Chronik des Nationalsozialismus September / Oktober 1935

SEPTEMBER 1935

1.9.1935
In allen katholischen Kirchen im Deutschen Reich wird der von der Fuldaer Bischofskonferenz am 20. August beschlossene Hirtenbrief verlesen, der einen Kampfaufruf gegen die Kirchenpolitik des Regimes darstellt.
Auf Anweisung von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels werden nichtarische Kunst- und Antiquitätenhändler aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen. Prinzipiell sollen Nichtarier vom Handel mit Kulturgütern ausgeschlossen werden. Allein in Berlin sind 80% der Kunsthändler von dieser Verfügung betroffen.
Karl Löwenheim, Autor der sozialistischen Widerstandsschrift "Neu-Beginnen" und Mitbegründer der gleichnamigen Widerstandsgruppe, verlässt das Deutsche Reich. In den letzten Wochen hat die Gestapo zahlreiche Mitglieder der Gruppe verhaftet, die 1931 aus der Arbeiterjugend hervorgegangen war.
In Prag beginnt das 13. Musikfest der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik, das bis zum 8. September dauert.
Hans Stuck gewinnt den Großen Bergpreis von Deutschland am Schauinsland bei Freiburg.

2.9.1935
Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, verfügt, dass für untere Schulklassen nur noch solche Hitler-Bilder angeschafft werden sollen, "die den Führer zusammen mit Kindern zeigen".
Weil er das von ihm befehligte brennende Schiff verließ, "bevor es noch hoffnungslos verloren war", wird in der sowjetischen Stadt Baku ein Kapitän zum Tode verurteilt. 16 weitere Offiziere und Matrosen erhalten langjährige Haftstrafen.
Der deutsche Film "Pygmalion" nach dem gleichnamigen Bühnenstück von George Bernhard Shaw wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Erich Engel spielen u.a. Jenny Jugo und Gustaf Gründgens.

3.9.1935
Der Präsident der Reichsrundfunkkammer, Horst Dreßler-Andreß, gibt die Einrichtung der "Reichsfachschaft Rundfunk" bekannt, der alle Mitarbeiter des deutschen Rundfunks beitreten müssen. Die Mitgliedschaft ist Voraussetzung für das Recht der Berufsausübung.
Auf der Tagung der nationalsozialistischen Ortsgruppenleiter des Gaues Groß- Berlin bagatellisiert Propagandaminister Joseph Goebbels die Lebensmittelknappheit im Land und wendet sich gegen den "lächerlichen Kleinmut der wenigen Miesepeter von heute". "Wenn uns vor zehn Jahren jemand erklärt hätte: 1935 habt Ihr die Macht, aber im Sommer wird für einige Zeit das Schweinefleisch knapp sein, dann wäre uns allen das sehr recht gewesen."
Der Leiter der Deutschen Arbeitsfront (DAF), Robert Ley, warnt in einem Rundschreiben vor "Vereinsmeierei" in den Betrieben. Kegelklubs und Gesangvereine würden als Tarnung benutzt, um "Zersetzungsarbeit" zu leisten.
Nach zweiwöchiger Dauer geht in Luzern der 19. Zionistenkongress zu Ende. In einer Schlußresolution zur Lage der Juden im Deutschen Reich wendet sich der Kongress gegen die systematische Entrechtung der Juden und die Diffamierung des jüdischen Volkes und seiner geistigen und ethischen Kulturleistung. In der Resolution wird an alle Völker appelliert, dem jüdischen Volk im Kampf um die Wahrung seiner Existenz zu helfen.
Malcolm Campbell stellt auf einem Salzsee bei Bonneville (US-Bundesstaat Utah) mit 484,609 km/h einen Geschwindigkeitsrekord auf.
Ein Hurrikan im US-Bundesstaat Florida fordert 200 Menschenleben und richtet großen Sachschaden an.

4.9.1935
In einer Denkschrift an den Völkerbund in Genf rechtfertigt die italienische Regierung ihre aggressive Haltung gegenüber Abessinien: Der ostafrikanische Staat lasse die innere Organisation vermissen, die für ein Mitglied der Gemeinschaft zivilisierter Nationen unentbehrlich sei.

5.9.1935
Bei den Herbstmanövern der französischen Streitkräfte in der Provinz Champagne sterben zehn Soldaten bei einem Flugzeugabsturz. Der Absturz ereignet sich, nachdem im dichten Nebel zwei Militärmaschinen zusammengestoßen waren.

6.9.1935
Die "Genossenschaft der deutschen Bühnenangehörigen", der "Deutsche Bühnenverein" und der deutsche "Chorsängerverband und Tänzerbund" werden aufgelöst. An ihre Stelle tritt die Fachschaft "Bühne in der Reichstheaterkammer".
Adolf Hitler beruft den Gauleiter in Franken und Herausgeber des antisemitischen Kampfblattes "Der Stürmer", Julius Streicher, zum Mitglied der Akademie für Deutsches Recht. Ziel der Akademie ist die Erarbeitung von Grundlagen für eine nationalsozialistische Gesetzgebung.
Der Präsident der Reichspressekammer Max Amann, verbietet den öffentlichen Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften, die sich an die jüdische Bevölkerung im Reich richten.
Die "Deutsche Burschenschaft" und der "Kösener S. C." werden aus der Gemeinschaft der studentischen Verbände ausgeschlossen, da sie eigene politische Ziele nicht aufgeben und den Arierparagraphen nicht anerkennen wollen.
Die deutsche Film-Komödie "Ein idealer Gatte" nach dem gleichnamigen Drama von Oskar Wilde wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Herbert Selpin spielen u.a. Karl Ludwig Diehl, Brigitte Helm und Paul Henckels.

7.9.1935
Zum Ende der Herbstmanöver in Österreich erklärt der Staatssekretär für die Landesverteidigung, General Wilhelm Zehner, die österreichische Armee sei vorbereitet, schlagfertig und auch imstande, Österreich gegen jeden Feind zu verteidigen. Sie werde beweisen, dass Österreich in Zukunft unabhängig bleiben will und kann.
Der Schweizer M. Schreiber überquert als erster Drachenflieger die Alpen. Vom Berner Oberland aus fliegt Schreiber über die Jungfraugruppe und den Simplonpaß und landet nach sechs Stunden im italienischen Bellinzona.
Peter Raabe, Präsident der Reichsmusikkammer, veröffentlicht im Bosse Verlag das nationalsozialistische Standardwerk "Die Musik im 3. Reich".

8.9.1935
In Polen beginnen die bis zum 15. September dauernden Wahlen zum Sejm, dem polnischen Parlament. Die bisherige Regierung geht als Sieger aus der Wahl hervor, die Minderheiten (Weißrussen, Tschechen, Deutsche und Litauer) erhalten keine Vertretung.
Otto Wels, nach der Emigration 1933 Leiter des Exilvorstandes der SPD in Prag und Paris, wendet sich im "Neuen Vorwärts" gegen die nationalsozialistische Rassenhetze. Mit dem üblen Treiben der Judenhetze habe das deutsche Volk nichts zu tun.
Huey P. Long, Senator des US-Bundesstaates Louisiana, wird in Baton Rouge von Carl Weiss, einem Gegner seiner Politik, erschossen.
Der Deutsche Hans Stuck gewinnt den Großen Preis von Italien für Rennwagen auf Auto-Union vor dem Italiener Tazio Nuvolari (Alfa Romeo) und dem Deutschen Bernd Rosenmeyer (Auto-Union).

9.9.1935
Nach den Beschlüssen der amtlichen deutschen Strafrechtkommission soll die "Ächtung" die schwerste Strafe im künftigen Strafrecht des Deutschen Reichs sein. Bei besonders schweren Vergehen ist die "Ächtung" gegen einen Verbrecher zu verhängen. Sie ist mit dem Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit und der Geschäftsfähigkeit, sowie der Todesstrafe verbunden.
Der tschechoslowakische Außenminister Eduard Benes wird zum Präsidenten des Völkerbundes gewählt.

10.9.1935

















In Nürnberg beginnt der 7. Reichsparteitag der NSDAP, der "Parteitag der Freiheit". Dazu werden 465 Sonderzüge eingesetzt. Am 12. September fordert Adolf Hitler vom Reichsarbeitsdienst für alle "das gleiche Instrument der Arbeit ..., das Instrument, das ein Volk am meisten ehrt, den Spaten". Darin sieht Hitler die Waffe unserer inneren Selbstbehauptung. Am 13. September spricht Hitler vor 100.000 politischen Leitern, am 14. September vor 54.000 Hitlerjungen, von denen er fordert, die deutsche Jugend solle flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl sein. Am 14. September beschließt der nach Nürnberg einberufene Reichstag die sogenannten "Nürnberger Gesetze". Dazu gehörten das "Flaggengesetz", das die Hakenkreuzflagge zur alleinigen Reichs- und Nationalflagge macht. Im "Reichsbürgergesetz" wird bestimmt, dass nur der Reichsbürger sein kann, der deutschen oder artverwandten Blutes ist. Die Juden verlieren ihre staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Mit dem "Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" wird allen deutschen Staatsangehörigen die Ehe und der außereheliche Verkehr mit jüdischen Menschen verboten.                    

11.9.1935
In Nürnberg legt Hitler den Grundstein zum Bau der Kongreßhalle auf dem Parteitagsgelände. Die neue Halle soll 60.000 Menschen Platz bieten. Die NSDAP stiftet auf dem Reichsparteitag einen Preis für Kunst und Wissenschaft. Die ersten Preisträger sind der NS-Dichter Hanns Johst und der Rasseforscher Hans F. K. Günther.
Reichsfinanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk beziffert die langfristigen Reichsschulden mit 23,8 Mrd. RM. Kurzfristig seien 4,7 Mrd. RM an Verbindlichkeiten abzutragen.

12.9.1935
Auf dem Nürnberger Parteitag der NSDAP hält der NS-Chefideologe Alfred Rosenberg eine Rede, in der er den Nationalsozialismus zum »Bollwerk gegen den Kommunismus« stilisiert.
Der in London tagende Weltkongress der Ostjuden ruft in einer Resolution zum weltweiten Boykott deutscher Waren auf.

13.9.1935
Um dem Mangel an Butter, Schmalz und Margarine im Deutschen Reich entgegenzuwirken, wird die Verarbeitung von Walfischtran gesteigert. Das Pfund Walfett kostet 78 Rpf.
Bei einem Wettkampf in New York läuft der US-Amerikaner Jesse Owens mit 22,6 sec einen Weltrekord über 200-m-Hürden.

14.9.1935
Vor 54.000 Hitlerjungen formuliert Hitler im Nürnberger Stadion das Ideal der deutschen Jugend: »Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl.«

15.9.1935
Auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg werden das »Reichsflaggengesetz«, das »Reichsbürgergesetz« und das »Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre« vor dem Reichstag verkündet.
In Breslau schlägt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Polen 1:0.

16.9.1935
Zum Abschluß des Nürnberger Reichsparteitages nimmt Hitler eine Parade aller Waffengattungen der Wehrmacht ab und stilisiert in seiner Schlußrede NSDAP und Wehrmacht zu »krönenden Erscheinungen« der deutschen Geschichte.
Im Regierungsbezirk Münster löst die Gestapo die katholischen Arbeitervereine wegen "staatsfeindlicher Betätigung" auf.
Der Transport italienischer Truppen nach Ostafrika geht weiter: 14.000 Soldaten werden per Schiff nach Eritrea an die Grenze zu Abessinien gebracht. Die britische Regierung verstärkt daraufhin ihre Flotte im Mittelmeer und im Roten Meer.
Neun belgische Offiziere treffen als Militärberater für die Armee Abessiniens in der Hauptstadt Addis Abeba ein. Schwedische und französische Offiziere folgen in der nächsten Woche. Das Verteidigungsministerium in Brüssel versichert klar, dass die belgischen Soldaten ohne offizielle Erlaubnis handeln.
Eine desillusionierende Bestandsaufnahme der internationalen politischen Situation macht der irische Präsident Eamon de Valera in einer Rede vor dem Völkerbund in Genf. Zynismus und Brutalität - so Valera - beherrschten die Beziehungen zwischen den Staaten, und nur Dummköpfe hielten sich an die Werte, die zur Gründung des Völkerbundes geführt hätten.
Die Londoner Versicherungsunternehmen geben bekannt, dass sie aufgrund der internationalen Lage Kriegsrisiken nur noch bei eigens abgeschlossenen Zusatzversicherungen abdecken würden.

17.9.1935
Ein "Museum auf Rädern" beginnt in Paris seine Tour durch Frankreich. In Eisenbahnwaggons arrangiert, soll die Ausstellung zeitgenössischer französischer Kunst die materiellen Schwierigkeiten der Maler überwinden helfen.
In München wird der deutsch-französische Film "Varieté" uraufgeführt. Unter der Regie von R. Nicolaus Farkas spielen u.a. Hans Albers und Attila Hörbiger.

18.9.1935
Ein Erlass von Reichserziehungsminister Bernard Rust bestimmt den Samstag im Deutschen Reich zum "Staatsjugendtag". An diesem unterrichtsfreien Tag sollen alle Schüler eine "Staatspolitische Erziehung" erhalten.
Die Schlichtungskommission des Völkerbundes zum abessinisch-italienischen Konflikt, das sog. Fünferkomitee, gibt seine Vorschläge bekannt. Sie sehen eine internationale Kontrolle strategisch wichtiger Orte in Abessinien vor. Die italienische Regierung lehnt die Vorschläge am 21. September ab.
Auf die energische Intervention der schweizerischen Regierung hin lassen die deutschen Behörden den von der Gestapo ins Deutsche Reich verschleppten Journalisten Berthold Jacob wieder in die Schweiz zurückkehren.
Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beschließt die französische Regierung in Paris, 900 Mio. Franc (148 Mio. RM) für öffentliche Arbeiten, vor allem im Straßenbau, zur Verfügung zu stellen.

19.9.1935
Der Zusammenhang zwischen der weltweiten Landwirtschaftskrise und dem schlechten Gesundheitszustand großer Teile der Bevölkerung auch wohlhabender Länder ist Gegenstand von Beratungen eines Völkerbundausschusses in Genf. Statt hohe Subventionen für Landwirtschaft zu zahlen, sollten die Regierungen den Konsum gesunder Lebensmittel fördern.
Der französische Postminister Georges Mandel gibt in Paris bekannt, dass mit der Einrichtung eines 10-kW-Senders auf der Spitze des Eiffelturmes ein regelmäßiges Fernsehprogramm für die Pariser Region begonnen wird.

20.9.1935
Ein Erlaß des Propagandaministeriums in Berlin schreibt vor, daß am 13. Oktober, am 10. November und am 8. Dezember im Deutschen Reich »Eintopfsonntage« stattfinden.
In Berlin wird der deutsche Film "Das Einmaleins der Liebe" mit Luise Ullrich und Paul Hörbiger in den Hauptrollen uraufgeführt. Carl Hoffmann führt Regie.

21.9.1935
Das britische Außenministerium in London erklärt die Flottenkonzentration Großbritanniens im Mittelmeer mit der wochenlangen italienischen Pressekampagne gegen das britische Königreich.

22.9.1935
Der »Volksbund für das Deutschtum im Auslande« führt einen reichsweiten »Tag des deutschen Volkstums« durch. Die Reden auf der Hauptveranstaltung in Berlin befassen sich vor allem mit den »Leiden der Memeldeutschen« in Litauen.
In der sowjetischen Roten Armee werden die Dienstgrade, die nach der Oktoberrevolution 1917 abgeschafft worden waren, wieder eingeführt. Die Abschaffung sollte seinerzeit den Sturz zaristischer Hierarchien sinnfällig machen.
Um Zelluloseimporte einzuschränken, verfügt die italienische Regierung in Rom, den Umfang der Tageszeitungen zu verringern. Pro Ausgabe sind höchstens sechs, bei Sonntagszeitungen acht Seiten zugelassen.
Der Deutsche Rudolf Caracciola gewinnt auf Mercedes den großen Preis von Spanien und wird Europameister.

23.9.1935
Für das Winterhilfswerk werden gesetzlich Mindestspendensätze festgelegt. Deutsche Lohn- und Gehaltsempfänger müssen 10% der Lohnsteuer als Spende abführen.
In Berlin beginnt die dritte Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Sie wendet sich gegen die von den Nationalsozialisten verordnete Reichskirchenregierung.
In 22 Bundesstaaten der USA treten 400 000 Braunkohlenarbeiter in einen Lohnstreik. Nach der teilweisen Erfüllung ihrer Forderungen wird der Ausstand am 26. September beendet.

24.9.1935
Die Reichsregierung in Berlin erlässt das "Gesetz zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche". Der neuernannte Kirchenminister Hanns Kerrl wird ermächtigt, "zur Wiederherstellung geordneter Zustände in der Deutschen Evangelischen Kirche" rechtsverbindliche Verordnungen zu erlassen.
Die Reichsschrifttumskammer löst einzelne Schriftstellerverbände, z. B. den "Reichsverband deutscher Schriftsteller", auf und reiht deren Mitglieder direkt in die dem Propagandaministerium unterstellte Kammer ein.
Im New Yorker Yankee-Stadion schlägt der US-Amerikaner Joe Louis den ehemaligen Boxweltmeister aller Klassen, Max Baer, in der vierten Runde k. o.

25.9.1935
Unter Aufsicht des Wissenschaftsministeriums wird das "Reichsinstitut für die Geschichte des neuen Deutschlands" gegründet. Leiter ist der bisherige Referent des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg, Walter Frank.

26.9.1935
Im Pariser Hotel "Lutetia" beraten Kommunisten, Sozialdemokraten und Vertreter der bürgerlichen Opposition über eine deutsche Volksfront gegen das Hitler-Regime.
Der Völkerbund in Genf kündigt nicht näher definierte Sanktionen an, falls Italien ein Krieg gegen Abessinien beginnen sollte.
Aufgrund einer Verordnung der sowjetischen Regierung in Moskau werden in der UdSSR Lebensmittelkarten für Fleisch, Fisch und andere Grundnahrungsmittel abgeschafft. Dadurch erhöhen sich die Preise der bislang rationierten Lebensmittel.
In Weimar wird der deutsche Film "Wenn die Musik nicht wär" uraufgeführt. Unter der Regie von Carmine Gallone spielen u.a. Paul Hörbiger und Hubert von Meyerinck.

27.9.1935
Die 1922 in einen sozialistischen und einen kommunistischen Flügel gespaltene französische Gewerkschaftsbewegung konstituiert in Paris ihre Wiedervereinigung zur Einheitsgewerkschaft »Conféderation Générale du Travail« (CGT). Der Schritt steht im engen Zusammenhang mit der Bildung einer Einheitsfront in Frankreich.
In Kiel wird der erste deutsche U-Boot-Verband der neuen Flotte, die »Unterseebootflottille Weddingen«, in Dienst gestellt. Diese Flottille war nach einem U-Bootkommandanten des Ersten Weltkriegs Otto Weddigen benannt.
Auf der neuen Autobahn bei Frankfurt am Main stellt der Münchner Ernst Henne einen Geschwindigkeitsweltrekord für Motorräder auf.

28.9.1935
Das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda verbietet den deutschen Zeitungen in einer Presseanweisung, weiter über das Einsturzunglück beim Bau einer U-Bahnlinie in Berlin zu berichten.

29.9.1935
Bei den Landtagswahlen im Memelgebiet erhält die deutsche Einheitsliste 81% der Stimmen. Die Wahlen waren Gegenstand heftiger Kontroversen zwischen Litauen und dem Deutschen Reich, das die Rechte der Deutschen in Litauen gefährdet sieht.
In der Berliner Reichskanzlei findet eine längere Besprechung zwischen Adolf Hitler und dem ungarischen Ministerpräsidenten Julius Vitez Gömbös statt.
Der deutsche Rennfahrer Bernd Rosemeyer gewinnt vor 200.000 Zuschauern auf Auto-Union den Großen Preis der Tschechoslowakei in Brünn.

30.9.1935
Reichsinnenminister Wilhelm Frick ordnet in einem Brief an alle Obersten Behörden an, alle Beamten zu entlassen, die von drei oder vier "volljüdischen" Großeltern abstammen.
Adolf Hitler entlässt seine Halbschwester Angela Raubal als Hauswirtin, da sie bei den Nürnberger Parteitagen, Hitlers Freundschaft mit Eva Braun missbilligte. Hitler verbat sich jede Einmischung in seine Privatangelegenheiten. Die Haushaltsführung auf dem Berghof übernimmt Elsa Endres, die Hitler aus der Münchener Osteria kennt.
Nachdem bereits am vorhergehenden Samstag Versorgungsschwierigkeiten auftraten, ist heute im Deutschen Reich praktisch keine Butter, Margarine oder Schweineschmalz zu erhalten.
In Boston wird George Gershwins Oper "Porgy and Bess" uraufgeführt.

OKTOBER 1935

1.10.1935
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler besucht Truppenteile der Wehrmacht in Ostpreußen.
Konstantin Hierl erhält die offizielle Amtsbezeichnung Reichsarbeiterführer.
In einem Festakt im Kölner Rathaus proklamiert Oberbürgermeister Günter Riesen die Stadt zur Hansestadt. Die Bezeichnung soll an den Export "deutscher Art, deutscher Sprache und deutscher Kultur" durch die mittelalterliche Handelsvereinigung erinnern.
Die deutsche Luftfahrzeugbaugesellschaft erhält einen US-amerikanischen Auftrag zum Bau von zehn Reklame-Luftschiffen.

2.10.1935
Der 1934 verstorbene ehemalige Reichspräsident Paul von Beneckendorff und von Hindenburg wird, im Beisein Adolf Hitlers, in das neugestaltete » Reichsehrenmal Tannenberg in Ostpreußen umgebettet. Hitler nennt das Denkmal ein »Wahrzeichen deutscher Opferwilligkeit«. Im August 1914, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, hatte die 8. deutsche Armee unter Leitung Hindenburgs russische Truppen bei Tannenberg geschlagen.
Nach einem gescheiterten Armeeputsch gegen das Regime von König Boris III. verhängt die bulgarische Regierung in Sofia den Ausnahmezustand über das Land.

3.10.1935
Italienische Truppen rücken von den italienischen Kolonien Eritrea und Somalia aus, in das unabhängige Kaiserreich Abessinien ein.
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler spricht vor den Arbeitern der Schichau-Werft in Elbing und besichtigt anschließend die Marienburg an der Nogat. Am Abend spricht der Führer vor den Führerkorps der NSDAP in der Königsberger Stadthalle.
In Moskau beginnt die sog. Brüsseler Konferenz der im Exil agierenden Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Im Grand Palais auf dem Champs Elysée wird der internationale Pariser Autosalon eröffnet. Louis Renault, Firmenchef des größten französischen Autoherstellers, beklagt bei dieser Gelegenheit den im Gegensatz zum Deutschen Reich und den USA rückläufigen Absatz in Frankreich.
Die Polizei verhaftet im New Yorker Stadtteil Harlem 500 schwarze Demonstranten, die teilweise gewalttätig gegen den italienischen Einmarsch in Abessinien protestieren. In einer Volksschule im Stadtteil Brooklyn kommt es zu stundenlangen Schlägereien zwischen italienischen und schwarzen Kindern sowie deren herbeigekommenen Eltern.

4.10.1935
Julius Streicher, Herausgeber des antisemitischen Wochenblatts "Der Stürmer", macht in einer Rede vor dem vollbesetzten Berliner Sportpalast "die Juden" für den italienisch-abessinischen Krieg verantwortlich.
Den Versorgungsengpässen im Deutschen Reich widmet sich Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels bei einer Rede in Halle. Die Verknappungen bei Butter, Margarine und Schweinefleisch seien "immmerhin noch erträglich". Durch geringere Lebensmitteleinfuhren werde Geld für die dringend benötigten Rohstoffimporte gespart.
In Berlin wird der Film "Der grüne Domino" uraufgeführt. Unter der Regie von Herbert Selpin spielen Brigitte Horney und Karl Ludwig Diehl die Hauptrollen.
Bei zwei aufeinander folgenden Schlagwetterexplosionen in der Herner Zeche "Mont Cenis" kommen sieben Menschen ums Leben.

5.10.1935
Im Hinblick auf die Unruhe in der deutschen Bevölkerung wegen der Butterknappheit weist das Ministerium für Propaganda und Volksaufklärung die Presse an, "etwas zur Niederschlagung der Psychose" zu tun. Spekulationen und Hamsterkäufe nähmen überhand.
Zur Umsetzung des neuen Kirchengesetzes bildet Kirchenminister Hanns Kerrl einen "Reichskirchenausschuß", der Kirchenbeamte ernennen und entlassen kann.
Der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt verbietet aufgrund des am 31. August verabschiedeten Neutralitätsgesetzes jegliche Waffenexporte aus den USA in die kriegführenden Staaten Italien und Abessinien.
Beim großen Preis von England in Donington Park siegt überraschend der Brite Richard Shuttleworth auf Alfa Romeo mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 107 km/h.

6.10.1935





















Auf dem Bückeberg bei Hameln findet vor einer Million Teilnehmern die Erntedank-Kundgebung der deutschen Regierung statt, bei der auch militärische Vorführungen veranstaltet werden. Wo es hinauf geht auf den Bückeberg, ist schon von weitem zu sehen. Es ist eine Jubelstrecke: Für die 800 Meter bis zur Ehrentribüne braucht Adolf Hitler gut eine Dreiviertelstunde. Immer wieder musste "der Führer" auf die begeisterten Massen zugehen: sich von Frauen anfassen lassen, Männern die Hände reichen und von Kindern Blumensträuße entgegen nehmen. Nach dem "Bad in der Menge" entlang des 800 Meter langen Fußwegs bekam Hitler vor der mit bis zu 3.000 Ehrengästen und Diplomaten besetzten oberen Tribüne von einer Bäuerin eine Erntekrone überreicht. Die "Reichserntedankfeste" zählten zu den größten regelmäßig stattfindenden Massenveranstaltungen im Deutschen Reich.                     
7.10.1935
In New York wird ein Schutzverband für deutsche Schriftsteller im US-amerikanischen Exil gegründet. Ehrenvorsitzender ist der 1933 in die Tschechoslowakei emigrierte deutsche Schriftsteller Thomas Mann.
Die Berliner "Reichsdevisenstelle" ordnet an, dass Deutschen, die ausländische Urkunden für einen Ariernachweis benötigen, zu diesem Zweck bevorzugt Devisen zur Verfügung gestellt werden. Im allgemeinen ist es im Deutschen Reich extrem schwierig, an ausländisches Geld zu gelangen.
Die Gewerkschaft der französischen Dockarbeiter ruft in Paris ihre Mitglieder auf, die Be- und Entladung italienischer Schiffe in Frankreich aus Protest gegen den Kolonialkrieg in Afrika bis auf weiteres zu boykottieren.

8.10.1935
Die "Deutsche Burschenschaft", Dachverband der 110 studentischen Verbindungen, löst sich auf starken Druck der NSDAP selbst auf.
Auf dem Kongress der britischen Labour Party in Brighton tritt der ehemalige Arbeitsminister George Lansbury vom Parteivorsitz zurück. Sein Nachfolger wird Clement Richard Attlee.

9.10.1935
In der Berliner Kroll-Oper eröffnet Führer und Reichskanzler Adolf Hitler das dritte Winterhilfswerk 1935/36. Neben vielen anderen Firmen und Einrichtungen spendet auch die "I.G. Farben" eine Mio. RM.
In Berlin wird die erste Trauung nach dem Ritual der von Arthur Dinter begründeten, nationalsozialistisch orientierten »Deutschen Volkskirche« vollzogen.
Aufgrund einer unmittelbar vorhergegangenen Vollmacht des Parlaments verbietet die niederländische Regierung in Den Haag den Export von Benzin, um die Versorgung des eigenen Landes sicherzustellen.
In London und New York wird die US-amerikanische Shakespeare-Verfilmung "Sommernachtstraum" von Max Reinhardt uraufgeführt.

10.10.1935
Die Berliner Polizei verhaftet den Bischof von Meißen, Peter Legge, wegen des Verdachts von Devisenvergehen. Im Zusammenhang mit den sog. Devisenprozessen gegen katholische Geistliche ist das erste Mal ein hochrangiger Kirchenvertreter betroffen.
Der Schweizer Theologe Karl Barth, der nach dem Entzug der Lehrbefugnis an der Bonner Universität im Frühjahr 1935 in Basel lehrt, wird in Wuppertal festgenommen und aus dem Deutschen Reich ausgewiesen. Er hielt sich zu einem Vortrag für die oppositionelle Bekennende Kirche in der Stadt auf.
Gedrängt durch das Militär, tritt in Athen die griechische Regierung unter Ministerpräsident Panajotis Tsaldáris zurück. Sein Nachfolger wird der bisherige Kriegsminister Georg Kondylis. Das Parlament setzt daraufhin das republikanische Regime zugunsten der monarchischen Verfassung von 1911 außer Kraft.
Der 1934 erbaute, 165 m hohe Funkturm in Langenberg (Rheinland) wird durch einen Wirbelsturm zerstört.

11.10.1935
Der Völkerbund in Genf beschließt wegen des Überfalls auf Abessinien Sanktionen gegen Italien.
In der ägyptischen Hafenstadt Alexandria findet eine gemeinsame britisch-ägyptische Parade der See- und Landstreitkräfte statt. Weite Kreise in Ägypten fühlen sich angesichts des Abessinienkrieges durch die Nachbarschaft zu der italienischen Kolonie Libyen bedroht und drängen Großbritannien, das 1922 sein Protektorat beendete, zu militärischem Schutz.

12.10.1935
Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky verbietet dem deutschen Rundfunk, » Nigger-Jazzmusik « zu senden. In seiner praktischen Auslegung betrifft das Verbot alle ausländische Unterhaltungsmusik.
In Anwesenheit von Luftfahrtminister Hermann Göring wird in Berlin das Richtfest für das neue Reichsluftfahrtministerium gefeiert.
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, erhält ein Mitbestimmungsrecht bei der Ernennung von höheren Beamten.

13.10.1935
Reichsweit findet der erste "Eintopfsonntag" des Winterhilfswerks (WHW) statt. Allein in Berlin sammeln 75 000 Helfer Spenden für das WHW.
Die "Reichsjugendführung" macht einen Gesundheitspaß für sämtliche Angehörige der Hitlerjugend (HJ) obligatorisch. Der Aufnahmetag in die HJ wird einheitlich auf den 20. April, Adolf Hitlers Geburtstag, festgelegt. Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach erklärt hierzu auf einer HJ Veranstaltung in Limburg an der Lahn: "Wer Hitler dient, dient Deutschland, wer Deutschland dient, dient Gott!"
In Barcelona wird das Drama "Doña Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen" des spanischen Schriftstellers Federico García Lorca uraufgeführt.
Ein Fußballänderspiel gegen Lettland gewinnt Deutschland in Königsberg 3:0.

14.10.1935
Der deutsche Revuefilm "Leichte Kavallerie" wird in Berlin uraufgeführt. Unter der Regie von Werner Hochbaum gibt Marika Rökk als Hauptdarstellerin ihr Filmdebüt.
In Ankara verfügt die türkische Regierung die Auflösung aller Freimaurerlogen in der Türkei und die Überführung ihres Besitzes in Staatseigentum. Drei Kabinettsmitglieder und 60 Abgeordnete gehören selbst Freimaurerlogen an.

15.10.1935
Wegen Verbreitung sozialdemokratischer Druckschriften verurteilt das Oberlandesgericht Hamburg fünf Sozialdemokraten zu insgesamt 16 Jahren Zuchthaus.
Auf Wunsch Adolf Hitlers erscheint im Koehler-Verlag in Leipzig das Buch "Die Straßen Adolf Hitlers" über den Bau der Reichsautobahnen. Nach einer Anordnung des Reichsnährstandes werden Herstellung und Verkauf von Schlag- und Kaffeesahne im Deutschen Reich zugunsten der Butterproduktion um 40% gekürzt.
Aus den Wahlen zum kanadischen Parlament geht die liberale Partei als Sieger hervor. William Lyon Mackenzie King übernimmt das Amt des Premierministers von dem Konservativen Richard Bedford Bennett.

16.10.1935
In einem Aufruf weist der Polizeipräsident von Nürnberg, Bruno Martin, darauf hin, dass fast die Hälfte aller Autounfälle auf zu schnelles Fahren zurückzuführen seien. Er werde in Zukunft nicht zögern, Autofahrer, die zu schnell fahren, für mehrere Monate in Konzentrationslager einzuweisen.

17.10.1935
Das vom Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten, Hanns Kerrl, eingesetzte "Neutrale Komitee" für die Reorganisation der evangelischen Kirchen verfaßt ein Manifest, in dem es heißt, die evangelische Kirche habe loyal und gehorsam zu Volk, Reich und Führer zu stehen. Sie solle das Streben nach Freiheit und nationaler Ehre sowie die sozialistische Bereitschaft, für die Volksgemeinschaft das Leben zu opfern, bejahen.
Hans Schweitzer, der unter dem Pseudonym "Mjölnir" schon vor 1933 Karikaturen in der NS-Presse veröffentlichte, wird zum Reichsbeauftragten für künstlerische Formgebung ernannt.
In Wien bildet der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg seine zweite Regierung.
Der deutsche Kriminalfilm "Ich war Jack Mortimer" wird in Hamburg uraufgeführt. Unter der Regie von Carl Froelich spielen u.a. Adolf Wohlbrück, Marie-Luise Claudius und Sybille Schmitz.

18.10.1935
In Berlin wird das "Gesetz zum Schutz der Erbgesundheit des deutschen Volkes" bekanntgegeben. Vor der Eheschließung ist ein sog. Ehetauglichkeitszeugnis nachzuweisen, das vom Gesundheitsamt ausgestellt wird.
Der Volksgerichthof in Berlin verurteilt zwei enge Mitarbeiter Otto Strassers zu langjährigen Haftstrafen. Herbert Blank wird wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu vier, der ehemalige Kreisleiter Walter Schreck zu zehn Jahren Haft verurteilt. Blank und Strasser gehören zu den bekanntesten Vorkämpfern der revolutionären, nationalsozialistischen Organisation "Schwarze Front", Schreck stand in Prag mit der illegalen Leitung der "Schwarzen Front" in Verbindung.
Propagandaminister Joseph Goebbels ernennt nach dem Rücktritt von Fritz Scheuermann den württembergischen Staatsminister Oswald Lehnich zum Präsidenten der Reichsfilmkammer. Scheuermann war von einem Denunzianten bei Goebbels Sonderbeauftragten Hans Hinkel als Freimaurer, Feigling und Nichtarier angezeigt worden.
Der deutsche Film "Liebesleute" (Regie: Erich Waschneck) wird in Berlin uraufgeführt. In den Hauptrollen sind Gustav Fröhlich und Heinrich Schroth zu sehen.
In einem Vortrag in New York gibt Prof. Leopold Ruziçka von der Technischen Hochschule Zürich bekannt, dass ihm die künstliche Herstellung des männlichen Sexualhormons Testosteron gelungen sei.
Der italienische 13.000-t-Passagierdampfer "Ausonia" wird im Hafen von Alexandria durch ein Feuer völlig zerstört. Sieben Besatzungsmitglieder sterben in den Flammen, weitere werden verletzt.

19.10.1935
Adolf Hitler spricht anlässlich des Führerappells an den nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK) im Coburger Rathaussaal. Er erinnert an die Bedeutung Coburgs beim Kampf um die Macht und erklärt vor den alten Kämpfern, er werde niemals kapitulieren.
In Berlin wird das "Reichsinstitut für Geschichte des Neuen Deutschlands" feierlich eröffnet. Walter Frank wird zum Präsidenten ernannt.

20.10.1935
Das Buch "Gedenkhalle für die Gefallenen des Dritten Reichs" erscheint, dem Adolf Hitler folgendes Geleitwort voran geführt hat: "Die Männer, von denen diese Blätter reden, sind als Soldaten der nationalsozialistischen Revolution im Kampf um Deutschlands Befreiung und Neugestaltung gefallen. Ihre große Sehnsucht ist heute in Erfüllung gegangen. Aus ihrem Blute ist die Saat einer besseren Zukunft aufgesprossen, ihr Opferblut wurde zu einem Bollwerk, dass ihr einstiges Symbol als Fahne des Dritten Reichs trägt."
"Der lange Marsch" Mao Zedongs und seiner kommunistischen Armee geht nach etwa einem Jahr in Yenan zu Ende. Etwa 100.000 Kommunisten waren im Oktober 1934 von ihrer Basis in den südchinesischen Provinzen Kiangsi und Fukien aufgebrochen, um den anrückenden Streitkräften Chiang Kai-sheks zu entkommen.
In einem Fußballänderspiel in Leipzig schlägt die deutsche Mannschaft die Auswahl Belgiens 4:2.

21.10.1935
Der bereits 1933 erfolgte Austritt des Deutschen Reichs aus dem Völkerbund wird nach Zahlung von fünf Mio. Schweizer Franken (rund 4,045 Mio. RM) an rückständigen Mitgliedsbeiträgen rechtswirksam.
Der Führer der Sudetendeutschen Partei (SdP), Konrad Henlein, fordert auf einer sudetendeutschen Großkundgebung in Teplitz-Schönau den baldigen Anschluß der »sudetendeutschen Lande« an das Deutsche Reich.
Argentinien tritt dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag als Mitglied bei. Das Land ist seit 1920 auch Mitglied im Völkerbund, dem der IGH assoziiert ist. Das Rechtssprechungsorgan fällt Schiedssprüche bei Streitigkeiten zwischen verschiedenen Ländern.

22.10.1935
Ministerpäsident Hermann Göring übergibt im Auftrag Adolf Hitlers Generalfeldmarschall August von Mackensen die Staatsdomäne Brüssow bei Stettin als Erbhof. Für die Umbaumaßnahmen und die Neugestaltung stellte die Reichskasse 350.000 Reichsmark zur Verfügung.
Auf einer Besprechung des Vorstandes der Exil-SPD, "Sopade", in Prag wenden sich der Leiter des Exilvorstandes, Otto Wels, und das Vorstandsmitglied Erich Ollenhauer gegen die Einheitsfront mit der KPD.
In einer Presseanweisung des Propagandaministeriums wird angeordnet, dass erst dann über Störungen bei Uraufführungen berichtet werden darf, wenn die Haltung des Reichsdramaturgen zu den Zwischenfällen eingeholt worden ist.
Am Kölner Opernhaus werden die bayerischen Tanzbilder "Georgica" von Werner Egk uraufgeführt.

23.10.1935
Führer und Reichskanzler Adolf Hitler erörtert mit dem Generalkonsul von Saucken die Ergebnisse der Memel-Wahl und sie reden über die Möglichkeiten der Wiedergewinnung des Memelgebietes für Deutschland. Am gleichen Tag hat er in Berlin eine Unterredung mit dem Führer des Reichskriegsbundes Kyffhäuser Oberst a. D. Reinhard, die mit der Auflösung des Stahlhelm zu tun hat.
Theodor Adrian von Renteln wird zum Leiter des Obersten Disziplinarehrenhofes der Deutschen Arbeitsfront ernannt. Der Oberste Disziplinarehrenhof hat die Aufgabe, den Beschwerdeweg innerhalb der Organisation zu regeln und "asoziale Elemente" aus ihr zu entfernen.

24.10.1935
Wegen "Devisenvergehen" verurteilt ein Berliner Schöffengericht den Generalvikar des Bistums Hildesheim, Otto Seelmeyer, zu viereinhalb Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrenverlust. Der Generalsekretär des Bonifatiusvereins in Paderborn, Wilhelm Freckmann, erhält fünf Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrenverlust.
Der Ufa-Film "April, April" mit Carola Höhn, Albrecht Schönhals, Werner Finck u.a. wird in Berlin uraufgeführt. Regie führt Detlef Sierck.

25.10.1935
Reichsinnenminister Wilhelm Frick ordnet die Beseitigung der Hoheitsgrenzpfähle der deutschen Länder an, die nach dem Wegfall der Eigenstaatlichkeit ihre Bedeutung verloren haben.
Reichsaußenminister Konstantin Freiherr von Neurath kündigt seinen Rücktritt für den Fall an, dass Hitlers außenpolitischer Ratgeber Joachim von Ribbentrop zum Staatssekretär im Auswärtigen Amt ernannt wird.
In Süd-Wales geht ein einwöchiger Untertagestreik der Bergarbeiter zu Ende. Die Zechenbesitzer waren auf die Forderungen der Arbeiter eingegangen, die gegen die Beschäftigung von nichtorganisierten Arbeitern protestiert hatten.

26.10.1935
Der Reichskommissar im Saargebiet Josef Bürckel ordnet fleisch- und butterlose Tage für das Saarland an. Wegen der Knappheit - besonders von Schweinefleisch - sollen Beamte zu Gunsten von Arbeitern an zwei bis drei Tagen in der Woche auf diese »kostbaren« Lebensmittel verzichten.
Die Operette "Liebesolympiade" von Ralf Maria Siegel wird an den Städtischen Bühnen Düsseldorf uraufgeführt.

27.10.1935
Auf Anordnung Hitlers werden die Aufnahmebedingungen für den Eintritt in die NSDAP geändert. Angehörige der Hitlerjugend (HJ) können künftig nach Vollendung des 18. Lebensjahres, und Angehörige des Bund Deutscher Mädel (BDM) nach Vollendung des 21. Lebensjahres Mitglieder in der Partei werden, wenn sie der HJ bzw. dem BDM vorher mindestens vier Jahre lang angehört haben.
Auf Veranlassung des Weltrundfunkvereins veranstalten 31 Länder eine zweistündige "Weltringsendung".
Die in den USA im Exil lebenden deutschen Nobelpreisträger Albert Einstein und der Schriftsteller Thomas Mann befürworten die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Publizisten und Regimekritiker Carl von Ossietzky, der seit Februar 1934 im KZ Papenburg-Esterwegen inhaftiert ist.
Am Opernhaus Düsseldorf werden die Tanzballade "Gaukelei" von Rudolf von Laban und das Ballett "Rosario la tirana" von Juan Manén uraufgeführt.

28.10.1935
2000 Menschen sterben bei einer Überschwemmungskatastrophe auf Haiti. Eine Woche lang hatte ein Hurrikan große Verwüstungen angerichtet und schwere Regenfälle mit sich gebracht.

29.10.1935
In einem RundErlass des Geheimen Staatspolizeiamtes in Berlin an alle Polizeistellen wird bekanntgegeben, dass das Redeverbot das am 21. Februar gegen den jüdischen Philosophen Martin Buber verhängt worden war, teilweise aufgehoben wird. Buber wird gestattet, sein Amt als Lehrer für die Mittelstelle jüdischer Erwachsenenbildung weiter auszuführen, da er durch diese Tätigkeit die Auswanderung junger Juden nach Palästina fördere.
In einer Pressemitteilung des Propagandaministeriums werden Veröffentlichungen über die neue Radioröhre, die 1936 auf den Markt kommen soll und eine wesentliche Neuerung darstellt, verboten. Eine vorzeitige Propaganda würde den gegenwärtigen Verkauf von Radios mit den alten Röhren behindern.
In Bolivien erregt ein Skandal um die US-amerikanische Firma Standard Oil großes Aufsehen. Die Firma hatte heimlich eine Pipeline von den ÖIfeldern am Fluß Bermejo bis an die argentinische Grenze gebaut.

30.10.1935
Im bisher größten Devisenprozeß verurteilt das Berliner Landgericht eine Ordensschwester zur Höchststrafe von zehn Jahren Zuchthaus und 250 000 RM Geldstrafe.
In Leipzig wird der deutsche Film "Der Mann mit der Pranke" unter der Regie von Rudolf van der Noss uraufgeführt. In den Hauptrollen spielen Paul Wegener, Rose Stradtner, Grethe Weiser.

31.10.1935
Der Verband der Evangelischen Gesellenvereine Deutschlands und der Kartellverband farbentragender Katholischer Studentenvereinigungen lösen sich unter dem Druck der NSDAP auf.
Im Berliner Ufa-Palast wird der deutsche Abenteuer- und Kriminalfilm "Einer zuviel an Bord" uraufgeführt. Unter der Regie von Gerhard Lamprecht spielen u.a. René Deltgen, Rudolf Platte und Grethe Weiser.

Höhepunkt dieser Festkultur waren die sorgfältig geplanten Schauveranstaltungen der Aufmärsche, Paraden, Appelle, Totengedenken und Wehrmachtsvorführungen, die in ihrer Repräsentation den Charakter einer offiziellen Staatsfeier trugen, die durch Presse, Rundfunk und Wochenschau verbreitet wurden und ihre Wirkung in der ganzen Welt nicht verfehlten.                 

Höhepunkt dieser Festkultur waren die sorgfältig geplanten Schauveranstaltungen der Aufmärsche, Paraden, Appelle, Totengedenken und Wehrmachtsvorführungen, die in ihrer Repräsentation den Charakter einer offiziellen Staatsfeier trugen, die durch Presse, Rundfunk und Wochenschau verbreitet wurden und ihre Wirkung in der ganzen Welt nicht verfehlten.                 

Seit 27. September im Dienst, die Flottille »Weddigen«. Fregattenkapitän Karl Dönitz, erklärte in einer Ansprache die Gründe für die Benennung folgendermaßen: „Wir Männer von der U-Boot-Flottille Weddigen haben das Vermächtnis zu wahren des heldenhaften Mannes, der bahnbrechend – ein Führer der neuen Waffe – durch Kühnheit und Können dem Gegner die ersten schweren Wunden schlug.“ Die Indienststellung der U-Boot-Flottille markierte den Beginn der Wiederaufrüstung der deutschen Kriegsmarine mit U-Booten. Zunächst bestand die Flottille aus sechs U-Booten, sowie einem Torpedoboot und dem Flottentender Saar. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war die U-Boot-Flottille Weddigen in Kiel stationiert.                 

Seit 27. September im Dienst, die Flottille »Weddigen«. Fregattenkapitän Karl Dönitz, erklärte in einer Ansprache die Gründe für die Benennung folgendermaßen: „Wir Männer von der U-Boot-Flottille Weddigen haben das Vermächtnis zu wahren des heldenhaften Mannes, der bahnbrechend – ein Führer der neuen Waffe – durch Kühnheit und Können dem Gegner die ersten schweren Wunden schlug.“ Die Indienststellung der U-Boot-Flottille markierte den Beginn der Wiederaufrüstung der deutschen Kriegsmarine mit U-Booten. Zunächst bestand die Flottille aus sechs U-Booten, sowie einem Torpedoboot und dem Flottentender Saar. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war die U-Boot-Flottille Weddigen in Kiel stationiert.                 

Der Italienisch-Äthiopische Krieg

Im Jahr 1932 wurden Pläne für eine Invasion von Äthiopien geschmiedet. General Emilio De Bono wurde Ende 1934 als Oberbefehlshaber der Invasionstruppen ernannt. 1934 kam es im Ogadensich zu verschiedenen Grenzzwischenfällen, bei denen eini­ge somalische Askaris (einheimische Soldaten bzw. Polizisten im Dienste der italienischen Kolonialtruppen) von äthiopischen Grenz­truppen getötet wurden. Am 3. Oktober 1935 marschierten italienische Truppen (etwa 330.000 Sol­daten und 87.000 Askaris) in Äthiopien ein. Es gelang ihnen zwar schnell, die Städte Adua und Axum zu erobern, im gebirgigeren Teil Äthiopiens kam die militärische Operation aber bald ins Stocken. Teilweise konnten die schwä­che­ren äthio­pi­schen Truppen (die teilweise noch barfuß und nur mit Speeren bewaffnet kämpften!) sogar zum Gegenangriff übergehen. Der Einmarsch der Italiener führte dazu, dass im Oktober 1935 der Völ­ker­bund Sanktionen ge­gen Italien verhängte. De Bono wurde nach nur 45 Tagen im Amt wegen des Misserfolgs von Mussolini seines Amts enthoben und durch Feld­marschall Pietro Badoglio ersetzt. Badoglio formierte die Truppen um und ging zu pausenlosen Angriffen über.

die sozialen Errungenschaften im Deutschen Reich waren einzigartig und es gab auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares

Eduard Benes

Hans F. K. Günther

Hanns Johst

Hans Albers

Attila Hörbiger

Bernd Rosemeyer

Artur Dinter

Marika Rökk

Hans Herbert Schweitzer

Theodor Adrian von Renteln

Carola Höhn

Albrecht Schönhals

Werner Finck

Martin Buber

Wappen der 1. U-Flottille Weddigen
Das U-Boot-Begleitschiff Saar zusammen mit der 1. U-Flottille Weddigen in Kiel.
U-Begleitschiff Saar und U-Boote der Flottille Weddigen

Rede von Adolf Hitler zu den Nürnberger Gesetzen

Film von Leni Riefenstahl über den 7. Reichsparteitag

 
Sie können die einzelnen Bilder anklicken und die detailierten Ereignnisse dieser Zeit in der großen Chronik von 1933-45 nachlesen