten: Die Reichsfachgruppe Post im Deutschen Beamtenbund, mit mehr als 260 000 Postbeamten, veranstaltet im Sportpalast ihre erste öffentliche Kundgebung, die einen besonders feierlichen Rahmen durch das Hörnerblasen zweier Postillone in alten Uniformen erhielt. Der Reichsfachgruppenleiter, Oberpostinspektor Schneider, erklärte, daß die Kundgebung ein Bekenntnis zum großen Gedanken der Volksgemeinschaft sei.
Die Rede des stellvertretenden Führers des Gesamtverbandes der deutschen Arbeiter, Ludwig Brucker, über die Sozialpolitik im neuen Deutschland, wird veröffentlicht: Das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird grundlegend umgestaltet. Es stehe nicht mehr das materielle Interesse beider im Vordergrund, sondern die Treuepflicht zueinander und die Pflicht zur Arbeit und zum Dienst am Gesamtwohl des Volkes. (…)
Der Präsident des neugegründeten Reichseinheitsverbandes des Gaststättengewerbes, Goerke-Berlin, wies in seiner Festrede darauf hin, daß aus den zahlreichen Einzelorganisationen nun der Einheitsverband geschaffen worden sei. Seine Aufgabe sei es vor allem, das Gewerbe aus dem vernichtenden Steuerdruck herauszuführen, erträgliche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und eine Säuberung des Gewerbes vorzunehmen.
Die Hamburg-Amerika-Linie (Hapag) und der Norddeutsche Lloyd in Bremen vereinbaren die Zusammenlegung des Fracht- und Passagierverkehrs nach Nordamerika.
Der Heilige Rock von Trier ist bisher von 2 Millionen Pilgern besichtigt worden. Am Samstag endet der Vorbeimarsch der Pilger und der Heilige Rock wird vom Bischof von Trier wieder verhüllt.
Der preußische Justizminister Kerrl hat die politische und organisatorische Leitung des Kreises Peine der NSDAP, die er jahrelang innehatte, wieder übernommen und wird in regelmäßigen Abständen nach Peine fahren.
Der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Kurt Melcher, hat um seine Beurlaubung gebeten, die ihm Ministerpräsident Göring auch gewährt hat. Gleichzeitig ernannte er ihn zum preußischen Staatsrat. Sein Nachfolger als Oberpräsident von Sachsen wird SA-Obergruppenführer Curt von Ulrich.
Das Thüringer Innenministerium hat alle Impfgegnervereine und den Impfgegner-Ärztebund aufgelöst und verboten. Jede öffentliche impfgegnerische Maßnahme wird für strafbar erklärt.
Auf den Oberwerken in Stettin ist der größte deutsche Eisbrecher vom Stapel gelaufen. Er ist 52 m lang, 14 m breit und hat einen Tiefgang von 5,40 m. Die Maschine leistet maximal 2250 PS.
Nach langwierigen Ermittlungen ist es dem Dezernat für Geschäftseinbrüche im Polizeipräsidium gelungen, eine lang gesuchte Einbrecher- und Hehlerbande festzunehmen, als dessen Anführer der aus Kattowitz stammende 47-jährige Alexander Ziemba anzusehen ist.
Der Vertrieb der "Neuen Zürcher Zeitung" im Deutschen Reich wird für zwei Wochen untersagt. Der Schweizer Bundesrat beauftragt seinen Gesandten in Berlin, Minister Paul Dinichert, gegen die häufigen Vertriebsverbote von Schweizer Presseorganen Protest einzulegen.

9.9.1933
Adolf Hitler erteilt der Stadtverwaltung Berlin den Auftrag, eine repräsentative Nord-Süd-Achse zu entwerfen. Er verspricht jährlich 40 Millionen Reichsmark für städtebauliche Maßnahmen in Berlin bereitzustellen.
In den Räumen der Deutschen Kolonial-Ausstellung des Reichskolonial-Bundes fand anläßlich des 80. Geburtstages des verstorbenen Reichskommissars Major Hermann von Wissmann eine schlichte Gedenkfeier statt. Der Präsident des Reichskolonial-Bundes, Gouverneur z.D. Dr. Schnee, leitete die Feier mit einer Ansprache ein, in der er die Verdienste des großen Afrikaforschers würdigte.
Der erste Reichskongreß der "Deutschen Bühne", die heute die einzige Theaterbesucher-Organisation darstellt, wurde in Eisenach eröffnet. Der Leiter der "Deutschen Bühne", Dr. Stang, erklärte der Reichsverband wolle als lebendiges Glied der nationalsozialistischen Bewegung wirken.
Auf Weisung des preußischen Kultusministers Bernhard Rust werden nichtarische externe Bewerber, die sich selbständig vorbereitet haben, zur Abiturprüfung nicht mehr zugelassen.
Der Deutschlandsender kritisiert den in Belgien lebenden Physiker Albert Einstein wegen dessen Erklärung, als belgischer Staatsbürger würde er sehr wohl sein Land verteidigen wollen.
Der frühere Generaldirektor der ostpreußischen Landschaft, Walter von Hippel, wurde erneut wegen Untreue zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Dies ist der dritte Prozess der gegen Hippel geführt wurde.
Die spanische Regierung Azane, die beim Volk kein Vertrauen mehr hatte, weil sie ganz unter dem Einfluss der Sozialdemokraten stand, ist zurückgetreten. Wahrscheinlich wird der Führer der radikalen Partei, Alejandro Lerrour Garcia, ein bürgerliches sozialistenfreies Kabinett bilden.
Bei Luftmanövern des polnischen Heeres sind in der Nähe von Kielce zwei Militärflugzeuge in der Luft zusammengestoßen. Beide stürzten ab, und alle vier Insassen waren tot.
Während ein hoher Beamter der britisch-indischen Regierung mit seiner Frau das britische Militärlazarett in Puma besuchte, legten ihm Unbekannte die Leiche eines an der Pest gestorben Kindes in seinen Wagen. Weil die Pest in dieser Gegend Indiens wieder aufflackert, lassen sich sämtliche Europäer impfen.
Auf einer der kleinen japanischen Inseln wurde durch den Ausbruch eines unterseeischen Vulkans die Stadt Rapu fast völlig zerstört. Nach bisherigen Angaben sind 70 Menschen getötet worden.
König Feisal von Irak ist in der Nacht in Bern an einem Herzschlag gestorben. Der Araberfürst ist nur 49 Jahre alt geworden. Sein ältester Sohn Ghazi I. folgte ihm auf dem Thron.

Fest der Deutschen Schule: Eine Riesenlandkarte des deutschen Vaterlandes wird auf dem Rasen des Grunewald-Stadions von der Jugend dargestellt. Aus der Vielgestaltigkeit entwickelt sich zum Schluß – als Symbol des neuen Reiches – ein Hakenkreuz. 30.000 Schülerinnen und Schüler waren Wochen hindurch tätig, um das Bewegungs-Festspiel und die sportlichen Wettkämpfe vorzubereiten, damit der Tag ein unvergeßliches Erlebnis werden kann. 15.000 jugendliche Sänger werden vertraute Heimatklänge ertönen lassen. Noch nie ist ein so großer Jugend-Chor in Deutschland aufgetreten. Es gilt den "Tag des deutschen Volkstums" zu begehen, als Zeichen der Verbundenheit aller Deutschen - gleich, wo sie wohnen. Der Tag gilt den Auslandsdeutschen, die unter so schwierigen Umständen ihre Treue zur Heimat wahren. Darum flattern nicht nur im Deutschen Stadion und auf allen Schulen die Fahnen. Auch Berlins Bevölkerung wird die Flaggen des Reiches zeigen als Gruß für die Volksgenossen, die jenseits der Grenzen sind.                   

Fest der Deutschen Schule: Eine Riesenlandkarte des deutschen Vaterlandes wird auf dem Rasen des Grunewald-Stadions von der Jugend dargestellt. Aus der Vielgestaltigkeit entwickelt sich zum Schluß – als Symbol des neuen Reiches – ein Hakenkreuz. 30.000 Schülerinnen und Schüler waren Wochen hindurch tätig, um das Bewegungs-Festspiel und die sportlichen Wettkämpfe vorzubereiten, damit der Tag ein unvergeßliches Erlebnis werden kann. 15.000 jugendliche Sänger werden vertraute Heimatklänge ertönen lassen. Noch nie ist ein so großer Jugend-Chor in Deutschland aufgetreten. Es gilt den "Tag des deutschen Volkstums" zu begehen, als Zeichen der Verbundenheit aller Deutschen - gleich, wo sie wohnen. Der Tag gilt den Auslandsdeutschen, die unter so schwierigen Umständen ihre Treue zur Heimat wahren. Darum flattern nicht nur im Deutschen Stadion und auf allen Schulen die Fahnen. Auch Berlins Bevölkerung wird die Flaggen des Reiches zeigen als Gruß für die Volksgenossen, die jenseits der Grenzen sind.                   

10.9.1933
Elsa Bruckmann erhält von Adolf Hitler das "Goldene Parteiabzeichen". Sie war eine der wichtigsten gesellschaftlichen Förderin Hitlers, die ihm auch wertvolle wirtschaftliche Kontakte verschaffte.
Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda hat die Bezeichnung Reichswalzer untersagt, weil durch sie unrichtigerweise der Anschein erweckt wird, als wenn dieser Tanz von reichswegen gefördert oder anerkannt werde.
Der Arbeitsmarkt für Angestellte stand in den Monaten Mai bis Juli im Zeichen beginnender Besserung. Besonders im Juli zeigte sich nicht nur der Rückgang der Zahl der Arbeitslosen, auch der Neuzugang war wesentlich geringer.
In Leipzig fand aus Anlass des Zweiten mitteldeutschen Landwirtschaftsmarktes, der sächsische Bauerntag statt. Vor mehr als 8000 Bauern sprach als Vertreter des Reichsbauernführers Darre, der Präsident des Reichslandbundes, Staatsrat Meinberg.
Der Generaldirektor der Reichsbahn, Dorpmüller, hat den Eisenbahnern seinen Dank für die anlässlich des Nürnberger Reichsparteitages erbrachten Leistungen in einem Erlass ausgesprochen.
Das Landgericht Bremen verurteilte zwei Angeklagte, weil sie versucht haben sechs Kilo Morphium auf den Lloyd-Dampfer "Bremen" nach New York zu schaffen. Der Kaufmann Luis Schramm erhielt zwei Jahre Gefängnis und der Landwirt Meyer-Stromfeld eineinhalb Jahre.
Wegen eines besonders schweren Falles der Verbreitung von Greuelnachrichten verurteilte gestern das Sondergericht den 38 Jahre alten Schuhmachermeister Anton Schneeberger aus Potsdam zu der Höchststrafe von 2 Jahren Gefängnis.
Beim Automobilrennen um den Großen Preis von Monza verunglücken die beiden Italiener Giuseppe Campari und Mario Borzacchini sowie der in Paris lebende polnische Graf Stanislaus Czaykowski tödlich.
In Turin enden die am 1. September eröffneten 5. Akademischen Sportspiele. In der Gesamtwertung der leichtathletischen Wettbewerbe rangiert die deutsche Vertretung unter zwölf Nationen mit 126 Punkten vor Italien (80) und Ungarn (47) auf Platz eins.

11.9.1933
Der frühere Zentrumspolitiker und preußische Wohlfahrtsminister Heinrich Hirtsiefer wird in Essen von SA und SS festgenommen, zum Gespött der Öffentlichkeit durch die Stadt geführt und in Schutzhaft genommen.
Der preußische Justizminister Hanns Kerrl löst die Korruptionsdezernate bei den einzelnen Staatsanwaltschaften auf und ruft die Justiz zur energischen Verfolgung jeder "Sabotagehandlung" gegen die Arbeitsbeschaffung auf.
Mit seiner "Braunen Messe" auf dem mächtigen Uebeseedampfer der Hamburger-Sudamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft "Cap Polonio" verwirklicht Hamburg eine originelle Idee, die weit über unserer Vaterstadt hinaus aufmerksamste Beachtung und Beifall findet. Braunen Messen", sind Messen, die von der mittelständischen Wirtschaft getragen für die mittelständische Wirtschaft werben und sich dabei ganz dem wirtschaftspolitischen Ideenkreis des Nationalsozialismus in Zielen und Zwecken einordnen.
In Wuppertal ist ein mit 45 SA Männern besetzter Lastkraftwagen auf der abschüssigen Solinger Straße aus einer Kurve geschleudert und einen steilen Abhang hinunter gerollt. dabei sind 9 SA Männer rund ums Leben gekommen und 28 wurden verletzt.
In dem 1500 Einwohner zählenden Dorf Oeschelbronn bei Pfortzheim wütete ein furchtbarer Brand, der sich bei starkem Ostwind vom oberen Teil des Dorfes mit ungeheurer Schnelligkeit verbreitet hat. Das Vieh wurde auf die Felder getrieben und es sind 184 Anwesen den Flammen zum Opfer gefallen, bevor der Brand eingedämmt werden konnte. Es sind ca. 360 Menschen obdachlos geworden und der Schaden beziffert sich auf ca. 650.000 Reichsmark.
Professor Edmund Forster verübt in seiner Greifswalder Wohnung mit einem Revolver im Alter von 55 Jahren Selbstmord. Seine Bekanntheit verdankt er mündlich überlieferten Aussagen, nach denen er angeblich 1918 Adolf Hitler wegen hysterischer Symptome behandelt haben soll.
Künftig können jüdische hilfsbedürftige Kranke in jüdische Krankenhäuser in Berlin auf Kosten der Wohlfahrtsverwaltung der Stadt Berlin in besonders begründeten Einzelfällen aufgenommen werden, jedoch nicht dann, wenn mit einer Krankenhausbehandlung von mehreren Monaten zu rechnen ist.
Zwei spanische Dampfer stießen 85 Meilen südwestlich des portugiesischen Hafens von Leixoes zusammen. Der eine Dampfer sank mit 19 Mann seiner Besatzung, nur sechs Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden.
In einer Rede auf dem Wiener Trabrennplatz erläutert der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß die Grundlagen des von ihm angestrebten Ständestaates.
In Anwesenheit von Reichskanzler Adolf Hitler und Reichsjugendführer Baldur von Schirach wird der Film "Hitlerjunge Quex" von Hans Steinhoff nach dem Roman von Karl Aloys Schenzinger in München uraufgeführt.

12.9.1933
Das Konkordat zwischen Reichsregierung und Vatikan ist heute in Rom durch den feierlichen Austausch der Ratifikationsurkunden abgeschlossen worden und damit sofort in Kraft getreten.
Der Landwirtschaftsminister und Reichsbauernführer Darre eröffnete in der märkischen Stadt Gransee die erste Bauernhochschule mit einer bedeutenden Rede.
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess hat folgende Anordnung erlassen: Ausländische Nationalsozialisten oder ähnliche Organisationen, auch solche die ihren Sitz in Deutschland haben, sind nicht berechtigt sich auf die NSDAP zu berufen. Der NSDAP wird untersagt Beziehung zu solchen Organisationen zu unterhalten. Dafür ist lediglich die Reichsparteileitung zuständig.
Der Evangelische Kirchenkampf beginnt mit der Gründung des evangelischen "Pfarrernotbundes" durch Pfarrer Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer als Reaktion auf die "Braune Synode". Beginn der Formierung der "Bekennenden Kirche".
Der Reichsstatthalter von Württemberg, Wilhelm Murr, hat eine Verfügung an die ihm unterstellten Staatsbehörden erlassen, der über das Württembergische Staatsgebiet hinaus allgemeine Bedeutung zukommt. Dementsprechend müsse die nationale Regierung von ihren Beamten erwarten, daß sie der Bevölkerung, die ihre Anliegen in höflicher Form vorbringe, auch in der entsprechenden Form gegenüberträten. Die Beamten müßten sich jeder Überheblichkeit und trotz Bestimmtheit jedes verletzenden Tones enthalten.
Das 800 jährige Bestehen des Königsberger Doms ist mit einem Festgottesdienst feierlich begangen worden. Oberpräsident Koch hielt dabei eine Rede, die in der Bekenntnis gipfelte: "Die Bewegung der Gottlosen ist vernichtet und wird nie mehr auferstehen, wenn wir treu und tapfer sind."
Die Besatzung eines vermissten amerikanischen Freiballons ist jetzt völlig erschöpft und halb verhungert aufgefunden worden. Die beiden Flieger und mussten während eines Unwetters schon am 3. September in den weiten unbesiedelten Waldungen nahe der kanadischen Grenze niedergehen und irrten seitdem umher.
Das Luftschiff Graf Zeppelin hat auf seiner letzten Südamerikafahrt einen neuen Rekord für die Postbeförderung aufgestellt. Briefe die in Friedrichshafen ausgegeben worden sind bereits fünf Tage später in den Händen des Empfängers in Buenos Aires gewesen.
In Wien endet der am 8. September eröffnete Allgemeine deutsche Katholikentag, an dem wegen der 1000-Reichsmark-Sperre keine Reichsdeutschen teilnehmen.
Der Verband der französischen Cognac Produzenten, der mehr als 10.000 Fabrikanten umfasst, hat eine Entschließung gefragt, in der die französische Regierung aufgefordert wird, erst dann wieder mit Amerika über die Kriegsschulden zu verhandeln, wenn Amerika die Prohibition vollständig aufhebt und die Einfuhr von Weinbrand wieder freigibt.
Die neue Regierung Kubas ist ein Kabinett der Akademiker, was jedoch vom Offizierskorps aufs Schärfste bekämpft wird. Leiter der Regierung ist der Professor der Anatomie an der Universität Havanna Gran Sanmartin.
Acht Banditen überfielen im amerikanischen St. Paul im Bundesstaat Minnesota zwei Bahnbeamte, knebelten Sie und raubten das in ihrem Gewahrsam befindliche Geld der Eisenbahngesellschaft von einer halben Million Reichsmark.

Die Berliner Einwohner beim Eintopfessen

Sammelwagen für Kleider und Lebensmittel

13.9.1933
Reichskanzler Adolf Hitler eröffnet im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda mit der Parole "Kampf gegen Hunger und Kälte" das erste, auf der Welt einmalige "nationalsozialistische Winterhilfswerk". Er verordnet der "Deutschen Volksgemeinschaft" nunmehr Opferbereitschaft. Die nationalsozialistische Regierung verpflichtet alle deutschen Familien und Restaurants, jeweils am ersten Sonntag der Monate Oktober bis März nur ein Eintopfgericht zu verzehren bzw. anzubieten. Der Preis solle pro Kopf bei 0,50 RM liegen, und der Differenzbetrag zum üblichen Sonntagsessen sollte dem Winterhilfswerk zugute kommen. Hitler ernennt den Propagandaminister Joseph Goebbels zum verantwortlichen Leiter des Winterhilfswerkes.                 
Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause unter anderem mit agrarpolitischen Maßnahmen, um die Preise für das Getreide festzusetzen. Damit wird jede Spekulation im Getreide unterbunden und verhindert, sodass der Landwirt, wie in früheren Jahren, nicht wieder unter Verkaufsdruck gerät. Das "Gesetz über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes und Maßnahmen zur Markt- und Preisregelung landwirtschaftlicher Erzeugnisse" wird erlassen. Das Reichskabinett beschließt ein weiteres Gesetz, demzufolge die gesamte Wirtschaftswerbung unter die Aufsicht des Reiches gestellt wird. Die praktische Ausübung liegt bei dem "Werberat der deutschen Wirtschaft".
Der preußische Ministerpräsident Hermann Göring führt fortan den Rang eines Generals der preußischen Landespolizei und ernennt SS-Gruppenführer Kurt Daluege zum Generalleutnant der Landespolizei und Befehlshaber der Polizei in Preußen.
Nach dem Rücktritt von Gerhard Krüger wird Oskar Stäbel, der Reichsführer des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, auf Weisung von Reichsinnenminister Wilhelm Frick, auch Führer der Deutschen Studentenschaft.
Der Auslandspresse in Berlin wird das Buch "Bewaffneter Aufstand" von Adolf Ehrt vorgestellt, das die Vorbereitungen der KPD für einen zum Zeitpunkt des Reichstagsbrandes geplanten Aufstand beschreibt.
Der Leiter des Organisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront, Reinhold Muchow, ist in Bacharach am Rhein tödlich verunglückt. Bei einem befreundeten Sturmbannführer hatte sich während des Koppelanlegens ein Schuss gelöst, der Muchow tödlich verletzte. Der Unglücksschütze, Willi Mähling, richtete sich daraufhin selbst mit zwei Schüssen aus dem Revolver.
Das "Prager Tagblatt" veröffentlicht einen Briefwechsel zwischen Wilhelm Furtwängler und dem polnischen Geiger Bronislaw Huberman, der unter Hinweis auf die deutsche Rassenpolitik das Angebot ablehnt, wieder in Deutschland aufzutreten.
In Spanien hat jetzt der Vorsitzende der radikalen Partei, Alejandro Lerroux, sein Ministerium gebildet. Es setzt sich aus Vertretern der bürgerlichen Linken zusammen, die Sozialisten sind in der Regierung nicht mehr vertreten.
Der Pfarrer der Lambertikirche in Münster, Clemens Graf von Galen, ist vom Papst zum Bischof von Münster ernannt worden.
Als 26 amerikanischer Staat hat jetzt Maine für den Widerruf des Alkoholverbots gestimmt. Dieses Ergebnis ist deshalb so bemerkenswert, weil Maine seit 75 Jahren einer der führenden Staaten der Prohibitionsbewegung war.
Der französische Luftfahrt Minister Cox ist auf Einladung der sowjetischen Regierung mit drei Flugzeugen zu einem Besuchsflug nach Sowjetrussland gestartet.

13.9.1933
Reichskanzler Adolf Hitler eröffnet im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda mit der Parole "Kampf gegen Hunger und Kälte" das erste, auf der Welt einmalige "nationalsozialistische Winterhilfswerk". Er verordnet der "Deutschen Volksgemeinschaft" nunmehr Opferbereitschaft. Die nationalsozialistische Regierung verpflichtet alle deutschen Familien und Restaurants, jeweils am ersten Sonntag der Monate Oktober bis März nur ein Eintopfgericht zu verzehren bzw. anzubieten. Der Preis solle pro Kopf bei 0,50 RM liegen, und der Differenzbetrag zum üblichen Sonntagsessen sollte dem Winterhilfswerk zugute kommen. Hitler ernennt den Propagandaminister Joseph Goebbels zum verantwortlichen Leiter des Winterhilfswerkes.                 

Am 14. September besuchte der Reichskanzler Adolf Hitler den Unglücksort Öschelbronn. Er machte sich selbst ein Bild von der Brandkatastrophe und sicherte schnelle Hilfsmaßnahmen zu. Die badische Regierung rief zu einer Sammlung für die Opfer der Brandkatastrophe auf, die aus dem gesamten Reich eine Spendensumme in Höhe von 400.886 Reichsmark sowie Naturalien im geschätzten Wert von über 100.000 Reichsmark einbrachte und Öschelbronn wurde innerhalb von sehr kurzer Zeit wieder aufgebaut. Menschliche Todesopfer hatte der Großbrand glücklicherweise nicht gefordert.                

Am 14. September besuchte der Reichskanzler Adolf Hitler den Unglücksort Öschelbronn. Er machte sich selbst ein Bild von der Brandkatastrophe und sicherte schnelle Hilfsmaßnahmen zu. Die badische Regierung rief zu einer Sammlung für die Opfer der Brandkatastrophe auf, die aus dem gesamten Reich eine Spendensumme in Höhe von 400.886 Reichsmark sowie Naturalien im geschätzten Wert von über 100.000 Reichsmark einbrachte und Öschelbronn wurde innerhalb von sehr kurzer Zeit wieder aufgebaut. Menschliche Todesopfer hatte der Großbrand glücklicherweise nicht gefordert.                

14.9.1933
Der Reichsminister des Inneren, Wilhelm Frick, hat angeordnet, dass alle Reichsbehörden in Berlin und in der Provinz Westfalen heute aus Anlass der Beisetzung der tödlich verunglückten SA Männer Halbmast flaggen. Während der Beisetzung schweigen alle deutschen Sender für eine Viertelstunde.
Das preußische Justizministerium erlässt ein Preisausschreiben für deutsche Künstler für den Entwurf eines Erbhofbuches. Für den besten Entwurf ist ein Preis von 1000 Mark und eine Ehrenurkunde ausgesetzt.
Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda teilt mit, dass durch die Kundgebung zur Eröffnung des Winterkampfes gegen Hunger und Kälte bereits am ersten Tag über 2 Millionen Reichsmark für das große soziale Hilfswerk gespendet worden.
Die Spareinlagen bei den Sparkassen im Deutschen Reich betragen mittlerweile rund 10,5 Milliarden Reichsmark.
In Friedrichstadt an der Eider beginnt der Bau der Eiderabdämmung, mit der durch einen großen Damm ein Gebiet von rund 35.000 ha vor den Auswirkungen von Sturmfluten geschützt werden soll. Das rund sieben Millionen Reichsmark teure Projekt soll bis 1936 fertig gestellt sein.
Der Studienrat Gustav Zunkel aus Weimar ist vom preußischen Kultusminister, Bernhard Rust, an die Spitze der Schulabteilung des Kultusministeriums berufen worden.
In London beginnt eine Woche vor dem Reichstagsbrandprozeß in Leipzig - der Gegenprozeß in London. Es wurde eine "Internationale Untersuchungskommission zur Aufklärung des Reichstagsbrandes" eingerichtet. Dabei spielte der kommunistische Verleger Willi Münzenberg als Prozessorganisator eine wichtige Rolle. Als Vorsitzender des mit renommierten Juristen besetzten Gremiums fungierte der britische Justizrat Denis Nowell Pritt.
Die Hauptkasse der Marienbader Bäderverwaltung, in der etwa 22.000 Reichsmark waren, ist ausgeraubt worden. Der Tat verdächtig sind vier professionelle Einbrecher, von denen einer aus Sachsen und drei aus der Tschechoslowakei stammen.
Das holländische Parlament hat ein Gesetz angenommen, dass das Tragen von Uniformen und auffälligen Parteiabzeichen unter Strafe stellt.
In Ankara wird ein zehnjähriger Freundschaftsvertrag zwischen der Türkei und Griechenland unterzeichnet.

15.9.1933
In Berlin werden die Mitglieder des neuen preußischen Staatsrates in einer ganz besonders feierlichen Form in ihr Amt eingeführt. Den Mittelpunkt der Staatsfeierlichkeit in der neuen Aula der Berliner Universität bildet die groß angelegte Rede des Ministerpräsidenten, Hermann Göring, die die Aufgaben des Staatsrates innerhalb der Staatsverwaltung und des Staates behandelt. Dann folgen die Vereidigung der Staatsräte und die Aushändigung der Urkunden an sie.
Anläßlich der feierlichen Einführung des preußischen Staatsrates wurde im Grunewald-Stadion eine Kundgebung zu einem machtvollen Bekenntnis für den volksdeutschen Gedanken durchgeführt. Es haben sich 120.000 Schulkinder in dem Rund der olympischen Kampfstätte versammelt. Besondere Bedeutung gewann diese Kundgebung durch die persönliche Anwesenheit des Preußenführers Ministerpräsidenten Hermann Göring sowie des preußischen Kultusministers Rust.
Bei einer Unterredung zwischen Adolf Hitler, Paul von Hindenburg und dem französischen Botschafter Andre Francois-Poncet erklärt der Reichskanzler die Elsass-Lothringen-Frage als nicht existent für Deutschland. Am Abend empfängt er den Führer des Heimatbundes in Eupen-Malmedy, Joseph de Hottay.
Der neue Präsident des Münchner Oberlandesgerichts, Georg Neithardt, ist vom bayrischen Justizminister Hans Frank feierlich in sein Amt eingeführt worden. Frank erinnerte daran, daß Neithardt seinerzeit über den Führer Adolf Hitler zu Gericht gesessen habe: "Sie waren ihm ein gerechter Richter, in Ihrem Richteramt zeigten und gewährleisteten Sie die menschliche Höhe, obwohl Versuche ergangen sind, die Sie von der Objektivität dieses Amtes wegziehen wollten."
Mit persönlichem Glückwunschtelegramm ernennt Adolf Hitler, August Wilhelm von Preußen zum SA-Gruppenführer und zum preußischen Staatsrat. "Auwi" wird zum Stellvertreter von SA-Führer Karl Ernst in Berlin.
Im Deutschen Reich beginnt eine Aktion gegen den NS-Kitsch. Kulturverwalter der NSDAP beschlagnahmen alle noch zum Kauf angebotenen Gebrauchsgegenstände mit NS-Symbolen.
In einer Denkschrift für das Reichsluftfahrtministerium schlägt Carl Krauch, Mitglied des Vorstands der I. G. Farbenindustrie AG, einen Vierjahresplan zur Herstellung von Treibstoffen aus inländischen Rohstoffen vor.
In Prag gründen Oskar Maria Graf, Wieland Herzfelde, Anna Seghers und Jan Petersen, der illegal im Deutschen Reich lebt, die Monatszeitschrift "Neue Deutsche Blätter". Sie erscheint in Prag bis zum August 1935.

16.9.1933
Reichsaußenminister Konstantin Freiherr von Neurath empfängt die Vertreter der ausländischen Presse und erklärt, "dass das Ausland endlich begreifen müsse, dass das deutsche Volk das Recht habe, sich gegen den Geist von Versailles mit allen Kräften zu wehren".
Der Reichsernährungsminister Darre und Reichspropagandaminister Dr. Goebbels erließen einen Aufruf, wonach am Sonntag, dem 1. Oktober, ein deutscher Erntedanktag das Bewußtsein der Blutsverbundenheit des ganzen deutschen Volkes mit seinem Bauerntum zum Ausdruck bringen soll. Eine große Kundgebung der deutschen Bauern auf dem Bückeberg bei Hameln soll über alle deutschen Sender übertragen werden.
Der deutsche Vizekanzler, Franz von Papen, ist nach Ungarn gefahren, um einer Jagdeinladung des ungarischen Ministerpräsidenten Gombös nachzukommen.
Die Deutsche Evangelische Nationalsynode wurde zu ihrer ersten Tagung auf Mittwoch den 27. September nach Wittenberg einberufen. Sie besteht aus 60 Mitgliedern und wird auf ihrer ersten Sitzung den Reichsbischof zu berufen haben.
Auf Grund von Haftbefehlen wurden der Direktor der Reichsrundfunkgesellschaft Dr. Magnus, der frühere Berliner Funkintendant Dr. Hans Flesch und der Rundfunkreporter Alfred Braun aus dem Konzentrationslager in Oranienburg in das Untersuchungsgefängnis Moabit überführt.
Der Stadtrat in Erlangen hat einen nationalsozialistischen Antrag angenommen, wonach das im Jahre 1875 auf dem Luitpoldplatz für den jüdischen Universitätsprofessor Dr. med. Jakob Herz errichtete Denkmal sofort entfernt werden soll.
Aufgrund einer Studienreise, die ein hoher brasilianischer Beamter durch Preußen machte, ist jetzt in Brasilien vorgeschlagen worden, eine Kriminalpolizei nach deutschem Muster zu schaffen.
In der Türkei sind die Vorarbeiten für die Modernisierung der Universitäten abgeschlossen. 35 Ausländer sind als Hochschullehrer verpflichtet worden, darunter auch die deutschen Ärzte Rissen, Tannhauser, Hirsch, Braun und Schwarz. Außerdem wird der Chirurg Professor Sauerbruch zeitweise in der Türkei tätig sein.
Als letzter großer Wirtschaftszweig der USA stimmt der Kohlebergbau einem Branchencode zu, der die Beschäftigung von Kindern unter 16 Jahren verbietet, die Löhne erhöht und den Arbeitern das Recht gibt, Gewerkschaften beizutreten.
Die Zeitung "Der Tag" der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei der Tschechoslowakei darf drei Monate nicht erscheinen.

17.9.1933
Gründung der Reichsvertretung der deutschen Juden (Präsident Leo Baeck). Sie ist die einzige offizielle zugelassene Organisation, welche die deutschen Juden vertreten darf. Zusammen mit dem jüdischen Kulturbund versucht die Selbsthilfeorganisation die wirtschaftliche und soziale Not als Folge der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Juden aus dem deutschen Alltag zu lindern.
Reichsinnenminister Dr. Frick erklärte bei einem Aufmarsch der Hitlerjugend in Rudolstadt u. a.: Wir lehnen es ab, weiter die Pariarolle zu spielen wie in den letzten 15 Jahren, und wenn man jetzt wieder versuchen sollte, uns die Gleichberechtigung zu versagen, so wird kein Mensch verhindern können, daß wir dieses Spiel nicht weiter mitmachen und uns aus den Sälen der internationalen Konferenzen zurückziehen. (Anspielung auf die Abrüstungskonferenz)
In Breslau wurde der frühere Intendant der Schlesischen Funkstube Walter Bischoff, der ehemalige Direktor Habert und der frühere Vorsitzende des Aufsichtsrats Bankdirektor Zorek verhaftet. Ferner wurde in Leipzig der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Mirag, Rechtsanwalt Otto, ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Gegen sämtliche Verhafteten wird Anklage wegen Untreue erhoben werden.
Wie das Vdz-Büro meldet, hat der Reichsinnenminister eine ergänzende Erläuterung zu dem Begriff "nichtarisch" für die Durchführung des Berufsbeamtengesetzes gegeben. Es wird darin festgestellt, daß, wenn in dem zur Entscheidung stehenden Fall einer der Großväter des Beamten unbestritten von der Rasse nach jüdischen Eltern abstammt, dieser Beamte selbst dann als nichtarisch im Sinne des Gesetzes anzusehen ist, auch dann, wenn der Großvater der jüdischen Religionsgemeinschaft niemals angehört hat.
Der Verein der Badener zu Berlin wird sein diesjähriges Trachtenfest in den Dienst der Opfer des Brandes von Oeschelbronn stellen. Der gesamte Reinertrag soll zur Linderung der Not beitragen. Das Trachtenfest findet am 5. November statt.
Der Berliner Volkslieder-Chor hat in seiner Generalversammlung den Neuaufbau auf nationalsozialistischer Grundlage und die Umbenennung des Vereins in "Hermann-Schulken-Chor", gegründet 1929, beschlossen. Zweck des Chors ist, das deutsche Volkslied zu pflegen.
Den Großen Automobilpreis der Tschechoslowakei in Brünn gewinnt der Franzose Louis Chiron vor Luigi Fagioli (Italien) und dem Franzosen Jean-Pierre Wimille (alle Alfa Romeo).

18.9.1933
Karl Lippert, 1914 als Ordonnanzführer vom Regimentsstab des R.I.R. 16 Hitlers Vorgesetzter im Ersten Weltkrieg, wird von Adolf Hitler in der Reichszeugmeisterei der NSDAP untergebracht und zum Stellenleiter ernannt.
Die Führerschaft der Deutschen Kolpingfamilien erklärt in einem Brief an Vizekanzler Franz von Papen ihre Bereitschaft, sich in "Volk und Staat in verantwortungsbewußter Mitarbeit" unter Führung des "Volkskanzlers" Adolf Hitler einzugliedern.
In Paris treffen sich am Quai d'Orsay hinter den Türen des Auswärtigen Amts, Staatsmänner Englands und Frankreichs, sowie Vertreter der Vereinigten Staaten zu diplomatischen Gesprächen über den weiteren Umgang mit Deutschland, im Völkerbund, auf der Abrüstungskonferenz oder im Bezug auf Versailles. Vorsitz hat der Außenminister von Frankreich, Joseph Paul-Boncour. Was sich nunmehr Abrüstungsfrage nennen läßt, läuft im Grunde auf eine einzige Frage hinaus, wird es mit einer Abwendung von Versailles oder mit einer Rückwendung zu Versailles enden?
In Königsberg trafen heute morgen SA Stabschef Ernst Röhm, Polizeigeneral Kurt Daluege, General Ritter von Epp und andere hohe SA-Führer ein. Sie begaben sich dann nach Pillau um dort die vor Anker liegende Flotte zu besuchen. An Bord der "Leipzig" werden sie die Flottenmanöver beobachten.
Die Reichsführung der NS-Volkswohlfahrt gibt Anweisungen über die Mitarbeit der Presse zur Winterhilfe. Die Zeitungen sollen in wechselnden Hinweisen auf die Bedeutung der Winterhilfe aufmerksam machen, zum Spenden von Geld und Sachwerten aufrufen und auch ganze Schaukästen in den Dienst der Sache stellen.
Die Geheime Staatspolizei hielt auf einem Schloß bei Heidenheim eine umfangreiche Razzia ab, und fand eine aus etwa fünfzig Damen und Herren bestehende Intellektuellenclique, die dort eine Art Intellektuellenschule errichtet haben. Es handelte sich vornehmlich um Staatsbeamte, Professoren und Angehörige höherer Adelskreise. Man wollte sich dort für einen geistigen Sabotagekampf gegen den Nationalsozialismus "schulen".
Der Führer der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Dr. Robert Ley, hielt vor den Verbandsjugendleitern der DAF einen Vortrag über die Eingliederung der Jugend in die DAF. Dabei verkündete Dr. Ley den Beschluß, über die materiellen Belange der deutschen Arbeiterschaft hinaus eine Regelung des Feierabends für den deutschen Arbeiter einzuführen.
Das Innenministerium der Tschechoslowakei verbietet den Verkauf von Adolf Hitlers Programmschrift "Mein Kampf".
In Bern endet der am 16. September eröffnete IX. Europäische Minderheitenkongreß. In einer Resolution fordert die Versammlung die Einführung einer territorialen Selbstverwaltung für Gebiete mit national geschlossener Bevölkerung.

19.9.1933
Adolf Hitler unterhält sich mit dem Oberbürgermeister Berlins und einigen hohen Herren der Stadtverwaltung über die Stadt Berlin: "Berlin ist zurzeit eine systemlose Zusammenfassung oder eine systemlose Aneinanderreihung von Wohn- und Geschäftshäusern. Die einzigen monumentalen Anlagen sind die Linden, das Schloss und ihre unmittelbare Umgebung... Berlin als Reichshauptstadt eines 65-Millionen-Volkes muss städtebaulich und kulturell auf solche Höhe nahe gebracht werden, dass es mit allen Hauptstädten der Welt konkurrieren kann." Er beabsichtigte für diesen Zwecke in den kommenden Jahren etwa 40 Mill. RM p.a. - in einem Zeitraum von 20 Jahren - durch den Reichsfinanzminister bereitstellen zu lassen.
Als erste Veranstaltung in der Reihe der Feste, die für den Luthertag am 19. November 1933 vorgesehen sind, fand im Ufa-Palast eine Feier statt, in deren Mittelpunkt ein Vortrag des Bundesdirektors Willhelm Fahrenhorst vom Reichsarbeitsausschuß des Deutschen Luthertags 1933 stand. Im Rahmen künstlerischer Darbietungen wurde der Luther-Film von Hans Kyser gezeigt. Das Luther-Lied "Ein feste Burg ist unser Gott", das von den Zuschauern stehend gesungen wurde, beschloß die würdige Feier.
Im gesamten Deutschen Reich beginnt eine Großaktion der Polizei gegen das "Bettlerunwesen". Allein in Hamburg werden 1350 Bettler aufgegriffen, und sofern sie arbeitsfähig sind, dem freiwilligen Arbeitsdienst überstellt.
Über die Sammlung für das Winterhilfswerk gibt die NS-Volkswohlfahrt folgende Bekanntmachung: Berechtigt zum Sammeln ist nur derjenige Volksgenosse, der einen vom zuständigen Kreis der NS-Volkswohlfahrt gestempelten Ausweis vorzeigen kann. Das Sammeln ohne Ausweis ist unzulässig und wird bestraft.
Der preußische Ministerpräsident hat einen Runderlaß über die Grußbestimmungen für die Polizei an alle Polizeibehörden gerichtet. Danach haben - abweichend von den bisherigen Bestimmungen - die Beamten der Schutzpolizei, der Landjägerei und der kommunalen Polizei, auch mit Kopfbedeckung, in und außer dem Dienst den deutschen Gruß anzuwenden.
Der Stabsleiter des Gaues München-Oberbayern hat den Besuch von Kabaretts und Nachtlokalen in Uniform für sein gesamtes Gaugebiet strengstens untersagt. Auch der Besuch des Münchner Oktoberfestes ist in Uniform verboten.
Im Schlesischen Berthelsdorf ist der Fabrikbesitzer Stahrl verhaftet worden, weil er die bei ihm beschäftigten Weber und Weberinnen in der gemeinsten Weise ausgebeutet und in bittere Not gebracht hat. Er zahlte ihnen wöchentlich nur eine Lohnabschlagsrate von 1,50 Mark, so dass sich die Familien nur notdürftig ernähren konnten.
Der Reichsfinanzminister will zu Ehren Martin Luthers anlässlich des Reichs-Luther-Tages im November ein Luther-Taler prägen und in den Verkehr bringen lassen.
Unweit des Hafens von Malmö stießen nachts der schwedische Passagierdampfer "Malmö" mit 600 Passagieren an Bord und der norwegische Dampfer "Alix" in voller Fahrt zusammen. "Alix" ging sofort unter, jedoch konnte sich die Mannschaft, zum Teil verletzt, retten.
Im Dorf Wallenfels bei Kronach in Oberfranken brach nachts in mehreren Scheunen zugleich Feuer aus. 23 Scheunen mit großen Erntevorräten brannten nieder. Die Polizei sucht den Brandstifter.
Im KZ Hamburg-Fuhlsbüttel stirbt der am 11. März verhaftete SPD-Politiker und Redakteur des "Lübecker Volksboten", Fritz Solmitz. Aufgrund der harten Haftbedingungen hat sich der federbettgewohnte Jude in seiner Zelle erhängt.

20.9.1933
Der neu gebildete Generalrat der deutschen Wirtschaft wird vom Reichskanzler Adolf Hitler in Berlin einberufen. Seine erste Sitzung hielt der Generalrat der Wirtschaft zuerst unter dem Vorsitz des Reichswirtschaftsministers Dr. Schmitt, später unter dem Vorsitz des Reichskanzlers. Zu Beginn der Verhandlungen umriß der Reichswirtschaftsminister zunächst kurz die Aufgaben des Generalrats der Wirtschaft und gab dann den umfassenden Wirtschaftsplan der Reichsregierung bekannt. Dann erläutert Hitler seine Wirtschaftspolitik: "Es gilt vor allem, die Ideologie der Bedürfnislosigkeit, der systematischen Einschränkung des Bedarfs, also dem von Kommunismus ausgehenden Primitivitätskult, zu bekämpfen."
Der Genossenschaftsverband Raiffeisen in Frankfurt a. M. ließ den angeschlossenen Genossenschaften folgendes Rundschreiben zugehen: Jegliche Verbindungen mit den Juden und dem jüdischen Handel läuft nicht nur jeder genossenschaftlichen Auffassung zuwider, sie ist auch ein Verstoß gegen nationalsozialistische Grundsätze. […]
Der Reichsverband der deutschen Presse hat beschlossen, 5000 Mark an das Winterhilfswerk zu überweisen. Von diesem 5000 Mark kommen 1000 Mark von dem Landesverband Berlin.
Wie Gisli Sigurbjörnsson mitteilte, befindet sich die "Islenks Sjodernishreyfingar", die "Isländische Nationalbewegung", zunächst noch in den Anfängen. Sigurbjörnsson bereiste, in seiner Eigenschaft als Organisator der isländischen Winterhilfe, die deutschen Städte, um nach den Sozial-Einrichtungen Deutschlands das Hilfswerk in der Heimat aufzubauen. Als Zeuge des gewaltigen Umschwungs, fühlte er sich von der nationalsozialistischen Idee so tief ergriffen, daß er nach Reykjavik zurückkehrt, um sich mit allen Kräften für die Entfachung einer nationalen Bewegung in Island einzusetzen, die zumal bei der Jugend begeisterten Widerhall fand.
Zur Linderung der Not, der durch das Brandunglück in Oeschelbronn Geschädigten, hat der Reichskanzler 5000 Mark zur Verfügung gestellt.
In Kassel wird ein neuer Rundfunksender in Betrieb genommen. Er sendet mit 0,5 Kilowatt Energie auf Welle 230,3 Meter im Gleichwellenbetrieb mit Frankfurt und Trier.
In Blankenburg im Harz soll eine Schule für Harzer Holzschnitzkunst errichtet werden. Sie soll in der Andenkenindustrie Kitsch bekämpfen und zur Förderung der Harzer Heimatkunst beitragen.
Ein Wirbelsturm, der vom mexikanischen Golf kam und an der Küste der Vereinigten Staaten große Verheerung angerichtet hat, ist nach Nord-Carolina weitergezogen. Dort sind 15 Menschen getötet worden und zahlreiche werden noch vermisst. Viele Hunderte sind obdachlos.
Eine vierköpfige Delegation der Sozialdemokratischen Partei Österreichs übergibt Bundespräsident Wilhelm Miklas eine von rund 1,2 Mio. Menschen unterzeichnete Petition für die Wiedereinberufung des Nationalrats.
Der Deutsche Fußball-Bund verpflichtet den 23fachen Nationalspieler Georg Knöpfle (zuletzt FSV Frankfurt) als Sportlehrer. Er soll abwechselnd in verschiedenen Fußballgauen arbeiten. Reichstrainer bleibt Otto Nerz.

21.9.1933
Vor dem IV. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig beginnt der Reichstagsbrandprozess gegen den Holländer Marinus van der Lubbe, Ernst Torgler, Georgi Dimitroff, Blagoj Popoff und Wassili Taneff. Die Besetzung des Vierten Strafsenats war folgende: Vorsitzender: Senatspräsident Dr. Bünger; Beisitzende: die Reichsgerichtsräte Coenders, Dr. Froelich, Dr. Lersch, Landgerichtsdirektor Rusch, und als Ergänzung srichter Landgerichtsdirektor Füll. Die Anklage vertrat im Auftrage des Oberreichsanwalts Dr. Werner der Sachbearbeiter Landgerichtsdirektor Dr. Parisius. Offizialverteidiger des Angeklagten van der Lubbe war Rechtsanwalt Dr. Seuffert, Wahlverteidiger des Angeklagten Torgler Rechtsanwalt Dr. Sack, Verteidiger der drei Bulgaren Dr. Teichert.
Die deutsche Reichsregierung verkündet das Zweite Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit. Es ermächtigt den Reichsfinanzminister, bis zu 500 Mio. Reichsmark zur Förderung von Instandsetzungsarbeiten an Gebäuden zu bewilligen und sieht ferner die Senkung der Grund- und Umsatzsteuer für Landwirte vor sowie eine Steuerbefreiung für Kleinwohnungen und Eigenheime.
Adolf Hitler besucht erstmals das Armeegelände von Kummersdorf, wo der 21-jährige Wernher von Braun als Zivilangestellter Raketenversuche anstellt.
In Berlin konstituiert sich auf Initiative des Pfarrers Martin Niemöller aus Berlin-Dahlem und des Privatdozenten Dietrich Bonhoeffer der Pfarrernotbund.
Der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (christlichsozial) bildet sein Kabinett um. Dollfuß selbst übernimmt die Ressorts Äußeres, Inneres, Landwirtschaft, Landesverteidigung und Sicherheit, neuer Vizekanzler wird Major Emil Fey (Heimwehr). Der bisherige Heeresminister Carl Vaugoin, der mit den Sozialdemokraten über eine Regierungsbeteiligung verhandelt hatte, ist nicht mehr im Kabinett vertreten.

22.9.1933
Die Reichsregierung beschließt die Schaffung einer Reichskulturkammer (bestehend aus Reichsschrifttumskammer, Reichspressekammer, Reichsrundfunkkammer, Reichstheaterkammer, Reichsmusikkammer und Reichskammer der bildenden Künste) und verabschiedet das Reichskulturkammergesetz, es bedeutet ein kulturpolitisches Ermächtigungsgesetz für den Propagandaminister Joseph Goebbels (Joseph Goebbels, Präsident, Walther Funk, Vizepräsident). Ein Ausschluss aus einer dieser Kammern kommt einem Berufsverbot gleich. Juden werden aus den Bereichen der Reichskulturkammern sukzessive ausgeschlossen.
Im Deutschen Reich sind SA-Küchen, die Speisestellen der NS-Volkswohlfahrt und des Roten Kreuzes schon soweit ausgebaut, daß niemand, der ohne Mittel ist, zu hungern braucht.
Der Reichsarbeitsminister wurde ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen im laufenden Rechnungsjahr für die Förderung des Kleinwohnungsbaus Bürgschaften bis zum Gesamtbeträge von 100 Millionen Reichsmark zu übernehmen.
Der preußische Kultusminister ordnete bis zur endgültigen Regelung der Lehraufgaben an, daß in den Abschlußklassen sämtlicher Schulen unverzüglich die Erarbeitung der Rassenkunde in Angriff zu nehmen ist, und zwar Vererbungslehre, Rassenkunde, Familienkunde und Bevölkerungspolitik.
Das Reichsluftfahrtministerium erklärt auf Anfrage des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Mitgliedschaft von Nichtariern im Reichsluftschutzbund für unzulässig.
In Paris beginnt der Weltjugendkongress gegen Krieg und Faschismus. Im berühmten Konzertsaal Salle Pleyel wurde durch die Antifaschistische Arbeiterjugend ein "Manifest gegen Faschismus und Krieg" verabschiedet.
Die jährliche Tennis-Weltrangliste des Briten Wallis Myers führen Jack Crawford (Australien) und Helen Wills-Moody (USA) an. Als beste Deutsche rangieren Hilde Krahwinkel auf Platz vier und Gottfried von Cramm auf Platz neun.

23.9.1933
Reichskanzler Adolf Hitler nahm den ersten Spatenstich, zu der von Fritz Todt geplanten Autobahn Frankfurt-Heidelberg, bei Frankfurt vor, einer Stadt, in der es 1932 noch rund 80.000 Arbeitslose gegeben hatte. Um sieben Uhr morgens marschierten die ersten siebenhundert Mann über den Main, indessen Kapellen spielten. Um zehn Uhr hielt Hitler eine Ansprache, die mit dem Aufruf endet: "Deutsche Arbeiter, ans Werk!"
In Hannover findet der Stahlhelmtag, mit der Teilnahme von 70.000 Stahlhelmleuten, statt. Adolf Hitler hält in Anwesenheit von Ernst Röhm, des Bundesführers Franz Seldte u.a. eine Rede auf der Führerkundgebung des Stahlhelms in der Stadthalle von Hannover unter dem Motto "Wir Frontsoldaten": "Was wir sind, das sind wir nur geworden durch die Schule, die wir da draußen durchgemacht haben." Der Eintritt des Stahlhelms in die SA wird vollendet.
Die preußische Staatsregierung überträgt die Rechte der Berliner Stadtverordnetenversammlung auf den Stadtgemeindeausschuß. Dies ist der erste Schritt zur Auflösung aller Städteparlamente.
Unter dem Namen "Stagma" erfolgte die Gründung der neuen reichsdeutschen Aufführungsrechtsgesellschaft. ("Stagma": Staatlich genehmigte Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Urheberrechte.) Die Gesellschaft stellt den von allen interessierten Kreisen seit Jahren erwünschten Zusammenschluß der GEMA und der Anstalten der Genossenschaft Deutscher Tonsetzer dar. Zum Präsidenten der Stagma wurde Professor Paul Graener ernannt.
Ein Erlass von Reichswehrminister Werner von Blomberg belässt für den militärischen Dienst in der Reichswehr die militärischen Grußformen. Der Deutsche Gruß ist von Soldaten in Uniform beim Singen des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes zu leisten.
Der von dem früheren General Erich Ludendorff gegründete Tannenbergbund wird für das preußische Staatsgebiet verboten, weil dort angeblich "Anhänger ehemaliger marxistischer und kommunistischer Organisationen" Aufnahme fanden.

24.9.1933
Mit einer Parade endet in Hannover der zweitägige Führerappell des Stahlhelms. Der Bund der Frontsoldaten ist nun endgültig einreiht in die große Front der Kämpfer des Dritten Reiches unter der Führerschaft Adolf Hitlers.
In einer Sitzung der Reichsleitung des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller beschloß das Präsidium gemeinsam mit dem Beirat, nur arische Schriftsteller als Mitglieder zu führen. Außerdem wurde beschlossen, das große Winterhilfswerk der Reichsregierung mit allen Kräften zu unterstützen.
Die bayrische Regierung hat ein Fremdenverkehrsgesetz vorbereitet, das wahrscheinlich einmal richtunggebend für eine künftige reichsgesetzliche Regelung des Fremdenverkehrswesens sein wird. Das Gesetz sieht die Erlaubnispflicht zur gewerbsmäßigen Beherbergung von Fremden in den Gemeinden vor, für die der Fremdenverkehr von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung ist. In Zukunft sollen nur zuverlässige Personen, die eine entsprechend Unterkunft anbieten können, die Erlaubnis zur Beherbergung von Fremden erhalten. Der Tourismus soll auf die Verbesserung des Ansehens im Ausland ausgerichtet werden soll.
Bei den als Test für die Erfolgsaussichten der extremen Rechten geltenden Gemeindewahlen in Groß-Zürich erhält die Nationale Front zu Lasten der bürgerlichen Parteien zehn Mandate. Die Sozialdemokraten behaupten mit 64 (zuvor 63) Sitzen die absolute Mehrheit im 125köpfigen Stadtrat.
Das Fußball-Länderspiel Jugoslawien- Schweiz endet in Belgrad mit 2:2 (0:0) unentschieden.
Der monegassische Rennfahrer Louis Chiron gewinnt auf einem Alfa Romeo den Grand Prix von Spanien (offiziell der VIII. Gran Premio de España). Das Rennen ging über 30 Runden und hatte eine Gesamtstrecke von 532 km.

25.9.1933
In Genf beginnt die ordentliche Tagung des Völkerbundes. Die meisten Mitgliedsländer sind durch ihre Außenminister und andere führende Staatsmänner vertreten. Von deutscher Seite nehmen Konstantin Freiherr von Neurath und Joseph Goebbels (rechtes Bild) teil. Der amtierende Ratspräsident ist der norwegische Ministerpräsident Johan Ludwig Mowinkel, der auch die Eröffnungsrede hielt.
Dr. Goebbels spricht in Genf zur deutschen Presse über die grundsätzliche Stellungnahme des nationalsozialistischen Staates zu Presse- und Kulturfragen: "Der herkömmliche Begriff der Pressefreiheit existiert für Deutschland nicht mehr. Das Wort Propaganda gewinne jetzt einen vollständig neuen und tieferen Sinn. Dr. Goebbels betonte, daß gerade in dem liberalistischen und demokratischen Staate es niemals eine Pressefreiheit gegeben habe, sondern daß gerade damals die Presse von bestimmten Interessengruppen abhängig gewesen sei und niemals dem Volke, sondern nur einzelnen Interessenkreisen gedient habe. Mit diesem Unwesen habe der nationalsozialistische Staat endgültig aufgeräumt. (…)
Der Reichsminister des Innern, Wilhelm Frick, hat die in der Verfassung der Deutschen Studentenschaft festgesetzten Befugnisse auf den Führer der Deutschen Studentenschaft, Dr. Ing. Oskar Staebel, übertragen und ihn zu allen Maßnahmen ermächtigt, die er zur Wiederherstellung geordneter Verhältnisse in der Deutschen Studentenschaft für erforderlich hält.
SA-Stabschef Ernst Röhm wendet sich in einem Aufruf gegen das zunehmende "Muckertum" in der SA und kritisiert u.a. das Vorgehen von SA-Leuten gegen Frauen, die sich schminken und in der Öffentlichkeit rauchen.
In Paris endet der am 22. September eröffnete Weltkongress der Jugend gegen Krieg und Faschismus. Anwesend sind 1098 Delegierte aus über 40 Ländern. Mitglied der deutschen Delegation ist Artur Becker, 1931/32 Vorsitzender des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschland, der eine "Einheitsfront" im Kampf gegen den Faschismus fordert.
Der Tag der Radfahrer in Hamburg: Der Sportbeauftragte von Hamburg, Egon Arthur Schmidt, brachte seine Freude zum Ausdruck, daß dieser Kundgebung große Massen Folge geleistet hätten, es sei dies der Beweis, daß der Radfahrersport eine ungewöhnliche Ausdehnung genommen habe.
Die mexikanische Hafenstadt Tampico wird von einem Hurrikan heimgesucht. Der Wirbelsturm fordert 52 Tote und 263 Verletzte. Am 1. September hatte ein Wirbelsturm an der Nordspitze von Kuba und am 5. September in Texas schwere Verwüstungen angerichtet.

26.9.1933
Auf Weisung von NSDAP-Führer Adolf Hitler ist Rudolf Heß nicht mehr Reichsleiter der NSDAP und SS-Obergruppenführer, sondern nur noch Stellvertreter des Führers. In einem Erlass wendet sich Heß gegen "unwahre Behauptungen" ausländischer Presseorgane, wonach das Deutsche Reich Teile seiner Nachbarländer annektieren wolle.
Auf einer Kabinettssitzung in Berlin betrachtet Adolf Hitler die Normalisierung der deutsch-russischen Verhältnisse als unmöglich, da die Neugestaltung Deutschlands den Sowjets jede Hoffnung auf "Durchführung der Weltrevolution" genommen habe.
Die vier deutschen Pressevertreter, die in Moskau tätig sind, wurden durch den Pressechef des russischen Außenkommissariats davon verständigt, dass sie Russland zu verlassen hätten, weil die Vertreter der russischen Presse in Berlin in den letzten Monaten durch Haussuchungen, zeitweilige Verhaftungen und schließlich durch die Verweigerung der Pressekarten für den Leipziger Prozess in der Ausübung ihrer Berufspflichten behindert worden seien. Der deutsche Geschäftsträger in Moskau, Botschaftsrat von Twardowski, hat gegen diesen Ausweisungsbeschluß der Regierung schärfsten Protest erhoben.
Zur Organisation des Eintopgerichts, werden alle Gaststätten und Speisebetriebe werden in drei Gruppen eingestellt. Für jede Gruppe wird ein bestimmter Satz festgelegt, der von dem Preis für die Eintopfgerichte an das Winterhilfswerk abgeführt werden wird.
Entsprechend dem Erlaß des Preußischen Innenministers, verschärfte Aufmerksamkeit dem Bettelunwesen zu widmen, hat das Berliner Polizeipräsidium umfangreiche Maßnahmen gegen die Bettelei in den Straßen und in den Häusern eingeleitet. Durch große Sonderstreifen wurde die Stadt vor allem an den Brennpunkten von Bettlern gesäubert.
Auf Grund des vom Reichsstatthalter für Bremen und Oldenburg, Röver, erlassenen Gesetzes, das die Landesverwaltung des Staates Bremen im Sinne des Führerprinzips abändert, wird die gesamte Regierung und Verwaltung dem regierenden Bürgermeister Dr. Markert unterstellt. Die Zahl der Senatoren wird von 9 auf 5 herabgesetzt, gleichzeitig erfolgte die Ernennung von 16 bremischen Staatsräten durch den regierenden Bürgermeister.
In Memphis (US-Bundesstaat Tennessee) verhaften Beamte der US-Bundespolizei FBI den wegen der Entführung eines texanischen Ölkaufmanns gesuchten Gangster George "MG" Kelly.

27.9.1933
In Wittenberg wählt die erste deutsche Nationalsynode mit großer Feierlichkeit den Königsberger Wehrkreispfarrer Ludwig Müller einstimmig zum evangelischen Reichsbischof (im Volksmund "Reibi" genannt). Müller vertritt die der NSDAP nahestehenden Deutschen Christen.
Die Berliner Hitlerjugend weihte in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und des Gebietsführers Erich Jahn seine erste Führerschule in Birkenwerder ein. […] Die Schule hat die Aufgabe, befähigte Hitlerjungen aus dem Gebiet Berlin zu Führern heranzubilden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. In dreiwöchigen Kursen werden 40 Hitlerjungen Gelegenheit haben, ihr Wissen zu vergrößern.
Auf dem alten Kreuzkirchhof in Posen, wurden nachts etwa 60 Grabdenkmäler von verstorbenen Deutschen umgeworfen und zum Teil zertrümmert.
Das mecklenburgische Justizministerium hat angeordnet, daß in Gefangenen-Anstalten der Hitlergruß weder als Gruß der Gefangenen an die Beamten noch als Gruß der Gefangenen untereinander zugelassen werden darf.
In Ulm wird auf der Adlerbastei an der Donau ein Denkmal für Max Eyth den Dichter und berühmten Ingenieur enthüllt. Diese Ehrung geht von der Siemens-Ring-Stiftung aus.
Polizeimajor Rath ist zum Chef des Personalamtes der preußischen Schutzpolizei im preußischen Innenministerium ernannt worden.
Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" hat mittlerweile eine Auflagenzahl von einer Millionen erreicht.
Der ehemalige preußische Wohlfahrtsminister Dr. Heinrich Hirtsiefer ist gestern in das Konzentrationslager Wuppertal- Bayernburg überführt worden.
Bei der Anlegung eines Fußballplatzes für englische Truppen in der ägyptischen Stadt Alexandria stieß man auf Grabgewölbe, die aus dem ersten Jahrhundert nach Christi zu stammen scheinen. Die Wände zeigen herrliche Fresken, wobei die Farbe vollständig erhalten ist.
Ein Sohn des früheren preußischen Kultusministers Konrad Haenisch, der im Arbeitsdienst-Kahnlager Krummendeich (Hannover) tätig war, wurde als marxistischer Spitzel festgestellt. Man fand in seinem Gepäck Material, das auf Verbindung mit dem Ausland schließen läßt. Haenisch gab auch zu, Beziehungen zu Albert Grzesinski zu haben.
Der Schriftsteller Thomas Mann, der am 11. Februar das Deutsche Reich verlassen hat, lässt sich in Küsnacht bei Zürich nieder.

28.9.1933
Auf einem Presseempfang in Genf bezeichnet Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den gegenwärtigen Staatsaufbau in Deutschland als "veredelte Demokratie" und erklärt, jedem Ausländer stehe es "frei, deutsche Konzentrationslager zu besuchen".
Adolf Hitler spricht vor den in der Reichskanzlei versammelten Reichsstatthaltern und macht ihnen klar, dass sie in jedem Fall die Reichsautorität zu wahren und für absolute Sicherheit der Verwaltung zu sorgen hätten. Künftig soll auch eine die "gesunde Volksanschauung" verletzende Handlung geahndet werden.
Im Rahmen der Abrüstungskonferenz in Genf fand eine separate Besprechung zwischen dem Reichsaußenminister Freiherr von Neurath und dem französischen Außenminister Paul-Boncour statt. Die beiden Außenminister haben in dieser Unterredung die Deutschland und Frankreich berührenden Fragen, sowie das Abrüstungsproblem, einer eingehenden Erörterung unterzogen.
Gleichschaltung aller deutschen Frauenverbände im "Deutschen Frauenwerk" (DFK), durch Personalunion mit der Nationalsozialistischen Frauenschaft (NSF) verbunden.
Die Staatspolizeistelle Dortmund, eine Dienststelle des Geheimen Staatspolizeiamtes, bedroht in einem Aufruf jeden, der gesellschaftlich mit Juden und Jüdinnen verkehrt, mit Schutzhaft.
Der preußische Justizminister Hanns Kerrl legt eine Denkschrift über das "Nationalsozialistische Strafrecht" vor, in der u.a. gesetzliche Maßnahmen zur Reinhaltung der arischen Rasse vorgesehen sind. Ferner soll die 1848 abgeschaffte körperliche Züchtigung als Strafe wieder eingeführt und der Rechtsgrundsatz, wonach nur das als bestrafenswert gilt, was gesetzlich als strafbar bezeichnet ist, aufgehoben werden.
Im Rahmen einer Festsitzung der städtischen Körperschaften wurde dem Oberpräsidenten und Staatsrat Kube vom Kreisleiter und Bürgermeister Preusse der Ehrenbürger Brief der alten Festungsstadt Küstrin überreicht.
Staatsrat Meinberg, der Reichsobmann des Reichsnährstandes ist, ist im besonderen Auftrag des Reichsernährungsministers Darre nach Ostpreußen gefahren, um sich persönlich von der Notlage der Landwirtschaft in der Grenzprovinz zu unterrichten.
Wegen der Erkrankung von Heinz Lahusen ist der Prozess um den Zusammenbruch der Nordwolle bis zum 5. Oktober vertagt worden.
Unter dem Vorsitz des englischen Luftfahrtministers Lord Londonberry ist gestern in London der Kongress der internationalen Luftfahrtvereinigung eröffnet worden.
In der ersten gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Sozialpolitik und kaufmännisches und gewerbliches Bildungswesen sprach der Präsident des deutschen Industrie und Handwerkstages, Dr. von Renteln. Ein getrenntes Arbeiten der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter dürfe es nicht mehr geben.
Die Reichswehr und die Marine haben den Gedanken der Barspende für die Winterhilfe und den Gedanken des Eintopfgerichtes aufgegriffen und sofort in die Tat umgesetzt. Offiziell wurde ein Betrag von 1,6 Millionen Reichsmark von der Reichswehr und der Marine einschließlich sämtlicher Angestellten, Beamten und Arbeiter zur Verfügung gestellt.
Bei der größten Überschwemmung des Gelben Flusses in China sind im Juni und August nach amtlicher Schätzung 30.000 Chinesen ertrunken. Die Katastrophe ist mindestens zu einem Teil darauf zurückzuführen, dass die Dämme des Stroms bei den Kämpfen zwischen Räuberbanden und Regierungstruppen teilweise zerstört worden waren.

29.9.1933
Das Reichserbhofgesetz wird erlassen. Darin heißt es: "Die Reichsregierung will unter Sicherung alter deutscher Erbsitte das Bauerntum als Blutquelle des deutschen Volkes erhalten"; Erbhöfe sind in Zukunft "grundsätzlich (zwischen 7,5 und 125 ha) unveräußerlich und unbelastbar".
Vor der 14. ordentlichen Bundesversammlung des Völkerbundes (Abrüstungskonferenz) in Genf fordert der schwedische Außenminister Rickard Johannes Sandler eine Initiative des Völkerbundes zum Schutz der Juden im Deutschen Reich.
Adolf Hitler ruft seine Abgesandten Joseph Goebbels und Konstantin Freiherr von Neurath abrupt von der Genfer Abrüstungskonferenz zurück.
Den Juden wird die Beschäftigung in der Landwirtschaft untersagt.
Reichskanzler Adolf Hitler hat eine Einladung an 50 Mitglieder des Dopo Lavoro (die italienische "Feierabend"-Organisation) ergehen lassen, als seine Gäste 10 Tage Deutschland zu bereisen. Sie ist von der faschistischen Parteileitung mit großer Freude angenommen worden. Der Parteisekretär hat bestimmt, dass je 25 Arbeiter der Industrie und aus der Landwirtschaft am 10. Oktober zur Abfahrt versammelt sind.
Der Treuhänder der Arbeit, Johannes Engel, sprach gestern in der Funkstunde Berlin über die Ankurbelung der Wirtschaft. Engel führte viele Dutzende von Beispielen an, wie besonders im Wohnungswesen und im Elektrobereich Arbeit geschaffen werden könnte.
Die Studentengruppen der Deutschen Christen, das Evangelische Jugendwerk von Groß-Berlin und die Gemeindegruppen der Deutschen Christen veranstalten für den neugewählten Reichsbischof Ludwig Müller einen Fackelzug. Die Kundgebung beginnt vor dem Berliner Dom und geht bis zum Lustgarten.
Mitglieder ehemaliger marxistischer Vereine können ab 1. Oktober 1933 in anerkannte Sportvereine aufgenommen werden, wenn sie folgende Bedingungen erfüllen: 1. Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung, daß sie keine Beziehungen mehr zu marxistischen Organisationen haben 2. Polizeiliches Führungszeugnis 3. Gestellung zweier Bürger die nicht aus einem marxistischen Verein kommen und vor dem 1. Januar 1933 einem nationalen Verbande angehört haben.
Bei der Uraufführung von Gerhart Hauptmanns "Vor Sonnenuntergang" im Londoner Shaftesbury-Theater, ist es zu schweren Störungen gekommen. Als der Vorhang hochging, setzte von den Galerien ein Sprechchor mit Schmährufen gegen das neue Deutschland ein. Nachdem die Galerie von den Rowdies geräumt worden war, konnte das Stück seinen Anfang nehmen.

30.9.1933
In Leipzig in der Messehalle VII beginnt der Deutsche Juristentag 1933 mit einer feierlichen Eröffnung, der mit 25.000 Teilnehmern bislang größten Juristenveranstaltung auf deutschem Boden. Der Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen tagte bis zum 3. Oktober und bot Veranstaltungen und Fachvorträge, wie z.B. von Hans Frank: "Durch Nationalsozialismus dem deutschen Volk das deutsche Recht!" und "Ideengut der nationalsozialistischen Revolution und deutsche Rechtsgestaltung", von Dr. Luetgebrune, dem Rechtsanwalt der Obersten SA-Führung, sowie mehrere Redebeiträge von Rechtspfleger Gauweiler aus München uvm..
Adolf Hitler hält eine Unterredung mit Konstantin Freiherr von Neurath in Berlin ab, wobei es vorwiegend um den Genfer Verhandlungsstand geht.
An der Berliner Wertpapierbörse erlöschen sämtliche Zulassungen. Von den bisher zugelassenen 469 freien Börsenmaklern sind nur 314 bestätigt worden. Rassisch missliebige Makler werden auf diesem Wege ausgeschaltet.
Im Einvernehmen mit dem Reichsführer des KfDK Alfred Rosenberg haben sich die Deutsche Akademie der Dichtung (Präsident Hanns Johst), die Vereinigung künstlerischer Bühnenvorstände (Vorsitzender Hans Hinkel), der Reichsverband Deutsche Bühne e.V. (Vorsitzender Dr. Walter Stang) zur "Arbeitsgruppe Theater im Kampfbund für Deutsche Kultur" zusammengeschlossen. Die besonderen Aufgaben dieser Arbeitsgemeinschaft sind die Schaffung und Förderung einer deutschen Theaterkultur im Geiste nationalsozialistischer Weltanschauung.
Der Lagerkommandant Werner Schäfer geleitet einen Rundfunkreporter des Deutschlandsenders durch das KZ Oranienburg. Die Rundfunkaufnahmen richten sich gegen ausländische Berichte über Misshandlungen.
Der französische General Charles Nollet, der fünf Jahre Vorsitzender der Interalliierten Kontrollkommission war, schlägt die Schaffung einer internationalen Armee vor, die zu den Vereinigten Staaten von Europa führen würde.
Fritz Todt schrieb an einen Kollegen: "Ich habe die Überzeugung, daß jeder Mensch, der jede Woche einmal 10 Minuten mit dem Führer zusammen ist, ein Vielfaches seiner normalen Leistungsfähigkeit erreicht."
Der Regierungskommissar für das Saargebiet beabsichtigt, Sondergerichte mit ausländischen Richtern einzusetzen, vor denen sämtliche politischen Prozesse verhandelt werden sollen.
In der Verhandlung vor dem Reichsgericht wegen der Brandstiftung im Reichstag hat der Angeklagte, Marinus van der Lubbe, ein Geständnis abgelegt dass er das Reichstagsgebäude angezündet hat.
In Zürich wird die Operette "Zwei Herzen im Dreivierteltakt" von Robert Stolz uraufgeführt.

Links: Mit dem Reichserbhof- Gesetz ist eine große Last von den deutschen Bauern genommen und es war zugleich Ausdruck des Blut-und-Boden-Gedankens. Mitte: Propagandachef Josef Goebbels spricht mit Redakteuren der Presse. Rechts: Aktion gegen den NS-Kitsch - in den Geschäften zum Kauf angebotenen Gebrauchsgegenstände mit NS-Symbolen ( hier zum Beispiel ein Kinderwagen ) werden aus dem Handel genommen.

OKTOBER 1933

1.10.1933
Reichskanzler Adolf Hitler beschert dem Volk einen weiteren Fei­ertag, das „Erntedankfest", das künftig zu Ehrung des deutschen Bauernstandes um die Monatswende September-Oktober auf dem Bückeberg bei Hameln gefeiert werden soll. Den Auftakt bildet die Rundfunkrede von Reichspropagandaminister Dr. Josef Goebbels. Adolf Hitler empfängt vormittags noch in Berlin 100 Bauernabordnungen aus dem ganzen Deutschen Reich und erklärt in seiner Ansprache die Verbundenheit der nationalsozialistischen Bewegung mit den Bauern. Am Nachmittag hält er vor den Massen der am Bückeberg versammelten Bauern eine Rede und erklärt: „Sie sind daher, meine Bauern zur größten Massenkundgebung zusammen gekommen, die in dieser Art wohl jemals auf der Erde stattgefunden hat... Möge dieses Gefühl der Verbundenheit von Stadt und Land, von Bauern, Hand- und Kopfarbeitern sich immer mehr steigern zu einem stolzen Bewusstsein einer gewaltigen Einheit. Ein Volk sind wir, ein Reich wollen wir sein."                      

Reichsjustizkommissar Frank erklärt in einer Rede auf dem Juristentag in Leipzig das neue deutsche Recht. Die Rasse sei die schöpferische Substanz eines Volkes, das wertvollste Gut und die einzig wesentliche Voraussetzung für die Erhaltbarkeit eines Volkes. Es sei daher Aufgabe des Rechts, diese mit aller Macht zu schützen. Die weiteren großen Aufgabengebiete des deutschen Rechts sind die Sicherung des deutschen Bodens als heiliges Gut und der Schutz der deutschen Ehre. Ein heldisches, rassenstolzes und bodenständiges Volk muss ehrenhaft sein.
Ludwig Beck, Generalleutnant, wird Chef des Truppenamtes (getarnter Heeres-Generalstab). Nachfolger des Chefs der Heeresleitung, Kurt von Hammerstein-Equord, wird General Werner Freiherr von Fritsch (zum 1. Februar 1934).
Im Deutschen Reich findet der erste Eintopfsonntag im Rahmen des Winterhilfswerks statt.
Für das Konzentrationslager Dachau wird eine Strafordnung erlassen, die u.a. jeden Versuch des Aufruhrs mit dem Tode bedroht.
In Belgien gründet Staf de Clercq den Flämischen Nationalen Verband als Sammlungsbewegung der flämischen Nationalisten. Ziel ist die Schaffung eines am italienischen Vorbild orientierten faschistischen Staates.
In Zürich tritt als erstes deutsches Exilkabarett die von Erika Mann gegründete "Pfeffermühle" auf.
Der Turnlehrer Konrad Henlein ruft in Eger (Tschechoslowakei) zum Eintritt in die Sudetendeutsche Heimatfront auf.
Der Jüdische Kulturbund in Berlin eröffnet mit einer Aufführung von Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel "Nathan der Weise" seine Tätigkeit.

2.10.1933
Adolf Hitler fliegt nach Ostpreußen, um in Neudeck Paul von Hindenburg zu dessen 86. Geburtstag zu gratulieren und ihm als Geschenk eine weitere Dotation von 1.050.667 RM für die Instandstellung der Domäne Langenau zu überreichen.
SA-Stabschef Ernst Röhm hat dem Reichspräsidenten von Hindenburg zu seinem 86. Geburtstag folgenden Glückwunsch gesandt: "Dem Generalfeldmarschall des großen Krieges entbieten die kämpferischen Willensträger der deutschen Revolution zum 86. Geburtstag ihren Glückwunsch und Gruß. (…) In ihm grüßen wir das Deutschland der Ehre, Freiheit und Kraft, dessen bestes Vermächtnis zu pflegen uns heiligste Aufgabe ist."
Reichsinnenminister Wilhelm Frick ruft alle Reichsstatthalter sowie die Reichs- und Landesbehörden dazu auf, das bisher übliche Amtsdeutsch wo immer möglich zu vereinfachen.
Sämtliche Angehöriger der Polizei und Landjägerei in Preußen beteiligen sich am Winterhilfswerk in der Form von Abzügen von der Besoldung. Die oberen Dienstgrade stiften 2% ihres Nettoeinkommens alle anderen Dienstgrade ein Prozent.
In einem unterirdischen Gang bei Plaue (Kreis Arnstadt) entdeckten SA und Polizei eine große, wohnlich ausgestattete Höhle, in der offenbar bis vor kurzem KPD-Führer Unterschlupf gefunden haben. Die Bewohner haben die Höhle schon durch einen zweiten Ausgang verlassen.
Der Gestapo gelang es jetzt, in dem Breslauer Kaufhaus Blasse eine jüdische Hetzzentrale aufzudecken. Türen und Wände waren von staatsfeindlichen Elementen mit Inschriften und Bildern beschmiert worden, die die schamlosesten Beleidigungen nationalsozialistischer Führer enthielten. 22 jüdische Angestellte sind daraufhin aus dem Betrieb fristlos entlassen worden.
Die streikende Belegschaft der Ford-Werke in Chester (Staat New York) haben vor den Ford- Montagewerkstätten in Edgewater (New Jersey) Streikposten aufgestellt. Daraufhin sind die Werkstätten, in denen normalerweise 25.000 Menschen Beschäftigung finden, geschlossen worden.
Der mit drei Wissenschaftlern bemannte sowjetische Stratosphärenballon "Stratostat SSSR" steigt bei Moskau auf eine Höhe von 18.400 m und übertrifft damit den Höhenrekord des Schweizer Physikers Auguste Piccard vom 18. August 1932 von 16.201 m.

3.10.1933
Dem Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, wird die Auslandsabteilung der NSDAP als Hauptabteilung der Reichsleitung unmittelbar unterstellt.
In Leipzig endet die am 30. September eröffnete 4. Reichstagung des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen. Am letzten Tag erklärt Adolf Hitler: "Der totale Staat wird keinen Unterschied dulden zwischen Recht und Moral. Nur im Rahmen einer Weltanschauung kann und muss eine Justiz unabhängig sein".
In der Aula der Leipziger Universität wird durch den Reichsjustizkommissar Dr. Frank die Akademie für deutsches Recht proklamiert. […] Nach einer Ansprache des Professors Dr. Achelis, des Rektors der Universität, umriss Professor Kisch die Aufgaben der neugegründeten Akademie. Er bezeichnete sie als einen Markstein auf dem Wege der Rechtserneuerung. Der leitende Gedanke sei, die wissenschaftlichen Kräfte des Rechts auch der Wirtschaft nutzbar zu machen.
Unter Führung von Vizekanzler Franz von Papen (parteilos) wird die Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher gegründet. Sie soll auf Weisung des Stellvertreters des Führers der NSDAP, Rudolf Heß, die Katholiken für eine "rückhaltlose Mitarbeit" im neuen Staat gewinnen.
Reichssportführer von Tschammer-Osten sprach beim Sportfest des Deutschen Ostens in Breslau zu den versammelten deutschen Sportführern. In der deutschen Sportgemeinde gebe es eine große Menge von Menschen, die aus ihrer Erfahrung heraus mehr könnten als sie sagten.
Der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (christlichsozial) wird in der Wandelhalle des Parlamentsgebäudes bei einem Attentat leicht verletzt. Bei dem Täter, den 27 Jahre alten ehemaligen Gefreiten des österreichischen Bundesheeres, Dertil, handelt sich bei nach den ersten Aussagen von Zeugen, die ihn länger kennen, offenbar um einen etwas verwirrten Mann. Er wurde auf der Stelle verhaftet.
Der bisherige ehrenamtliche Bürgermeister von München, Karl Fiehler, wurde vom Münchner Stadtrat einstimmig zum berufsmäßigen Bürgermeister gewählt.
Der neue polnische Gesandte Józef Lipski ist am Vormittag in Berlin eingetroffen. Er tritt die Nachfolge von Alfred Wysocki an, der als polnischer Gesandter nach Rom beordert wurde.
Deutschlands erste Spielbank ist in Baden-Baden in feierlicher Weise in Betrieb genommen worden. Das Casino befindet sich im rechten Flügel des Kurhauses.
Das Stockholmer Amtsgericht hat heute das Urteil im Prozess gegen den Herausgeber der kommunistischen Zeitung "Ny Dag", Carl Gustav Johansson, gefällt, der sich wegen vier, den Preußischen Ministerpräsidenten Göring beschimpfenden Artikel zu verantworten hatte. Johansson wurde gemäß dem Pressegesetz für jeden Artikel zu einem Monat Gefängnis, also insgesamt zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.
Das spanische Parlament hat dem Kabinett Lerroux, das erst seit wenigen Wochen im Amt ist, mit 189 gegen 100 Stimmen das Misstrauen ausgesprochen. Infolge dieser Abstimmung ist das Kabinett zurückgetreten.
König Alexander I. von Jugoslawien besucht König Boris III. von Bulgarien auf Schloss Euxinograd bei Varna. Thema der Gespräche ist der mögliche Beitritt Bulgariens zum Staatenbund der Kleinen Entente.

4.10.1933
Durch das Schriftleitergesetz, das die Reichsregierung erlässt, verlieren deutsche Journalisten ihre Unabhängigkeit. Die Presse ist damit gleichgeschaltet. Schriftleiter kann danach nur werden, wer bei entsprechender fachlicher Ausbildung arischer Rasse ist und geistige und nationale Eigenschaften besitzt. Das Schrittleitergesetz erzwingt die Entlassung jüdischer Reporter und leitender Verlagsangestellter.
Vor der Presse erklärt SA-Stabschef Ernst Röhm, die Reichswehr sei der alleinige Waffenträger der Nation, die SA dagegen der Willensträger der Revolution.
Der preußische Innenminister Hermann Göring erklärt in einem Erlass "Nachdem die kommunistischen Organisationen im Lande zerschlagen sind, versucht ein Rest kommunistischer Hetzer, den Aufbau des nationalsozialistischen Staates zu stören (...) Gegen Flugblatt-Verteiler, die sich der Polizeibeamten auf Anruf nicht stellen, ist sofort rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch zu machen (...)"
Nach einer neuen Entscheidung des Reichswirtschaftsministeriums dürfen Reisende keine Lebensmittel mehr aus dem Ausland über die Grenze mitbringen. Eine Ausnahme wird nur für Butterpäckchen bis zu einem Kilogramm Gewicht gemacht, die als Geschenk für Unbemittelte gedacht sind.
Deutscher Staatsbürgerinnen Verband - allgemeiner deutscher Frauenverein 1865 hat in einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung in Leipzig seine Auflösung beschlossen. Der Verband hat 68 Jahre lang an der Frauenbewegungsarbeit in Deutschland entscheidend mitgewirkt.
Dem gesamten Personal der österreichischen Zugspitzbahn ist gekündigt worden. Die Zugspitzbahn wird ab 1. November ihren Betrieb einstellen.
Die Regierung der Tschechoslowakei löst die sudetendeutsche Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei und die rechtsstehende Deutsche Nationalpartei auf. Wenige Stunden vorher allerdings hatte sich die Sudetendeutsche Nationalsozialistische Partei, die auf dieses Vorgehen der Regierung gefasst war, selbst aufgelöst und allen ihren Mitgliedern jede Handlungsfreiheit zurückgegeben. Abends hat die Regierung gegen die Führer der aufgelösten Partei, die Abgeordneten Jung und Schubert, Haftbefehl erlassen.
Erich Kleiber dirigiert erstmals das Berliner Philharmonische Orchester. Auf dem Programm steht u.a. das Klavierkonzert in C-Dur (Köchelverzeichnis 467) von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Solistin ist Lubka Kolessa.
In Los Angeles sind durch einen Erdstoß 2 Häuser zerstört worden. Im allem Stadtgegenden gingen Fenster in Trümmer und mehrere Einwohner wurden verletzt.

5.10.1933
Reichskanzler Adolf Hitler besichtigt in Begleitung von Reichsinnenminister Wilhelm Frick das gesamte Areal für die vorgesehenen Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Hitler ordnet an: "Die gesamten Olympiabauten im Grunewald übernimmt das Reich. Das eigentliche Stadion soll auf 100.000 Sitzplätze vergrößert werden... Im Zusammenhang mit der Erweiterung des Stadions soll auch ein für Massenkundgebungen ausreichendes Aufmarschgelände (Maifeld) entstehen... In der reizvollen Murellenschlucht im Nordwesten des Stadionsgeländes soll eine große Freilichtbühne (heute Waldbühne) errichtet werden."
Auf Grund des von der Generalsynode beschlossenen Bistumsgesetzes wurden durch den Kirchensenat und den Landesbischof der Altpreußischen Landeskirche folgende Persönlichkeiten zu Bischöfen berufen: Oberkonsistorialrat Friedrich Peter zum Bischof von Magdeburg und Halberstadt; Pfarrer Fritz Kessel zum Bischof von Königsberg; Pfarrer Karl Thom zum Bischof von Cammin; Pfarrer Dr. Heinrich Josef Oberheid zum Bischof von Köln und Aachen. Zu Pröpsten wurden ernannt: Pfarrer Fritz Loerzer zum Propst der Kurmark; Pfarrer Otto Eckert (Zossen) zum Propst der Neumark; Superintendent Johannes Grell zum Propst der Grenzmark; Generalsuperintendent Dr. Karl Lohmann zum Propst von Westfalen-Süd; Generalsuperintendent Ernst Stoltenhoff zum Propst von Rheinland-Süd und Saar; Superintendent Konrad Jenetzki zum Propst von Liegnitz. Alle bis auf zwei sind alte Vorkämpfer der Glaubensbewegung.
Die Berliner NSBO hat 25.000 Reichsmark an die Stiftung für die Opfer der Arbeit überwiesen. 20.000 Mark davon entfallen allein auf den Reingewinn der seinerzeitigen Lunapark-Veranstaltungen. Ferner wurden an die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit 32.000 Reichsmark abgeführt, ein Betrag der sich aus vielen kleinen Spenden der Berliner Betriebszellen zusammensetzt.
Über 20% der Ortskrankenkassen haben seit Amtsantritt der nationalen Regierung ihre Beiträge zum Teil recht beträchtlich senken können.
Alle Parteien in Havanna, die sich eben noch blutig bekämpften, taten sich friedlich zusammen um alle erdenklichen Maßnahmen zu treffen, als das Herannahen eines Wirbelsturms gemeldet wurde. Das Unwetter zog schließlich über die Stadt hinweg, ohne allzu großen Schaden anzurichten.
In den Anlagen des Griffith-Parks bei Los Angeles ist durch eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe ein umfangreicher Brand ausgebrochen, der unter den bei Notstandsarbeiten im Park beschäftigten Arbeitslosen und unter den brandbekämpfenden Feuerwehrleuten 29 Todesopfer forderte. Viele versuchten Bergauf den Flammen zu entkommen. Sie wurden jedoch eingeholt und starben an Ort und Stelle. Es handelt sich hierbei um das schlimmste Feuerwehrunglück in Kalifornien.

6.10.1933
Das Buch "Mit Hitler an die Macht" des NSDAP-Reichspressechefs Otto Dietrich erscheint im Handel. Die erste Auflage von 20.000 Exemplaren ist bereits aufgrund von Vorbestellungen vergriffen.
Der von 3200 Delegierten besuchte 6. Allgemeine Deutsche Sparkassen- und Kommunalbankentag in Leipzig fordert die Anerkennung der Sparkassen als Hauptträger der planmäßigen Sparförderung und spricht sich für ein Ende der im Jahr 1931 verordneten Kreditbeschränkungen aus.
Die Stadtverordnetenversammlung in Kassel hat eine Millionenvorlage angenommen, die die seit Jahrzehnten geplante Sanierung der Kasseler Altstadt und der Elendsquartiere vorsieht. Der Plan erfordert zahlreiche Hausabbrüche, Umbauten und spätere Neubauten und bietet vielen Menschen Arbeit.
Bei Grabungen im Lager des freiwilligen Arbeitsdienstes im Ruhrgebiet stieß man auf ein großes Gräberfeld, aus dem eine Anzahl Urnen, Lanzen Schwerter und Spangen geboren wurden.
Der verantwortliche Redakteur der sozialdemokratischen »Innsbrucker Volkszeitung« wurde zu 100 Schilling Geldstrafe und drei Wochen Arrest verurteilt, weil er die Glückwunschdepesche des Reichsaußenministers Freiherrn von Neurath an den Bundeskanzler Dollfuß unter der Überschrift veröffentlicht hatte: "Ein Gesinnungsfreund des Attentäters gratuliert."
Der Reichsverkehrsminister Freiherr von Eltz-Rübenach ist zum Studium ostpreußischer Verkehrsfragen, die im Zusammenhang mit dem Aufbauplan Ostpreußens stehen, nach Königsberg geflogen. Um sich ein Bild von den Gegebenheiten zu machen, wird er selbst einen großen Teil Ostpreußens mit dem Flugzeug oder dem Auto bereisen.
Auf Veranlassung des preußischen Kultusministeriums ist das "Mendelssohn-Zimmer" der preußischen Staatsbibliothek in Berlin, das nach dem Kronprinzen Felix Mendelssohn-Bartholdy benannt war, nunmehr umbenannt worden in "Meistersaal der Musikabteilung".
In den amerikanischen Kohlegebieten ist es zu schweren Unruhen gekommen. Im Braunkohlegebiet von Pennsylvania stehen hunderttausend Bergarbeiter im Streik, um die Anerkennung ihrer Gewerkschaften durchzusetzen. Zwischen den Streikenden und einigen Arbeitswilligen gab es schwere Auseinandersetzung, sodass die Polizei sogar von der Schusswaffe Gebrauch machen musste.
In Edinburgh ist der Radiologe William Hope Fowler im Alter von 57 Jahren gestorben. Er ist ein Opfer der Wissenschaft geworden, denn bei der Beschäftigung mit Radium hat er sich schwere Schäden zugezogen.

7.10.1933
Im "Winterhilfswerk" haben sich auch in den letzten Tagen wieder viele Berliner Firmen mit namhaften Spenden beteiligt. Die Firma Kempinski u. Co. liefert täglich 300 Essen. Die Oberbeamten der DD-Bank spendeten für die Zeit vom Oktober bis März einen täglichen Mittagstisch für 200 Volksgenossen. Die Zigarettenfabrik Garbatty stiftete 25.000 Mark und speist außerdem jeden Tag 250 Volksgenossen.
Die deutsche Arbeitsfront führt von Anfang Oktober ein Werbefeldzug durch, der die Idee des nationalsozialistischen Staates auf arbeitspolitischem Gebiet populär machen soll. Grundgedanke soll die Garantierung des Arbeitsfriedens sein, und die Aktion soll bis Mitte November dauern.
Der Reichsarbeitsminister hat der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung Mittel für Produktivdarlehen an ältere erwerbslose Angestellte zur Verfügung gestellt. Angestellten die nicht mehr auf Beschäftigung rechnen können, soll die Errichtung einer selbständigen Existenz erleichtert werden.
Die Landesstelle Sachsen des Reichsministeriums für Propaganda verbietet das Tanzen nach Marschliedern der NSDAP.
Der Schauspieler Heinz Rühmann wird Mitglied der Reichsfilmkammer. Er hat in seinem Aufnahmeformular verschwiegen, dass seine Frau Jüdin ist.
Auf einer Feier des Welttierschutztages beim Tierschutzverein Berlin West sprach der Referent für Tierschutz Fragen im preußischen Ministerium des Innern, Ministerialrat Conti, im überfüllten Festsaal des Schlossparkrestaurants. Er schilderte die Einstellung des Nationalsozialismus: "Der Mensch spiele zwar eine überragende Rolle in der Schöpfung, aber gerade diese Führerstellung trage Verpflichtung in sich gegenüber den anderen Lebewesen."
Nach einer Entscheidung des Arbeitsgerichts Berlin ist eine Entlassung von Arbeitnehmern wegen Äußerungen, die sich gegen die nationalsozialistische Reichsregierung richten, zulässig.
Der Rat der sächsischen Stadt Riesa hat beschlossen, an der Schlageterstraße einen Schandpfahl zu errichten, an dem die Namen aller Schwarzarbeiter, Doppelverdiener und sonstigen Saboteure der Arbeitsschlacht bekanntgegeben werden sollen.
Die luxemburgische Regierung hat beschlossen, von jetzt ab wieder die mitteleuropäische Zeit einzuführen. Seit Kriegsende hatte sich Luxemburg mit der Winter und Sommerzeit steht's den Westmächten angeschlossen, sodass die Uhren in Frankreich, Belgien und Luxemburg übereinstimmen.
In Paris wurde in einer aus Holland kommenden Ladung, die aus 100 Pfund Seemuscheln bestand, ein Posten von 20 Pfund Kokain gefunden.

Der deutsche Vizekanzler Franz von Papen, der SA Stabschef Ernst Röhm und der SA Gruppenführer Karl Ernst treffen am 6. Oktober unter lebhaften Ovationen der Bevölkerung, in Breslau ein. Dort nehmen sie als Ehrengäste den großen Schlesischen SA-Aufmarsch ab.

8.10.1933
In Genf tagen zum wiederholten Male die Hauptmächte der Welt auf der Abrüstungskonferenz. Die deutsche Delegation steht wie bisher auch unter der Leitung des Botschafters Nadolny. Zunächst wird Nadolny Vorbesprechungen mit den Vertretern verschiedener anderer Mächte haben.
Auf einer Pressekonferenz erklärt in Prag der Gründer der Sudetendeutschen Heimatfront, Konrad Henlein, er und seine Bewegung stünden fest auf dem Boden des Staates. Man wolle auch in der Regierung mitarbeiten. Jeder Jude, der sich zum Deutschtum bekenne, sei willkommen.
Die Gesamtzahl der Arbeitslosen verringerte sich im Bezirk des Landesarbeitsamts Brandenburg im September dieses Jahres gegenüber dem Vormonat um rund 60000 Personen. Erstmalig ist die Zahl der Arbeitslosen in diesem Monat in Berlin mit rund 54000 stärker zurückgegangen als in der Provinz.
Bei Jastrow wird das erste Adolf-Hitler-Denkmal in der nördlichen Grenzmark Posen-Westpreußen eingeweiht. Nach einem Festgottesdienst begann der Weiheakt mit dem Marsch der Wehrverbände und sämtlicher Jastrower Vereine zum Denkmalsplatz, der auf der höchsten Erhebung der Hitler Berge vor den Toren der Stadt liegt.
200 bedürftige Berliner Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren, fahren durch Vermittlung der NS-Volkswohlfahrt auf drei Wochen ins Allgäu, nach Füssen. Dort sind sie Gäste der Kurverwaltung, wohnen in Hotels, Pensionen und Privatquartieren.
In verschiedenen Orten Ostoberschlesiens veranstalteten die polnischen Schützen- und Aufständischenverbände unter Schmährufen auf Hitler und das Deutschtum deutschfeindliche Kundgebungen, wobei an verschiedenen Stellen Volksbundheime und auch die Privatwohnungen von Deutschen verwüstet und Deutsche mißhandelt wurden. In Kattowitz veranstaltet der Aufständischenverband seine Generalversammlung. Die dabei angenommenen Entschließungen forderten die Polen in Westoberschlesien auf, an ihren nationalpolnischen Ideen festzuhalten, da früher oder später ihre Wünsche bezüglich der Wiedervereinigung mit ihrer polnischen Heimat in Erfüllung gehen müßten. Von den Behörden wurde scharfes Vorgehen gegen die deutsche Presse, rücksichtslose Auflösung aller deutschen Organisationen und Polonisierung der gesamten Industrie sowie Besetzung sämtlicher maßgebender Stellen durch polnische Beamte verlangt. Der Deutsche Volksbund erhob wegen der Mißhandlungen von Deutschen Beschwerde beim Präsidenten Calonder.

9.10.1933
Anläßlich des 26. Geburtstages des von Kommunisten ermordeten Sturmführers Horst Wessel fand im Garten des Horst-Wessel-Krankenhauses eine Gedenkfeier statt, bei der das Sterbezimmer Horst Wessels der Öffentlichkeit als historische Stätte der nationalsozialistischen Bewegung übergeben wurde. Reichsminister Dr. Goebbels hielt die Gedenkrede.
Auf der Leuchtenburg in Thüringen wird das erste Reichsschulungslager für Studentinnen abgehalten. Es dient vorwiegend dem Zweck, alle Studentinnen, die verantwortliche und führende Arbeit zu leisten haben, zu versammeln und ihnen in Schulungen, verbunden mit praktischen Übungen, in Referaten und gemeinsamer Aussprache die Richtung und Zielsetzung des Nationalsozialismus klarzulegen.
Zur Pastorius-Feier in der Krolloper überbrachte Dr. Goebbels im Namen der Reichsregierung die Grüße Deutschlands an das amerikanische Volk und an seinen Präsidenten und führte u.a. folgendes aus: "Wir Nationalsozialisten fühlen uns mit jedem einzelnen Volksgenossen, gleich, ob er im Reich selbst oder jenseits der Grenzen lebt und arbeitet, aufs engste verbunden.
Die Völkerbundsversammlung wählte Portugal in den Völkerbundsrat. Portugal erhielt den 15. Ratssitz, der auf seine Initiative kürzlich durch Beschluß der Völkerbundsversammlung geschaffen worden war und um den es sich beworben hatte.
Uraufführung des zweiten SA-Films "Horst Wessel". Propagandaminister Joseph Goebbels verbietet danach die Aufführung des Films "Horst Wessel". Der Film werde dem Ansehen des SA-Mannes nicht gerecht.
Die "Tägliche Rundschau", eine dem früheren Reichskanzler Kurt von Schleicher nahestehende Tageszeitung, die bereits vom 3. bis 9. Mai und ab 8. Juli für drei Monate verboten worden war, stellt ihr Erscheinen ein.
Der bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Hermann Esser, spricht sich gegen die in einigen Zeitungen Bayerns veröffentlichten "Pranger-Tafeln" mit den Namen mißliebiger Personen aus.

10.10.1933
In der Reichskanzlei findet eine "interne Besprechung" über die Bauten auf dem Olympiagelände statt. Zu Beginn erklärt Adolf Hitler, dass man, wenn man zu einem Fest einlade, der Welt auch zeigen müsse, was das neue Deutschland kulturell leiste. Hitler verlangt vom beauftragten Architekten, Werner Mach, dass er in der westlichen Verlängerung des Stadions einen Platz schaffe, der nahezu 500.000 Menschen aufnehmen kann. Bauherr des von nun als "Reichssportfeld" bezeichneten Bauprojekts wird das Reich. Die Stadt Berlin wurde ausgebootet.
Der preußische Justizminister Kerrl erließ für eine schnelle und wirksame Strafrechtspflege eine Verfügung, dass Staatsanwaltschaften auch bei der Einlegung und der Durchführung von Rechtsmitteln im Strafprozeß das Ziel, das Strafverfahren mit größter Beschleunigung der Rechtskraft zuzuführen, zu verwirklichen haben.
Martin Bormann wird zu einem der 18 "Reichsleiter" der NSDAP ernannt und gehörte damit dem innersten Führungszirkel der Partei an.
Als erster katholischer Bischof legt Clemens August Graf von Galen, der Bischof von Münster, nach den Bestimmungen des Reichskonkordats vor dem preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring den Eid auf die Verfassung ab.
Der Führer der Stuttgarter Studentenschaft, Albert Schmehl, richtet an den Rektor der TH Stuttgart die Aufforderung, die Liste der Ehrendoktoren und Ehrensenatoren, die ihre Titel zwischen 1918 und 1932 er hielten, zu revidieren, um "die reine Ehre dieser Würden" wiederherzustellen.
In Borken bei Eichenau, wo ein Heim des Deutschen Volksbundes eingeweiht werden sollte, drangen fünfzig bewaffnete Mitglieder des polnischen Aufständischen-Verbandes kurz vor Beginn des Festaktes in das Heim ein, das völlig demoliert wurde. Anwesende Deutsche wurden misshandelt und acht von ihnen erheblich verletzt.
Der Erzbischof von Freiburg, Conrad Gröber, stellt sich in einer Rede in Karlsruhe "restlos hinter die neue Regierung und das neue Reich".
Das Schwurgericht in Berlin verurteilt die Angeklagten Willi Rochow und Otto Woithe, die am 16. März den Hitlerjungen Fritz Schmitzberg, genannt Imme, durch mehrere Schüsse getötet hatten, wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode.
Der Raketenkonstrukteur Reinhold Tiling und seine Assistentin sterben bei einer Explosion in Tilings Labor in Arenshorst (Kreis Wittlage).

11.10.1933
In Genf endet die am 25. September eröffnete 14. Versammlung des Völkerbundes. Am deutschen Einspruch scheitert der Versuch, in einer Resolution zur Minderheitenfrage auch Religionsgemeinschaften wie die Juden als nationale Minderheit anzuerkennen.
Nach der Auflösung des Nationalen Deutschen Automobil-Clubs, dessen Mitglieder sich in die Einheitsfront der deutschen Kraftfahrer eingereiht haben, hat jetzt auch der Automobil-Club von Deutschland (AvD.) sich dem neuen Verband der deutsche Automobil-Club angeschlossen. Der AvD wird als "Stammclub Berlin" erhalten bleiben und vornehmlich die Aufgabe haben, den deutschen Kraftsport auf internationalen Kongressen zu vertreten.
Auf Grund des § 6 des Berufsbeamtengesetzes können Wartestandsbeamte, die nicht wieder verwendet werden und nicht wegen jüdischer Abstammung, politischer Unzuverlässigkeit usw. ausgeschieden sind, in den dauernden Ruhestand versetzt werden. Das preußische Staatsministerium hat für diese Pensionierungen in einem Runderlaß neue Richtlinien aufgestellt.
Bischof Joachim Hossenfelder erklärt im Hinblick auf gewisse Gerüchte, dass eine Auflösung der evangelischen Jugendverbände nicht in Frage komme.
Durch Verordnung des preußischen Finanzministers wird die staatliche Grundvermögensteuer für landwirtschaftliche Grundstücke ab 1. Oktober nicht mehr erhoben. Dagegen sind die Gemeinden auch weiterhin berechtigt, die von ihnen festgesetzten Zuschläge zu erheben.
Der Polizeipräsident von Gleiwitz erlässt eine Warnung vor dem Abhören ausländischer Sender, die Hetznachrichten gegen die Reichsregierung verbreiten. Gastwirtschaften, die zuwiderhandeln, werden geschlossen, über deren Inhaber wird Schutzhaft verhängt.
Auf der Insel Langlütjen in der Wesermündung hat der Staat Bremen ein Konzentrationslager eingerichtet. Innerhalb eines Sperrgebietes um die Insel herum darf nicht mehr gejagt und gefischt werden, und Schiffe dürfen auch nicht ankern.

12.10.1933
Adolf Hitler beruft seinen Botschafter Rudolf Nadolny aus Genf von der dortigen Abrüstungskonferenz zurück. Der italienische Botschafter Vittorio Cerutti übermittelt Adolf Hitler einen von Benito Mussolini entworfenen Plan für eine graduelle Wiederaufrüstung Deutschlands als neue mögliche Verhandlungsgrundlage. Hitler gibt Cerutti zu verstehen "dass er sich eigentlich das endgültige Scheitern der Abrüstungskonferenz wünsche, damit Deutschland vom Versailler Vertrag endlich befreit sei".
Im Berliner Sportpalast findet eine öffentliche Versammlung deutscher Polizeibeamter statt. Die Halle des Sportpalastes konnte die große Menge von Polizeibeamten nicht fassen, so dass noch das Kasino des Sportpalastes mit in Anspruch genommen werden musste. Justizminister Kerrl wies in seiner Rede auf die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Justiz hin, denn das enorme Absinken der Kriminalität in der letzten Zeit lege von dieser Zusammenarbeit bestes Zeugnis ab.
Im KZ Esterwegen wird der SPD-Politiker und Polizeipräsident von Altona (1929-1932), Otto Eggerstedt, bei Außenarbeiten bei einem Fluchtversuch erschossen.
In Rom hält die frühere österreichische Kaiserin Zita, Gattin des 1922 im Exil auf Madeira verstorbenen Kaisers Karl I. einen zweistündigen Empfang ab, zu dem 75 Angehörige des früheren österreichischen Adels angereist sind.
Verbilligung des Hochschulstudiums in Preußen - Der preußische Kultusminister hat in einem Erlass angeordnet, dass die hohen Honorargarantien, die einigen Professoren früher bewilligt worden sind, auf ein erträgliches Maß zurückgeführt werden. In einem weiteren Erlass hat er im Einvernehmen mit dem preußischen Finanzminister eine weitgehende Ermäßigung der jetzt im Studienjahr zu zahlenden Kolleggelder für kommende Semester angeordnet.
Das Reichskabinett hat den Bau des oberschlesischen Industrie-Kanals beschlossen. Damit ist ein jahrzehntealter Wunsch der Binnenschifffahrt des Ostens, der oberschlesischen Kohlen- und Eisenindustrie in Erfüllung gegangen. Eine leistungsfähige Wasserstraße wird von Gleiwitz aus über Cosel, nach Breslau und durch den Oder-Spree-Kanal nach Berlin und dem Elbegebiet führen.
In der Kölner Messehalle findet eine gemeinsame Kundgebung der Kölner NSBO und der Universität Berlin statt. Der Landesleiter des Kampfbundes für deutsche Kultur, Robert Brandes, eröffnete die Kundgebung und begrüßte die Ehrengäste. Der Sinn des Abends sei, zu zeigen, dass Kultur keine Angelegenheit einer bevorrechtigten Schicht sei.
Der Verlag Dumont-Schauberg beschließt, die "Kölnische Zeitung" und den "Stadtanzeiger für Köln und Umgegend" in einheitlichem Format herauszubringen. Die "Kölnische Zeitung" soll ihren Charakter als führendes politisches und wirtschaftliches Blatt unverändert beibehalten. Der bisherige Leiter des Handelsteiles der "Kölnischen Zeitung", Dr. Johann Schäfer, übernahm die Hauptschriftleitung.
Der katholische Pfarrer, Kuratus Schrepfer aus Stappenbach, wurde in Schutzhaft genommen, weil er, wie verlautet, die Kinder seiner Pfarrei vom Eintritt in die Hitlerjugend abzuhalten und die Eltern in diesem Sinne zu beeinflussen versuchte.

13.10.1933
Das Reichsgesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens bedroht jeden Mordversuch an einem mit der Strafverfolgung betrauten Beamten oder einem Angehörigen der NSDAP und ihrer Gliederungen mit dem Tode.
In Großbritannien erscheint eine auf 200 Seiten gekürzte englische Übersetzung von Hitlers Programmschrift "Mein Kampf".
Die Landtage von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz beschließen in Rostock die Vereinigung ihrer beiden Länder (in Kraft 1. 1. 1934).
Der Führer Adolf Hitler hat verfügt, dass denjenigen Parteimitgliedern, die die Mitgliedsnummer 1-100.000 tragen und die von ihrem Eintritt ab ohne Unterbrechung der Partei angehört haben, ein Goldenes Ehrenzeichen verliehen werden soll.
Die Reichsleitung der NSDAP hat sich in dem konfessionellen Neutralitätserlass des Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß dafür ausgesprochen, dass kein Nationalsozialist verpflichtet sei, sich zu einer bestimmten Glaubensrichtung zu bekennen".
Der deutsche Hauptdelegierte auf der Abrüstungskonferenz, Botschafter Nadolny, ist in Berlin eingetroffen. Er begab sich sofort zum Reichskanzler Adolf Hitler und erstattete ausführlichen Bericht über die Lage in Genf.
Der Bundespräsident des deutschen Reichskriegerbundes "Kyffhäuser" General der Artillerie a.d. von Horn, hat mit Genehmigung des Stellvertreters des Führers, Rudolf Hess, angeordnet, dass sämtliche Kriegervereinigungen an der Kyffhäuser-Bundesflagge den Hakenkreuz Wimpel zu führen haben.
Der Landesausschuss der Zentrumspartei des Saargebietes stimmte der Überführung der Zentrumspartei in die deutsche Front im Hinblick auf die Abstimmung im Jahre 1935 zu. Damit hat die Zentrumspartei des Saargebietes als selbständige Partei zu bestehen aufgehört.
Im Rahmen umfassender Pläne neuer öffentlicher Arbeiten hat Mussolini die vollständige Freilegung der historischen Engelsburg von den sie umgebenden Erdwällen befohlen. An ihre Stelle wird ein Park errichtet, wodurch das gewaltige Grabmal Hadrians und seiner Nachfolger und die spätere Festung des päpstlichen Rom großartiger denn je in Erscheinung treten wird.
Nach der feierlichen Eröffnung der braunen Messe erschien gestern der Magistrat von Königswusterhausen und erteilt und den ersten größeren Auftrag und zwar wurde eine Luckenwalder Firma aufgefordert, eine 300 m lange Brücke über den Oder-Spree-Kanal zu bauen.

14.10.1933
Auf der Genfer Abrüstungskonferenz gab der englische Außenminister Simon eine gewundene Erklärung über die notwendige Änderung des MacDonald-Planes ab. Diese lief praktisch darauf hinaus, dass für Deutschland die Waffenverbote und -beschränkungen des Versailler Diktates bestehen blieben und überdies auch eine Rüstungskontrolle einseitig gegen Deutschland eingeführt werden sollte. Das Deutsche Reich erklärt darauf seine Absicht, den Völkerbund zu verlassen und verzichtet auf eine weitere Teilnahme an der Abrüstungskonferenz.
Am Abend hält Adolf Hitler eine Rundfunkansprache, in der er seine Entschlüsse nochmals begründet: "Als Kanzler des deutschen Reiches und Führer der Nationalsozialistischen Bewegung bin ich überzeugt, dass die ganze Nation geschlossen wie ein Mann hinter ein Bekenntnis und einen Entschluss treten wird, die ebenso sehr der Liebe zu unserem Volk und der Achtung seiner Ehre entspringt, wie auch der Überzeugung, dass die für alle so notwendige endliche Weltbefriedigung nur erreicht werden kann, wenn die Begriffe Sieger und Besiegte abgelöst werden von der tragbaren Anwendung der gleichen Lebensrechte aller."
Der Reichspräsident ordnet die Auflösung des im März gewählten, achten Reichstages an und schreibt Reichstagswahlen für den 12. November aus. Gleichzeitig werden alle Landtage aufgelöst, nicht jedoch Neuwahlen für diese ausgeschrieben.
Durch eine Änderung des Gesetzes vom 7. April erfolgt die Ablösung der Reichsstatthalter nur durch den Reichspräsidenten. Nach der bisherigen Regelung orientierte sich ihre Amtszeit an der Legislaturperiode der Länderparlamente. Diese werden mit der Auflösung des Reichstages ebenfalls aufgelöst.
Der S. Fischer Verlag Berlin veranlasst den in der Schweiz lebenden Thomas Mann, seinen Namen von der Mitarbeiterliste von Klaus Manns erstmals im September in Amsterdam herausgekommenen Zeitschrift "Die Sammlung" zu streichen, um den Verkauf des am 5. Oktober erschienenen ersten Bandes des Joseph-Romans "Die Geschichten Jaakobs" nicht zu gefährden.
Das bisher in mehreren Verbänden zersplittert gewesene Gewerbe der Wäscherei und Plätterei ist jetzt zu einem Reichsverband zusammengeschlossen worden. Dem Reichsverband gehören zur Zeit 7000 Betriebe an. Der Verband erstrebt allgemeine Anerkennung des Wäscher- und Plättergewerbes als Handwerk.
Der Bund der Elsaß-Lothringer in Berlin hat seine Mitglieder zu seinem traditionellen Heimat- und Trachtenfest in den Zoo gerufen. Der Führer des Bundes, OG Berlin, Johann Schmidt, hieß nach einem malerischen Trachteneinzug, an dem sich fast alle deutschen Gaue durch Abordnungen mit ihren Fahnen beteiligten, die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste willkommen und gab der Verbundenheit der Elsässer und Lothringer mit dem Reich Ausdruck.

15.10.1933
In München legt Reichskanzler Adolf Hitler den Grundstein für das Haus der Deutschen Kunst. Mit dem Entwurf von Paul Ludwig Troost wurde der erste Monumentalbau des nationalsozialistischen Regimes verwirklicht. Nach Hitlers Plänen soll München die "Hauptstadt der deutschen Kunst" werden.
Bei einer Feier auf dem Ägidienberg bei Honnef am Rhein zur Erinnerung an die Bekämpfung der Separatistenbewegung sprach u.a. auch Reichspropagandaminister Dr. Goebbels über den Sinn der Volksabstimmung.
Für die "Volksabstimmung über den Aufruf der Reichsregierung an das deutsche Volk" hat der Reichsinnenminister die ersten Durchführungsbestimmungen erlassen. Der Stimmzettel enthält die dem Volk vorgelegte Frage: "Billigt das deutsche Volk die ihm im Aufruf der Reichsregierung vom 14. Oktober 1933 vorgelegte Politik der Reichsregierung und ist es bereit, diese als den Ausdruck seiner eigenen Auffassung und seines eigenen Willens zu erklären und sich feierlich zu ihr zu bekennen?"
In Berlin beginnen die Feierlichkeiten zur "Woche des deutschen Handwerks" mit einer Massenkundgebung um 11 Uhr im Grunewald-Stadion. Neben verschiedenen kleineren Veranstaltungen und Ausstellungen werden auch Rundfunk, Film und Bühne sich in den Dienst der Werbewoche stellen. Durch Aufklärung in Wort und Schrift, durch Rundfunk und Theater, soll für das Handwerk und für das Verständnis für handwerkliches Schaffen geworben werden, um diesen deutschen Berufsstand, der über 8 Millionen tätige Mitglieder und 1,4 Millionen Vertriebe umfaßt, zu fördern.
Die Schaffung des "Bundes Deutscher Verkehrsverbände und Bäder" als Zusammenfassung aller an der Förderung des Fremdenverkehrs in Deutschland interessierten Kreise hat dieser Zersplitterung ein Ende gemacht. Staatsminister Esser, der Präsident des Bundes, hat in einer mit vielem Beifall aufgenommenen temperamentvollen Rede darauf hingewiesen, wie wichtig, ja entscheidend eine einheitliche Führung in der Organisation des Fremdenverkehrsgewerbes ist.
Der Verband Wilmersdorfer Künstler hat seiner 14. Ausstellung, die soeben im Stadthaus Wilmersdorf eröffnet wurde, das sehr zeitnahe Thema "Arbeit und Brot" gegeben. Hier wird einmal so recht vor Augen geführt, wie stark jedes echte Kunstwerk Tendenz erhält und wie es erst durch diese seinen gesteigerten Wert empfängt.
In Leningrad wird das Konzert für Klavier, Trompete und Streicher opus 35 von Dmitri D. Schostakowitsch uraufgeführt, der auch als Klaviersolist auftritt.

16.10.1933
In seiner Antwort auf den deutschen Austritt aus der Genfer Abrüstungskonferenz weist deren Vorsitzender Arthur Henderson die angeführten Gründe zurück und erklärt, das der Konferenz zur baldigen Annahme vorgeschlagene Programm hätte den Wünschen der Reichsregierung durchaus entsprochen.
Außenminister Konstantin von Neurath begründet Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund vor ausländischen Pressevertretern. Er begründete diese Maßnahmen als Protest gegen die von den europäischen Großmächten seit Ende des Ersten Weltkrieges betriebenen Erniedrigungen sowie die Verletzung des Selbstbestimmungsrechts Deutschlands.
Für die neugeschaffene "Oberste Nationale Sportbehörde für die deutsche Kraftfahrt" (ONS) sind durch Obergruppenführer Hühnlein Ausführungs-Bestimmungen geschaffen worden, durch die Organisation und Aufgaben der sportlichen Zentralstelle festgelegt werden. Die Konzentration der Kräfte und Mittel herbeizuführen, dem Kraftfahrtsport Ziel und Richtung zu weisen, wird künftighin eine der Hauptaufgaben der ONS sein! Zahl und Art der vom NSKK und DDAC jährlich durchzuführenden Sportveranstaltungen schreibt für die Zukunft allein die ONS vor.
Adolf Hitler gratuliert dem Reichsstatthalter von Bayern, Franz Xaver Ritter von Epp, zu dessen 65. Geburtstag und begibt sich dann nach Berlin.
Mit der Drohung, die Filialkette zu schließen, erzwingt die Berliner Polizei den Verkauf der jüdischen Herrenmodefirma "Hemdenmatz" an arische Inhaber.
In Wien endet der am 14. Oktober eröffnete Parteitag der österreichischen Sozialdemokraten. Die Partei streicht den Artikel über den Anschluss an das Deutsche Reich aus ihrem Programm und bekräftigt ihren Willen, eine Auflösung der Partei, die Aufhebung der Verfassung, die Entmachtung der Gewerkschaften oder der Selbstverwaltung Wiens mit einem Generalstreik zu beantworten.
Die Bevölkerung Estlands billigt mit großer Mehrheit eine Präsidialverfassung autoritärer Prägung, die am 1. Januar 1934 in Kraft tritt.

17.10.1933
Reichsarbeitsminister Franz Seldte ordnet die strikte Beachtung aller geltenden Tarifverträge an. Die Treuhänder der Arbeit werden aufgerufen, keine Senkung des Lohnniveaus zuzulassen.
Das Reichskabinett verabschiedet ein Gesetz über die Änderung des Bankgesetzes vom 30. August 1924. Weiterhin genehmigte das Kabinett eine Änderung des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels vom 12. Mai 1933, das ein allgemeines Verbot der Errichtung neuer Verkaufsstellen des Einzelhandels für die Zeit bis zum 1. November 1933 vorsieht. Durch die Änderung wird die Sperre bis zum 1. Juli 1934 verlängert. Das Reichskabinett verabschiedete alsdann ein Gesetz über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks, wonach der Reichswirtschaftsminister im Einvernehmen mit dem Reichsarbeitsminister ermächtigt wird, über den Aufbau des deutschen Handwerks eine vorläufige Regelung auf der Grundlage allgemeiner Pflichtinnungen und des Führergrundsatzes zu treffen. Auf Antrag des Reichswirtschaftsministers beschloss das Reichskabinett, den Reichsminister der Finanzen zu ermächtigen, namens des Reiches Garantien von insgesamt zehn Millionen Reichsmark für Kredite zu übernehmen, die von gewerblichen Kreditgenossenschaften oder von Privatbankiers an Kleingewerbetreibende gegeben werden. Es handelt sich hierbei um eine Maßnahme im Zuge der Arbeitsbeschaffung, die nur als einmaliger Ausnahmevorgang zu bewerten ist.
Die NSDAP veranstaltete im Berliner Landtagsgebäude zur Vorbereitung des Reichstagswahlkampfes eine aus allen Teilen des Reiches stark besuchte Führertagung, auf der der Reichskanzler in einer großen Rede die Richtlinien für die Wahlpropaganda ausgab. Wegen der besorgten ausländischen Reaktionen auf den deutschen Austritt aus dem Völkerbund müsse der Wahlkampf im Gefühl höchster Verantwortung geführt werden und dürfe nur die Hauptthemen - Frieden und Gleichberechtigung - behandeln.
Im Berliner Sportpalast findet eine Großkundgebung der Hitlerjugend statt. Unter ungeheurem Jubel der Anwesenden hielt der Reichsjugendführer Baldur von Schirach eine Rede über die Vorzüge der Hitlerjugend ohne Standesdünkel und Klassenunterschiede.
Wegen einer falschen Bildzeile - ein Artikel über ein Schulfest war mit dem Bild einer Fahnenweihe der SA illustriert worden, die als "lustiges Komödienspiel" bezeichnet wurde - darf die "Essener Allgemeine Zeitung" vier Tage lang nicht erscheinen. Der Verleger und alle Beteiligten werden wegen Beleidigung der SA in Haft genommen.
Die Türkei und Rumänien unterzeichnen einen Freundschafts-, Schiedsgerichts- und Nichtangriffsvertrag. Er gilt für die Dauer von zehn Jahren.
Anton Drexler, Gründer der DAP, wird wieder bei der Deutschen Reichsbahn angestellt und bringt es bis zum Reichsbahnamtmann.

18.10.1933
Die Zustimmungserklärungen für die Reichsregierung mehren sich von Stunde zu Stunde. Alle Kreise der Bevölkerung dankten dem Kanzler für die entschiedene Tat. Die Deutsche Studentenschaft dankt dem Kanzler für die Wiederherstellung deutscher Ehre und gelobt Treue und Einsatzbereitschaft. Die katholische Aktion stellt sich geschlossen hinter den Kanzler in seinem Kampf um Gleichberechtigung. Der Reichsverband des Deutschen Groß- und Überseehandels dankt dem Kanzler aus tiefstem Herzen und stellt sich hinter den Führer. Der Nationalverband Deutscher Offiziere dankt dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung für die Wiedererringung deutscher Ehre und Ablehnung neuer Demütigungen. Krupp von Bohlen und Halbach gibt im Rahmen der deutschen Industrie die Erklärung ab, daß sie bedingungslos hinter dem Führer des deutschen Volkes stehe.
Der preußische Minister des Innern, Hermann Göring, hat, nach marxistischen oder kommunistischen Übergriffen gegen einzelne Ausländer, allen Behörden nochmals zur Pflicht gemacht, besonders darauf hinzuwirken, dass ausländischen Staatsbürgern in jeder Weise der öffentliche Schutz gewährt wird. Falls ein polizeiliches Eingreifen notwendig werde, sei mit besonderer Zurückhaltung, Vorsicht und Höflichkeit zu verfahren.
Reichspropagandaminister Dr. Goebbels hat dem Korrespondenten der "Daily Mail" in Berlin, Ward Price, ein Interview im Zusammenhang mit dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und der Abrüstungskonferenz beantwortet. Auf die Frage, ob Deutschland jetzt mit der Ausrüstung beginne, sagte der Propagandaminister: "Nein, Deutschland hält sich an seine vertraglichen Verpflichtungen. Es erhebt aber die Forderung, dass die anderen Unterzeichner des Vertrages ihre Versprechungen in derselben Weise erfüllen."
Die Wiederzunahme der Heiratshäufigkeit, die sich seit Beginn des Jahres bemerkbar machte, hat offenbar durch das Gesetz zur Förderung von Eheschließungen einen erneuten Antrieb erhalten. Es gab in Deutschland 15,2% mehr Eheschließungen als im selben Zeitraum des Vorjahres. In Berlin waren es sogar 25%.
Das Luftschiff Graf Zeppelin ist in Pernambuco (Brasilien) gelandet. Von dort fährt es dann über Miami in Florida nach Chicago zur Weltausstellung und über New York zurück.
Der Direktor des Postwesens der litauischen Hauptstadt Kowno und der Direktor der Memeler Postverwaltung sind wegen riesiger Briefmarkenschiebungen verhaftet worden, wodurch der Staat um hunderttausende geschädigt worden ist.
Die römische Polizei hat drei Italiener verhaftet, die gestanden, im Auftrag antifaschistischer Führer aus Paris am 25. Juni den Bombenanschlag auf die Peterskirche in Rom verübt zu haben.
In Düsseldorf wird Vinzenz Hower (Köln) durch einen Punktsieg nach zwölf Runden über Hans Schönrath (Krefeld) Deutscher Meister aller Klassen der Berufsboxer. Hein Müller (Köln) konnte den Titel wegen Verletzung nicht verteidigen.

19.10.1933
Die deutsche Reichsregierung teilt dem Völkerbund in Genf formell den Austritt aus der Weltorganisation mit. Dieser Austritt wird vom Deutschen Volk durch eine Volksabstimmung am 12. November 1933 mit überwältigenden 95,1 % bestätigt. Das weitgehends unbewaffnete Deutsche Reich war nicht bereit, Gewalt als Mittel internationaler Streitigkeiten zu akzeptieren.
Auf einer Veranstaltung des NS-Lehrerbundes im Berliner Sportpalast, an der etwa 15000 Lehrer teilnahmen, erklärt Reichsinnenminister Wilhelm Frick, Kunst sei der "sinnfällige Ausdruck" der Sehnsucht eines Volkes nach seiner "höchsten rassischen Gestalt". Außerdem sprachen der bayerische Kultusminister Hans Schemm und der Kustos der rheinischen Heimatmuseen, Dr. Oskar Karpa.
In Halle eröffnete im früheren Wasserturm am Stadtpark das noch nicht vollständig eingerichtete "Museum der nationalsozialistischen Erhebung": Es ist das erste seiner Art in Deutschland. Das Museum dokumentierte die Geschichte von 1918 bis 1933 aus Sicht der NSDAP und diente als "Erinnerungsstätte des nationalsozialistischen Freiheitskampfes".
In einer Sitzung des Ausschusses für allgemeine Wirtschaft im Reichsstand der Deutschen Industrie machte Dr. Krupp von Bohlen und Halbach als Präsident des Reichsstandes grundsätzliche Ausführungen über die Wirtschaftspolitik. Angesichts einer durch manche überstürzte Maßnahmen sich verwirrenden und die praktische Arbeit gefährdende Lage habe sich die Reichsregierung zu einer vorläufigen Einstellung der Arbeiten auf dem berufsständischen Gebiet der Wirtschaft entschlossen.
Der Reichspräsident Paul von Hindenburg empfängt vier neue Diplomaten zur Überreichung ihrer Beglaubigungsschreiben: den englischen Botschafter, Sir Eric Phipps, den Gesandte von Polen, Josef Lipski, den Gesandten von Brasilien, Artur Guimaräes Araujo Jorge und dem neuen portugiesischen Gesandten, Dr. Alberto da Veiga Simöes.
In einem Erlass des Reichswirtschaftsministers heißt es, dass zur Zeit Preissteigerungen auf dem Inlandsmarkt unterbleiben müssen. Preissteigerungen würden die Maßnahmen der Reichsregierung zur Arbeit Beschaffung und die mit ihr angestrebte Wirtschaft Belebung gefährden.
Die Nationalsozialistische Rundfunkkammer fordert alle Volksgenossen auf, mit allen Kräften dazu beizutragen, dass die Worte des Führers unmittelbar in jedes Haus getragen werden und dass der Rundfunk mit das wichtigste Instrument zum Zusammenschluss der deutschen Volksgenossenschaft wird.
Die Chicago Weltausstellung, die Ende Oktober geschlossen werden sollte, ist verlängert worden, weil Mann am 8. November die wieder Aufhebung der Prohibition als "Tag der wiedergewonnenen persönlichen Freiheit" und am 11. November den "Waffenstillstandstag" feierlich begehen will.

20.10.1933
Die Reichsregierung veröffentlicht den Text für den Stimmzettel zum Referendum über den Austritt aus dem Völkerbund.
Propagandaminister Goebbels eröffnet den Wahlkampf zur Volksabstimmung über den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund mit einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede über Deutschlands Kampf um Frieden und Gleichberechtigung in einer Massenveranstaltung im Berliner Sportpalast.
Der Sonderkorrespondent der britischen "Daily Mail", Ward Price, wurde in Berlin vom Reichskanzler Adolf Hitler empfangen. Der Führer beantwortet die Fragen des Reporters und bekräftigt erneut, dass Deutschland den Frieden in Europa im Verbund mit seinen Nachbarn sichern wolle.
Reichspräsident von Hindenburg hat den Präsidenten der Deutschen Akademie der Wissenschaften in München Geheimrat Professor Doktor von Müller, anlässlich der Vollendung seines 75 Lebensjahres den "Adlerschild des Reiches" verlieren.
Ministerpräsident Hermann Göring empfängt, in Ausübung der ihm von dem Reichskanzler übertragenen Befugnisse des Reichsstatthalters, den neuen Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, um von diesem den im Reichskonkordat festgelegten Treueeid für das Reich und für das Land Preußen entgegenzunehmen.
Der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium, Fritz Reinhardt, kündigt in einer Rede an, die Einkommensteuer werde im Jahre 1934 für jedes Kind um 15% und vom fünften Kinde ab um 30% ermäßigt werden.
In Berlin gibt die Reichswehr mit Trompetensignalen der Bevölkerung das Zeichen, die Karten für das große Winterhilfswerk an Lebensmitteln, Kleidung, Hausrat und so weiter für die Sammler bereitzustellen.
Das tschechoslowakische Abgeordnetenhaus billigt das von der Regierung eingebrachte Parteiengesetz. Es ist bis zum 1. Januar 1935 befristet und sieht die Auflösung einer Partei und den Verlust ihrer Mandate vor, wenn sich ihre Bestrebungen gegen die Selbständigkeit, Einheit und demokratische Ordnung der Republik richten.
Nach der Demission von Hans Tonisson bildet in Estland Konstantin Päts seine vierte Regierung. Sie soll den Übergang zur neuen Verfassung vorbereiten.

21.10.1933
Der Reichswirtschaftsminister, Kurt Schmitt, und der Reichsarbeitsminister, Franz Seldte, wenden sich gemeinsam gegen alle "unbefugten Kreise", die noch immer versuchen, Einfluss auf die Wirtschaft zu gewinnen. Sie stellen ausdrücklich fest, daß "kein Betriebsführer verpflichtet ist, Vorladungen und Anordnungen von Stellen, die nicht durch Gesetz oder durch die Regierung dazu berufen sind, Folge zu leisten".
Der britische Außenminister John Simon bezeichnet die Genfer Abrüstungskonferenz nach dem Austritt Deutschlands als praktisch lahmgelegt, betont aber das Interesse seiner Regierung an einem Fortgang der Gespräche. Ein endgültiges Scheitern sei gleichbedeutend mit einer neuerlichen Aufrüstung.
Staatskommissar Hinkel hat zu seinem Stellvertreter in der Landesleitung Berlin-Brandenburg-Grenzmark des Kampfbund für deutsche Kultur (KfDK) den Schriftsteller Erich Kochanowski und zum Geschäftsführer den Ingenieur SS-Sturmführer Walter Owens berufen.
Zum Bischof von Breslau wurde der bisherige Generalsuperintendent Dr. Otto Zänker ernannt, der einem westfälischen Pfarrhaus entstammt.
An der Universität Berlin wird nichtarischen Medizinstudenten die Approbation verweigert. Ohne diese Zulassung wird das Doktordiplom nicht verliehen. Den betroffenen Studenten bleibt die Möglichkeit, auf die deutsche Staatsbürgerschaft zu verzichten.
Für den »Tag des Eintopfgerichtes«, den ersten Sonntag eines jeden Monats, ist eine neue Regelung getroffen worden. Bereits am 5. November soll das Eintopfgericht in den Gaststätten, wie überhaupt allgemein, bis Mitternacht verabreicht werden.
Der frühere Vorsitzende des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften und Landtagsabgeordneter des Zentrums, Bernhard Otto, ist bei einem Autounfall in der Nähe von Grünberg tödlich verunglückt.
Der 100. Geburtstag von Alfred Bernhard Nobel wird benutzt, um auf den hohen Anteil deutscher Nobelpreisträger (28 Prozent) hinzuweisen.
Der amerikanische Präsident Roosevelt hat ein Einfuhrverbot für Alkohol zu medizinischen Zwecken erlassen, das bis zur Aufhebung der Prohibition in Kraft bleiben soll. Die Einfuhr von solchen Alkohol ist nämlich in diesem Jahr um 60 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Das Seegericht in Leningrad verurteilte den Kapitän des Dampfers "Prosintern" zu 10 Jahren Gefängnis wegen Fahrlässigkeit. Der Dampfer, bei dessen Untergang 15 Menschen ums Leben kamen, ist, wie das Gericht feststellte, gesunken, weil ein Teil der Besatzung betrunken war.
Um das Verbrechertum zu bekämpfen, hat der amerikanische Kriegsminister eine Verordnung erlassen, wonach Maschinengewehre und ähnliche Waffen nur noch mit besonderer staatlicher Genehmigung verkauft werden dürfen.

22.10.1933
Ministerpräsident Hermann Göring landet in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, wo er von seiner Schwägerin, Gräfin Wilamowitz-Möllendorff, und Legationsrat Dr. Meynen begrüßt wurde. Er besuchte das Grab seiner Gattin und wurde später von König empfangen.
Das preußische Staatsministerium hat die Einrichtung des in der Verfassung vorgesehenen Ständigen Ausschusses des preußischen Landtags aufgehoben. Dies ist eine Folge der von der Reichsregierung ausgesprochenen Auflösung der Landtage.
Die Prager Polizeidirektion hat die Tätigkeit der Vereine deutscher Volksverein und Germania, lese und rede Verein der deutschen Hochschüler in Prag mit der Behauptung verboten, dass diese Vereine eine politische Tätigkeit entfaltet hätten, die die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährdeten.
Durch eine gemeinsame Verordnung des Reichsernährungsministers und des Reichsjustizministers ist jetzt das im Erbhofgesetz vorgesehene Reichserbhofgericht geschaffen worden. Präsident des Erbhof-Gerichts ist der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Walther Darre.

Auf der ostpreußischen Seedienst-Konferenz, die in Tilsit stattfand, wurde beschlossen, nach dem Muster der Hansestadt Danzig auch die "Preußen" durch Einbau eines Mittelstückes zu verlängern und ein drittes Schiff für den Seedienst Ostpreußen zu bauen, dass wahrscheinlich "Tannenberg" heißen wird.
Die Firma Siemens hat beschlossen, für das Winterhilfswerk den Betrag von 200.000 Reichsmark zur Verfügung zu stellen. Der Betrag setzt sich zusammen aus Fortführung der Speisungen und Barüberweisungen an die Geschäftsstellen der NS-Wohlfahrt.
Im russischen Konsulat in Lemberg erschoss ein Mitglied der ukrainischen Terroristen Organisation, dass ich unter einem Vorwand Zutritt verschafft hatte, den Konsulatsbeamten Mailow und verletzte einen zweiten Beamten schwer.
Das Fußball Länderspiel zwischen Deutschland und Belgien im Duisburger Wedaustadion vor 35.000 Zuschauern endete mit einem 8 : 1 Sieg für die Deutschen. Schiedsrichter war Otto Olsson.
Vor über 50.000 Zuschauern in Rom bleibt der Italiener Primo Camera nach 15 Runden durch einen Punktsieg über den Spanier Paolino Uzcudun Box-Weltmeister in allen Klassen.

23.10.1933
Das Kolonialprogramm der Deutschen Bank wird Adolf Hitler vorgelegt.
Im Berliner Schloss wird eine Ausstellung Bildnisse und Bildwerke von Führern der nationalsozialistischen Bewegung eröffnet.
Im Bundeshaus des deutschen Reichskriegerbundes "Kyffhäuser" findet ein feierlicher Empfang des neuen Ehrenführers, das Reichsstatthalter von Bayern, von Epp, durch den Bundesführer General von Horn statt.
Jüdische Vereine zur sportlichen Betätigung dürfen sich ebenfalls zu Verbänden zusammenschließen. Sie erhalten etwaige Vergünstigungen in gleicher Weise wie sonstige Sportvereine und Verbände, die der Reichssportführung nicht angeschlossen sind.
Der amerikanische Präsident Roosevelt hält eine Rede im Weißen Haus, die an das amerikanische Volk gerichtet ist und im Rundfunk übertragen wird. Er spricht über die bisherigen Erfolge und Ergebnisse des Feldzuges für die wirtschaftliche Erholung. Roosevelt verspricht eine gesunde Währung und kündigte an, dass der Dollar nach der Wiederherstellung des Preisniveaus aufgewertet werden soll.
Unter Hinweis auf die zu erwartende Ausnutzung dieser Veranstaltung für nationalsozialistische Propaganda untersagt der demokratische New Yorker Oberbürgermeister John P. O'Brian den für den 29. Oktober geplanten "Deutschen Tag" zur 250-Jahr-Feier der deutschen Einwanderung nach Nordamerika.
In Washington veranstaltet die deutsche Kolonie einen "Deutschen Tag", bei dem Botschafter Dr. Luther spricht. Die Veranstaltung ist im Gegensatz zu deutschen Versammlungen aus früheren Zeiten sehr stark besucht.

24.10.1933
Mit einer Großkundgebung im Sportpalast eröffnet Reichskanzler Adolf Hitler die Kampagne für die am 12. November anberaumte Reichstagswahl und Volksabstimmung über den Austritt aus dem Völkerbund. Hitler fordert 300.000 Mann für die deutsche Wehrmacht mit einjähriger Dienstzeit und erklärt: "Wir wollen den Frieden, wir wollen die Verständigung, wir wollen aber auch unsere Ehre, unser gleiches Recht haben."
Im Reichseinheitsverband Deutscher Bücherrevisoren und Wirtschaftsprüfer werden auf Anordnung des Organisationsamts der Deutschen Arbeitsfront alle Berufsangehörigen zusammengeschlossen.
Die NSDAP-Führung gibt bekannt, dass in der Zeit vom 1. bis 5. November 1933 eine Unterbrechung der Aufnahmesperre für die SA eintritt.
Der französische Ministerpräsident Edouard Daladier stürzt nach einem gescheiterten Vertrauensvotum.
Durch Verordnung ist den Arbeitslosen, Kurzarbeitern, Kinderreichen und den anderen Inhabern von Reichsverbilligungsscheinen für Speisefette ab 1. November ein Bezugsrecht für billige "Haushaltsmargarine" zugestanden.
Im Reichsverband Deutscher Schriftleiter wurde eine Fachschaft "Musikkritiker" gebildet, mit deren Führung Johannes Günther und Friedrich Wilhelm Herzog beauftragt wurde.
Die Deutschenverfolgung in der Tschechoslowakei geht weiter: in Brünn wurden neun deutsche Vereine aller Art aufgelöst. In der Umgebung schritt man zur Schließung von neun Turn- und drei Jugendvereinen. Verschiedentlich sind Haussuchungen und Verhaftungen durchgeführt worden.
Der alte Plan, die Kasseler Altstadt abzureissen und durch die Aufräumung der Elendsviertel hygienische Zustände herbeizuführen, ist jetzt in Angriff genommen worden. Mit einem feierlichen Akt, den Oberpräsident Prinz Philipp von Hessen beiwohnte, wurde der Abriss des ersten Hauses begonnen.
Ein Vortrag des bekannten Jesuitenpater Muckermann, der über das Thema "Kirche und Nation" in Essen sprechen wollte, ist von der Polizei aufgrund der Notverordnung vom 28. Februar verboten worden.
Bei Evreux in der Nähe von Bonneville entgleist der D-Zug Cherbourg - Paris. Das Unglück fordert 35 Tote.
Für Angestellte und Musiker im Berliner Gaststättengewerbe wird ab 1. November 1933 ein Arbeitspaß eingeführt, um die Schwarzarbeit zu unterbinden.

25.10.1933
Reichswehrminister Werner von Blomberg befiehlt der Reichswehr erhöhte Wachsamkeit für den Fall von Sanktionen Frankreichs oder seiner Verbündeten wegen des deutschen Austritts aus dem Völkerbund. Jeder Besetzung deutschen Landgebietes soll ohne Rücksicht auf militärische Erfolgsaussicht örtlich bewaffneter Widerstand entgegengesetzt werden.
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hält eine Wahlrede in der Kuppelhalle in Hannover.
Reichsjustizkommissar Dr. Frank gab in einer Pressebesprechung Auskunft über die beabsichtigte Justizreform. In Zukunft werde der Rechtsgedanke in den Vordergrund des öffentlichen Lebens gestellt werden müssen. Dr. Frank kündigte an, daß innerhalb einer Frist von vier bis fünf Monaten das neue Strafgesetz verkündet werden soll.
Reichskanzler Adolf Hitler verfügte, daß aus Anlaß des 9. November 1933 denjenigen Parteimitgliedern, die die Mitgliedsnummer 1 bis 100.000 besitzen und von ihrem Eintritt ab ohne Unterbrechung der Partei angehört haben, ein Ehrenzeichen, das auf seiner Rückseite die Mitgliedsnummer des Inhabers trägt, verliehen werden soll.
Die Reichskanzlei bittet Komponisten dringend an Adolf Hitler keine weiteren Anfragen, ein Werk dem Führer widmen zu dürfen, zu richten.
In Berlin wird der frühere Reichsrundfunkkommissar Hans Bredow wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder verhaftet.
Das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen findet auf die staatlich anerkannten Wohlfahrtsschulen und auf die Landpflegeschulen sowie auf die sozialpädagogischen Seminare und Lehrgänge ebenfalls Anwendung.

26.10.1933
Die NSDAP reicht ihren Wahlvorschlag für die Reichstagswahl am 12. November ein. Er umfaßt 685 Namen. Auf Platz eins rangiert Reichskanzler Adolf Hitler. Unter den ersten zehn, die in allen Wahlkreisen auf den Stimmzetteln erscheinen, sind auch Vizekanzler Franz von Papen und Alfred Hugenberg (beide parteilos).
Die "Vossische Zeitung" veröffentlicht ein von 88 deutschen Schriftstellern unterzeichnetes Treuegelöbnis für Adolf Hitler.
Adolf Hitler spricht in der Messehalle in Köln. „Ich habe meine Gegner nie gefürchtet, als ich keine Macht besaß. Ich fürchte sie auch jetzt nicht. Nicht für mich braucht ihr zur Wahlurne zu gehen, sondern für euch selbst! Nicht ich brauche gestützt zu werden. Ich bin stark und fest genug! Euer Reich müsst ihr stützen."
Als Nachfolger von Edouard Daladier bildet Senator Albert Sarraut (Radikalsozialisten) eine französische Regierung.
Im Rahmen der Deutschen Woche, in der der Nationalsozialismus das Interesse des Tages auf die Frau konzentrierte sprachen Frau Paula Siber, Referentin für Frauenfragen am Ministerium des Inneren, und Hindenberg-Delbrück, Hannover als Vorstandsmitglied der Reichsvereinigung Deutscher Hausfrauenvereine zu einer vieltausendköpfigen Frauenmenge in Osnabrück.
In Genf geht die am 4. Oktober eröffnete 77. Tagung des Völkerbundrates zu Ende. Er beruft den New Yorker Historiker James Grover MacDonald zum Hohen Kommissar für deutsche Flüchtlinge. Der Ire Sean Lester wird für die Dauer von drei Jahren zum Hohen Kommissar in der Freien Stadt Danzig ernannt.
Nach Mitteilung der Nationalsozialistischen Rundfunkkammer wird die deutsche Funkindustrie eine Neuauflage des Volksempfängers VE 301 in Höhe von 100.000 Stück herausbringen.
In Salzburg wurden 140 Nationalsozialisten, meist SA-Männer, die sich ihrer Bestrafung wegen politischer Betätigung durch die Flucht nach Deutschland entzogen haben, ausgebürgert.
Es wird verboten, den Boykott gegen jüdische Wirtschaftsunternehmungen oder jüdische Anwälte weiterzuführen.
In der Nähe von Wiener-Neustadt wurde in einer Baracke der Wöllersdorfer Werke das erste Konzentrationslager in Österreich eröffnet.

27.10.1933
Bei den Kreiswahlleitern sämtlicher 35 Reichstagswahlkreise wurde die Einheitsliste der NSDAP für die Reichstagswahl am 12. November eingereicht. Die Liste enthält im ganzen 685 Namen. Die ersten 10 Namen erscheinen auf dem Stimmzettel. Es sind folgende Persönlichkeiten: Reichskanzler Adolf Hitler, Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, Reichsminister Dr. Wilhelm Frick, Reichsminister Hermann Göring, Reichsminister Dr. Joseph Goebbels, Stabschef der SA, Ernst Röhm, Reichsminister R. Walther Darre, Reichsminister Franz Seldte, Vizekanzler Franz von Papen, Reichsminister a. D. Dr. Alfred Hugenberg.
Die Generalversammlung der Deutschen Reichsbank billigt eine Änderung des Reichsbankgesetzes, mit der mögliche Kreditgewährungen erleichtert werden.
Zur Durchführung des Gesetzes über Wirtschaftswerbung wird ein "Werberat der deutschen Wirtschaft" mit Sitz in Berlin eröffnet. "Der Werberat hat Maßnahmen zu ergreifen, um die Mißstände, die sich auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Werbens entwickelt haben, zu beseitigen."
Der Hauptausschuss der Abrüstungskonferenz hat beschlossen, sich bis zum 4. Dezember zu vertagen. In der Zwischenzeit soll das Büro der Konferenz auf Grund der bisherigen Ergebnisse einen Entwurf ausarbeiten, der beim Wiederzusammentritt des Hauptausschusses als Grundlage der Beratungen dienen kann.
In einer Versammlung des Berliner Vereins der Handelsvertreter hielt der stellvertretende Vizepräsident des Reichsstandes des Deutschen Handwerks, von Dewitz, einen Vortrag über "Die Entwicklung und die nächsten Aufgaben des Reichsstandes des deutschen Handels."
Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und des Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung schaffen gemeinsame Richtlinien über die Zusammenarbeit zwischen den amtlichen Bildstellen und den Landesfilmstellen der NSDAP.
Der Verbandsbezirk Brandenburg des deutschen Arbeiterverbandes des Baugewerbes veranstaltete am abend im überfüllten Sportpalast eine Generalversammlung sämtlicher Berliner Bauarbeiter. Verbandsbezirksleiter Becker sprach kurze Begrüßungsworte und verlas ein Telegramm an den Reichskanzler, in dem im Namen der 20.000 Anwesenden Treue und Gefolgschaft gelobt wurde.
Der KPD-Funktionär Walter Ulbricht verlässt das Deutsche Reich. Er geht nach Paris und arbeitet dort im Politbüro des Zentralkomitees der KPD.
In Jaffa wendet sich die arabische Bevölkerung mit gewaltsamen Protesten gegen die zunehmende jüdische Einwanderung nach Palästina.

28.10.1933
Auf Drängen der Berliner wird die Berolina-Statue, die 1927 den Bauarbeiten der U-Bahn weichen musste, auf dem Alexanderplatz auf einem neuen Sockel wieder aufgestellt. Die 7,55 Meter hohe Figur aus Kupfer wiegt 5 Tonnen und zeigte eine Frau mit einem Kranz aus Eichenblättern.
Die Reichsregierung hat dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Haag im Zusammenhang mit dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund mitteilen lassen, dass sie nicht beabsichtige, die von ihr bei dem Gerichtshof anhängig gemachten Klagesachen weiterzuverfolgen. Es handelt sich dabei um die gegen Polen eingereichten Klagen wegen der Anwendung der polnischen Agrarreform auf die deutsche Minderheit und wegen der Fürst Pleßschen Verwaltung.
Auf Anordnung des preußischen Kultusministers Bernhard Rust gilt an den Hochschulen das Führerprinzip. Der Rektor wird vom zuständigen Minister ernannt, und die Dekane werden vom Rektor bestimmt. Wahlen finden nicht mehr statt.
In einem Hirtenbrief dankt der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, Gott "für seine liebevolle Führung", welche "die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt hat, dass sie die furchtbare Gefahr, welche unserem geliebten deutschen Volke durch die offene Propaganda für Gottlosigkeit und Unsittlichkeit drohte, erkannt haben und sie auch mit starker Hand auszurotten suchen".
Als erste der vom preußischen Kultusministers Rust geschaffenen nationalpolitischen Erziehungsanstalten wurde gestern die Schule in Plön in Holstein, in der die frühere Kadettenanstalt war, feierlich eingeweiht. Sie erhielt den Namen des Stabschefs Ernst Röhm.
Die deutsche Presse bestätigt die Verhaftung des in München akkreditierten britischen Journalisten Noel Panter. Dieser wird verdächtigt, militärische Geheimnisse beschafft zu haben und geheime Kontakte zu einem der Spionage verdächtigen deutschen Staatsbürger zu unterhalten.
Die Reichsregierung beschließt die Erweiterung des Dortmund-Ems-Kanals. Etwa 20.000 Arbeitslose sollen dabei rund vier Jahre beschäftigt werden.
In Berlin startet ein großes Winterprogramm zur Renovierung der Stadt. Was in den Häusern und Hinterhäusern, an Hausfassaden und Höfen, und auch in den Wohnungen schadhaft oder gar gesundheitswidrig ist, soll und muss instand gesetzt werden. 20 Prozent der Kosten übernimmt dabei das Reich und vier Fünftel muss der Hauseigentümer selbst tragen.
Wegen Konkursverschleppung und Depotvergehen hat die Polizei in Berlin die beiden Bankiers Siegfried Rothenberg und Wilhelm Schulze verhaftet.

29.10.1933
Adolf Hitler spricht vormittags in Neumarkt (Oberpfalz) anlässlich der Einweihung eines Dietrich-Eckart-Denkmals. Um 18.00 Uhr hält er eine Wahlrede in Frankfurt am Main. Er erklärt u. a.: "Ich bin überzeugt, dass das deutsche Volk zu viel Charakter hat, als dass es anders denken könnte als seine Regierung, dass es in dieser geschichtlichen Stunde nicht anders entscheiden kann als mit dem Wort Ja." Im Anschluss an seine Rede besucht Hitler eine "Meistersinger"-Aufführung im Frankfurter Opernhaus.
Der russische Außenminister Litvinov ist zu einem kurzen Besuch bei Reichsaußenminister Freiherr von Neurath in Berlin eingetroffen. Er ist auf der Reise nach Washington, um auf Anregung Roosevelts über die Wiederaufnahme der Beziehung zwischen den USA und Russland zu verhandeln.
Der italienische Staatschef Benito Mussolini kündigt in seiner zum 11. Jahrestag des Marsches auf Rom erlassenen Botschaft eine Reform der Verfassung an.
220 deutsche Verbände, darunter der Börsenverein, bekunden ihre Treue und ihr rückhaltloses Vertrauen zum Führer.
Der Araberaufstand in Palästina gegen die Juden verschärft sich. Der Unruheherd hat sich von Jaffa auf Haifa, Nablus, Jerusalem, Nazareth, Safet und andere Siedlung ausgedehnt. An verschiedenen Orten musste die Polizei von der Waffe Gebrauch machen und es kam zu Toten und Verletzten.
In der St. Johanniskirche in Hamburg Altona werden 122 Paare an einem Tag getraut. Alle 122 Bräute waren Arbeiterinnen in der Zigarettenfabrik Reemtsma, die mit als erstes deutsches Unternehmen die Initiative der Reichsregierung zur Verminderung der Arbeitslosigkeit durch Förderung der Eheschließung aufgegriffen und durchgeführt hat.
In Schleswig-Holstein und auf der Insel Sylt hat eine Mäuseplage riesigen Umfang angenommen. Die Felder sind zum Teil völlig unterwühlt.
Die Republik Türkei begeht ihr zehnjähriges Bestehen.

30.10.1933
In Berlin konstituiert sich der Werberat der deutschen Wirtschaft unter Leitung von Ministerialdirektor Ernst Reichard. Im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda fand die Eröffnungssitzung statt.
Etwa 240 Organisationen unterzeichneten einen Aufruf, in dem sie der deutschen Regierung unerschütterliche Gefolgstreue zum 12. November geloben.
Zwischen dem Reichsaußenminister Frhr. von Neurath und dem Sowjetbotschafter Chintschuk kam eine Verständigung über den Journalistenkonflikt zustande, der dadurch entstanden war, dass zwei russische Journalisten ohne Erlaubnis den Versuch gemacht hatten, dem Reichstagsbrandprozess beizuwohnen und dabei verhaftet worden waren. Die russische Regierung hatte mit der Ausweisung deutscher Journalisten geantwortet. Die Verständigung geschah, indem die russischen Journalisten ihre Tätigkeit in Deutschland unter Zulassung auch zum Reichstagsbrandprozess wieder aufnehmen dürfen, während die Sowjetregierung die Ausweisung der deutschen Journalisten wieder rückgängig macht.
Auf Engelbert Dollfuß, den österreichischem Bundeskanzler, erfolgte ein erstes Revolverattentat, das ihn aber nur leicht verletzte.
Reichsbischof Ludwig Müller bittet, die Studierenden der evangelischen Theologie zum Eintritt in die SA aufzufordern.
In Hamburg scheitert ein Anschlag auf Reichsstatthalter Karl Kaufmann. Der Täter entkommt unerkannt.
Auf der Donau bei Bukarest treffen König Karl II. von Rumänien und der bulgarische Monarch Boris III. zusammen. Sie sprechen über einen Beitritt Bulgariens zur Kleinen Entente.

31.10.1933
Adolf Hitler gewährt dem Hearst-Press-Vertreter Karl von Wigand ein Interview. Er erklärt dem amerikanischen Journalisten, er habe den Parteigenossen im Ausland verboten, nationalsozialistische Propaganda zu treiben, um die freundschaftlichen Beziehungen mit den betreffenden Ländern nicht zu gefährden.
Die Arbeitsgemeinschaft christlich-deutscher Studentenverbände, dem der Schwarzburgbund, der Wingolfsbund und der Verband Deutscher Burschen angehören, hat zu einer Kundgebung ins Hotel Prinz Albrecht eingeladen. In den Reden, die von den Vertretern der Bünde gehalten wurden, wurde die Verbundenheit des Akademikers mit dem ganzen Volk betont.
Der Aufsichtsrat der deutsch-amerikanischen Handelskammer in New York wendet sich in einer Entschließung energisch gegen den Boykott deutscher Waren. Er weist darauf hin, daß Deutschland einer der besten Käufer der Vereinigten Staaten und Amerikas größter Kunde auf dem europäischen Festland sei. Auch die englische Großhandelsgenossenschaft hat es abgelehnt, an dem vom englischen Gewerkschaftskongreß und der Arbeiterpartei befürworteten Boykott deutscher Waren teilzunehmen.
In einem Aufruf zum "nationalen Spartag" wird zum systematischen Sparen angehalten: "Jeder Geldbetrag, der zu Hause in Schubladen versteckt usw. schlummert, ist brachgelegte Kaufkraft", und: "Das Geldhamstern ist Sabotage am deutschen Wiederaufbau."
Der englische Journalist Panter, der unter dem Verdacht der Spionage in München in Haft genommen worden war, wurde ausgewiesen, weil er seine journalistische Tätigkeit in einer Weise ausgeübt hatte, die sein Verbleiben in Deutschland unerwünscht erscheinen ließ.
Laut einer neuen Verordnung müssen sämtliche Rechtsanwälte und Juristen dem BNSDJ angehören, der nur arische Mitglieder aufnimmt. Die zugelassenen nichtarischen Rechtsanwälte bleiben in der Ausübung ihres Berufes unbehindert.
Wegen der fortdauernden Unruhen wird in Palästina die Presse- und Postzensur verhängt. Die Polizeibehörden erhalten vom britischen Oberkommissar Arthur Grenfell Wauchope das Recht, Teile der Städte zur Sperrzonen zu erklären.

Das Reichserntedankfest

Das Reichserntedankfest

Das Reichserntedankfest

Das Reichserntedankfest

Das Reichserntedankfest

Das Reichserntedankfest

Das Reichserntedankfest

Das Reichserntedankfest war neben dem Reichsparteitag und dem Ersten Mai die größte öffentliche Veranstaltung              

Das Reichserntedankfest war neben dem Reichsparteitag und dem Ersten Mai die größte öffentliche Veranstaltung              

Das wiederbelebte Erntedankfest wird in vielen Städten und Gemeinden im gesamten Deutschen Reich gefeiert              

Das wiederbelebte Erntedankfest wird in vielen Städten und Gemeinden im gesamten Deutschen Reich gefeiert              

Der verheerende Waldbrand im Griffith Park bei Los Angeles

Großkundgebung der Hitlerjugend im Berliner Sportpalast

Der NSKK schult den Nachwuchs aus der Hitlerjugend im Kraftfahrsport

Deutsche Nationalmannschaft mit Hitler-Gruß vor dem Spiel

Die Berolina

Austritt aus dem Völkerbund: Reichsaußenminister Constantin von Neurath (2.Bild von links) begründet den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund am 16. Oktober 1933 in einer Rede vor ausländischen Pressevertretern im Propagandaministerium. Schon vor der NS-Machtübernahme hatten deutsche Politiker der Linken wie der Rechten den Austritt aus dem Völkerbund gefordert, da sie in ihm richtigerweise den Vertreter „nur“ der Interessen der Siegernationen erkannt hatten. Hitler wollte in Genf zunächst das Terrain sondieren und die Reaktion auf neue deutsche Kompromißangebote abwarten. Erst als sich die französische Regierung als völlig unnachgiebig erwies, zog er die Reißleine. Zugleich wurden die Reichstagswahlen am 12. November 1933 mit einer Volksabstimmung über den Völkerbundaustritt verbunden: 95 Prozent billigten den Schritt der Reichsregierung.                      

Austritt aus dem Völkerbund: Reichsaußenminister Constantin von Neurath (2.Bild von links) begründet den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund am 16. Oktober 1933 in einer Rede vor ausländischen Pressevertretern im Propagandaministerium. Schon vor der NS-Machtübernahme hatten deutsche Politiker der Linken wie der Rechten den Austritt aus dem Völkerbund gefordert, da sie in ihm richtigerweise den Vertreter „nur“ der Interessen der Siegernationen erkannt hatten. Hitler wollte in Genf zunächst das Terrain sondieren und die Reaktion auf neue deutsche Kompromißangebote abwarten. Erst als sich die französische Regierung als völlig unnachgiebig erwies, zog er die Reißleine. Zugleich wurden die Reichstagswahlen am 12. November 1933 mit einer Volksabstimmung über den Völkerbundaustritt verbunden: 95 Prozent billigten den Schritt der Reichsregierung.                      

die sozialen Errungenschaften im Deutschen Reich waren einzigartig und es gab auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares

Nachum Sokolow

Karl Ernst

Edgar Ansel Mowrer

Wladimir Iljitsch Lenin

Joachim Hossenfelder

Walter Granzow

Albert Einstein

Hermann von Wissmann

Film von Hans Steinhoff

SA-Stabschef Ernst Röhm

Willi Münzenberg

Oskar Maria Graf

Anna Seghers

Jan Petersen

Ferdinand Sauerbruch

Joseph Paul-Boncour

Erich Ludendorff

Martin Niemöller

Dietrich Bonhoeffer

Gottfried von Cramm

Hildegard „Hilde“ Krahwinkel

Louis Chiron

Artur Becker

Der Deutsche Juristentag 1933

Der Deutsche Juristentag 1933

Der Deutsche Juristentag 1933

Der Deutsche Juristentag 1933

Großkundgebung auf der Juristentagung vor dem Reichsgericht 1933

Ein grosser Teil der juristischen Professionselite zu Besuch in Leipzig

William Hope Fowler

Konrad Henlein

Franz Seldte

Werner von Blomberg

Alfred Hugenberg

Arthur Henderson

Thomas Mann

Paul Ludwig Troost

Edouard Daladier

Seán Lester

James Ramsay MacDonald
Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen

Die Deulig-Tonwoche vom 11. Oktober 1933: Verhandlung gegen die Reichstags-Brandstifter. Die Ausstellung "Westfront" 1933 in Hessen.